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| author | Eugen Wissner <belka@caraus.de> | 2025-11-05 09:33:23 +0100 |
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| committer | Eugen Wissner <belka@caraus.de> | 2025-11-05 09:33:23 +0100 |
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| -rw-r--r-- | themes/posts/2021/01/schuld.tex | 59 |
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diff --git a/themes/posts/2021/01/schuld.tex b/themes/posts/2021/01/schuld.tex deleted file mode 100644 index 7c1f3dd..0000000 --- a/themes/posts/2021/01/schuld.tex +++ /dev/null @@ -1,59 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2021-01-18 08:09:45 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Schuld -teaser: | - <p>Der ästhetische Mensch kennt keine Schuld, weil er sein Leben seinen - Leidenschaften allein widmet, ohne Rücksicht auf etwas anderes zu nehmen. Er - bereut nichts, fühlt sich nicht schuldig. In den von Victor Eremita - herausgegebenen Papieren findet sich die Ansicht, dass die Schuld dem - Individualismus entspringt. Ein Individuum kann nicht mehr sein Schicksal, - seinen Stamm und dessen Götter für sein Leid verantwortlich machen. Das - Individuum ist alleine seines Glückes Schmied. Diese Verantwortung, alles - unter Kontrolle zu haben, ist kaum zu ertragen. Das Religiöse bringt Erlösung - und befreit mittels eines Ritus von der individuellen Schuld.</p> ---- -Der ästhetische Mensch kennt keine Schuld, weil er sein Leben seinen -Leidenschaften allein widmet, ohne Rücksicht auf etwas anderes zu nehmen. Er -bereut nichts, fühlt sich nicht schuldig. In den von Victor Eremita -herausgegebenen Papieren findet sich die Ansicht, dass die Schuld dem -Individualismus entspringt. Ein Individuum kann nicht mehr sein Schicksal, -seinen Stamm und dessen Götter für sein Leid verantwortlich machen. Das -Individuum ist alleine seines Glückes Schmied. Diese Verantwortung, alles -unter Kontrolle zu haben, ist kaum zu ertragen. Das Religiöse bringt Erlösung -und befreit mittels eines Ritus von der individuellen Schuld. - -Nietzsche stellt dieses Verhältnis vom Ästethischen und Religiösen auf den -Kopf und sagt, dass die Schuld erst durch das Religiöse in die Welt kommt. -„Nur aesthetisch giebt es eine Rechtfertigung der Welt. Gründlicher -Verdacht gegen die Moral (sie gehört mit in die Erscheinungswelt).“ -(Friedrich Nietzsche. Kritische Studienausgabe, 2 [110], Zur „Geburt der Tragödie“). - -Dem modernen Menschen ist das Religiöse genauso fremd wie das Ästhetische, -deswegen steckt er zwischen diesen 2 Stadien, im Ethischen: sei ein treuer -Freund, ein guter Familienmensch, ein rechtschaffener Bürger. Aber kein -Mensch ist unfehlbar. Und man verschuldet sich immer mehr und schämt sich -dafür, was er getan oder nicht getan hat. - -Eine neue Weisheit lehrt, dass wir an unserem Leid selbst schuld sind, -weil wir falsch denken. So versuchen wir richtig zu denken -und unser Leid unter Bergen eingeprägter Parolen zu vergraben: „Hauptsache -glücklich sein“, „weniger denken“, „sei du selbst“, „denke positiv“. - -Das moderne Ethische hat keine Begründung, keinen Halt. Es ist einfach da, -ab dem Moment, in dem unsere Mutter uns verbietet, Finger in eine -Steckdose zu stecken, bis zum Moment, in dem wir unsere krankhaften Augen -eines Morgens vor Scham und Schmerzen nicht mehr öffnen können. Dieses Herumirren -im Ozean des Ethischen haben wir irrtümlicherweise als Freiheit oder freie -Entfaltung bezeichnet. So sind wir entweder daran schuld, dass wir keine -rechtschaffenen Bürger, guten Nachbarn, treuen Ehegatten sind, daran, dass wir -nicht normal sind; oder eben daran, dass wir rechtschaffene Bürger, gute -Nachbarn, treue Ehegatten sind, daran, dass wir normal sind (denn wir seien dann -offensichtlich nicht wir selbst, sondern wir spielen eine Gesellschaftsrolle). -„Heirate, du wirst es bereuen; heirate nicht, du wirst es auch bereuen; -entweder du heiratest oder du heiratest nicht, du bereust beides.“ -(„Entweder-Oder“, Sören Kierkegaard). So versucht der Mensch -glücklich zu sein und scheitert, und fühlt sich deswegen schuldig, weil -die wahre Glückseligkeit nach Plato unabhängig von allen äußeren Faktoren -sei, und verzweifelt daran, dass er nicht stark genug sei, glücklich zu sein. |
