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| author | Eugen Wissner <belka@caraus.de> | 2025-11-05 09:33:23 +0100 |
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diff --git a/themes/posts/2011/07/erortern-sie-warum-die-judische-kultur.tex b/themes/posts/2011/07/erortern-sie-warum-die-judische-kultur.tex deleted file mode 100644 index 1c3b3c1..0000000 --- a/themes/posts/2011/07/erortern-sie-warum-die-judische-kultur.tex +++ /dev/null @@ -1,54 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2010-10-18 05:54:00 -tags: Aufsatz -title: Erörtern Sie, warum die jüdische Kultur von großer Bedeutung für Europa ist -teaser: | - <p> - Schon seit dem ersten Jahrhundert vor Christus war Israel unter der römischen - Herrschaft, wodurch die Juden schon damals in Europa zu finden waren. Sie - werden aber in alle Zeiten verfolgt und verhasst. Die Kreuzzüge und der zweite - Weltkrieg, wärend dessen die Juden systematisch vernichtet wurden, können als - Beispiele dafür dienen. Aber die Nation, die eine so reiche Geschichte hat, hat - einen Einfluss auf die Europäer genommen, der nicht zu leugnen ist. - </p> ---- -Schon seit dem ersten Jahrhundert vor Christus war Israel unter der römischen -Herrschaft, wodurch die Juden schon damals in Europa zu finden waren. Sie -werden aber in alle Zeiten verfolgt und verhasst. Die Kreuzzüge und der zweite -Weltkrieg, wärend dessen die Juden systematisch vernichtet wurden, können als -Beispiele dafür dienen. Aber die Nation, die eine so reiche Geschichte hat, hat -einen Einfluss auf die Europäer genommen, der nicht zu leugnen ist. - -Als erstes muss man sich daran erinnern, dass die europäische Kultur sehr stark -vom Christentum geprägt ist. Und das Christentum seinerseits entstand unter -Juden und erbte von ihnen sehr viel. Das alte Testament, die heilige Schrift -des Judentums, ist ein Teil der christlichen Bibel. - -Dann möchte ich darauf hinweisen, dass Hebräisch mit vielen Sprachen verwandt -ist. Die europäischen Sprachen stammen entweder aus dem Lateinischen oder -Slawischen, die ihren Ursprung im Griechischen haben. Die Verwandtschaft des -Griechischen mit dem Hebräischen kann man erkennen, wenn man ihre Alphabete -vergleicht, wobei man merkt, dass viele Buchstaben fast gleich ausgesprochen -werden. Die Juden in Europa hatten auch ihre eigenen Sprachen: Jiddisch und -Ladino. Und sowohl einige Wörter als auch einzelne Besonderheiten der Grammatik -gelangten über sie ins Deutsche. - -Und das Wichtigste ist, dass viele bedeutendsten Künstler, Musiker, -Philosophen, Schriftsteller und Wissenschaftler ursprünglich Juden waren. Es -gibt die Namen, die fast jeder seit der Schule kennt, deren Herkunft aber -unbekannt ist. Albert Einstein, einer der berühmtesten Physiker des zwanzigsten -Jahrhunderts, Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, Baruch de -Spinoza, Verbreiter des Pantheismus im Westen, Jakob Ludwig Felix Mendelssohn -Bartholdy, Pianist und Organist, stammten aus den jüdischen Familien. Dazu -gehören noch solche Maler wie Marc Chagall und Kasimir Sewerinowitsch -Malewitsch. Ihre Bilder waren sehr abstrakt, was damit zusammenhängt, dass das -Judentum das Bilderverbot hat und keine wirkliche Natur malen darf. So diente -diese Tradition der Verbreitung einer neuen Art der Malerei. Man sollte auch -große Schriftsteller wie Franz Kafka und Heinrich Heine nicht vergessen. - -Ich halte es für besonders wichtig, dass die Menschen lernen zu verstehen, -woher ihre Kultur kommt und was für eine Rolle sie für die ganze Gesellschaft -spielt. Dadurch könnte man viele schlechte Ereignisse in der menschlichen -Geschichte vermeiden. Jeder, der will, kann sehen, dass die europäische Kultur -unter dem starken Einfluss anderer, und besonders der jüdischen, entstand. diff --git a/themes/posts/2011/08/beruhmte-zeitgenossen-goethes.tex b/themes/posts/2011/08/beruhmte-zeitgenossen-goethes.tex deleted file mode 100644 index 56d6eac..0000000 --- a/themes/posts/2011/08/beruhmte-zeitgenossen-goethes.tex +++ /dev/null @@ -1,63 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-08-19 04:51:00 -tags: Aufsatz -title: „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe. Teil 1. Berühmte Zeitgenossen Goethes -teaser: - <p> - Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Johann Gottlieb Fichte, - Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven. - </p> ---- -\subsection{Immanuel Kant (1724 --- 1804)} - -Goethe schätzte Kants „Kritik der Urteilskraft“ lebenslang sehr hoch und empfahl -das Werk zu studieren.\footcite{online:kant-und-goethe} - -Kant trennte die empirische Welt, die Phänomene, von der Welt der Dinge an sich, -der Noumenon, und behauptete, dass die menschliche Vernunft die Grenzen der -sinnlich erfahrbaren Welt nicht überschreiten könnte. Unsere Kenntnisse können -nach Kant nur empirisch bekommen werden und dann mit Denken bearbeitet -werden.\footcite[272]{morris:philosophy-for-dummies} Philosophie ist sehr praktisch -für Kant. Eine große Rolle spielten Moral und Sittlichkeit für ihn. Seine From -der Ethik ist als kategorischer Imperativ geäußert: „Handle so, daß die Maxime -deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung -gelten könne.“\footcite[125]{morris:philosophy-for-dummies} - -\subsection{Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 --- 1831)} - -Für Goethe gibt es nur die einzige Idee und alle anderen Sachen, die wir sehen, -an die wir denken, über die wir reden, sind nur Manifestationen von dieser Idee. -Alle pluralische Sachen haben eine -Ursache.\footcite{online:goethes-weltanschauung} - -Dieser Gankengang ist sehr nah zur Philosophie von Hegel, der der wichtigste -Philosoph des deutschen Idealismi war. „Hegel glaubte, dass der objektive, bzw.\ -absolute Geist alles sei, was real ist.“\footcite[272]{morris:philosophy-for-dummies} - -\subsection{Johann Gottlieb Fichte (1762 --- 1814)} - -Fichte und Goethe kannten einander und schrieben aneinander. Goethe -interessierte sich für Fichte nicht als für Philosoph sondern als für -Naturforscher und war von Johann Gottlieb im Bereich der Naturansichten -beeinflusst.\footcite{schriften-der-goethe-gesellschaft-71} - -Fichte schrieb Werke sowohl über Politik und Gesellschaft als auch über -Wissenschaftslehre. - -\subsection{Wolfgang Amadeus Mozart (1756 --- 1791)} - -Goethe führte mehrmals Mozarts Opern auf. - -Mozart war Genie. In kürzer Zeit schrieb er immer mehr Werke. Er machte Musik -für alle Musikgattungen, aber besonders für Klavier. - -\subsection{Ludwig van Beethoven (1770 --- 1827)} - -Beethoven und Goethe sind im Jahre 1812 zusammengetroffen und hatten dann -freundschaftliche Beziehungen zueinander. Beethoven hat einige von Goethes -Gedichten, u.a.\ „Egmont“, vertont. - -Beethoven hat die Rolle des Komponisten geändert: „Der Komponist wurde nicht -mehr als jemand gesehen, der Auftragsarbeiten ausführt…, sondern als -Künstler…“\footcite{online:mozart-250} diff --git a/themes/posts/2011/08/das-balladenjahr.tex b/themes/posts/2011/08/das-balladenjahr.tex deleted file mode 100644 index 15a5ffb..0000000 --- a/themes/posts/2011/08/das-balladenjahr.tex +++ /dev/null @@ -1,61 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-08-21 20:16:00 -tags: Aufsatz -title: „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe. Lesetagebuch. Teil 2. Das Balladenjahr -teaser: | - <p> - 1797 wurde als Balladenjahr bezeichnet. Dem Jahr hat Schiller den Namen - gegeben, weil Deutschland aus Werken - von Schiller und Goethe in diesem Jahr eine neue Literaturgattung bekommen hat, - und selbst die Ballade eine neue Bedeutung gekriegt hat. - </p> ---- -1797 wurde als Balladenjahr bezeichnet. Dem Jahr hat Schiller den Namen -gegeben\footcite{online:schillers-birth-1997}, weil Deutschland aus Werken -von Schiller und Goethe in diesem Jahr eine neue Literaturgattung bekommen hat, -und selbst die Ballade eine neue Bedeutung gekriegt hat. - -Die Balladen waren -schon lange vorher bekannt. Das Wort stammt aus romanischen Ländern von -lateinischem ballare (tanzen) und so wurden Tänze genannt, bei denen ein Gedicht -vom Tanzenden gesungen wurde. Im 14. Jahrhundert verliert der Begriff „Ballade“ -die Bedeutung von einem Tanz aber sie ist weiterhin ein gesungenes -Gedicht.\footcite{online:buecher-wiki-ballade} - -Seit 1797 beschäftigte -sich die beiden großen Dichter mit Studien von antiken Klassikern. Das hat zur -Folge eine Diskussion über Inhalt und Form eines literarischen Werkes, „besonders -über das Wesen des Epischen und Dramatischen.“\footcite{online:schillers-birth-1997} -Danach ging es mit Schreiben von Balladen los. Eine Ballade enthält in sich mehrere Arte -von Literatur. Das ist eine Erzählung, die in der Form eines Gedichtes aufgebaut ist. -Sie ist einem Märchen ähnlich, das im übertragenen Sinnn eine große Bedeutung hat. -Und diese Märchen, diese Geschichten, mit Helden, Hexen, Rittern, Königen sind auch -aktuell in der Zeit der Infrormation und der Technologie. - -Die Balladen sind neue -Poesie, da die eine Gattungsmischung aus allen „drei Grundarten der Poesie“ sind, -„lyrisch, episch, dramatisch beginnen und, nach Belieben die Formen wechselnd, -fortfahren“\footcite[400]{goethe:hamburger}. „Lyrische Dramen, dramatischen -Novellen oder episches Theater sind unbestreitbar Begriffe der neueren -Poetik.“\autocite[19f]{mueller-seidel:ballade} Darin gibt es viele Gefühle, -Handlungen, Hoffnungen, Leid und dann am Ende eine Kulmination mit der Lösung des -Problems, vor dem der Autor den Leser stellt. - -\begin{quote} -Balladendichtung. Ein Stück Welt -öffnet sich, in dem es dröhnt von dem Hufschlag anstürmender Pferde, Rüstungen blitzen, -herrische Rufe werden laut, es gibt nur Sieg oder Tod im Zusammenprall, aber über dem -Sterbenden noch steht das Ziel, dem er treu blieb, und der einzelne wird zu einem aud -der Schar der ewig männlichen Kämpfer.\footcite[VII]{kayser:ballade} -\end{quote} - -Im 1797 von Goethe wurden geschrieben: „Der Schatzgräber“, „Die Braut von Corinth“, -„Der Gott und die Bajadere“ und „Der Zauberlehrling“; von Schiller: „Der Ring des Polykrates“, -„Der Taucher“, „Der Handschuh“ und „Die Kraniche des Ibykus“. - -Eine Ballade besteht aus gereimten Strophen und kann, wie ein Lied, einen Refrain haben. - -Die Balladen wurden auch später entwickelt, z. B. sozialkritische Balladen von Heinrich Heine. -Dann folgen neue Balladen im 20. Jahrhundert, die auch satirisch sein konnten. In manchen -Ländern entstanden Balladen in Form der Volkslieder.\footcite{online:buecher-wiki-ballade} diff --git a/themes/posts/2011/08/interpretieren-sie-welche-aussage-das.tex b/themes/posts/2011/08/interpretieren-sie-welche-aussage-das.tex deleted file mode 100644 index 94190aa..0000000 --- a/themes/posts/2011/08/interpretieren-sie-welche-aussage-das.tex +++ /dev/null @@ -1,92 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-08-05 05:28:00 -tags: Aufsatz -title: Interpretieren Sie, welche Aussage das Lied „Letzter Tag“ besitzt -teaser: | - <p> - Das vorliegende Lied „Letzter Tag“ ist vom deutschen Musikproduzenten, Sänger - und Schauspieler aus Göttingen, Herbert Grönemeyer, geschrieben worden. Es - erschien im Jahr 2002 im Album „Mensch“. - </p> ---- -Das vorliegende Lied „Letzter Tag“ ist vom deutschen Musikproduzenten, Sänger -und Schauspieler aus Göttingen, Herbert Grönemeyer, geschrieben worden. Es -erschien im Jahr 2002 im Album „Mensch“. - -Am Beginn des Liedes hört man eine langsame, traurige Musik, die eine Reihe -tiefer Fragen zum Leben begleitet, wie zum Beispiel: „Lohnen sich die Gefühle?“, -„Warum wacht man auf?“ und „Was heilt die Zeit?“. Schon an dieser Musik und -diesen Fragen kann man erkennen, dass die unglückliche Liebe das Hauptmotiv des -Werkes ist. - -Diese Fragen sind kaum zu beantworten aber der Hörer wird mit der Erwartung -erfüllt, eine Antwort des Autors auf einige von denen zu bekommen. Andere sind -ihrerseits deutlich rhetorisch. So benötigt die Frage „Weiß man, wie oft ein -Herz brechen kann?“ keine Antwort. - -Dann ändert sich die Musik, sie wird sicherer, lebendiger und beweglicher, und -es folgen die Worte, die im Laufe des Liedes immer wieder wiederholt werden: - -\begin{quote} -Ich bin dein siebter Sinn,\\ -Dein doppelter Boden,\\ -Dein zweites Gesicht. -\end{quote} - -Und das ähnelt sich schließlich dem Ruf eines einstmals vollkommenen Menschen, -eines Androgyns, der seinen zweiten, d.h.\ weiblichen Teil verloren hat. Dieses -Wortspiel: „Ich bin dein…“ klingt wie „Ich bin ein Teil von dir“ und -wiederholt sich ständig. - -Danach kommen die Zeilen, die auch mehrmals gesungen werden. Nur in der -vorletzen Strophe werden die beiden letzen Verse weggelassen, da sie durch die -letzte Strophe ersetzt werden, die ihre Bedeutung vervollständigt und erläutert. -In der dritten Stroßhe wird die Hoffnung hervorgehoben. Eine kluge, sichere -bzw.\ gute Prognose ist doch eine Prognose, die die Sicherheit und -Glückseligkeit hervorsagt. „Ein Leuchtstreifen aus der Nacht“ ist die notwendige -Hilfe, mit der man sogar nachts ein bisschen sehen kann. - -Im folgenden äußert Grönemeyer immer stärker das Vertrauen zu seiner Liebe und -das Wollen keine Geheimnisse vor ihr zu haben: „Verrat dir alle Geheimzahlen“. -Er verspricht alles für seine Gefährte zu tun, ihr ein neues Leben zu schenken, -es „auf einem goldenen Tablett“ zu servieren. Und das spricht dafür, dass sie -ihn aus dem Albtraum es Lebens rettet: - -\begin{quote} -Du holst mich aus dem grauen Tal der Tränen,\\ -Lässt alle Wunder auf einmal gescheh'n. -\end{quote} - -In der letzten Strophe wird dem Hörer besonders deutlich verraten, dass die -Frau, an die der Autor sich wendet, gar nicht da ist. Sie ist nur ein Ideal. -Viermal wird gesagt: „Ich finde dich“ aber der letzte lautet: „Ich finde dich -oder nicht“. Der Autor deutet damit an, dass seine Suche nach seinem zweiten -„Ich“ vielleicht gar kein Ergebnis haben kann. Aber er sieht in dieser Suche -offensichtlich den Sinn seines ganzen Lebens und will sie niemals aufgeben. - -Der Text des Liedes ist sehr reich an Anaphern: „Ich finde dich“ in der letzen -Strophe oder „Kannst sie…“ in der vierten. Man findet auch eine ganze Menge -von Allegorien, z.B.: - -\begin{quote} -Ich bin dein siebter Sinn,\\ -Dein doppelter Boden,\\ -Dein zweites Gesicht. -\end{quote} - -oder: - -\begin{quote} -Du bist eine gute Prognose.\\ -Das Prinzip Hoffnung… -\end{quote} - -Man stößt ferner auch auf Hyperbeln: „Wie viele Tränen passen in einen Kanal?“ -und „Tal der Tränen“. - -Eine „kluge“ Prognose kann als eine Personifikation gelten. - -Meiner Meinung nach ist das Lied ein schönes Beispiel eines Textes, in dem -moderne Wörter wie „sportlichster Wagen“ vorkommen und ein ewiges und tiefes -Gefühl der Liebe geäußert wird. Es vereinigt die Klassik mit dem Modernismus. diff --git a/themes/posts/2011/08/roman-die-fische-von-berlin-von.tex b/themes/posts/2011/08/roman-die-fische-von-berlin-von.tex deleted file mode 100644 index 5a4d181..0000000 --- a/themes/posts/2011/08/roman-die-fische-von-berlin-von.tex +++ /dev/null @@ -1,64 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-08-09 04:29:00 -tags: Aufsatz -title: Roman „Die Fische von Berlin“ von Eleonora Hummel -teaser: | - <p> - Im Buch „Die Fische von Berlin“ von Eleonora Hummel geht es um ein Mädchen - aus einer russlanddeutschen Familie, das alles von ihren Vorfahren wissen - will. Eines Tages entdeckt dieses Mädchen, Alina, die verblüffende - Gewohnheit ihres Großvaters mit einem Messer unter seinem Kissen zu - schlafen. Diesem Messer begegnet man im Laufe des Buches immer wieder. - </p> ---- -\subsection{ - Untersuchen und bewerten Sie ausgehend von Ihrer Lektüre das „Leitmotiv des - Messers“\footnote{ - Vgl. S. 17ff, 20, 36f, 43, 44, 53, 65f, 80, 83, 99, 128, 133, 144, 147, - 149, 152, 213f. - } -} - -Im Buch „Die Fische von Berlin“ von Eleonora Hummel geht es um ein Mädchen aus -einer russlanddeutschen Familie, das alles von ihren Vorfahren wissen will. -Eines Tages entdeckt dieses Mädchen, Alina, die verblüffende Gewohnheit ihres -Großvaters mit einem Messer unter seinem Kissen zu schlafen. Diesem Messer -begegnet man im Laufe des Buches immer wieder. - -Alina fand das Messer, als sie eine Aufgabe von ihrer Großmutter bekam, die -Betten im Schlafzimmer Alinas Großeltern zu machen. Die Enkelin dachte -zunächst, dass das Messer in die Küche gehört. Aber die Großmutter befahl, es -unter das Kissen zurückzulegen und sagte, dass dieses Messer gut gegen -Großvaters Krankheiten sei. Alina machte das aber nicht. Alles schien ein -rätselhaftes Geheimnis zu sein. Sie befragte alle Verwandten und keiner sagte -etwas. Die Enkelin versuchte viel später, als ihre Familie außer den Großeltern -in den Kaukasus zog, das Messer zurückgeben aber Großvater überließ es ihr und -versprach später Alles zu erklären. „Das Messer hat eine Vorgeschichte.“ - -Das Messer kaufte Großvaters Bruder, Konrad, als der Großvater nach Großen -Säuberungen in sein Dorf zurückkam „… und wenn es nur ein Kampfmesser ist, -lebend kriegen sie mich nicht noch mal“ — sagte Konrad damals. Der Großvater -antwortete, dass er seinem Bruder das Messer schenkt. Später wurden die beiden -Brüder verhaftet und in die Trudarmija geschickt. Konrad ritzte dann die -Initialen seines Namens auf dem Messer und gab es dem Großvater, weil Konrad -eine Familie hatte und sich nicht töten durfte. In der Tat war Konrad Alinas -Großvater, er ist aber verschwunden. - -Konrad Bachmeier wollte sich mit dem Messer töten, um Leiden zu vermeiden, wenn -er verhaftet wird. Dieses Taschenmesser ist Symbol seines Lebens. Und er -schickt es seinem Bruder mit der Hoffnung, dass der Großvater Konrads Leben -fortsetzen bzw. ersetzen kann. Eine Waffe kann auch ein Schutz für das Leben -sein. Der Großvater bekam deswegen mit dem Messer die Verantwortung für eine -fremde Familie. Mit dem Messer kann man auch jagen und seine Familie mit Brot -sichern. Der Großvater musste mit der Frau seines Bruders zusammenleben. -Wahrscheinlich legte er das Messer deswegen unter sein Kissen, um sich ständig -an seinen Bruder zu erinnern. - -Und als endlich die ganze Geschichte erzählt wurde, bekam Alina das Messer, -damit das Leben dieser Familie nicht beendet wird. - -Ein Messer kann nicht schlecht oder gut sein. Mit einem Messer kann man Brot -schneiden und mit demselben Messer auch Menschen töten. Der Großvater musste -seine ganzes Leben Entscheidungen treffen, wie er sich verhalten soll und dabei -konnte ihm des Bruders Messer helfen. diff --git a/themes/posts/2011/09/das-leben-und-geld.tex b/themes/posts/2011/09/das-leben-und-geld.tex deleted file mode 100644 index b6fbc3e..0000000 --- a/themes/posts/2011/09/das-leben-und-geld.tex +++ /dev/null @@ -1,13 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-12-21 21:00:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Das Geld zum Leben -teaser: | - <p> - Die Anzahl der Lebenstage ähnelt sich dem Geld: Es ist niemals genug, obwohl - beides nichts wert ist. - </p> ---- -Die Anzahl der Lebenstage ähnelt sich dem Geld: Es ist niemals genug, obwohl -beides nichts wert ist. diff --git a/themes/posts/2011/09/textzusammenfassung.tex b/themes/posts/2011/09/textzusammenfassung.tex deleted file mode 100644 index 42f956f..0000000 --- a/themes/posts/2011/09/textzusammenfassung.tex +++ /dev/null @@ -1,261 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-09-01 23:20:00 -tags: Aufsatz -title: „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe. Teil 3. Analyse der Ballade -teaser: - <p> - Es geht in der Ballade „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe, die - im Jahr 1797 erschienen ist, um einen Hexenmeister, der einmal irgendwohin - weggegangen ist und seinen Lehrling allein ließ. Der Zauberlehrling wollte seine - Macht und seinen Zauber ausprobieren und Geister im Haus steuern. Von - seinem Meister konnte er die Wörter, mit denen er diese Geister rufen könnte. - Mit Geistesstärke hat der Zauberlehrling einen Besen lebendig gemacht. Um ein - Wunder zu tun, wurde dem Besen befohlen, auf zwei Beinen zu stehen, die - schlechten Lumpenhüllen zu nehmen und ein Becken voll mit Wasser zu füllen. Der - Besen musste als Knecht dienen, zu einer Fluss laufen und Wasser bringen. - </p> ---- -\subsection{Textzusammenfassung} - -Es geht in der Ballade „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe, die -im Jahr 1797 erschienen ist, um einen Hexenmeister, der einmal irgendwohin -weggegangen ist und seinen Lehrling allein ließ. Der Zauberlehrling wollte seine -Macht und seinen Zauber ausprobieren und Geister im Haus steuern. Von -seinem Meister konnte er die Wörter, mit denen er diese Geister rufen könnte. -Mit Geistesstärke hat der Zauberlehrling einen Besen lebendig gemacht. Um ein -Wunder zu tun, wurde dem Besen befohlen, auf zwei Beinen zu stehen, die -schlechten Lumpenhüllen zu nehmen und ein Becken voll mit Wasser zu füllen. Der -Besen musste als Knecht dienen, zu einer Fluss laufen und Wasser bringen. - -Der Besen führte seine Aufgabe so behände aus, dass das seinen „Wirt“ wunderte. -Als das Ziel erreicht wurde, sagte der Zauberlehrling seinem Knecht, dass alles, -was nötig gewesen war, jetzt gemacht ist. Und er merkte gleich, dass er die -Wörter vergessen hat, mit denen er den Besen zum vorherigen Zustand hätte machen -können, und der Besen setzte fort, das Wasser zu tragen, bis das Wasser auf den -Zauberlehrling aufstürzte und das Haus angefangen hat, zu ersaufen. - -Das Haus wurde immer mehr mit Wasser gefüllt. Der Zauberlehrling war wütend und -schrie dem Besen davor, aber es war umsonst, weil der Besen nicht hören wollte. -Der Zauberlehrling hat gesagt, dass er den Besen fassen und halten will. Dann -hat der Zauberlehrling ein scharfes Beil genommen, sich auf den Besen geworfen -und ihn damit gespaltet. Sein Feind war entzwei, und der Lehrling hörte auf -sich Sorgen um ihn zu machen. - -Plötzlich sind die beiden Teile doch aufgestanden und trugen schon das Wasser zu -zweit und selbstverständlich noch schneller. Der Zauberlehrling wusste überhaupt -nicht, was er in dieser Situation machen könnte und fing an, den Meister zu -rufen. Endlich kam der erwartete Meister, den der Zauberlehrling bat zu helfen. -Der Meister hat den Besen rasch in die Ecke geschickt und gesagt, dass der -Meister für das Spiel mit Geistern zunächst gerufen werden soll. - -\subsection{Formaler Aufbau} - -Die Ballade besteht aus 14 Strophen. Jede zweite hat ein anderes Reimschema als -die anderen und ist einem Refrein ähnlich. Das sieht folgendermaßen aus: - -\begin{tabular}{l r} - Hat der alte Hexenmeister & a\\ - Sich doch einmal wegbegeben! & b\\ - Und nun sollen seine Geister & a\\ - Auch nach meinem Willen leben. & b\\ - Seine Wort und Werke & c\\ - Merkt ich, und den Brauch, & d\\ - Und mit Geistesstärke & c\\ - Tu ich Wunder auch. & d\\ - \ & \\ - - Walle! walle & e\\ - Manche Strecke, & f\\ - Daß, zum Zwecke, & f\\ - Wasser fließe, & g\\ - Und mit reichem vollem Schwalle & e\\ - Zu dem Bade sich ergieße. & g -\end{tabular} - -Ungerade Strophen bestehen aus 8 Versen, die mit Kreuzreim verbunden sind. -Gerade Strophen haben nur 6 Verse mit Reim e-f-f-g-e-g. Das Versmaß ist -Trochäus. - -Die Sätze sind meistens kurz und sind oft koordinierend verbunden, was für Leser -leicht zu verstehen ist, trotzdem sind viele Wörter vorhanden, die heute -schwierig zu kapieren sind. - -\subsubsection{Stilmittel} - -Personifikation in dieser Ballade ist der lebendige Besen, der zwar nicht -richtig denken kann, aber kann sich bewegen, Befehle ausführen. Ich würde sagen, -dass das Holz die Rolle von Menschen spielt, weil nachdem sie gespaltet worden -waren, konnten die beiden Teilen handeln. Zum Besen werden viele menschliche -Eigenschaften verwendet: böse, verrucht; er kann Knecht sein, steht auf zwei -Beinen und hat einen Kopf oben. Das Wasser kann auch als Personifikation -verstanden sein. - -Es gibt eine Antithese in der zwölften Strophe: Knechte — Mächte. - -Die Parabel sind hundert Flüsse, die auf den Zauberlehrling aufstürzen. - -Ein Zauberlehrling, ein Hexenmeister und die Geister, von denen eine Sache -lebendig werden kann, können im realen Leben kaum existieren, also sind sie -Metaphern. - -Behende würde man mit „ä“ schreiben (behände). Das ist ein Archaismus. - -\subsection{Analysieren des Inhalts der Ballade} - -\subsubsection{Der Titel und das Thema der Ballade} - -Der Titel der Ballade bezieht sich auf die Hauptperson, den Zauberlehrling. - -Das Thema: mit dem Werk wollte der Autor zeigen, wie wichtig die Rolle von -Lehrer bzw.\ guter Regierung im Leben ist. - -\subsubsection{Gliederung} - -Die Ballade wird mit einem Vorwort angefangen, in dem der Leser in die -beschriebene Situation eingeführt (Weggang des Meisters) und mit handelnden -Personen (mit dem Zauberlehrling und den Geistern) bekanntgemacht wird. Das -sind die ersten vier Verse. - -Dann entwickelt sich die Geschichte, bis der Zauberlehrling gemerkt hat, das er -ein wichtiges Wort vergessen hat. - -Danach stellt sich das Problem. Das Geschehene wird total geändert und wendet -sich gegen den Zauberlehrling. - -Als nächstes kommt die Kulmination. Die Hauptfigur sucht einen Ausgang und -greift das Beil. Der alte Besen ist gespalten und der Zauberlehrling denkt, -dass er den Sieg errungen hat. Die Spannung fällt ab. Aber kurz nachher hat der -Lehrling schon „zwei Probleme“ statt einem. Man beobachtet kurz neue Entwicklung -des Erzählten. Die Spannung nimmt wieder zu. - -Die vier letzten Verse der vorletzten Strophe sind schon die Lösung, denn -endlich kommt der Meister. - -Die letzte Strophe kann man zum Nachwort zählen, da der alte Hexenmeister sagt, -was man machen sollen hätte. - -\subsubsection{Typisierung der handelnden Personen} - -<i>Den Hexenmeister</i> begegnet man nur am Anfang und am Ende. Am Anfang -erwähnt der Autor ihn nur. Am Ende zieht er die Schlussfolgerung. Der Meister -scheint nicht böse zu sein, er fühlt sich sicher, ist ruhig und hat -ausgezeichnete Kenntnisse, kennt seine Arbeit sehr gut. - -Der Zauberlehrling ist, wie bereits erwähnt, die Hauptperson. Er benimmt sich -wie ein Jugendlicher oder ein Kind. Er ist ungehorsam und verwegen, will mit dem -Feuer spielen, ohne bevor nachzudenken. Der Lehrling wollte, dass alle (z.B. der -Besen) ihn hören und selber macht schlimme Sachen ohne Erlaubnis. Er kriegt sehr -schnell Ärger, wird wütend und kann sich nicht kontrollieren (greift das Beil). -Nur wenn es keine andere Wahl gibt, trifft der Zauberlehrling vernünftige -Entscheidung — ruft seinen erfahrenen Meister. - -<i>Der Besen</i> macht alles unbewusst. Er ist von den Geistern des Meisters -gesteuert. <i>Den Geistern</i> ist egal, wen zu hören. Sie sind brav, sogar wenn -dass unnötig und schädlich ist, haben keinen Willen und können ohne guten Chef -alles vor sich zerstören. - -\subsection{Interpretation} - -Die Ballade wurde das erste Mal im von Friedrich Schiller herausgegebenen -„Musen-Almanach“ für das Jahr 1798 erschienen. Die Geschichte, die in der -Goethes „Der Zauberlehrling“ erzählt wurde, ist nicht neu. Vermutlich wurde -ein Teil aus „Der Lügenfreund oder der Ungläubige“ vom griechischen Dichter -Lukian von Samosata genommen, ergänzt bzw.\ verändert und umgeschrieben. -Die Stelle, die als ein Muster dienen könnte, lautet folgendermaßen: - -\begin{quote} -Endlich fand ich doch einmal Gelegenheit, mich in einem dunkeln Winkel -verborgen zu halten und die Zauberformel, die er dazu gebrauchte, -aufzuschnappen, indem sie nur aus drei Silben bestand. Er ging darauf, ohne mich -gewahr zu werden, auf den Marktplatz, nachdem er dem Stößel befohlen hatte, was -zu tun sei. Den folgenden Tag, da er geschäftehalber ausgegangen war, nehm' ich -den Stößel, kleide ihn an, spreche die besagten drei Silben und befehle ihm, -Wasser zu holen. Sogleich bringt er mir einen großen Krug voll. Gut, sprach ich, -ich brauche kein Wasser mehr, werde wieder zum Stößel! Aber er kehrte sich nicht -an meine Reden, sondern fuhr fort, Wasser zu tragen, und trug so lange, daß -endlich das ganze Haus damit angefüllt war. Mir fing an, bange zu werden, -Pankrates, wenn er zurückkäme, möcht' es übelnehmen — wie es dann auch -geschah -, und weil ich mir nicht anders zu helfen wußte, nahm ich eine Axt un -hieb den Stößel mitten entzwei. Aber da hatte ich es übel getroffen; denn nun -packte jede Hälfte einen Krug an und holte Wasser, so daß ich für einen -wasserträger nun ehrer zwei hatte. Inmittelst kommt mein Pankrates zurück, und -wie er sieht, was passiert war, gibt er ihnen ihre vorige Gestalt wieder; er -selbst aber machte sich heimlich aus dem Staube, und ich habe ihn nie wieder -gesehen.\footcite{moritz:balladen} -\end{quote} - -Im Jahr 1940 Walt Disney machte aus der Goethes Ballade einen Zeichentrickfilm -mit Micky Maus. - -Wer Erzähler ist, ist ein bisschen unklar. Er scheint der Zauberlehrling selber -zu sein. Aber er muss dann allein mit Geistern und dem Besen zu Hause sein, -trotzdem wendet er sich in der fünften Strophe an jemanden noch: „<i>Seht</i>, -er läuft zum Ufer nieder…“ (Herv. — Eugen Wissner). In der nächsten Strophe -sagt der Zauberlehrling: „Stehe! Stehe! Denn <i>wir</i> haben deiner Gaben -vollgemessen!…“ (Herv. — Eugen Wissner). Die erste Stelle kann man verstehen -als Anrede an Leser; die zweite ist Ruf nicht nur vom Autor, sondern von anderen -Menschen auch. Die letzte Strophe in der Ballade spricht der Hexenmeister aus -und sie sind von Goethe in Anführungszeichen gesetzt. Fast alles ist in Präsens -geschrieben, folglich ist das Gegenwart. - -Die Ballade hat die ewige Bedeutung für Menschheit, da sie Probleme beschreibt, -die mit menschlicher Psychologie zu tun haben und deshalb waren immer -vorhanden, sind zur Zeit vorhanden und werden noch vorhanden sein. Das Werk ist -mit Ereignissen der Zeit verbunden, in der Goethe gelebt hat, aber die Geschichte -wiederholt sich wegen der schon erwähnten menschlichen Psychologie. - -Der Meister ist als „der alte Hexenmeister“ bezeichnet. Das Wort „alt“ bezieht -sich nicht auf sein Alter, sondern auf seine Erfahrung. Das ist also ein guter -Lehrer, der vielleicht schon alles im Leben gesehen hat. Sein Lehrling ist -kindisch.\footnote{Vgl.: Typisierung der handelnden Personen.} Er will prahlen und seine -Kenntnisse zeigen, die er vielleicht noch nicht hat, obwohl der berühmteste Satz -von einem der weisesten Männer antikes Griechenlands, Sokrates, lehrt darüber, -was man an sein Wissen immer denken sollte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. -Der Lehrling hat nicht vor, seinen Meister um Rat zu fragen sondern ruft die -Geister, die er wahrscheinlich überhaupt nicht kennt, ruft irgendwelche fremde -Geister, die im helfen müssten, ein Wunder zu machen. Das ist vergleichbar mit -Ereignissen in der Geschichte von Israel, denen man zahlreich in der Heiligen -Schrift begegnen kann. Als Mose weggegangen ist, um das Gottesgesetz (zehn -Gebote) von dem Berge zu holen, bat das Volk Aaron einen anderen Gott für sie -zu machen. Aaron sammelte die goldenen Ohrringe „und bildete das Gold in einer -Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, -Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat!“ (2. Mose 32). -Als Mose zurückkam, zerbrach er Tafeln unten am Berg. Zorn wurde über die -Israeliten entbrannt und der Zauberlehrling wird auch bestraft. - -Die Situation scheint zunächst lustig zu sein. Der Lehrling ist zufrieden, kann -sich gönnen zu faulenzen, da der Besen alle Arbeiten ausführt und Spaß für -seinen Wirt machen kann. Aber ein paar Verse später gehorcht der Besen nicht -mehr und macht seine Arbeit, die am Anfang so nützlich schien, weiter. Der -Lehrling versucht erstmal den Besen und die Geister mit Wörtern zur Ruhe zu -bringen. Wenn das nicht gelingt, greift er zu den Waffen. Dem wird bange. Aber -mit allen seinen Handlungen macht der Lehrling nur schlimmer. Mit der Waffe -kann ein Problem nicht gelöst werden. Und endlich, wenn fast alles mit dem -Wasser voll ist, und es gibt keine andere Chance sich zu retten, versteht der -Lehrling, dass er zu schwach ist, und ruft den Meister. Der alte Hexenmeister -hört ihn im Unterschied zu den Geistern. - -Es passiert, dass Lehrlinge um ihre Lehrer klagen, weil sie nicht alles -verstehen können und schließlich gegen sie gehen. Das Gleiche kann in einer -Familie betrachtet werden, wenn man die Eltern für die Lehrer und die Kinder für -die Lehrlinge hält. Zwischen Kindern und Eltern ist eines der häufigsten -Probleme, das sowohl in der russischen als auch in der deutschen Literatur -behandelt wird. Einem fremden Menschen ist oft leichter zuzuhören, als den -Menschen, die in der Nähe von uns sind und die uns sogar lieben, wenn wir das -nicht verstehen. - -Die Ebene, auf der die Ballade betrachtet werden kann, kann immer breiter -werden. Das kann ganz persönlich sein, eine Familie. Das kann eine Gesellschaft -sein, wie z.B. Schule, Universität o.Ä. Das kann aber auch geschichtlich auf das -ganze Volk bezogen sein und dann auf die ganze Welt, z.B. französische -Revolution. Damals versuchten ganz viele Menschen zunächst in einem Land, dann -in ganz Europa, auf ihre alten Ideale, alten Traditionen verzichten und nur sich -selbst und ihrer Vernunft zu vertrauen. Egozentrismus ist die Idee der -Aufklärung. Da bringt aber noch lange Zeit nichts, weil nichts in Herzen -verändert ist. Der König und viele Adlige wurden getötet und andere Räuber haben -Macht bekommen aber viele verhungern immer noch. Man muss nach Besserem streben, -aber sehr vorsichtig und ohne Eile, sonst können noch weitere Probleme -entstehen. Das ist die Idee der Ballade. - -% Erstelldatum: 19.02.2010 diff --git a/themes/posts/2011/10/bestraft.tex b/themes/posts/2011/10/bestraft.tex deleted file mode 100644 index b8d261e..0000000 --- a/themes/posts/2011/10/bestraft.tex +++ /dev/null @@ -1,7 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-10-28 14:00:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Bestraft ---- -Meine Geburt ist meine Strafe. diff --git a/themes/posts/2011/10/das-weise-alter.tex b/themes/posts/2011/10/das-weise-alter.tex deleted file mode 100644 index 0b461cf..0000000 --- a/themes/posts/2011/10/das-weise-alter.tex +++ /dev/null @@ -1,7 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-10-22 12:59:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Das hohe weise Alter ---- -Jugendlicher Maximalismus, greisenhafte Torheit… wer hat den Scwachsinn ausgedacht? diff --git a/themes/posts/2011/11/18.tex b/themes/posts/2011/11/18.tex deleted file mode 100644 index 1320b60..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/18.tex +++ /dev/null @@ -1,83 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-07-20 05:22:00 -tags: Стихотворение -title: Рыжик (Дивеево, 18 июля) -teaser: | - <p> - Средь суетящихся людей<br> - Ваш дерзкий взгляд я заприметил.<br> - Ему взаимностью ответив,<br> - Попал в плен Ваших я очей. - </p> - <p> - Они пронзили душу мне,<br> - И сердце трепетное сжалось<br> - Так, что внезапно показалось:<br> - Пылает лед в кромешной тьме. - </p> - <p> - Вся похоть сердца подлеца<br> - Подвластна женственности вечно;<br> - А Ваше тело безупречно,<br> - И тайной веет от лица. - </p> - <p> - Не смел я оторвать и глаз,<br> - Когда Вы сделали то первой,<br> - Чтоб подойти походкой верной,<br> - Явить ликующий свой глас. - </p> - <p> - Сей встречи грянувшей как гром<br> - Прошли счастливые мгновенья,<br> - Но не терзало грудь сомненья<br> - С заветным в кулаке листом. - </p> - <p> - К чему нежданная мечта?<br> - Волнами рыжими ложится<br> - Заря на небо. Ах, зорница!<br> - Мила…<br> - И снова грезится она… - </p> ---- -% Об удивительном мимолетном знакомстве во время экскурсии в Дивеево (село в -% Нижегородской области) при ожидании очереди на одном из имеющихся источников. -% Чудеса там со всеми происходят разные, со мной, видимо, ничего иного случиться -% и не могло. Рассказала, что ее в школе „рыжиком“ дразнили, и она за это всех -% била. Полученным листком с ее адресом я воспользовался, но ответа не получил: -% может, письмо не дошло, может, стихотворение не понравилось. - -\textit{Марине Кривцовой} - -Средь суетящихся людей\\ -Ваш дерзкий взгляд я заприметил.\\ -Ему взаимностью ответив,\\ -Попал в плен Ваших я очей. - -Они пронзили душу мне,\\ -И сердце трепетное сжалось\\ -Так, что внезапно показалось:\\ -Пылает лед в кромешной тьме. - -Вся похоть сердца подлеца\\ -Подвластна женственности вечно;\\ -А Ваше тело безупречно,\\ -И тайной веет от лица. - -Не смел я оторвать и глаз,\\ -Когда Вы сделали то первой,\\ -Чтоб подойти походкой верной,\\ -Явить ликующий свой глас. - -Сей встречи грянувшей как гром\\ -Прошли счастливые мгновенья,\\ -Но не терзало грудь сомненья\\ -С заветным в кулаке листом. - -К чему нежданная мечта?\\ -Волнами рыжими ложится\\ -Заря на небо. Ах, зорница!\\ -Мила…\\ -И снова грезится она… diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post.tex deleted file mode 100644 index 9f7a842..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,51 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2006-10-17 01:00:00 -tags: Стихотворение -title: Последняя записка -teaser: | - <p> - Простив, прошу за все прощенья;<br> - За все, что можешь мне простить,<br> - За страстной юности влеченья,<br> - За все, чего не воротить.<br> - Пишу тебе в последний раз…<br> - Прости за сей нескладный сказ. - </p> - ---- -% Опубликую постепенно все стихотворения, которые я за свою жизнь написал и за -% которые мне не стыдно. Несколько стихов 2004 года еще ждут своей очереди на -% творческую реставрацию. - -% Начинается мое собрание с „трилогии“, посвященной Марии Гашковой, на то время -% воспитаннице Регентской школы Тобольской Духовной Семинарии, а ныне регенту -% храмового хора в Красноярске. Повод к написанию достаточно очевидно исходит из -% названия. Первое шестистишие было передано через посредника адресату, а вот -% следующее за ним четверостишие именуется в моем дневнике „Нереализованным -% вариантом“. Ответа мне, кстати, так и не предложили. Только, примерно, через -% месяц поблагодарили ради приличия при случайной встрече. - -% Заключительная „Поправка“ писалась годом позже, что, между прочим, видно из -% ее настроения. - -\textit{Марии Гашковой} - -Простив, прошу за все прощенья;\\ -За все, что можешь мне простить,\\ -За страстной юности влеченья,\\ -За все, чего не воротить.\\ -Пишу тебе в последний раз…\\ -Прости за сей нескладный сказ. - -\subsection{Нереализованный вариант} - -Прости за все, прости коль можешь\\ -За юность страстную мою.\\ -Пусть мне ответа не предложишь,\\ -Прости, в последний раз пишу. - -\subsection{Поправка (к „Последней записке“) 2007\footnote{8 августа 2007}} - -В последний раз тебе пишу,\\ -Прости безграмотность прошу. diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_14.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_14.tex deleted file mode 100644 index e2bb7dc..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_14.tex +++ /dev/null @@ -1,52 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2004-02-05 05:40:00 -tags: Стихотворение -title: Предвидение -teaser: | - <p> - Над крышею дома<br> - Кружит черный ворон,<br> - О судьбе беспощадной предупреждая меня,<br> - Стало быть снова<br> - К родимому крову,<br> - Снова ко мне пришла беда. - </p> - <p> - Печали я полон:<br> - Принес черный ворон<br> - Столь жестокую весть, дал мне горя отпить.<br> - Ехать мне завтра<br> - Родимого брата,<br> - Родного брата на погост хоронить. - </p> - <p> - Может быть завтра,<br> - Прямо как с братом,<br> - Может быть скоро будет со мной;<br> - За жизнь столь лихую, За горесть людскую<br> - Следом за братом уйду на покой. - </p> ---- -% Насколько я сейчас помню, было написано незадолго до смерти двоюродной сестры, -% почему позже так и названо. - -Над крышею дома\\ -Кружит черный ворон,\\ -О судьбе беспощадной предупреждая меня,\\ -Стало быть снова\\ -К родимому крову,\\ -Снова ко мне пришла беда. - -Печали я полон:\\ -Принес черный ворон\\ -Столь жестокую весть, дал мне горя отпить.\\ -Ехать мне завтра\\ -Родимого брата,\\ -Родного брата на погост хоронить. - -Может быть завтра,\\ -Прямо как с братом,\\ -Может быть скоро будет со мной;\\ -За жизнь столь лихую, За горесть людскую\\ -Следом за братом уйду на покой. diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_16.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_16.tex deleted file mode 100644 index fd3278f..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_16.tex +++ /dev/null @@ -1,65 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-01-08 10:11:00 -tags: Стихотворение -title: Рождество -teaser: | - <p> - В грехов болоте с головою<br> - Увяз. Тоска, уныние, нет сил.<br> - Не совладать никак с собою,<br> - И жизни бы себя лишил. - </p> - <p> - Но выпал снег, замел печали,<br> - Надеждою на сердце лег.<br> - Год Новый людям даровали!<br> - Покайся — призывает Бог. - </p> - <p> - Зажег звезду Он на Востоке,<br> - Что б ночью к Солнцу нас вела,<br> - Узрели наши чтоб пороки,<br> - Худые мысли все, дела. - </p> - <p> - Смирился, Боже, до вертепа,<br> - До немощи снизшел людской,<br> - Спустил на землю благость Неба,<br> - Явил Свет Истины Собой. - </p> - <p> - Родился в мире Искупитель!<br> - Помилуй, Боже, вновь и вновь,<br> - Открой для нас Свою Обитель.<br> - О, дай нам все познать любовь! - </p> ---- -% А за это стихотворение я, соревнуясь и с коллективами, даже получил то ли -% третье, то ли второе место на рождественском концерте в ТДС. Почему-то -% датировано, судя по всему, датой самого концерта. - -В грехов болоте с головою\\ -Увяз. Тоска, уныние, нет сил.\\ -Не совладать никак с собою,\\ -И жизни бы себя лишил. - -Но выпал снег, замел печали,\\ -Надеждою на сердце лег.\\ -Год Новый людям даровали!\\ -Покайся — призывает Бог. - -Зажег звезду Он на Востоке,\\ -Что б ночью к Солнцу нас вела,\\ -Узрели наши чтоб пороки,\\ -Худые мысли все, дела. - -Смирился, Боже, до вертепа,\\ -До немощи снизшел людской,\\ -Спустил на землю благость Неба,\\ -Явил Свет Истины Собой. - -Родился в мире Искупитель!\\ -Помилуй, Боже, вновь и вновь,\\ -Открой для нас Свою Обитель.\\ -О, дай нам все познать любовь! diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_17.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_17.tex deleted file mode 100644 index e759b74..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_17.tex +++ /dev/null @@ -1,23 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2006-10-25 00:00:00 -tags: Стихотворение -title: Скажи, насколько безнадежно… -teaser: | - <p> - Скажи, насколько безнадежно<br> - Мое влечение к тебе?<br> - О, если б знала как тревожно<br> - Ответа ждать! и лгать себе… - </p> ---- -% Четверостишие была написано для приятеля и отправлено в sms подруге моей -% подруги. Приятель и получатель sms ныне счастливо женаты. Мне вот повезло -% меньше (больше?). - -\textit{Веронике Стоговой} - -Скажи, насколько безнадежно\\ -Мое влечение к тебе?\\ -О, если б знала как тревожно\\ -Ответа ждать! и лгать себе… diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_18.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_18.tex deleted file mode 100644 index 2ebf35f..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_18.tex +++ /dev/null @@ -1,83 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2004-05-06 06:28:00 -tags: Стихотворение -title: Просто помолчим (Горит свеча) -teaser: | - <p> - Спит весь город в полумраке.<br> - Тишина.<br> - И сегодня в старом парке<br> - Меня не ждет она. - </p> - <p> - В комнате горит свеча в твою честь.<br> - Сколько я их сжег, уже не счесть.<br> - Давай не будем верить словам чужим<br> - И в этот вечер вдали друг от друга<br> - Помолчим. - </p> - <p> - Февраль засыпал улицу снегом.<br> - Зима.<br> - И не спешить на свиданье,<br> - Пусть без букета, —<br> - Слишком далеко она. - </p> - <p> - В комнате горит свеча за нас.<br> - Надежда будет пока огонь не погас.<br> - Ты меня за жизнь мою здесь,<br> - Дорогая, не кори,<br> - Давай сегодня просто помолчим. - </p> - <p> - День все ближе к закату клонит.<br> - Скукота.<br> - Каждую ночь ко мне приходит<br> - Во сне она. - </p> - <p> - В комнате горит свеча по нашей встрече.<br> - Я снова видел тебя во сне недавече.<br> - Мы, как прежде, в глаза друг другу глядели<br> - И даже слова сказать не посмели. - </p> ---- -\textit{Марине Княжевой} - -% Еще одно стихотворение c „кривой рифмой“, но просили ничего не менять: -% деваться некуда. - -Спит весь город в полумраке.\\ -Тишина.\\ -И сегодня в старом парке\\ -Меня не ждет она. - -В комнате горит свеча в твою честь.\\ -Сколько я их сжег, уже не счесть.\\ -Давай не будем верить словам чужим\\ -И в этот вечер вдали друг от друга\\ -Помолчим. - -Февраль засыпал улицу снегом.\\ -Зима.\\ -И не спешить на свиданье,\\ -Пусть без букета, —\\ -Слишком далеко она. - -В комнате горит свеча за нас.\\ -Надежда будет пока огонь не погас.\\ -Ты меня за жизнь мою здесь,\\ -Дорогая, не кори,\\ -Давай сегодня просто помолчим. - -День все ближе к закату клонит.\\ -Скукота.\\ -Каждую ночь ко мне приходит\\ -Во сне она. - -В комнате горит свеча по нашей встрече.\\ -Я снова видел тебя во сне недавече.\\ -Мы, как прежде, в глаза друг другу глядели\\ -И даже слова сказать не посмели. diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_19.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_19.tex deleted file mode 100644 index 9bad219..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_19.tex +++ /dev/null @@ -1,77 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-08-08 00:17:00 -tags: Стихотворение -title: Фотокарточка -teaser: | - <p> - Фотокарточка в альбоме<br> - разожгла былую страсть —<br> - вспомнил я как в счастья доме<br> - нам жизнь была обоим всласть. - </p> - <p> - От сна восстав желал увидеть<br> - я блеск прекрасных карих глаз,<br> - любовью жизнь хотел насытить,<br> - с тобой судьбы сложить рассказ. - </p> - <p> - Мечтал ласкать твои я губы.<br> - Я каждый час мечтал. Мечтал!<br> - В лобзании сплетались судьбы.<br> - Еще любви такой не знал. - </p> - <p> - Но вот уплыло наше время:<br> - разошлись мы кто куда.<br> - Теперь нести и горя бремя,<br> - разлука – вечная беда. - </p> - <p> - С тех пор не видел сна такого,<br> - в котором не было б тебя.<br> - Обнять твои колени снова<br> - хочу. Хочу как никогда! - </p> - <p> - Но ведь пройдет разлуки время!<br> - Как очи карие увижу вновь.<br> - Мы понесем и счастья бремя,<br> - и прошепчу: Моя любовь… - </p> ---- -% Тоже просили не менять, а так хотелось… -% (1 мая 2004, Редакция 8.08.2007) - -\textit{Марине Княжевой} - -Фотокарточка в альбоме\\ -разожгла былую страсть —\\ -вспомнил я как в счастья доме\\ -нам жизнь была обоим всласть. - -От сна восстав желал увидеть\\ -я блеск прекрасных карих глаз,\\ -любовью жизнь хотел насытить,\\ -с тобой судьбы сложить рассказ. - -Мечтал ласкать твои я губы.\\ -Я каждый час мечтал. Мечтал!\\ -В лобзании сплетались судьбы.\\ -Еще любви такой не знал. - -Но вот уплыло наше время:\\ -разошлись мы кто куда.\\ -Теперь нести и горя бремя,\\ -разлука – вечная беда. - -С тех пор не видел сна такого,\\ -в котором не было б тебя.\\ -Обнять твои колени снова\\ -хочу. Хочу как никогда! - -Но ведь пройдет разлуки время!\\ -Как очи карие увижу вновь.\\ -Мы понесем и счастья бремя,\\ -и прошепчу: Моя любовь…\footnote{1 мая 2004} diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_20.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_20.tex deleted file mode 100644 index ec44c36..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_20.tex +++ /dev/null @@ -1,54 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-07-11 05:18:00 -tags: Стихотворение -title: Встреча -teaser: | - <p> - Как ясный день после тумана,<br> - Вернулось прошлое мое.<br> - Пьян от весны ли я дурмана,<br> - Иль впрямь знакомое лицо? - </p> - <p> - Твой лучезарный лик развеял<br> - Остаток канувших дождей.<br> - Как долго я в душе лелеял<br> - Тепло зимы ушедших дней! - </p> - <p> - Как долго я забыть пытался,<br> - Что мне казалось, не вернуть.<br> - Ожило все: в любви как клялся,<br> - Как страстно пала мне на грудь! - </p> - <p> - Былой туман воспоминаний<br> - Рассеял взгляд знакомых глаз.<br> - Питья ль вина не знаю граней,<br> - Души огонь ли не погас? - </p> ---- -% Сотворено после одного нанесенного мне в Тобольске визита. - -\textit{Марине Княжевой} - -Как ясный день после тумана,\\ -Вернулось прошлое мое.\\ -Пьян от весны ли я дурмана,\\ -Иль впрямь знакомое лицо? - -Твой лучезарный лик развеял\\ -Остаток канувших дождей.\\ -Как долго я в душе лелеял\\ -Тепло зимы ушедших дней! - -Как долго я забыть пытался,\\ -Что мне казалось, не вернуть.\\ -Ожило все: в любви как клялся,\\ -Как страстно пала мне на грудь! - -Былой туман воспоминаний\\ -Рассеял взгляд знакомых глаз.\\ -Питья ль вина не знаю граней,\\ -Души огонь ли не погас? diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_21.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_21.tex deleted file mode 100644 index ddf209c..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_21.tex +++ /dev/null @@ -1,27 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-07-13 06:48:00 -tags: Стихотворение -title: Эсэмэска -teaser: | - <p> - Сонечко, сэрдэнько, ясочка моя, Гануся,<br> - Потерпи еще малек и я к тебе вернуся… - </p> ---- -% Следующие три стихотворения были „эсэмэсками“. Я, уехав на каникулы, -% пообещался ежедневно отправлять на ниже частично указанный в посвящении -% номер (чтобы его отгадать, нужно перебрать всего лишь 10000 комбинаций, хотя -% он, кажется, уже не существует) по несколько стихотворных строк. Мой -% энтузиазм на третий день кончился, но вот кое-какое наследие осталось. -% Кроме того следует отметить, что два первых из них методом насилия над собой -% написаны хореем (большинство прочих ямбом). Мой украинский вызван влиением, -% какой уже не помню книги, где речь шла, в том числе и о „Ганне“ с ее мужем, -% который называл ее и „сонечко“, и „сэрденько“, и „моя ясочка“, и поскольку уж -% у меня тоже Ганнуся была…, которой будет еще одно посвящение позже, и о -% котором она к тому же не ведает. - -\textit{+7918902xxxx} - -Сонечко, сэрдэнько, ясочка моя, Гануся,\\ -Потерпи еще малек и я к тебе вернуся… diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_22.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_22.tex deleted file mode 100644 index b581f54..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_22.tex +++ /dev/null @@ -1,24 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-07-14 05:21:00 -tags: Стихотворение -title: Опыт хорея -teaser: | - <p> - Симферополь, Любик — точки, —<br> - Сей отрезок жутко длинный<br> - (Плюс таможня Украины);<br> - Но для Ангелов — цветочки,<br> - Ведь у нас сердца магниты<br> - (Лю́бой страсти монолиты). - </p> ---- -% Почему название, было сказано до этого. Расстояние искусственно несколько -% увеличено: (Г)Анна была в Симферополе; а я-то — во Владимирской области. - -Симферополь, Любик — точки, —\\ -Сей отрезок жутко длинный\\ -(Плюс таможня Украины);\\ -Но для Ангелов — цветочки,\\ -Ведь у нас сердца магниты\\ -(Лю́бой страсти монолиты). diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_23.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_23.tex deleted file mode 100644 index 7c72b9f..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_23.tex +++ /dev/null @@ -1,27 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-07-16 05:18:00 -tags: Стихотворение -title: Я весь измучился тобою… -teaser: | - <p> - Я весь измучился тобою,<br> - Земной твоею красотою.<br> - И ад вошел прям в душу мне,<br> - Томлюся дико в том огне.<br> - Бога жизнью проклянул,<br> - За собой тебя втянул.<br> - Нет! Не ты измучила меня,<br> - А плоть похабная моя. - </p> ---- -Было отмечено получателем как самое удавшееся из трех в те каникулы отправленных. - -Я весь измучился тобою,\\ -Земной твоею красотою.\\ -И ад вошел прям в душу мне,\\ -Томлюся дико в том огне.\\ -Бога жизнью проклянул,\\ -За собой тебя втянул.\\ -Нет! Не ты измучила меня,\\ -А плоть похабная моя. diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_24.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_24.tex deleted file mode 100644 index 065e8ff..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_24.tex +++ /dev/null @@ -1,19 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-07-24 05:49:00 -tags: Стихотворение -title: Каникулы -teaser: | - <p> - Ох, отпуск выдался мне летом!<br> - Между кухней и клозетом…<br> - Чего еще же пожелать?<br> - В ночь — писа́ть,<br> - Под утро — спать. - </p> ---- -Ох, отпуск выдался мне летом!\\ -Между кухней и клозетом…\\ -Чего еще же пожелать?\\ -В ночь — писа́ть,\\ -Под утро — спать. diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_26.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_26.tex deleted file mode 100644 index 310790c..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_26.tex +++ /dev/null @@ -1,96 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-08-06 07:31:00 -tags: Стихотворение -title: Давай останемся просто друзьями? -teaser: | - <p> - „Давай останемся друзьями?“ -<br> - вот кульминация кина.<br> - Угрозы, просьбы, обещанья.<br> - Да… ты унизился сполна. - </p> - <p> - Пойти бы с горя что ль напиться, —<br> - да года два уже не пил;<br> - иль в Церковь Божью помолиться, —<br> - уйти в молитву нету сил. - </p> - <p> - Вот друг совсем другое дело —<br> - тот всегда готов понять —<br> - сказал: „В пятак ей дал бы смело!“,<br> - иной пустился утешать. - </p> - <p> - „Два пальца в рот“ — кричит тут третий, —<br> - „забудешь все и обо всем!“,<br> - и вся печаль тысячелетий<br> - сбежит по трубам с ветерком… - </p> - <p> - Но я томлюсь советом скромным:<br> - забыть, простить; простить, забыть.<br> - Ах, совесть, скверно быть влюбленным!<br> - Скверней лишь не влюбленным быть. - </p> ---- -% Стихотворение, за которое мне когда-то было по-настоящему стыдно, а именно в -% тот момент, когда его, неккуратно оставленное на столе в столовой, нашла одна -% из подразумевавшихся в строках. - -\textit{РОиИкО ТПДС\\и другу Шуре} - -\subsubsection{I} - -„Давай останемся друзьями?“ -\\ -вот кульминация кина.\\ -Угрозы, просьбы, обещанья.\\ -Да… ты унизился сполна. - -Пойти бы с горя что ль напиться, —\\ -да года два уже не пил;\\ -иль в Церковь Божью помолиться, —\\ -уйти в молитву нету сил. - -Вот друг совсем другое дело —\\ -тот всегда готов понять —\\ -сказал: „В пятак ей дал бы смело!“,\\ -иной пустился утешать. - -„Два пальца в рот“ — кричит тут третий, —\\ -„забудешь все и обо всем!“,\\ -и вся печаль тысячелетий\\ -сбежит по трубам с ветерком… - -Но я томлюсь советом скромным:\\ -забыть, простить; простить, забыть.\\ -Ах, совесть, скверно быть влюбленным!\\ -Скверней лишь не влюбленным быть. - -\subsubsection{II} - -Когда захочешь бросить друга,\\ -не философствуй о любви,\\ -а прямо: „Более не буду\\ -с тобой встречаться“ — „Что ж, мир ти“. - -И с оскорбленьем не тяни,\\ -не мучь бессоницею в ночь.\\ -А ушла – не приходи,\\ -не мучь! Сомненья все прочь! - -Себя не чувствуй виноватой,\\ -что мне услужливость теперь?\\ -Оно ль избавит от утраты?\\ -Приветливость что? от потерь? - -Мы не останемся друзьями,\\ -прошу не лги сама себе.\\ -Благословишь ли день свиданья,\\ -я прокляну свиданья день. - -И не проси забыть, что было,\\ -все вспомню я до мелочей.\\ -Тем поделюсь, что сердцу мило\\ -даже с будущей своей. diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_28.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_28.tex deleted file mode 100644 index 79000f5..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_28.tex +++ /dev/null @@ -1,84 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-08-16 01:00:00 -tags: Стихотворение -title: Дневник -teaser: | - <p> - Ах, друг единственный и верный,<br> - содержащий весь мой быт,<br> - прости за то, что сердцем ленным<br> - и ты давным-давно забыт. - </p> - <p> - А помнишь как с тобой делился<br> - всей суетой летящих дней?<br> - Но для себя ли я трудился<br> - или для будущих людей… - </p> - <p> - Боялся я, что прочитает<br> - тебя моя родная мать;<br> - мечтал о том, как мир узнает<br> - души поэта благодать! - </p> - <p> - Прости ж неискренность, лукавство,<br> - что я порою призывал.<br> - Ты знаешь сам: всегда коварство<br> - в душе юнца найдет причал. - </p> - <p> - Когда убить хотел былое,<br> - тебя имел желанье сжечь.<br> - О, если б сделал я такое,<br> - как письма, бросив тебя в печь!? - </p> - <p> - То что бы я, скрипя зубами,<br> - да с удивленьем на лице,<br> - читал, чуть шевеля губами?..<br> - Тебя, жизнь, видел лишь во сне. - </p> ---- -Ах, друг единственный и верный,\\ -содержащий весь мой быт,\\ -прости за то, что сердцем ленным\\ -и ты давным-давно забыт. - -А помнишь как с тобой делился\\ -всей суетой летящих дней?\\ -Но для себя ли я трудился\\ -или для будущих людей… - -Боялся я, что прочитает\\ -тебя моя родная мать;\\ -мечтал о том, как мир узнает\\ -души поэта благодать! - -Прости ж неискренность, лукавство,\\ -что я порою призывал.\\ -Ты знаешь сам: всегда коварство\\ -в душе юнца найдет причал. - -Когда убить хотел былое,\\ -тебя имел желанье сжечь.\\ -О, если б сделал я такое,\\ -как письма, бросив тебя в печь!? - -То что бы я, скрипя зубами,\\ -да с удивленьем на лице,\\ -читал, чуть шевеля губами?..\\ -Тебя, жизнь, видел лишь во сне. - -\subsubsection{Мораль} - -Писать стихи и мемуары —\\ -порыв весенних жизни лет.\\ -Стыдишься их иль ищешь славы;\\ -с кем спеть, мечта твоя, дуэт? - -Учебник по литературе\\ -ну, сохранит ли твой портрет,\\ -что списан век назад с натуры,\\ -как думаешь… хм.., поэт? diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_29.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_29.tex deleted file mode 100644 index 6111687..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_29.tex +++ /dev/null @@ -1,85 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-08-20 04:58:00 -tags: Стихотворение -title: Электричка -teaser: | - <p> - Постой хотя б еще немного,<br> - электропоезд, на пути.<br> - Кто может знать насколько долго<br> - мне вновь с ней речи не вести? - </p> - <p> - Ты уезжаешь на неделю,<br> - я на перроне остаюсь,<br> - но все же дерзостно осмелюсь:<br> - в румянец щек ее вгляжусь, - </p> - <p> - в глаза небесно-голубые<br> - (без лести: к ним идет платок)<br> - и губы алые простые —<br> - ну чем не красочный цветок? - </p> - <p> - Что видно сквозь стекло вагона<br> - со слоем пыли вековым…<br> - Зачем в мгновение с перрона,<br> - как птичка, упорхнула в дым? - </p> - <p> - Да знаю, знаю, что имею<br> - невесту и уже давно.<br> - Но ведь ее я и не клею!<br> - Тогда упреки мне за что? - </p> - <p> - Помашет ручкой ли прощаясь?<br> - Топчусь пред нею как дитя…<br> - И чтобы в жизни не случалось<br> - будет ли ко мне тепла, - </p> - <p> - позволит ль встретить с электрички,<br> - за нею сумки понести;<br> - не как жене, а как сестричке,<br> - свою любовь к ней принести. - </p> ---- -\textit{Тобольск-Тюмень} - -Постой хотя б еще немного,\\ -электропоезд, на пути.\\ -Кто может знать насколько долго\\ -мне вновь с ней речи не вести? - -Ты уезжаешь на неделю,\\ -я на перроне остаюсь,\\ -но все же дерзостно осмелюсь:\\ -в румянец щек ее вгляжусь, - -в глаза небесно-голубые\\ -(без лести: к ним идет платок)\\ -и губы алые простые —\\ -ну чем не красочный цветок? - -Что видно сквозь стекло вагона\\ -со слоем пыли вековым…\\ -Зачем в мгновение с перрона,\\ -как птичка, упорхнула в дым? - -Да знаю, знаю, что имею\\ -невесту и уже давно.\\ -Но ведь ее я и не клею!\\ -Тогда упреки мне за что? - -Помашет ручкой ли прощаясь?\\ -Топчусь пред нею как дитя…\\ -И чтобы в жизни не случалось\\ -будет ли ко мне тепла, - -позволит ль встретить с электрички,\\ -за нею сумки понести;\\ -не как жене, а как сестричке,\\ -свою любовь к ней принести. diff --git a/themes/posts/2011/11/blog-post_30.tex b/themes/posts/2011/11/blog-post_30.tex deleted file mode 100644 index f3dac35..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/blog-post_30.tex +++ /dev/null @@ -1,74 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-09-22 06:13:00 -tags: Стихотворение -title: Я подарю подсохший веник душистых луговых цветов… -teaser: | - <p> - Я подарю подсохший веник<br> - душистых луговых цветов,<br> - который мне не стоил денег,<br> - что первой встречу средь миров. - </p> - <p> - Поляны аромат прелестной<br> - не вем кому как дар отдам,<br> - жене совсем мне неизвестной:<br> - возьмите, передал лес Вам. - </p> - <p> - Я с малых лет в ладах с природой.<br> - Порадуйте ж и Вы теперь<br> - душевной радужной погодой,<br> - откройте в Ваше сердце дверь. - </p> - <p> - На языке любви, дворянства:<br> - Je n’aime pas du tout Vous, madam, —<br> - что говорю Вам без лукавства,<br> - ибо я не Don Juan; - </p> - <p> - я не того герой романа,<br> - которым средь людей прослыл.<br> - Все слухи живы от обмана.<br> - Простите коль чем оскорбил. - </p> - <p> - Возьмите же букетик скромный,<br> - как первая, кого в пути домой<br> - я встретил. Может в день всеновый<br> - поговоришь хоть <u>ты</u> со мной. - </p> ---- -\textit{Мадине} - -Я подарю подсохший веник\\ -душистых луговых цветов,\\ -который мне не стоил денег,\\ -что первой встречу средь миров. - -Поляны аромат прелестной\\ -не вем кому как дар отдам,\\ -жене совсем мне неизвестной:\\ -возьмите, передал лес Вам. - -Я с малых лет в ладах с природой.\\ -Порадуйте ж и Вы теперь\\ -душевной радужной погодой,\\ -откройте в Ваше сердце дверь. - -На языке любви, дворянства:\\ -Je n’aime pas du tout Vous, madam,\footnote{Я Вас вовсе не люблю, госпожа (франц.)} —\\ -что говорю Вам без лукавства,\\ -ибо я не Don Juan; - -я не того герой романа,\\ -которым средь людей прослыл.\\ -Все слухи живы от обмана.\\ -Простите коль чем оскорбил. - -Возьмите же букетик скромный,\\ -как первая, кого в пути домой\\ -я встретил. Может в день всеновый\\ -поговоришь хоть \underline{ты} со мной. diff --git a/themes/posts/2011/11/staatsreligion_27.tex b/themes/posts/2011/11/staatsreligion_27.tex deleted file mode 100644 index 06bc7ba..0000000 --- a/themes/posts/2011/11/staatsreligion_27.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-11-27 21:26:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Staatsreligion -teaser: | - <p> - Wie kann derjenige Ostern feiern, der kein durch die Kirche erzogener und - gebildeter Christ ist? Wie kann derjenige den Glauben belachen, der von - Angst ergriffen ist, einen Spiegel zu zerbrechen? Macht mir ein Geschenk zu - Ostern: schenkt mir nichts. - </p> ---- -Wie kann derjenige Ostern feiern, der kein durch die Kirche erzogener und -gebildeter Christ ist? Wie kann derjenige den Glauben belachen, der von -Angst ergriffen ist, einen Spiegel zu zerbrechen? Macht mir ein Geschenk zu -Ostern: schenkt mir nichts. diff --git a/themes/posts/2011/12/blog-post.tex b/themes/posts/2011/12/blog-post.tex deleted file mode 100644 index 7e12d16..0000000 --- a/themes/posts/2011/12/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,63 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2007-10-30 00:04:00 -tags: Стихотворение -title: Навязчивая свобода или любовь по просьбе -teaser: | - <p> - Моей навязчивой свободы<br> - как надоел тяжелый груз!<br> - Когда же прейдет год и<br> - я от любви освобожусь… - </p> - <p> - Любить себя просить коль должен;<br> - просить и слов, и дел, и встреч, —<br> - то что же сердце мне так гложет,<br> - сойдет ль гора такая с плеч? - </p> - <p> - Что называешь ты свободой:<br> - мое ли рабство у тебя?<br> - Хотя б к „моей“ плите надгробной<br> - придешь ли навестить меня? - </p> - <p> - Найдешь хоть часик для помину,<br> - свой победишь ли робкий страх?<br> - Не обижайся, что к обрыву<br> - мой не придет для встречи прах. - </p> - <p> - Не лей молю я соль напрасно —<br> - в земле же заживо сгорю:<br> - гляди как в луже мир прекрасен,<br> - как котик цапает луну. - </p> ---- -\textit{Анне Курушкиной} - -Моей навязчивой свободы\\ -как надоел тяжелый груз!\\ -Когда же прейдет год и\\ -я от любви освобожусь… - -Любить себя просить коль должен;\\ -просить и слов, и дел, и встреч, —\\ -то что же сердце мне так гложет,\\ -сойдет ль гора такая с плеч? - -Что называешь ты свободой:\\ -мое ли рабство у тебя?\\ -Хотя б к „моей“ плите надгробной\\ -придешь ли навестить меня? - -Найдешь хоть часик для помину,\\ -свой победишь ли робкий страх?\\ -Не обижайся, что к обрыву\\ -мой не придет для встречи прах. - -Не лей молю я соль напрасно —\\ -в земле же заживо сгорю:\\ -гляди как в луже мир прекрасен,\\ -как котик цапает луну. diff --git a/themes/posts/2011/12/blog-post_03.tex b/themes/posts/2011/12/blog-post_03.tex deleted file mode 100644 index 371eb2e..0000000 --- a/themes/posts/2011/12/blog-post_03.tex +++ /dev/null @@ -1,83 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2008-12-24 16:33:00 -tags: Стихотворение -title: Миф об Орфее и Эвридике -teaser: | - <p> - Несбыточной томясь мечтою,<br> - любовь, умершую, вернуть,<br> - гоним безумною тоскою,<br> - Орфей себя готовит в путь. - </p> - <p> - Не помянув отца гордыни,<br> - прельстившись нимфы красотой,<br> - в Аида мрачные глубины<br> - не взял он и меча с собой. - </p> - <p> - Он песней арфы златострунной,<br> - подмогой муз имея сонм,<br> - сопровождаемый Фортуной,<br> - на Цербера нагнал вмиг сон. - </p> - <p> - Молю, о, сжалься, Персефона!<br> - Тебе ль не знать то, как<br> - невыносимо беспардонно<br> - от солнца взяться в ночи мрак? - </p> - <p> - — Я упрошу о том владыку<br> - с одним условием всего:<br> - Как знак, что любишь Эвридику,<br> - былому не взгляни в лицо. - </p> - <p> - О, малодушие героя!<br> - о, отблеск тленной красоты!<br> - Бога смеялись над тобою,<br> - смотря с Олимпа высоты. - </p> - <p> - Орфея подвиг бесподобный<br> - моей души не вдохновит.<br> - Сын бога шел стезею мертвых…<br> - хотел ли вечно с нею жить? - </p> ---- -Несбыточной томясь мечтою,\\ -любовь, умершую, вернуть,\\ -гоним безумною тоскою,\\ -Орфей себя готовит в путь. - -Не помянув отца гордыни,\\ -прельстившись нимфы красотой,\\ -в Аида мрачные глубины\\ -не взял он и меча с собой. - -Он песней арфы златострунной,\\ -подмогой муз имея сонм,\\ -сопровождаемый Фортуной,\\ -на Цербера нагнал вмиг сон. - -Молю, о, сжалься, Персефона!\\ -Тебе ль не знать то, как\\ -невыносимо беспардонно\\ -от солнца взяться в ночи мрак? - -— Я упрошу о том владыку\\ -с одним условием всего:\\ -Как знак, что любишь Эвридику,\\ -былому не взгляни в лицо. - -О, малодушие героя!\\ -о, отблеск тленной красоты!\\ -Бога смеялись над тобою,\\ -смотря с Олимпа высоты. - -Орфея подвиг бесподобный\\ -моей души не вдохновит.\\ -Сын бога шел стезею мертвых…\\ -хотел ли вечно с нею жить? diff --git a/themes/posts/2011/12/blog-post_04.tex b/themes/posts/2011/12/blog-post_04.tex deleted file mode 100644 index e77a9cb..0000000 --- a/themes/posts/2011/12/blog-post_04.tex +++ /dev/null @@ -1,43 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2009-01-17 09:48:00 -tags: Стихотворение -title: Рассекая мглу страданий… -teaser: | - <p> - Рассекая мглу страданий,<br> - маня собой, что век уж спит, —<br> - вот скрипки нежное звучание<br> - вечерним небом жизни мчит. - </p> - <p> - Дари и прочим утешение,<br> - будь светом следующего дня!<br> - Одно безумное волнение,<br> - как страх восстания со дна… - </p> - <p> - И сей ликующей игрою<br> - разбей оковы тишины,<br> - томящей вечною тоскою,<br> - чтоб обновление души<br> - достигло и до нас с тобою. - </p> ---- -\textit{Darja V.} - -Рассекая мглу страданий,\\ -маня собой, что век уж спит, —\\ -вот скрипки нежное звучание\\ -вечерним небом жизни мчит. - -Дари и прочим утешение,\\ -будь светом следующего дня!\\ -Одно безумное волнение,\\ -как страх восстания со дна… - -И сей ликующей игрою\\ -разбей оковы тишины,\\ -томящей вечною тоскою,\\ -чтоб обновление души\\ -достигло и до нас с тобою. diff --git a/themes/posts/2011/12/blog-post_05.tex b/themes/posts/2011/12/blog-post_05.tex deleted file mode 100644 index 9e3db25..0000000 --- a/themes/posts/2011/12/blog-post_05.tex +++ /dev/null @@ -1,29 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2009-06-28 05:42:00 -tags: Стихотворение -title: Так далеко от родного окна… -teaser: | - <p> - Так далеко от родного окна<br> - воссияла сегодня на небе звезда.<br> - Дотянуться бы только до этой звезды,<br> - с неба сорвать и с собой унести,<br> - никогда не отстать от нее, не уйти.<br> - Чтобы во век неотлучна была<br> - но светом своим моих рук не сожгла.<br> - Как далек самый близкий огонек… - </p> ---- -Оно очень старое, валялось где-то и когда-то позже было дописано и переписано. - -\textit{Марине Княжевой} - -Так далеко от родного окна\\ -воссияла сегодня на небе звезда.\\ -Дотянуться бы только до этой звезды,\\ -с неба сорвать и с собой унести,\\ -никогда не отстать от нее, не уйти.\\ -Чтобы во век неотлучна была\\ -но светом своим моих рук не сожгла.\\ -Как далек самый близкий огонек… diff --git a/themes/posts/2011/12/blog-post_06.tex b/themes/posts/2011/12/blog-post_06.tex deleted file mode 100644 index e507f62..0000000 --- a/themes/posts/2011/12/blog-post_06.tex +++ /dev/null @@ -1,72 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2009-07-23 06:05:00 -tags: Стихотворение -title: Опять я вижу тень его… -teaser: | - <p> - Опять я вижу тень его,<br> - бродящей по чужим домам<br> - из жажды мира своего,<br> - воссозданного по мечтам. - </p> - <p> - Вот в келью новую зашла,<br> - с надеждою садясь за стол,<br> - раскрыла мертвые уста,<br> - вести что б снова старый спор. - </p> - <p> - И часть гостей уходит тут же.<br> - Хозяин, выслушав сполна,<br> - ведь сам уж жизнью весь измучен,<br> - прочь гонит тень из-за стола. - </p> - <p> - Она идет, пусть неохотно,<br> - пусть обижаяся порой,<br> - все тверже зная: безнадежна<br> - борьба ее с самой собой. - </p> - <p> - Вернется может и назад,<br> - но что заучено давно<br> - не станет молвить невпопад,<br> - доверчиво твердя одно. - </p> - <p> - Владельца тени дни беспечны —<br> - всегда есть в обществе успех.<br> - Вот только выйти как из тени,<br> - забыться как во тьме потех? - </p> ---- -Опять я вижу тень его,\\ -бродящей по чужим домам\\ -из жажды мира своего,\\ -воссозданного по мечтам. - -Вот в келью новую зашла,\\ -с надеждою садясь за стол,\\ -раскрыла мертвые уста,\\ -вести что б снова старый спор. - -И часть гостей уходит тут же.\\ -Хозяин, выслушав сполна,\\ -ведь сам уж жизнью весь измучен,\\ -прочь гонит тень из-за стола. - -Она идет, пусть неохотно,\\ -пусть обижаяся порой,\\ -все тверже зная: безнадежна\\ -борьба ее с самой собой. - -Вернется может и назад,\\ -но что заучено давно\\ -не станет молвить невпопад,\\ -доверчиво твердя одно. - -Владельца тени дни беспечны —\\ -всегда есть в обществе успех.\\ -Вот только выйти как из тени,\\ -забыться как во тьме потех? diff --git a/themes/posts/2011/12/blog-post_07.tex b/themes/posts/2011/12/blog-post_07.tex deleted file mode 100644 index 2945b59..0000000 --- a/themes/posts/2011/12/blog-post_07.tex +++ /dev/null @@ -1,76 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2010-08-31 13:36:00 -tags: Стихотворение -title: Когда я жаждал избавленья… -teaser: | - <p> - Когда я жаждал избавленья<br> - от повседневной суеты,<br> - предстало предо мной виденье<br> - живей всей тленной красоты. - </p> - <p> - Я видел голый сад бесхозный.<br> - Всходило солнце над главой.<br> - Но небеса вдруг взгляд свой грозный<br> - сменили мокрою слезой. - </p> - <p> - Тогда среди пустыни этой<br> - пророс сквозь землю стебелек,<br> - и тьма в мгновенье стала светом —<br> - зажегся жизни огонек. - </p> - <p> - Так шли года чредою стройной,<br> - пока цветок не начал цвесть,<br> - озаряя силой новой<br> - все, что только в мире есть. - </p> - <p> - Вокруг него под вдохновеньем<br> - природа стала воскресать,<br> - что перестал быть сон виденьем,<br> - что явью стал волшебный сад. - </p> - <p> - Чудесное сие забвенье<br> - боюсь еще раз пережить,<br> - ничто чтоб этого мгновенья<br> - не в силах было бы затмить. - </p> ---- -\textit{LW} - -Еще один подарок на день рожденья. Дата на несколько дней не правдива. - -Когда я жаждал избавленья\\ -от повседневной суеты,\\ -предстало предо мной виденье\\ -живей всей тленной красоты. - -Я видел голый сад бесхозный.\\ -Всходило солнце над главой.\\ -Но небеса вдруг взгляд свой грозный\\ -сменили мокрою слезой. - -Тогда среди пустыни этой\\ -пророс сквозь землю стебелек,\\ -и тьма в мгновенье стала светом —\\ -зажегся жизни огонек. - -Так шли года чредою стройной,\\ -пока цветок не начал цвесть,\\ -озаряя силой новой\\ -все, что только в мире есть. - -Вокруг него под вдохновеньем\\ -природа стала воскресать,\\ -что перестал быть сон виденьем,\\ -что явью стал волшебный сад. - -Чудесное сие забвенье\\ -боюсь еще раз пережить,\\ -ничто чтоб этого мгновенья\\ -не в силах было бы затмить. diff --git a/themes/posts/2011/12/blog-post_10.tex b/themes/posts/2011/12/blog-post_10.tex deleted file mode 100644 index 2533497..0000000 --- a/themes/posts/2011/12/blog-post_10.tex +++ /dev/null @@ -1,61 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2010-09-29 22:02:00 -tags: Стихотворение -title: Что значит жизнь? -teaser: | - <p> - Что значит жизнь?<br> - Толпа людей, идущих стройно нога в ногу.<br> - Какой из одного путей<br> - избрать нам как свою дорогу? - </p> - <p> - Споткнулся некто и упал,<br> - и вмиг другими был затоптан.<br> - Очнулся он и снова встал,<br> - иль в землю был ногами втоптан? - </p> - <p> - То ничего! Зачем не вем<br> - придет другой из неоткуда.<br> - Пусть не другой — такой как все<br> - Вобьется в строй заместо друга. - </p> - <p> - Продолжим дальше так шагать,<br> - Всдыхая дружно в один голос:<br> - „Моя величественная стать,<br> - как в поле одинокий колос.“ - </p> - <p> - Слепы от солнца не поймем,<br> - что по проложенному следу<br> - мы все за веком в век идем,<br> - задравши подбородки к небу. - </p> ---- -Что значит жизнь?\\ -Толпа людей, идущих стройно нога в ногу.\\ -Какой из одного путей\\ -избрать нам как свою дорогу? - -Споткнулся некто и упал,\\ -и вмиг другими был затоптан.\\ -Очнулся он и снова встал,\\ -иль в землю был ногами втоптан? - -То ничего! Зачем не вем\\ -придет другой из неоткуда.\\ -Пусть не другой — такой как все\\ -Вобьется в строй заместо друга. - -Продолжим дальше так шагать,\\ -Всдыхая дружно в один голос:\\ -„Моя величественная стать,\\ -как в поле одинокий колос.“ - -Слепы от солнца не поймем,\\ -что по проложенному следу\\ -мы все за веком в век идем,\\ -задравши подбородки к небу. diff --git a/themes/posts/2011/12/blog-post_11.tex b/themes/posts/2011/12/blog-post_11.tex deleted file mode 100644 index 0beb1a0..0000000 --- a/themes/posts/2011/12/blog-post_11.tex +++ /dev/null @@ -1,107 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2011-04-09 08:19:00 -tags: Стихотворение -title: Меня обидеть зря стремишься… -teaser: | - <p> - Меня обидеть зря стремишься,<br> - я не подвластен силам зла.<br> - Ты успокойся, ты уймися.<br> - Не сей по ветру зря слова. - </p> - <p> - То, что дурак я бородатый,<br> - открыто было не вчера,<br> - иначе гением объятый,<br> - встречал бы дома вечера. - </p> - <p> - Да, да, теперь уж и не спрячу,<br> - что пьянством горько досаждал,<br> - но вот ведь сам сижу да плачу<br> - прокурен, пьян, прогнил, устал. - </p> - <p> - Не пустишь ныне на порог,<br> - не навестишь при восполеньи<br> - и не ответишь на звонок,<br> - не дашь сопливым наставленья. - </p> - <p> - Оставь, не то одно мне вовсе,<br> - что разжигало нас всегда,<br> - ну или не только это, впрочем…<br> - мне нужно было от тебя. - </p> - <p> - Храня на черный день надежду,<br> - влачишь бездетной дни свои.<br> - Ну а чем я? Чем я утешу?<br> - В семейной жизни нет любви. - </p> - <p> - И все пройдет, бесспорно, знаю;<br> - потом начнется вновь и вновь.<br> - Зато теперь-то понимаю:<br> - не врал, промолвив про любовь. - </p> - <p> - Пусть изначально безнадежна<br> - та дружба глупая была.<br> - Но почему понять так сложно:<br> - не тьма она, а вся светла! - </p> - <p> - Меня обидеть зря стремишься,<br> - я не подвластен силам зла,<br> - через года угомонишься —<br> - ты знаешь, где найти меня. - </p> ---- -\textit{Irina Cornies} - -Меня обидеть зря стремишься,\\ -я не подвластен силам зла.\\ -Ты успокойся, ты уймися.\\ -Не сей по ветру зря слова. - -То, что дурак я бородатый,\\ -открыто было не вчера,\\ -иначе гением объятый,\\ -встречал бы дома вечера. - -Да, да, теперь уж и не спрячу,\\ -что пьянством горько досаждал,\\ -но вот ведь сам сижу да плачу\\ -прокурен, пьян, прогнил, устал. - -Не пустишь ныне на порог,\\ -не навестишь при восполеньи\\ -и не ответишь на звонок,\\ -не дашь сопливым наставленья. - -Оставь, не то одно мне вовсе,\\ -что разжигало нас всегда,\\ -ну или не только это, впрочем…\\ -мне нужно было от тебя. - -Храня на черный день надежду,\\ -влачишь бездетной дни свои.\\ -Ну а чем я? Чем я утешу?\\ -В семейной жизни нет любви. - -И все пройдет, бесспорно, знаю;\\ -потом начнется вновь и вновь.\\ -Зато теперь-то понимаю:\\ -не врал, промолвив про любовь. - -Пусть изначально безнадежна\\ -та дружба глупая была.\\ -Но почему понять так сложно:\\ -не тьма она, а вся светла! - -Меня обидеть зря стремишься,\\ -я не подвластен силам зла,\\ -через года угомонишься —\\ -ты знаешь, где найти меня. diff --git a/themes/posts/2011/12/das-ewig-mannliche.tex b/themes/posts/2011/12/das-ewig-mannliche.tex deleted file mode 100644 index 650ce2e..0000000 --- a/themes/posts/2011/12/das-ewig-mannliche.tex +++ /dev/null @@ -1,130 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2008-08-31 06:00:00 -tags: Стихотворение -title: Das Ewig-Männliche -teaser: | - <p> - Ее семье нужна глава,<br> - я не гожусь для этой роли!<br> - Ах, столь обидные слова!<br> - Ох!, сколь доставили мне боли. - </p> - <p> - Сперва ж, подобно дерзкой Шмидт,<br> - меня мой друг обожествляла,<br> - и свечкой, что в груди горит,<br> - во мне аскета разлагала. - </p> - <p> - Чем идеал не украшай —<br> - пусть бьют меня за то мужчины, —<br> - но, что детенышу скотины,<br> - нам титьку мамки всем давай! - </p> - <p> - Хай мнят, что я последний бабник<br> - (познали б как то тяжело);<br> - будь деспот муж или романтик —<br> - без страха правды: все одно. - </p> - <p> - Тогда в чем разница меж ними,<br> - быть может, спросите Вы вдруг?<br> - Икону девственной богини<br> - вторые в ликах чтут подруг. - </p> - <p> - А первые, рабы Аллаха,<br> - не видят в бабе и души.<br> - А сами-то глупцы из праха,<br> - этап творения Земли. - </p> - <p> - Подруга давняя, спаси!<br> - Не уж то нет жестокости?<br> - Фортит всю жизнь мне тряпкой быть?!<br> - Как пост пройдет, начну я пить… - </p> - <p> - Она: должна быть, мол, глава<br> - на плечах у всех своя,<br> - коль не имеет кто такой,<br> - что терзает ум больной? - </p> - <p> - Я больше года сам живу!..<br> - Меня простите, христианки,<br> - но лишь язычницы-крестьянки<br> - душой здоровы… Посему… - </p> - <p> - …Знай же, что Вечная Женственность в веки<br> - в мир наш, Владимир, увы, не придет.<br> - (Рифму сию да простят человеки).<br> - Я уж скорее продолжу свой род. - </p> ---- -Добрая пародия и ответ сквозь время Владимиру Соловьеву на его „Das Ewig-Weibliche“. - -\epigraph{ - Хочу также, чтобы вы знали,\\ - что всякому мужу глава\\ - Христос, жене глава – муж, а\\ - Христу глава – Бог. -}{\textbf{(1 Кор. XI, 3)}} - -\epigraph{ - Придет к нам, верно, из Лесбо́са\\ - Решенье женского вопроса. -}{\textbf{В. С. Соловьев}} - -Ее семье нужна глава,\\ -я не гожусь для этой роли!\\ -Ах, столь обидные слова!\\ -Ох!, сколь доставили мне боли. - -Сперва ж, подобно дерзкой Шмидт,\\ -меня мой друг обожествляла,\\ -и свечкой, что в груди горит,\\ -во мне аскета разлагала. - -Чем идеал не украшай —\\ -пусть бьют меня за то мужчины, —\\ -но, что детенышу скотины,\\ -нам титьку мамки всем давай! - -Хай мнят, что я последний бабник\\ -(познали б как то тяжело);\\ -будь деспот муж или романтик —\\ -без страха правды: все одно. - -Тогда в чем разница меж ними,\\ -быть может, спросите Вы вдруг?\\ -Икону девственной богини\\ -вторые в ликах чтут подруг. - -А первые, рабы Аллаха,\\ -не видят в бабе и души.\\ -А сами-то глупцы из праха,\\ -этап творения Земли. - -Подруга давняя, спаси!\\ -Не уж то нет жестокости?\\ -Фортит\footnote{От латинского fortūna (судьба)} всю жизнь мне тряпкой быть?!\\ -Как пост пройдет, начну я пить… - -Она: должна быть, мол, глава\\ -на плечах у всех своя,\\ -коль не имеет кто такой,\\ -что терзает ум больной? - -Я больше года сам живу!..\\ -Меня простите, христианки,\\ -но лишь язычницы-крестьянки\\ -душой здоровы… Посему… - -…Знай же, что Вечная Женственность в веки\\ -в мир наш, Владимир, увы, не придет.\\ -(Рифму сию да простят человеки).\\ -Я уж скорее продолжу свой род. diff --git a/themes/posts/2012/01/blog-post.tex b/themes/posts/2012/01/blog-post.tex deleted file mode 100644 index 4acbdc5..0000000 --- a/themes/posts/2012/01/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,50 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-01-06 09:40:00 -tags: Стихотворение -title: Хвалебное пение женщине средних лет -teaser: | - <p> - Скучна, беспомощна, ничтожна<br> - двадцатилетних красота,<br> - пуста, искусственна и ложна,<br> - забвенна завтра навсегда. - </p> - <p> - В лихом кругу студенток юных<br> - сижу безмерно тих и сух.<br> - Как перетянутые струны,<br> - столь рано поседевший дух. - </p> - <p> - В глаза, уставшие от жизни,<br> - смотрю, как в утренний туман.<br> - Движенье губ — тень укоризны,<br> - тяжелый вздох — след давних ран. - </p> - <p> - Бесзлобно над строкой смеется:<br> - у ней есть сын — ровесник мой.<br> - А сердце бьется, снова бьется, сильнее бьется..,<br> - не зная даже возраст свой. - </p> ---- -Скучна, беспомощна, ничтожна\\ -двадцатилетних красота,\\ -пуста, искусственна и ложна,\\ -забвенна завтра навсегда. - -В лихом кругу студенток юных\\ -сижу безмерно тих и сух.\\ -Как перетянутые струны,\\ -столь рано поседевший дух. - -В глаза, уставшие от жизни,\\ -смотрю, как в утренний туман.\\ -Движенье губ — тень укоризны,\\ -тяжелый вздох — след давних ран. - -Бесзлобно над строкой смеется:\\ -у ней есть сын — ровесник мой.\\ -А сердце бьется, снова бьется, сильнее бьется..,\\ -не зная даже возраст свой. diff --git a/themes/posts/2012/01/das-gesagte-und-das-gehorte.tex b/themes/posts/2012/01/das-gesagte-und-das-gehorte.tex deleted file mode 100644 index 49c82b2..0000000 --- a/themes/posts/2012/01/das-gesagte-und-das-gehorte.tex +++ /dev/null @@ -1,9 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-01-29 21:38:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Das Gesagte und das Gehörte ---- -\emph{Das Gesagte:} Gehen wir einen Kaffee trinken? - -\emph{Das Gehörte:} Ja, ich werde deine Frau. diff --git a/themes/posts/2012/02/blog-post.tex b/themes/posts/2012/02/blog-post.tex deleted file mode 100644 index 1c04752..0000000 --- a/themes/posts/2012/02/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,21 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-02-09 03:27:00 -tags: Стихотворение -title: Желанней женщин лишь вино... -teaser: | - <p> - Желанней женщин лишь вино,<br> - лишь рифмой связываю речь.<br> - Очаг семейный все равно<br> - мне не заменит в холод печь. - </p> ---- -Навеяно гамбургскими морозами и не только ими. - -Желанней женщин лишь вино,\\ -лишь рифмой связываю речь.\\ -Очаг семейный все равно\\ -мне не заменит в холод печь.\footnote{Как двусмысленно получилось-то… -Позволю себе сделать небольшое грамматическое пояснение: „очаг“ является -подлежащим, „печь“ — прямым дополнением.} diff --git a/themes/posts/2012/02/lto.tex b/themes/posts/2012/02/lto.tex deleted file mode 100644 index 318435a..0000000 --- a/themes/posts/2012/02/lto.tex +++ /dev/null @@ -1,9 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-02-10 23:33:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: LTO ---- -\emph{Sapientia Sciurus:} Was hast du am Valentinstag vor? - -\emph{Ich:} Ich werde mich verlieben. diff --git a/themes/posts/2012/03/zur-kindererziehung.tex b/themes/posts/2012/03/zur-kindererziehung.tex deleted file mode 100644 index a23300a..0000000 --- a/themes/posts/2012/03/zur-kindererziehung.tex +++ /dev/null @@ -1,12 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-03-18 18:14:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Zur Kindererziehung ---- -Wir verstehen, dass unsere Eltern Recht hatten, wenn es schon zu spät ist. -Genauso geschah Sapientia Sciurus. Als sie noch klein war und Ärger gemacht hatte, -hat ihre Mutter zu ihr gesagt: „Ich bin so müde von dir! Warum bist du nicht als -kleines Kind gestorben!“ Sapientia wurde damals beleidigt und erst jetzt versteht -sie ihre Mutter und stellt sich jeden Tag dieselbe Frage: „Warum bin ich nicht als -kleines Kind gestorben?“ diff --git a/themes/posts/2012/05/geboren-sein-ist-keine-tugend.tex b/themes/posts/2012/05/geboren-sein-ist-keine-tugend.tex deleted file mode 100644 index dfe5247..0000000 --- a/themes/posts/2012/05/geboren-sein-ist-keine-tugend.tex +++ /dev/null @@ -1,43 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-05-16 01:09:00 -tags: Gedicht -title: Geboren sein ist keine Tugend -teaser: | - <p> - Gelebt zu haben ist nichts wert,<br> - geboren sein ist keine Tugend.<br> - Gekommen gestern auf die Welt<br> - beweint man morgen seine Jugend. - </p> - <p> - Du schaffst mit eig’nen Geisteskräften<br> - das Dasein heute wieder neu.<br> - Am achten Tage werd’ allmächtig,<br> - nur bleib gekrümmten Wegen treu! - </p> - <p> - Gepries’nes Menschentöchterlein,<br> - gesegnet sei dein jeder Schritt!<br> - Verzeih des Dichters armen Reim<br> - und seinen ersten Auftritt. - </p> ---- -Der holden Muse. - -\textit{Julia Marie Gramlich} - -Gelebt zu haben ist nichts wert,\\ -geboren sein ist keine Tugend.\\ -Gekommen gestern auf die Welt\\ -beweint man morgen seine Jugend. - -Du schaffst mit eig’nen Geisteskräften\\ -das Dasein heute wieder neu.\\ -Am achten Tage werd’ allmächtig,\\ -nur bleib gekrümmten Wegen treu! - -Gepries’nes Menschentöchterlein,\\ -gesegnet sei dein jeder Schritt!\\ -Verzeih des Dichters armen Reim\\ -und seinen ersten Auftritt. diff --git a/themes/posts/2012/06/eure-perlen-sollt-ihr-nicht-vor-die.tex b/themes/posts/2012/06/eure-perlen-sollt-ihr-nicht-vor-die.tex deleted file mode 100644 index dd387e4..0000000 --- a/themes/posts/2012/06/eure-perlen-sollt-ihr-nicht-vor-die.tex +++ /dev/null @@ -1,12 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-06-09 21:51:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen ---- -\emph{Sapientia Sciurus:} Es gibt Menschen, die man vermeiden sollte. Wenn -man viel mit psychisch Kranken zu tun hat, kann man selbst bald krank werden. -Mein verstorbener Vater war so, ich weiß, wie das ist. - -\emph{Ich:} Du weißt, wie das ist, mit so einem Menschen zu leben. Du hast aber -keine Ahnung davon, wie das ist, so ein Mensch zu sein. diff --git a/themes/posts/2012/07/abschied.tex b/themes/posts/2012/07/abschied.tex deleted file mode 100644 index 5637087..0000000 --- a/themes/posts/2012/07/abschied.tex +++ /dev/null @@ -1,19 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-07-17 21:32:00 -tags: Gedicht -title: Abschied -teaser: | - <p> - Die Liebe ist wie Staub vergänglich,<br> - ich fühle mich erschöpft und krank.<br> - Wem nun gehört die Schuld letztendlich<br> - und der BH im Kleiderschrank? - </p> ---- -\textit{Gewidmet dem Besitzer} - -Die Liebe ist wie Staub vergänglich,\\ -ich fühle mich erschöpft und krank.\\ -Wem nun gehört die Schuld letztendlich\\ -und der BH im Kleiderschrank? diff --git a/themes/posts/2012/07/blog-post.tex b/themes/posts/2012/07/blog-post.tex deleted file mode 100644 index 390b201..0000000 --- a/themes/posts/2012/07/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,19 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-07-17 22:07:00 -tags: Стихотворение -title: Расставание -teaser: | - <p> - Уехала, побыв немного.<br> - Мой обратился мир во мглу.<br> - Остались грусть, тоска, тревога;<br> - прокладки, лифчик на шкафу. - </p> ---- -\textit{Владельцу} - -Уехала, побыв немного.\\ -Мой обратился мир во мглу.\\ -Остались грусть, тоска, тревога;\\ -прокладки, лифчик на шкафу. diff --git a/themes/posts/2012/08/am-scheideweg.tex b/themes/posts/2012/08/am-scheideweg.tex deleted file mode 100644 index 4e7fc1e..0000000 --- a/themes/posts/2012/08/am-scheideweg.tex +++ /dev/null @@ -1,9 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-08-05 18:09:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Am Scheideweg ---- -\emph{Sapientia Sciurus:} Alkohol ist keine Lösung! - -\emph{Ich:} Nüchternheit ebenfalls nicht. diff --git a/themes/posts/2012/08/blog-post.tex b/themes/posts/2012/08/blog-post.tex deleted file mode 100644 index 863fe33..0000000 --- a/themes/posts/2012/08/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,69 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-08-16 22:10:00 -tags: Стихотворение -title: Во мраке дня, во свете ночи… -teaser: | - <p> - Во мраке дня, во свете ночи<br> - заточены под камень стен,<br> - от возведенья перемен<br> - не знавших. Если бы короче<br> - пусть на мгновение одно<br> - предстало древнее сукно. - </p> - <p> - Пространство тесностью налито.<br> - Часы настенные стоят:<br> - покой нарушить не хотят, —<br> - обрушится ненаровито<br> - зелено-желтый потолок,<br> - раздайся неуклюжий слог. - </p> - <p> - Была ли где входная дверь?<br> - Не можно было здесь родиться?!<br> - Как два звена цепи влачиться,<br> - что тащит в век бездомный зверь.<br> - Нет окон. Бледно-синий свет<br> - во все концы струит рассвет. - </p> - <p> - Когда нас страх зажал в углу,<br> - вонзилась в кожу мне до боли —<br> - легли печатью на полу<br> - хладные капли первой крови.<br> - Век на двоих свой доживать,<br> - не лгать, не думать, не стяжать. - </p> ---- -Еще в ранней стадии написания одной из моих уважаемых рецензоров было -причислено к сюрреализму. В любом случае это нечто новое для меня в плане стиля. - -Во мраке дня, во свете ночи\\ -заточены под камень стен,\\ -от возведенья перемен\\ -не знавших. Если бы короче\\ -пусть на мгновение одно\\ -предстало древнее сукно. - -Пространство тесностью налито.\\ -Часы настенные стоят:\\ -покой нарушить не хотят, —\\ -обрушится ненаровито\\ -зелено-желтый потолок,\\ -раздайся неуклюжий слог. - -Была ли где входная дверь?\\ -Не можно было здесь родиться?!\\ -Как два звена цепи влачиться,\\ -что тащит в век бездомный зверь.\\ -Нет окон. Бледно-синий свет\\ -во все концы струит рассвет. - -Когда нас страх зажал в углу,\\ -вонзилась в кожу мне до боли —\\ -легли печатью на полу\\ -хладные капли первой крови.\\ -Век на двоих свой доживать,\\ -не лгать, не думать, не стяжать. diff --git a/themes/posts/2012/10/blog-post.tex b/themes/posts/2012/10/blog-post.tex deleted file mode 100644 index a725853..0000000 --- a/themes/posts/2012/10/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,39 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-10-08 07:16:00 -tags: Стихотворение -title: Когда-то я берег здоровье… -teaser: | - <p> - Когда-то я берег здоровье<br> - и окруженьем дорожил.<br> - — Присядьте, ешьте на здоровье.<br> - — Спасибо, уж перекусил. - </p> - <p> - Как ненавижу ярко солнце.<br> - Ни дня жить больше не хочу.<br> - Прикрыл поганый тюль оконце,<br> - соседей дымом отравлю. - </p> - <p> - Давно не радуют рассветы,<br> - давно средь сумерек встаю,<br> - давно грущу под песню эту,<br> - что сам скрипя душой пою. - </p> ---- -Когда-то я берег здоровье\\ -и окруженьем дорожил.\\ -— Присядьте, ешьте на здоровье.\\ -— Спасибо, уж перекусил. - -Как ненавижу ярко солнце.\\ -Ни дня жить больше не хочу.\\ -Прикрыл поганый тюль оконце,\\ -соседей дымом отравлю. - -Давно не радуют рассветы,\\ -давно средь сумерек встаю,\\ -давно грущу под песню эту,\\ -что сам скрипя душой пою. diff --git a/themes/posts/2012/12/kleine-kommunikationstheorie.tex b/themes/posts/2012/12/kleine-kommunikationstheorie.tex deleted file mode 100644 index ba6ebc4..0000000 --- a/themes/posts/2012/12/kleine-kommunikationstheorie.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2012-12-18 07:45:00 -tags: Gedicht -title: Kleine Kommunikationstheorie -teaser: | - <p> - Zwei Wörter lassen sich nicht binden,<br> - ein Satz ergibt bloß subjektiven Wert.<br> - Gespräche lass’n sich besser singen —<br> - so bleibt Verlust an Sinn verdeckt. - </p> ---- -Zwei Wörter lassen sich nicht binden,\\ -ein Satz ergibt bloß subjektiven Wert.\\ -Gespräche lass’n sich besser singen —\\ -so bleibt Verlust an Sinn verdeckt. diff --git a/themes/posts/2013/04/das-dunkle-wissenschaftsalter.tex b/themes/posts/2013/04/das-dunkle-wissenschaftsalter.tex deleted file mode 100644 index 13434cf..0000000 --- a/themes/posts/2013/04/das-dunkle-wissenschaftsalter.tex +++ /dev/null @@ -1,8 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2013-04-29 21:44:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Das dunkle Wissenschaftsalter ---- -Gestern war die Philosophie die Magd der Theologie, heute hat man für die Kunst -und Mystik das Wort „Geisteswissenschaft“ ausgedacht. diff --git a/themes/posts/2013/05/dubito-ergo-non-esse-possim.tex b/themes/posts/2013/05/dubito-ergo-non-esse-possim.tex deleted file mode 100644 index e1e3ce4..0000000 --- a/themes/posts/2013/05/dubito-ergo-non-esse-possim.tex +++ /dev/null @@ -1,259 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2013-05-25 06:16:00 -tags: Aufsatz -title: Dubitō ergō nōn esse possim -teaser: | - <p> - Seit der Entstehung der Menschheit wunderte man sich über die Welt, die einen - umgibt. Man fragte sich, wie die Umwelt funktioniert, was hinter den natürlichen - Ereignissen steht, suchte nach Gesetzmäßigkeiten und legte auf diese Weise den - ersten Grundstein für das Gebäude der Physik. Dieses Projekt war jedoch - anscheinend so komplex, dass manche Philosophen sich wenige Jahrhunderte später - die Ansicht aneigneten, dass es überhaupt keine Wahrheit sondern nur Schein und - Täuschung gebe. Durch Grübelei und Diskutieren gelangte man schließlich zum - Zentrum seines Daseins, zu seinem Selbst, und stellte sich nun die Frage: „Was - bin ich? Habe ich zumindest eine sichere Erkenntnis, dass es mich selbst - tatsächlich gibt, oder bin ich auch ein bloßer Schein, eine Selbsttäuschung?“ - </p> ---- -\subsection{Der Heimweg ins Reich des Selbst} - -\epigraph{Nosce te ipsum.}{\textbf{Oraculum Delphis}} - -Seit der Entstehung der Menschheit wunderte man sich über die Welt, die einen -umgibt. Man fragte sich, wie die Umwelt funktioniert, was hinter den natürlichen -Ereignissen steht, suchte nach Gesetzmäßigkeiten und legte auf diese Weise den -ersten Grundstein für das Gebäude der Physik. Dieses Projekt war jedoch -anscheinend so komplex, dass manche Philosophen sich wenige Jahrhunderte später -die Ansicht aneigneten, dass es überhaupt keine Wahrheit sondern nur Schein und -Täuschung gebe. Durch Grübelei und Diskutieren gelangte man schließlich zum -Zentrum seines Daseins, zu seinem Selbst, und stellte sich nun die Frage: „Was -bin ich? Habe ich zumindest eine sichere Erkenntnis, dass es mich selbst -tatsächlich gibt, oder bin ich auch ein bloßer Schein, eine Selbsttäuschung?“ - -Die so für den gemeinen Menschen merkwürdige Frage nach dem eigenen Sein -wurde schon so oft gestellt, obwohl nichts sicherer zu sein scheint, als, dass -es mich, wie ich mich empfinde, tatsächlich gibt. „Sei du selbst!“ hört man oft. -Was soll ich sein? Immer wieder versuchen die Philosophen auf diese Frage eine -Antwort zu geben, abstrahieren sich von ihren Vorgängern, um ihre Fehler nicht -zu erben und versuchen ihr System komplett und vollständig vom Anfang an -aufzubauen. - -René Descartes erhob den Anspruch, das menschliche Denken auf einen festen -Boden zu stellen. 1637 veröffentlichte er den „Discours de la Méthode“, wo er -unter Anderem das Thema, was der Mensch ist und was der Mensch nicht ist, -behandelt. Wie gründlich und sicher der von ihm gelegte Weg ist, möchte ich im -Folgenden einer Prüfung unterziehen. - -\subsection{Kritik an Descartes' Grundsatz} - -\subsubsection{Die heimatlose Seele} - -\epigraph{% -„Danach prüfte ich mit Aufmerksamkeit, was ich -war, und sah, daß ich so tun konnte, als ob ich keinen Körper hätte und es weder -eine Welt noch einen Ort gäbe, an dem ich mich befand\@. [\dots] Deshalb ist dieses -Ich, d.h.\ die Seele, durch die ich das bin, was ich bin, vollkommen -unterschieden vom Körper [\dots].“ -}{} - -Der Leib sei kein notwendiger Bestandteil des Menschen, da die Seele (die -eigentliche Substanz, das Denkende) von keinem materiellen Ding -abhänge.\footcite[59]{discours} Mein Vorstellungsvermögen -reicht weder aus, um eine Seele, noch überhaupt etwas Nicht-Materielles -vorzustellen. Descartes verwechselt einen Begriff mit einer Vorstellung. Man hat -einen Begriff der Seele, aber keine Vorstellung davon, man hat einen Begriff der -Unendlichkeit, aber keine Vorstellung des Unendlichen,\footnote{Übrigens -entspringen die bekannten Paradoxa Zenos von Elea daraus, z.B. jenes, dass ein -Stab in zwei Teile getrennt werden kann, einer dieser Teile noch in zwei und so -ad infinitum. Es gibt folglich einen Begriff vom Unendlichen (unendlichen Teilen -in diesem Beispiel), mit dem man jedoch nichts anfangen kann, weil keine -Vorstellung gegeben ist. Wo das Fehlen der Vorstellung mit einem vorhandenen -Begriff zusammenstößt, entsteht ein Parodoxon (eine Antinomie bei Kant).} -einen Gottesbegriff, aber keine Vorstellung von Gott. Deswegen werden die -Gespenster in den Filmen zwar nicht als Menschen dargestellt, aber als -einigermaßen materielle Wesen, die man entweder sieht oder hört oder auf eine -andere Weise spürt (etwas Anderes ist gar nicht vorstellbar); deswegen gibt es -kirchliche Ikonen und Pilgerfahrten, weil man etwas Übersinnliches kaum verehren -kann. - -\subsubsection{Meine Gedanken sind meine Gäste} - -\epigraph{% -„Daraus erkannte ich, daß ich eine -Substanz war, deren ganzes Wesen oder deren ganze Natur nur darin bestand, zu -denken [\dots].“ -}{} - -Descartes definiert den Menschen als \textit{res -cogitans},\footcite[Vgl.][14--16]{principia} die Wladimir Solowjow -seinerseits als „cartesianisch[en] -Bastard“\footcite[115]{solowjow8} bezeichnet, weil jener dem -Subjekt das zuschreibe, was ihm nicht mit Sicherheit gehöre. Kein Mensch hat -sich jemals mit seinen Gedanken identifiziert, was schon aus dem Sprachgebrauch -zu sehen ist: eine Idee \textit{haben}, \textit{to have} an idea (englisch), -\textit{avoir} une idée (französisch), \textit{иметь} идею (russisch) --- und -ähnlichen Ausdrücken, wie mir ist \textit{etwas eingefallen}, mir ist \textit{ein -Gedanke gekommen}. - -Andererseits haben viele Menschen ein Gewissen. Wie oft bereut ein -Erwachsener, dass er seinen Eltern Unrecht getan hat, indem er ihnen falsche -Motive unterstellte. Ich bereue also Gedanken, die ich hatte, als ob sie mir -fremd gewesen wären. Auf dasselbe läuft die christliche Patrologie hinaus: -„denn es fordert von dir der Herr, daß du über dich selbst zürnest und gegen -deinen Sinn kämpfest, nicht übereinstimmest und liebäugelst mit den Gedanken -\textit{der Bosheit}.“\footcite[17]{makarius}[Eigene -Hervorhebung] Folglich kann man sehr wohl glauben, dass, was nach Descartes -den Menschen ausmacht, das Denken, nicht das Subjekt selbst ist, sondern, -zumindest teilweise, von außen kommt (von Gott oder dem Teufel zum Exempel). - -\subsection{Die Traumwelt oder die Welt des Traumes} - -\epigraph{% -Die Nacht, die wir in tiefem Schlummer sehen,\\ -Ein Engel schuf sie hier aus diesem Stein,\\ -Und weil sie schläft, muss sie lebendig sein,\\ -Geh, wecke sie, sie wird dir Rede stehen.}{\textbf{Giovanni Strozzi auf die „la Notte“ von Michelangelo}} - -Descartes behauptet, dass die Gedankenwelt eines Traumes niemals so evident -und vollständig wie diese der Realität -sei.\footcite[Vgl.][69 f]{discours} Wie kann man zu diesem Schluss -kommen? Man vergleicht das Realitätsbewusstsein mit demjenigen eines Traumes, -was allerdings gar nicht in die umgekehrte Richtung geht: Im Traum gelten andere -Gesetze, die \textit{in diesem Moment} unvergleichbare Evidenz und -Vollständigkeit haben. Wenn ich also eine zweite Realität annehme und ich nur -das Produkt eines Traumes eines Marsianers bin, dann sind die Gedankengänge -meiner Wirklichkeit genauso lächerlich und absurd für die zweite Realität. - -Die zweite Bedingung für die Vergleichbarkeit zweier Welten (Schlaf- und -Wachzustandes) ist die Zeit, da man momentanes Bewusstseinsgut mit einem in der -Vergangenheit liegenden Traum vergleicht. „Aber was ist eigentlich diese Summe -des Vergangenen? Liegt sie in meiner Hosentasche oder befindet sie sich auf -meinem Konto in der Bank? Sie existiert doch nur in dieser Minute, bloß als eine -Erinnerung, d.h.\ ein Bewusstseinszustand, ungetrennt davon, was ich nun -empfinde, und es ist selbstverständlich, dass im Fall einer Illusion des -Bewusstseins, sie auch eine Illusion des Gedächtnisses beinhaltet: -[\dots]“\footcite[121]{solowjow8} Warum, wenn unsere Sinnesorgane -uns keine objektive Darstellung des Raumes liefern, soll ich annehmen, dass die -Zeit nicht auch so ein Betrug ist. - -Man kann seine Vergangenheit ganz leicht und schnell rekonstruiren, auch wenn -diese Rekonstruktion nicht im Geringsten der Wahrheit entspricht, ohne dabei -die Absicht zu lügen zu haben. Juristen sind so genannte \textit{Knallzeugen} -bekannt. „Der Knallzeuge funktioniert so: Es hat sich ein Autounfall ereignet, -zwei Fahrzeuge sind auf einer Kreuzung ineinander gerast; nun gilt es -herauszufinden, wer die Schuld trägt. Glücklicherweise existiert ein Zeuge, der -vor Gericht den Unfallhergang in allen Einzelheiten beschreiben kann\@. [\dots] -[D]er erfahrene Richter hat das Kinn in die Hand gestützt, hört dem Zeugen -aufmerksam zu und stellt schließlich die Frage, die man ihm im Referendariat -beigebracht hat: ‚Und wie sind Sie auf das Unfallgeschehen aufmerksam geworden?‘ -Der Zeuge antwortet: ‚Als es so schrecklich knallte, habe ich mich -umgedreht.‘“\footcite[17]{psyche} Der Zeuge erzählte, was er -gar nicht gesehen hatte, wobei er selbst von seiner Geschichte so überzeugt war, -dass er die Widersprüchlichkeit seiner Aussagen gar nicht bemerkte. Umso mehr -kann ich daran glauben, dass ich ein seine Seminararbeit schreibender -Philosophiestudent bin, der sich ganz deutlich an sein Abitur erinnern kann, -auch wenn ein Marsianer von mir erst seit zwei Minuten -träumt.\footcite[Vgl.][121]{solowjow8} - -\subsection{Auf den Kredit Gottes\footcite[Vgl.][13]{schopenhauer}} - -\epigraph{% -„Denn erstens ist sogar das, was ich soeben als Regel angenommen habe --- nämlich -daß alle die Dinge, die wir sehr klar und sehr deutlich verstehen, wahr sind ---, -nur sicher, weil es Gott gibt oder er existiert und er ein vollkommenes Sein ist -und alles, was es in uns gibt, von ihm herkommt.“ -}{} - -Den nächsten Schritt, den Descartes tut, um die wirkliche Existenz von -\textit{res cogitans} und \textit{res -extensa}\footcite[Vgl.][14--16]{principia} zu rechtfertigen, ist -der Gottesbeweis, wobei bereits Schopenhauer bemerkte, dass dieser Vorgang -selbst „freilich wunderlich“ ist: „[\dots] es ist der umgekehrte kosmologische -[von der Existenz der Welt auf einen Urheber schließende] -Beweis.“\footcite[13]{schopenhauer} Der Autor des Discours' -schließt vom Vorhandensein des Begriffes der Vollkommenheit bei dem selbst -unvolkommenen Menschen auf die Existenz eines vollkommenen Wesens. Diese -Vollkommenheit muss bei Descartes das Gute bedeuten, weil er aus ihr den Schluss -zieht, dass die Außenwelt wirklich ist, weil dieses Wesen uns anscheinend nicht -betrügen darf. Es stellt sich allerdings die Frage, was „gut“ bedeutet. Der -Begriff des Guten ist in uns gelegt, aber er hat keine übermenschliche Bedeutung. -Es könnte eine Welt geben, wo der Mord als gut betrachtet wird, aus dem Grund, -dass das oberste Wesen dies als etwas Gutes definiert und in uns legt. Man kann -also von unserem Begriff der Vollkommenheit beziehungsweise des Guten nicht auf -die Begrifflichkeit des Schöpfers schließen, der selbst diese Begriffe -definierte und definieren kann. Unser Schöpfer könnte ein Dämon sein, der um uns -herum eine Illusion erschuf und uns glauben ließ, dass er ein vollkommen gutes -Wesen sei (also von meiner Sicht dessen, was gut ist). - -Außerdem widerspricht sich Descartes, wenn er behauptet, dass man von der -Vorstellbarkeit der Vollkommenheit auf einen volkommenen Gott schließen -kann\footcite[Vgl.][59--63]{discours} und an einer anderen Stelle -schreibt, dass man von der Vorstellbarkeit einer Chimäre nicht auf ihre Existenz -schließen darf\footcite[Vgl.][69]{discours} (zwar ist -offensichtlich, dass er im letzten Fall eine bildliche Anschauung meint, aber -zumindest kann ich mir eine Chimäre anhand meines Anschauungsvermögens leichter -als Gott vorstellen, von dem ich nichts Sicheres sagen kann). - -Einen anderen treffenden Einwand bringt Schopenhauer: „Hiebei läßt er -überdies sich nun eigentlich noch einen bedeutenden \textit{circulus vitiosus} -[Zirkelschluß] zu Schulden kommen. Er beweist nämlich die objektive Realität der -Gegenstände aller unserer anschaulichen Vorstellungen aus dem Daseyn Gottes, als -ihres Urhebers, dessen Wahrhaftigkeit nicht zuläßt, daß er uns täusche: das -Daseyn Gottes selbst aber beweist er aus der uns angeborenen Vorstellung, die -wir von ihm, als dem allervollkommensten Wesen angeblich -hätten.“\footcite[91]{schopenhauer} --- und macht einen -angemessenen Schluss, indem er einen von Descartes' Landesleute zitiert: „Il -commence par douter de tout, et finit par tout croire [Er fängt damit an, daß er -alles bezweifelt, und hört damit auf, daß er alles -glaubt] [\dots].“\footcite[91]{schopenhauer} - -\subsection{Das Ich und seine Subjekte} - -Man könne an seinem eigenen Dasein nicht zweifeln, behauptet der Autor, was -allein der Tatsache widrig ist, dass man daran tatsächlich zweifelt. Was man -nicht behaupten kann, ist, dass man an etwas nicht zweifeln kann, woran man -schon Jahrtausende lang und bis in unsere Tage erfolgreich zweifelt und was -daher verständlicherweise nicht so einfach zu leugnen -ist.\footcite[Vgl.][109]{solowjow8} Andererseits muss man -Descartes Recht geben, dass es etwas gibt, was ich nicht bezweifeln kann, weil, -wenn ich sage: „Ich bezweifle etwas“, identifiziere ich mich doch mit einem -\textit{Ich}. Ganz unabhängig davon, ob ich jetzt träume oder wach bin, ist mir -etwas bewusst, was meinerseits als Ich bezeichnet wird. Dieses Ich empfindet -sich als ein Subjekt, eine Form, deren Inhalt zweifelhaft ist. - -Folglich muss die cartesianische denkende Substanz in zwei Teile -ausdifferenziert werden, wobei ich auf Solowjows Termini zurückgreifen möchte -und den einen Teil als reines (phänomenologisches) Subjekt und den anderen als -psychisches (empirisches) Subjekt bezeichnen. Jenes ist sicher und -unerschütterlich, da es uns auf dem unmittelbarsten Wege gegeben ist, aber leer, -dieses erfüllt und bunt, weil es die ganze Persönlichkeit enthält, dennoch -wackelig und grundlos.\footcite[Vgl.][123]{solowjow8} - -\subsection{Ego cogito ergo sum sed quis ego sum?} - -\epigraph{„Cartesius gilt mit Recht für den Vater der neuern Philosophie [\dots].“} -{\textbf{Arthur Schopenhauer\footcite[13]{schopenhauer}}} - -Das große Verdienst Descartes' ist, dass er die spätere Philosophie auf den -Weg hinwies, auf dem man nicht von eingebildeten Pseudo-Wahrheiten lebt, sondern -konstruktiv zweifelt, um einen Fortschritt der philosophischen Forschung zu -ermöglichen, ohne dabei in der Sackgasse des Skeptizismus zu enden. Einmal auf -diesen Weg getreten wollte er ihn unglücklicherweise selber nicht zu Ende gehen. -Allein daran, dass seine Schriften immer noch Aufregung, Nachdenken und -Diskussionen in der philosophierenden Welt hervorrufen, kann man ersehen, wie -unentbehrlich seine Erbe an das Moderne ist. - -Nun ist das reine Ich menschlicher Erkenntnis unzugänglich. Man ist nur fähig -reflexiv über das empirische Ich --- über seinen Charakter und die Summe psychischer -Zustände --- die einen zum Individuum machen, nachzudenken. Das reine Ich macht in -dieser Hinsicht dieselben Schwierigkeiten, wie der Versuch, die eigenen Ohren -ohne einen Spiegel zu betrachten. Bin ich eine willensfreie Persönlichkeit?, -eine Puppe im Theater eines mir fremden Wesens?, ein Splitter, der eigentlich -mit einer Gottheit zusammen, die zugleich die Welt ist, und die aus nur ihr -bekannten Gründen plötzlich ihre Harmonie und ihr Gleichgewicht verlor, ein -Ganzes bildet?, ein armer und einsamer Knecht seines Schicksals, der sich -einbildet, dass er etwas sieht, hört, mit jemandem spricht?, das zufällige -Produkt der blinden Natur, die kein einziges Gramm Geist -enthält? diff --git a/themes/posts/2013/06/ein-sklave-der-freiheit.tex b/themes/posts/2013/06/ein-sklave-der-freiheit.tex deleted file mode 100644 index 5a51a79..0000000 --- a/themes/posts/2013/06/ein-sklave-der-freiheit.tex +++ /dev/null @@ -1,256 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2013-06-02 15:27:00 -tags: Aufsatz -title: Ein Sklave der Freiheit -teaser: | - <p> - Georg Wilhelm Friedrich Hegel versteht dagegen das Recht als das Dasein der - Idee der Freiheit, die ihrerseits existenziell für das menschliche Wesen ist. - Diese Idee wird nicht wie die ewige Pest von Eltern zu ihren Kindern - weitergegeben, sondern vielmehr werden immer mehr ihrer Momente vom Geist - aufgenommen und verwirklicht, sie ist die Einheit von Begriff und - Wirklichkeit, die der Begriff sich selbst gibt. Die Freiheit, die die - Substanz des Rechts darstellt, wird von Hegel nicht als etwas Schlechtes, - Gesetzloses, Anarchisches verstanden, sondern als etwas moralisch - Positives, sodass man auf höheren Entfaltungsstufen des Geistes von einem - vollkommeneren Recht reden kann. - </p> ---- -\subsection{Begriff des Rechts in Hegels Rechtsphilosophie} - -\epigraph{% -Es erben sich Gesetz’ und Rechte\\ -Wie eine ew’ge Krankheit fort,\\ -Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte\\ -Und rücken sacht von Ort zu Ort.\\ -Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage;\\ -Weh dir, dass du ein Enkel bist!\\ -Vom Rechte, das mit uns geboren ist,\\ -Von dem ist leider! nie die Frage.}{\textbf{Johann Wolfgang von Goethe\footcite[55]{faust}}} - -Johann Wolfgang von Goethe legt diese Worte dem Teufel in den Mund, der einen -Schüler belehrt. Man spricht davon, dass klassische Dichter wie Goethe immer -aktuell bleiben oder sogar mit der Zeit an Aktualität gewinnen. Ist es so? -Goethes Zeitgenosse, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, versteht dagegen das Recht -als das Dasein der Idee der Freiheit, die ihrerseits existenziell für das -menschliche Wesen ist. Diese Idee wird nicht wie die ewige Pest von Eltern zu -ihren Kindern weitergegeben, sondern vielmehr werden immer mehr ihrer Momente -vom Geist aufgenommen und verwirklicht, sie ist die Einheit von Begriff und -Wirklichkeit, die der Begriff sich selbst -gibt\footcite[Vgl.][234 f]{schnaedelbach}. So befindet sich auch das Recht -im permanenten Progress, denn „[j]ede Stufe der Enwticklung der Idee der -Freiheit hat ihr eigentümliches -Recht [\dots]“\footcite[43]{grund}. Die Freiheit, die die -Substanz des Rechts darstellt, wird von Hegel nicht als etwas Schlechtes, -Gesetzloses, Anarchisches verstanden, sondern als etwas moralisch -Positives\footcite[Vgl.][40 f]{thought}, sodass man auf höheren -Entfaltungsstufen des Geistes von einem vollkommeneren Recht reden kann. - -Der Mensch geht einen dornigen Weg in der Geschichte, reinigt sein -Menschenbild. Es ist kaum zu bestreiten, dass ein Bürger eines modernen -Rechtsstaates, rechtstheoretisch gesehen, freier als zuvor ist; aber was ist -jenes Recht, das uns diese Freiheit gibt: Ist es ein Segen, wie es Hegel -beschreibt, oder doch eine beständig anschwellende Bürde, wie es der als Faust -verkleidete Mephisto behaupten würde? Im Folgenden wird mich die Frage -beschäftigen, inwiefern das Rechtssystem eines Staates das Wohlergehen seiner -Bürger widerspiegelt; ob ein höheres Recht sich im immer menschlicher werdenden -Menschen spürbar macht. - -\subsection{Wie ist die Entwicklung in der Geschichte möglich?} - -Der erste Punkt, der in diesem Zusammenhang von Belang ist, ist, wie Hegel -denkt, die Verbindung zwischen dem staatlichen Recht und den Bürgern dieses -Staates herstellen zu können. Es ist bei Hegel so, dass das Recht zu einem -bestimmten Zeitpunkt die Entwicklungsstufe des Volksgeistes darstellt. Es sei -deswegen gar nicht möglich, dass irgendein Mensch seine Zeit überholt. Als -Beispiel erwähnt Hegel den platonischen Staat und behauptet, dass er kein -Vorbild in alle Ewigkeit, sondern nur „die Natur der griechischen -Sittlichkeit“\footcite[Vgl.][13]{grund} jener Zeit sei. Ein noch -besseres Beispiel wäre, dass Hegel zwar den Anspruch erhebt, nicht über einen -konkreten Staat bzw.\ ein politisches System zu -schreiben,\footcite[Vgl.][15]{grund} seinem Vorhaben selbst aber -nicht immer treu bleibt. So vertritt er die konstitutionelle Monarchie als die -beste der bekannten Staatsformen, womit man heutzutage nicht unbedingt zufrieden -wäre,\footcite[Vgl.][249 ff]{schnaedelbach} d.h.\ er hielt für etwas -allgemein Vernünftiges und einem Rechtsstaat Unentbehrliches, was bloß der -Tradition seiner Zeit angemessen war. - -Vielmehr schreibt Hegel, dass die Philsophie mit ihren Belehrungen immer zu -spät sei, „[a]ls der Gedanke der Welt erscheint sie erst in der Zeit, nachdem -die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß -vollendet [\dots] hat.“\footcite[Vgl.][17]{grund} Es scheint Hegels -Antwort auf die Frage zu sein, wie überhaupt geschichtlicher Fortschritt möglich -ist, wenn der Mensch seiner eigenen Zeit nicht voraus sein kann, dass der Geist, -das freie Bewusstsein und damit das Recht sich unabhängig vom menschlichen -Wollen entwickeln. In der Tat wird das Menschenbild in Europa immer -fortschrittlicher: es gibt keine offizielle Sklaverei, die Hautfarbe entscheidet -nicht über die menschliche Würde und die Eltern haben keine Macht über ihre -Kinder wie über einen Gegenstand. In Deutschland werden diese Ansichten auch -juristisch im Grundgesetz verankert. - -Ferner sieht Hegel das Ziel der Philosophie in der Erforschung des -Wirklichen, das auch vernünftig ist.\footcite[Vgl.][15 f]{grund} -Somit ist alles Klagen über den wirklichen Staat unvernünftig. Es gibt jedoch -auch Rückschritte. Was ist mit den Zeiten, die von den meisten Menschen im -Nachhinein als höchst unvernünftig und sogar unmenschlich betrachtet werden, wie -z.B. die des deutschen Nationalsozialismus: musste man dem Staat gehorchen, weil -er wirklich und vernünftig gewesen war? „[\dots] Hegel distinguished between -phenomena that embody a rational structure and those that do -not“\footcite[234]{cambridge}, heißt es bei Kenneth Westphal mit -dem Verweis auf das Vorwort der Philosophie des Rechts. Wann ist dennoch diese -Grenze des Vernünftigen überschritten? Hier stolpern wir über das erste Problem, -was die Entfaltung des Geistes angeht: Es gibt kein wirkliches Kriterium, um die -jeweilige politische Situation bewerten zu können. Hegel sucht nach dem -Vernünftigen trotzdem im Transzendentalen und setzt damit anstelle der Willkür -seiner unvernünftigen Mitbürger, die ständig über ihren Staat klagen, seine -eigene Willkür.\footnote{Zu demselben Gedanken führt Hegels Plädieren für die -konstitutionelle Monarchie, die ich oben erwähnte.} Da man jedoch, wenn -man die Gegenwart mit der Vergangenheit vergleicht, den Fortschritt feststellen -kann, muss die blinde Menschheit von der Geschichte an der Hand geführt werden, -sie stößt gegen Gegenstände im dunklen Raum und zieht sich blutige Wunden im -Gesicht zu, nähert sich aber immer mehr dem Funken der Freiheit. Doch frage ich -mich: Was ist diese Menschheit in ihren Einzelteilen, wirken die Organen im -Ganzen des Organismus mit? - -\subsection{Zusammenhang des Menschenbildes und seiner Verwirklichung} - -Die Behandlung dieser Frage beginne ich mit einer kurzen Geschichte. Ich -wurde einmal in Hamburg von einer Gruppe junger Leute angesprochen. Sie seien -von einem Unternehmen angestellt, dessen Auftrag es sei, Jugendlichen aus -schwierigen Verhältnissen zu helfen, ins Berufsleben einzusteigen, und zwar -sollen die Letzteren Zeitschriften austragen. Meine Aufgabe sei es, dabei zu -helfen, sie zu kontrollieren. Dafür sollte ich eine Zeitschrift beantragen; ich -werde regelmäßig ein Formular zugeschickt bekommen, in dem ich einzutragen -hätte, ob ich alle Zeitschriften in dieser Periode erhalten hatte. Meine -Belohnung sei, dass ich die Zeitschrift ein halbes Jahr lang gratis bekäme. Ich -unterzeichnete den Vertrag. Mehrere Wochen danach bekam ich mein erstes Magazin -zusammen mit einem zweijährigen Abonnement, das ich selbstverständlich bezahlen -musste. Die Angelegenheit entpuppte sich also als eine sogenannte „Abofalle“. Da -ist auch klar, warum der Vertrag erst zwei Wochen später zugesandt wurde (damit -ich Angst habe, dass ich nach vierzehn Tagen nicht mehr kündigen kann, was in -der AGB auf der Rückseite des Vertrages klein geschrieben steht). Seitdem -erhielt ich eine Sammlung von Briefen, die mir meine letzte Chance ankündigen, -meine Schulden zu begleichen, bevor ich vor Gericht gezogen werde. Dabei -handelte es sich nicht um einen harmlosen Einzelfall. Auf der Suche nach Hilfe -bin ich weiteren Opfern begegnet. Wir waren mit einer Organisation konfrontiert, -die schon seit Jahren auf verschiedene Weisen, aber immer mit gut ausgesuchten -und bis ins Detail durchdachten Methoden die Menschen betrügt, den naiven -Bürgern das letzte Vertrauen entzieht und Rentner ohne ihre Ersparnisse im Stich -lässt.\footnote{Viel extremer sind die Rechtsstreitigkeiten der letzten Jahre in -der IT-Industrie zwischen großen Unternehmen, wie 2012 zwischen Apple und Samsung -oder Oracle und Google. Ohne weiter auf die Details eingehen zu wollen, muss man -doch feststellen, dass zwar ein an sich ganz gerechtes Anliegen vertreten wurde, -doch bei näherer Betrachtung der Gründe ähnelten die Prozesse doch einem Abzock -des jeweils angeklagten Unternehmens.} Hier kommt die -Schattenseite des modernen Rechts zum Vorschein: Die Freiheit bietet auch -Freiheit für Verbrecher. Wozu muss jemand altmodisch in einer dunklen Gasse auf -seine Opfer stechen und sie berauben, wenn es anhand des vorhandenen -Rechtssystems viel eleganter und sicherer gelingt? Und es geht gar nicht um das -Gesetz, dass in dicken Büchern niedergeschrieben ist und das bloß ausgenutzt -wird, aber an sich ganz angemessen ist, natürlich hätten z.B. die Betrüger in -meinem Fall keine Chance vor Gericht gehabt, wenn ich zum Anwalt gegangen wäre; -es geht um Menschen aus Fleisch und Blut mit ihren Schwächen, Menschen, von -denen nicht jeder Spaß daran hat, nach der Arbeit seine Rechte zu studieren, -Menschen, die um die Freiheit des Rechts fürchten. - -Noch ein paar Worte möchte ich zur Freiheit sagen, die Hegel nach dem Recht -innewohnt. Die Würde des Menschen als eines freien Wesens wird immer mehr -ausgeprägt und legitimiert; in einer anderen Hinsicht wird dem Menschen seine -persönliche Freiheit entzogen. Es finden sich immer Menschen, die einen solchen -Fall, wie den, den ich geschildert habe, ungefähr folgendermaßen kommentieren -würden: „Du solltest nicht so dumm sein, du bist selber schuld.“ Welcher Unfug! -Das Vertrauen in andere Menschen wird dabei mit Naivität und Dummheit -gleichgesetzt. Der Mensch wird immer verschlossener, kann nicht mehr frei -handeln: die Anderen umgeben ihn. Wem vertrauen wir? Unseren Nachbarn? Einem neu -geöffneten Online-Shop? Dem Priester? Der Gnade der Politiker? Bankberatern? -Deswegen ist vielleicht der lateinische Satz „homo homini lupus“ zu einem -international bekannten Sprichwort geworden. Hegel sieht Freiheit einseitig, -deswegen ist es so schwer, mit Hegel zu sagen, dass die Sittlichkeit „die Idee -der Freiheit, als das lebendige Gute“\footcite[133]{grund} -sei.\footcite[Vgl.][229 ff]{cambridge0} Wobei ich gar nicht sagen -wollte, dass alles jede Minute schlechter wird. Es wird bloß nicht besser. Mein -Ziel war dieses Paradoxon aufzuzeigen, dass unser Menschenbild immer sauberer -wird, aber andererseits nur im Grundgesetz, nicht in der Seele unseres Nächsten. -Jede Stufe der Entwicklung der Idee der Freiheit hat ihren eigentümlichen -Betrug, ihre moralische Nicht-Freiheit. - -\subsection{Zu politischen Systemen} - -Karl Popper schreibt auch, dass die politische Freiheit grausam, zu einer -Katastrophe werden kann. Seine Behauptung bekräftigt er unter Anderem damit, -dass der Freiheitskampf Terrorismus auslösen kann.\footcite[Vgl.][171 f]{popper} -„Nein, wir wählen die politische Freiheit nicht, weil sie uns das oder jenes -verspricht. Wir wählen sie, weil sie die einzig menschenwürdige Form des -menschlichen Zusammenlebens möglich macht; [\dots]“\footcite[172]{popper} -Demokratie definiert er als eine Staatsform, in der es möglich sei, die -Regierung ohne Blutvergießen „loszuwerden“. Im Gegensatz dazu steht -Tyrannis.\footcite[Vgl.][168]{popper} Einfachheitshalber werde ich im -Folgenden seine Terminologie verwenden. - -Man könnte sich fragen, ob die politische Freiheit tatsächlich so einen hohen -Wert in den Köpfen der Menschen hat, wie ihn ihr Popper und Hegel beimessen, ob -es einen Zusammenhang zwischen dem Menschenbild, Wertesystem und der politischen -Ordnung, politischen Freiheit gibt. Dies kann man es an einem Beispiel aus der -modernen Gesellschaft verdeutlichen. Deutschland wäre eine sehr unpassende -Variante, weil man hier wegen des verlorenen Krieges ein totalitäres Regime noch -ein paar Jahrzehnte verabscheuen wird, anders ist es z.B. in Russland, wo ich -aufgewachsen bin und meine ersten Lebensansichten von der Kultur aufgedrängt -bekommen habe, dem Land der „Helden und Sieger“\footnote{Es ist nicht mein -favorisierter Ausdruck, sondern eher die Volkseinstellung, mit der man oft -konfrontiert wird.}. Popper übertreibt -übermäßig den Wert der Freiheit, weil das Blut in Freiheitskämpfen in seltesten -Fällen für die Freiheit vergoßen wurde. Ein Freiheitskampf innerhalb eines -Landes wird gerne angefangen, wenn es den Menschen an Brot fehlt. Diese -Anmerkung macht auch deutlich, worum es einem in der Geschichte geht. In -Russland zeigt sich daher wegen eines schlecht organisierten Sozialsystems und -starker Korruption, dass man sich von der Freiheit nicht sättigen und nicht -seinen Durst mit ihr stillen kann. Einerseits wollen einige Angehörige der -orthodoxen Kirche, die gewissen Einfluss hat, einen Monarchen, einen orthodoxen -Zaren, andererseits vergöttern viele die Sowjetjunion und selbst solche Tyrannen -wie Stalin. Wie gesagt, Stalin ist kein Tyrann im Sinne Hitlers, nur dank ihm -sei der Sieg im Krieg möglich gewesen und es wird ernsthaft bezweifelt, dass das -moderne demokratische Russland einen derartigen Freiheitskampf gegen fremde -Eroberer aushielte. Jährlich treten die Veteranen am 9. -Mai\footnote{Siegestag im Zweiten Weltkrieg, gesetzlicher Feiertag.} auf und berichten, wieviel -besser es in der Sowjetunion war, weil es Ordnung gegeben habe. Es offenbart -sich eine ganz andere Wahrnehmung des Totalitarismus, die selbst dadurch nicht -verhindert wird, dass es nicht ganz klar ist, ob mehr Menschen im Krieg -gestorben sind oder von der eigenen Regierung hingerichtet wurden. - -Aus dem oben angeführten Beispiel kann man ablesen, dass die Menschheit die -Freiheit nicht um der Freiheit willen anstrebt, dass sie keinen unbedingten Wert -hat. Außerdem war Hegel anscheinend der Ansicht, dass ein politisches System -besser als das andere sein kann (sonst wären seine Ausführungen bezüglich der -konstitutionellen Monarchie sinnlos). Aber bei uns herrscht nun Demokratie und -sie ist keine neue Regierungsform, also kann man nicht sagen, dass Hegel von ihr -nichts wusste und sie deswegen nicht bevorzugte. Die westliche Demokratie ist -lediglich besser als die antike, sie stellt aber nichts Neues dar. Eine Tyrannis -ist auch nicht jeder Tyrannis gleich (hier ist das Wort Monarchie angemessener, -weil „Tyrannis“ in der modernen Sprache einen negativen Nachklang hat). Jetzt -kann man darüber nachdenken, ob die Geschichte nicht etwas kreisförmig ist. Die -Regierungsformen ersetzen einander, sie tanzen in einem ewigen Tanz um die -Menschen herum, kommen in einer besseren Gestalt und gehen wieder. - -\subsection{Das Menschenbild, das Recht und die Person} - -Hegels großes Verdienst ist, dass er in seiner Rechtsphilosophie diese -positive Entwicklung des Begriffs des Menschen, des Menschenbildes aufgespürt -und aufgedeckt hat. Unsere Vorstellung vom Menschen ist vollkommener, die -Menschenbilder früherer Zeiten verletzten in verschiedenen Aspekten eindeutig -die Menschenwürde, waren teilweise unverständlich und \textbf{nicht befreit}. -Dann ist es von Hegel aufgezeigt worden, wie ein Menschenbild im Recht -verankert wird und wie sie einander offenbaren. Allerdings hat Hegel daraus -Schlüsse gezogen, die nicht mehr nachweisbar sind. So unterschied er zwischen -der Sittlichkeit und der Moralität\footcite[Vgl.][215 f]{thought}, -wobei sein Plan zu beweisen, dass der Staat an sich sittlich sei, fehlgeschlagen -ist. Er konnte nicht seinen Weg bis zum Ende gehen, seinen Überzeugungen bis zum -Letzten folgen und behauptete von Staaten, die seiner Vorstellung nach doch -unsittlich waren, dass sie unvernünftig seien, wobei das Maß dieser Vernünftigkeit -Hegels eigener Willkür entsprang und keine objektive Einheit darstellt. Man kann die -Sittlichkeit von der Moralität nicht eindeutig trennen. Zum Anderen kann man -weder vom Recht auf die Sittlichkeit bzw.\ Moralität schließen, noch von der -politischen Freiheit auf die praktische, der menschlichen Würde entsprechende -Freiheit. Insofern wird ein menschliches Staatsideal immer mehr im modernen -Staat verkörpert, aber es hat sehr bestreitbaren Einfluss auf die einzelne -Persönlichkeiten, Bürger dieses Staates. diff --git a/themes/posts/2013/08/katja-m.tex b/themes/posts/2013/08/katja-m.tex deleted file mode 100644 index f53a120..0000000 --- a/themes/posts/2013/08/katja-m.tex +++ /dev/null @@ -1,52 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2013-07-05 04:15:00 -tags: Gedicht -title: Der Himmel blutet spät am Abend… -teaser: | - <p> - Der Himmel blutet spät am Abend,<br> - das Heer im Schweigen kehrt zurück.<br> - Der Feldherr ruft sich selber tadelnd:<br> - „Es fehlte noch ein kleines Stück!“ - </p> - <p> - Der Gegner kann sich auch nicht freuen:<br> - Nur zu beweinen ist der Sieg,<br> - zu viele sind nun zu bereuen,<br> - zu vieles einem stiehlt ein Krieg. - </p> - <p> - Ich habe selbst die Ruh gebrochen,<br> - der erste Schlag ist immer mein.<br> - Ich wollte nicht, dass sie gehorchen,<br> - mein Herz gleichgültig war wie’n Stein. - </p> - <p> - Ich wollte später mich schon beugen,<br> - mein Volk hätt’ dann ’nen weisen Herrn,<br> - der ist den meisten überlegen,<br> - den mag ich selber äußerst gern. - </p> ---- -\textit{Katja M. S. B.} - -Der Himmel blutet spät am Abend,\\ -das Heer im Schweigen kehrt zurück.\\ -Der Feldherr ruft sich selber tadelnd:\\ -„Es fehlte noch ein kleines Stück!“ - -Der Gegner kann sich auch nicht freuen:\\ -Nur zu beweinen ist der Sieg,\\ -zu viele sind nun zu bereuen,\\ -zu vieles einem stiehlt ein Krieg. - -Ich habe selbst die Ruh gebrochen,\\ -der erste Schlag ist immer mein.\\ -Ich wollte nicht, dass sie gehorchen,\\ -mein Herz gleichgültig war wie’n Stein. - -Ich wollte später mich schon beugen,\\ -mein Volk hätt’ dann ’nen weisen Herrn,\\ -der ist den meisten überlegen,\\ -den mag ich selber äußerst gern. diff --git a/themes/posts/2013/11/de-fortuna.tex b/themes/posts/2013/11/de-fortuna.tex deleted file mode 100644 index 22708fb..0000000 --- a/themes/posts/2013/11/de-fortuna.tex +++ /dev/null @@ -1,9 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2013-11-14 06:53:00 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: De fortuna ---- -\emph{Sapientia Sciurus:} Viel Glück zu deiner Prüfung! - -\emph{Ich:} Es ist kein Kartenspiel. diff --git a/themes/posts/2013/12/gute-nacht-mein-lieber-schatz.tex b/themes/posts/2013/12/gute-nacht-mein-lieber-schatz.tex deleted file mode 100644 index 0d96e20..0000000 --- a/themes/posts/2013/12/gute-nacht-mein-lieber-schatz.tex +++ /dev/null @@ -1,30 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2013-12-28 08:34:00 -tags: Gedicht -title: Gute Nacht, mein lieber Schatz! -teaser: | - <p> - Gute Nacht, mein lieber Schatz,<br> - lass mein’ Stern dich nun bewachen,<br> - deinen Schlaf erholsam machen.<br> - Schlafe schön, mein gold’ner Schatz! - </p> - <p> - Guten Morgen, lieber Schatz,<br> - siehst du schon die Sohne gähnen?<br> - Sie wird deinen Tag erwärmen,<br> - gibt dir einen heißen Schmatz! - </p> ---- -\textit{Katja M. S. B.} - -Gute Nacht, mein lieber Schatz,\\ -lass mein’ Stern dich nun bewachen,\\ -deinen Schlaf erholsam machen.\\ -Schlafe schön, mein gold’ner Schatz! - -Guten Morgen, lieber Schatz,\\ -siehst du schon die Sohne gähnen?\\ -Sie wird deinen Tag erwärmen,\\ -gibt dir einen heißen Schmatz! diff --git a/themes/posts/2013/12/liebste-hast-du-selber-nicht-gesagt-wie.tex b/themes/posts/2013/12/liebste-hast-du-selber-nicht-gesagt-wie.tex deleted file mode 100644 index 575f4fa..0000000 --- a/themes/posts/2013/12/liebste-hast-du-selber-nicht-gesagt-wie.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2013-12-19 14:38:00 -tags: Gedicht -title: Liebste, hast du selber nicht gesagt? -teaser: | - <p> - Liebste, hast du selber nicht gesagt,<br> - wie wunderbar ist Menschenleben,<br> - dass kein Gewitter, kein Erdbeben<br> - es jemals übler, grauer macht? - </p> ---- -Liebste, hast du selber nicht gesagt,\\ -wie wunderbar ist Menschenleben,\\ -dass kein Gewitter, kein Erdbeben\\ -es jemals übler, grauer macht? diff --git a/themes/posts/2013/12/weihnachtslied.tex b/themes/posts/2013/12/weihnachtslied.tex deleted file mode 100644 index f5461be..0000000 --- a/themes/posts/2013/12/weihnachtslied.tex +++ /dev/null @@ -1,57 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2013-12-01 14:27:00 -tags: Gedicht -title: Weihnachtslied -teaser: | - <p> - Wunder geschieht in der heiligen Nacht:<br> - Oben im Himmel der Stern<br> - leuchtet uns strahlend in göttlicher Pracht,<br> - führt zu der Krippe des Herrn. - </p> - <p> - Halleluja, Ehre dem ewig’n Sohn!<br> - Halleluja, Erde ist Gottes Thron! - </p> - <p> - Gott, der das Seiende machtvoll bewahrt,<br> - Engel sind ihm unterworf’n,<br> - hat seine Gnade dem Mensch offenbart,<br> - gibt ihm das Glück und das Hoff’n. - </p> - <p> - Unsere Speise das göttliche Wort,<br> - geistlicher Durst wird gestillt;<br> - Beten zu Christus an jeglichem Ort —<br> - er ist barmherzig und mild. - </p> - <p> - Freut euch ihr Menschen, es juble das Volk!<br> - Alle, die holdselig kam’n,<br> - singen dem Kinde das ewige Lob,<br> - preisen für immer sein’ Nam’n! - </p> ---- -Wunder geschieht in der heiligen Nacht:\\ -Oben im Himmel der Stern\\ -leuchtet uns strahlend in göttlicher Pracht,\\ -führt zu der Krippe des Herrn. - -Halleluja, Ehre dem ewig’n Sohn!\\ -Halleluja, Erde ist Gottes Thron! - -Gott, der das Seiende machtvoll bewahrt,\\ -Engel sind ihm unterworf’n,\\ -hat seine Gnade dem Mensch offenbart,\\ -gibt ihm das Glück und das Hoff’n. - -Unsere Speise das göttliche Wort,\\ -geistlicher Durst wird gestillt;\\ -Beten zu Christus an jeglichem Ort —\\ -er ist barmherzig und mild. - -Freut euch ihr Menschen, es juble das Volk!\\ -Alle, die holdselig kam’n,\\ -singen dem Kinde das ewige Lob,\\ -preisen für immer sein’ Nam’n! diff --git a/themes/posts/2014/03/babett-heinemann-meine-liebe-lass-uns.tex b/themes/posts/2014/03/babett-heinemann-meine-liebe-lass-uns.tex deleted file mode 100644 index ba7eaa9..0000000 --- a/themes/posts/2014/03/babett-heinemann-meine-liebe-lass-uns.tex +++ /dev/null @@ -1,51 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-03-16 20:44:00 -tags: Gedicht -title: Meine Liebe, lass uns gehen -teaser: | - <p> - Meine Liebe, lass uns gehen.<br> - Nimm, Liebste, keine Sachen mit.<br> - Was hast du hier noch nicht gesehen,<br> - was eine Freude uns verspricht?</p> - <p> - Es gibt nicht ewig etwas Neues,<br> - das Leben wird wie alles alt,<br> - nichts Ehrliches, nichts Gutes, Treues.<br> - Die Lebensfarben werden kalt. - </p> - <p> - Lass uns endlich ausbrechen,<br> - wir wandern in das neue Land.<br> - Man kennt vielleicht dort kein Verbrechen<br> - und Freude ist zahlreich wie Sand. - </p> - <p> - Wahrscheinlich können wir dort bleiben,<br> - am Feuer, das für immer brennt,<br> - mit Menschen, die uns nicht vertreiben,<br> - wo jeder seine Ziele kennt. - </p> ---- -\textit{Babett Heinemann} - -Meine Liebe, lass uns gehen.\\ -Nimm, Liebste, keine Sachen mit.\\ -Was hast du hier noch nicht gesehen,\\ -was eine Freude uns verspricht? - -Es gibt nicht ewig etwas Neues,\\ -das Leben wird wie alles alt,\\ -nichts Ehrliches, nichts Gutes, Treues.\\ -Die Lebensfarben werden kalt. - -Lass uns endlich ausbrechen,\\ -wir wandern in das neue Land.\\ -Man kennt vielleicht dort kein Verbrechen\\ -und Freude ist zahlreich wie Sand. - -Wahrscheinlich können wir dort bleiben,\\ -am Feuer, das für immer brennt,\\ -mit Menschen, die uns nicht vertreiben,\\ -wo jeder seine Ziele kennt. diff --git a/themes/posts/2014/04/kleines-dankeschon.tex b/themes/posts/2014/04/kleines-dankeschon.tex deleted file mode 100644 index abd36ec..0000000 --- a/themes/posts/2014/04/kleines-dankeschon.tex +++ /dev/null @@ -1,19 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-04-22 21:15:00 -tags: Gedicht -title: Kleines Dankeschön -teaser: | - <p> - Ich schreib’ es nieder: Vielen Dank!<br> - Kennt meine Frechheit keine Schranken?<br> - Wie sollt’ ich mich denn sonst bedanken?<br> - Habe einen schönen Tag! - </p> ---- -\textit{LS} - -Ich schreib’ es nieder: Vielen Dank!\\ -Kennt meine Frechheit keine Schranken?\\ -Wie sollt’ ich mich denn sonst bedanken?\\ -Habe einen schönen Tag! diff --git a/themes/posts/2014/05/blog-post.tex b/themes/posts/2014/05/blog-post.tex deleted file mode 100644 index bcfe53c..0000000 --- a/themes/posts/2014/05/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,52 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-05-28 22:23:00 -tags: Стихотворение -title: Воспоминание -teaser: | - <p> - Одно свое воспоминанье<br> - храню я с ранних-ранних лет.<br> - Оно как в утреннем тумане,<br> - оно - глубокий детства след. - </p> - <p> - Хотя тебя я помню смутно,<br> - твой полон красками портрет.<br> - Сама ты помнишь, как уютен<br> - был этим детям белый свет? - </p> - <p> - Исчезло днесь воспоминанье,<br> - рассеяв утренний туман,<br> - и тоже гордое сиянье,<br> - представ, твой излучает стан. - </p> - <p> - Цвети ж на почве мирозданья,<br> - расти и в силе и красе,<br> - чтоб всяка тень мирских страданий<br> - пропала в утренней росе! - </p> ---- -\textit{Двоюродной племяннице Кристе} - -Одно свое воспоминанье\\ -храню я с ранних-ранних лет.\\ -Оно как в утреннем тумане,\\ -оно - глубокий детства след. - -Хотя тебя я помню смутно,\\ -твой полон красками портрет.\\ -Сама ты помнишь, как уютен\\ -был этим детям белый свет? - -Исчезло днесь воспоминанье,\\ -рассеяв утренний туман,\\ -и тоже гордое сиянье,\\ -представ, твой излучает стан. - -Цвети ж на почве мирозданья,\\ -расти и в силе и красе,\\ -чтоб всяка тень мирских страданий\\ -пропала в утренней росе! diff --git a/themes/posts/2014/06/hoffnung.tex b/themes/posts/2014/06/hoffnung.tex deleted file mode 100644 index 0590761..0000000 --- a/themes/posts/2014/06/hoffnung.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-06-26 13:02:00 -tags: Gedicht -title: Hoffnung -teader: | - <p> - Alles ist zu Staub vergangen,<br> - ich hab’ mein Leben voll versäumt;<br> - großen Menschen muss ich danken:<br> - Ihr habt mich doch noch weggeräumt! - </p> ---- -Alles ist zu Staub vergangen,\\ -ich hab’ mein Leben voll versäumt;\\ -großen Menschen muss ich danken:\\ -Ihr habt mich doch noch weggeräumt! diff --git a/themes/posts/2014/08/blog-post.tex b/themes/posts/2014/08/blog-post.tex deleted file mode 100644 index 808303e..0000000 --- a/themes/posts/2014/08/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,50 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-08-02 18:16:00 -tags: Стихотворение -title: Чужие люди -teaser: | - <p> - Я снова привыкаю жить,<br> - в грудь воздух набираю жадно,<br> - ни зги не вижу, но отрадно<br> - хотя б по сути зрячим быть. - </p> - <p> - Судьба, судьба, моя судьба…<br> - А ты все хочешь торговаться?!<br> - И я готов тебе отдаться!<br> - Со мной ты не была скупа! - </p> - <p> - И в этот раз не поскупилась<br> - меня ты по миру пустить,<br> - с людьми чужими слезы лить,<br> - коль водка уж ручьями лилась. - </p> - <p> - Чужие люди! Живы все же!<br> - Среди чужих чужим я свой.<br> - Не торопись, мой друг, постой!<br> - Ты как чужой мне всех дороже. - </p> ---- -Я снова привыкаю жить,\\ -в грудь воздух набираю жадно,\\ -ни зги не вижу, но отрадно\\ -хотя б по сути зрячим быть. - -Судьба, судьба, моя судьба…\\ -А ты все хочешь торговаться?!\\ -И я готов тебе отдаться!\\ -Со мной ты не была скупа! - -И в этот раз не поскупилась\\ -меня ты по миру пустить,\\ -с людьми чужими слезы лить,\\ -коль водка уж ручьями лилась. - -Чужие люди! Живы все же!\\ -Среди чужих чужим я свой.\\ -Не торопись, мой друг, постой!\\ -Ты как чужой мне всех дороже. diff --git a/themes/posts/2014/10/blog-post.tex b/themes/posts/2014/10/blog-post.tex deleted file mode 100644 index f0fb800..0000000 --- a/themes/posts/2014/10/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,50 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-10-14 10:34:00 -tags: Стихотворение -title: Благодарю за этот вечер -teaser: | - <p> - Благодарю за этот вечер!<br> - Он мне подарит завтра день.<br> - С тобой моя пребудет тень.<br> - И верь, что это не пустые речи. - </p> - <p> - Сорвав последнюю завесу,<br> - мы преступили чрез закон,<br> - что людям с детских лет внушен,<br> - но нет закона на повесу. - </p> - <p> - Нельзя растрачивать нам честность:<br> - нам столько тайн дано хранить.<br> - Хрупка серебряная нить,<br> - хранящая в тиши безвестность. - </p> - <p> - Мой милый друг, когда с тобою<br> - мы перестанем быть близки,<br> - средь моря сумрочной тоски<br> - быть может вспомнишь день со мною. - </p> ---- -Благодарю за этот вечер!\\ -Он мне подарит завтра день.\\ -С тобой моя пребудет тень.\\ -И верь, что это не пустые речи. - -Сорвав последнюю завесу,\\ -мы преступили чрез закон,\\ -что людям с детских лет внушен,\\ -но нет закона на повесу. - -Нельзя растрачивать нам честность:\\ -нам столько тайн дано хранить.\\ -Хрупка серебряная нить,\\ -хранящая в тиши безвестность. - -Мой милый друг, когда с тобою\\ -мы перестанем быть близки,\\ -средь моря сумрочной тоски\\ -быть может вспомнишь день со мною. diff --git a/themes/posts/2014/10/gestohlenes-gluck.tex b/themes/posts/2014/10/gestohlenes-gluck.tex deleted file mode 100644 index d50a06b..0000000 --- a/themes/posts/2014/10/gestohlenes-gluck.tex +++ /dev/null @@ -1,31 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-10-04 21:14:00 -tags: Übersetzung -title: Gestohlenes Glück -teaser: | - <p> - Ich weiß bis heute selber nicht,<br> - warum mir dies geschehen musste,<br> - aber ich lebe nun wie’n Dieb,<br> - der eines Glück zu stehlen wusste. - </p> - <p> - Wir schlossen keinen Ehebund;<br> - ich werd’ ihr trotzdem Rede stehen.<br> - Und dafür gibt es einen Grund:<br> - Sie ist mir wichtiger als Sehen. - </p> ---- -Die ersten zwei Strophen aus dem Lied „Gestohlenes Glück“ eines ukrainischen -Sängers, Anatolij Matwijtschuk. - -Ich weiß bis heute selber nicht,\\ -warum mir dies geschehen musste,\\ -aber ich lebe nun wie’n Dieb,\\ -der eines Glück zu stehlen wusste. - -Wir schlossen keinen Ehebund;\\ -ich werd’ ihr trotzdem Rede stehen.\\ -Und dafür gibt es einen Grund:\\ -Sie ist mir wichtiger als Sehen. diff --git a/themes/posts/2014/10/w-wyssozki-sie-sagt-ich-lieb-dich-nicht.tex b/themes/posts/2014/10/w-wyssozki-sie-sagt-ich-lieb-dich-nicht.tex deleted file mode 100644 index fe89d8f..0000000 --- a/themes/posts/2014/10/w-wyssozki-sie-sagt-ich-lieb-dich-nicht.tex +++ /dev/null @@ -1,29 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-10-17 09:44:00 -tags: Übersetzung -title: | - W. Wyssozki „Sie sagt: Ich lieb’ dich nicht“ -teaser: | - <p> - Sie sagt: Ich lieb’ dich nicht.<br> - Er sagt: Es kann nicht sein.<br> - Sie sagt: Ich trinke nicht.<br> - Er sagt: Wir trinken Wein! - </p> - <p> - Die Flaschen wurden weggeräumt.<br> - Das Fenster zu, die Kerzen aus.<br> - Sie sagt zu ihm: Mein lieber Freund…<br> - Er sagt: Ich geh’ schon mal nach Haus’. - </p> ---- -Sie sagt: Ich lieb’ dich nicht.\\ -Er sagt: Es kann nicht sein.\\ -Sie sagt: Ich trinke nicht.\\ -Er sagt: Wir trinken Wein! - -Die Flaschen wurden weggeräumt.\\ -Das Fenster zu, die Kerzen aus.\\ -Sie sagt zu ihm: Mein lieber Freund…\\ -Er sagt: Ich geh’ schon mal nach Haus’. diff --git a/themes/posts/2014/11/im-andenken-f-nietzsche.tex b/themes/posts/2014/11/im-andenken-f-nietzsche.tex deleted file mode 100644 index 15dd0bd..0000000 --- a/themes/posts/2014/11/im-andenken-f-nietzsche.tex +++ /dev/null @@ -1,37 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-11-11 12:45:00 -tags: Gedicht -title: Im Andenken an F. Nietzsche -teaser: | - <p> - Es tut mir leid, still zuzusehen,<br> - wie ganze Welten untergehen,<br> - wie alle Hoffnungen abstürzen<br> - und ihre Herren nicht mehr stützen. - </p> - <p> - Es tut so weh, den Freund zu hassen.<br> - Wie wurde ich im Stich gelassen?<br> - Was war der Grund, mich zu verlassen? - </p> - <p> - Die Welt ist Leid, die Welt ist Schmerz,<br> - im Werden ist ihr dunkles Herz.<br> - Ich weiß, weil ich sie selber sehe:<br> - drei Schwestern: Wille, Wahn und Wehe. - </p> ---- -Es tut mir leid, still zuzusehen,\\ -wie ganze Welten untergehen,\\ -wie alle Hoffnungen abstürzen\\ -und ihre Herren nicht mehr stützen. - -Es tut so weh, den Freund zu hassen.\\ -Wie wurde ich im Stich gelassen?\\ -Was war der Grund, mich zu verlassen? - -Die Welt ist Leid, die Welt ist Schmerz,\\ -im Werden ist ihr dunkles Herz.\\ -Ich weiß, weil ich sie selber sehe:\\ -drei Schwestern: Wille, Wahn und Wehe. diff --git a/themes/posts/2014/12/das-alte-neu-erzahlte-marchen.tex b/themes/posts/2014/12/das-alte-neu-erzahlte-marchen.tex deleted file mode 100644 index 8f361ba..0000000 --- a/themes/posts/2014/12/das-alte-neu-erzahlte-marchen.tex +++ /dev/null @@ -1,113 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2014-12-22 11:04:00 -tags: Gedicht -title: Das alte, neu erzählte Märchen -teaser: | - <p> - Mein Dad schuf neu die alten Märchen:<br> - von einem sonderbaren Mädchen,<br> - von ihrem Prinzen und dem Reiche,<br> - in ihm sind tiefe Honigteiche. - </p> - <p> - Von Wesen, die im Walde leben:<br> - von Spinnen, die dort Schlösser weben,<br> - von Basilisken und Chimären<br> - und Satyrn, Hexen, Drachen, Bären. - </p> - <p> - Im Reiche gibt es Königsritter<br> - und armes Fräulein Margareta.<br> - Erzähltest du ein wahres Märchen<br> - von jenem wunderbaren Mädchen, - </p> - <p> - von ihrem Prinzen und dem Reiche,<br> - in dem die tiefsten Honigteiche,<br> - von grünen, zauberhaften Wiesen<br> - und wilden, grauenvollen Riesen? - </p> - <p> - Und was, wenn’s stimmt, was Leute sagen,<br> - die jedes Märchen hinterfragen?<br> - Es gibt, sie sagen, keine Ritter<br> - und keine arme Margareta. - </p> - <p> - Wie soll ich denn noch weiter leben,<br> - wenn alle Sagen langsam sterben?<br> - Erzähl mir deine neuen Märchen,<br> - vom allerschönsten Menschen, Gretchen! - </p> - <p> - Ich werd’ sie unter Menschen säen,<br> - Ich pflege sie und schütz’ vor Krähen.<br> - Man wird sie eines Tages pflücken<br> - und als den Trank des Lebens schlücken. - </p> - <p> - Sag, kann ein Märchen mich berauben,<br> - da ich an die erzählten nicht mehr glaube?<br> - Bringst du mir bei, wie ich sie dichte,<br> - wie ich die Welt des Traumes richte. - </p> - <p> - Mein Vater, sag, dass ich noch lebe,<br> - dass ich nur bloß im Traume schwebe,<br> - ich werd’ die alte Welt vernichten<br> - und sie dann neu, ganz neu umdichten! - </p> ---- -Der innere Gehalt mag nietzscheanisch geprägt sein. Die Idee für das Gedicht -hatte ich schon länger, bis das Lied bzw. Gedicht von Yuri Kukin „Der alte -Märchendichter“ (russisch Старый сказочник) mich auch auf die richtige Form -brachte: natürlich das Märchen! Der Stil ist beeinflusst von dem oben genannten -Lied und Heinrich Heines „Liebste, sollst mir heute sagen“. Ein spezieller Dank -gilt Jean-Philippe Séraphin, der eine tiefgreifende Rezension geschrieben hat, -die mir geholfen hat, den Text noch einigermaßen zu verbessern. - -Mein Dad schuf neu die alten Märchen:\\ -von einem sonderbaren Mädchen,\\ -von ihrem Prinzen und dem Reiche,\\ -in ihm sind tiefe Honigteiche. - -Von Wesen, die im Walde leben:\\ -von Spinnen, die dort Schlösser weben,\\ -von Basilisken und Chimären\\ -und Satyrn, Hexen, Drachen, Bären. - -Im Reiche gibt es Königsritter\\ -und armes Fräulein Margareta.\\ -Erzähltest du ein wahres Märchen\\ -von jenem wunderbaren Mädchen, - -von ihrem Prinzen und dem Reiche,\\ -in dem die tiefsten Honigteiche,\\ -von grünen, zauberhaften Wiesen\\ -und wilden, grauenvollen Riesen? - -Und was, wenn’s stimmt, was Leute sagen,\\ -die jedes Märchen hinterfragen?\\ -Es gibt, sie sagen, keine Ritter\\ -und keine arme Margareta. - -Wie soll ich denn noch weiter leben,\\ -wenn alle Sagen langsam sterben?\\ -Erzähl mir deine neuen Märchen,\\ -vom allerschönsten Menschen, Gretchen! - -Ich werd’ sie unter Menschen säen,\\ -Ich pflege sie und schütz’ vor Krähen.\\ -Man wird sie eines Tages pflücken\\ -und als den Trank des Lebens schlücken. - -Sag, kann ein Märchen mich berauben,\\ -da ich an die erzählten nicht mehr glaube?\\ -Bringst du mir bei, wie ich sie dichte,\\ -wie ich die Welt des Traumes richte. - -Mein Vater, sag, dass ich noch lebe,\\ -dass ich nur bloß im Traume schwebe,\\ -ich werd’ die alte Welt vernichten\\ -und sie dann neu, ganz neu umdichten! diff --git a/themes/posts/2015/01/zum-77-geburtstag-von-w-wyssozki.tex b/themes/posts/2015/01/zum-77-geburtstag-von-w-wyssozki.tex deleted file mode 100644 index 15fcbfc..0000000 --- a/themes/posts/2015/01/zum-77-geburtstag-von-w-wyssozki.tex +++ /dev/null @@ -1,30 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2015-01-25 05:22:00 -tags: Übersetzung -title: Zum 77. Geburtstag von W. Wyssozki -teaser: | - <p> - Wyssozki sang uns mal mit Kraft,<br> - wie's in den Bars und Kirchen.<br> - Dass er nicht mehr gesehen hat,<br> - wie Menschen heute stinken! - </p> - <p> - Ich sag' euch: Sein Zigeunerlied... kann ich ewig hören.<br> - Nichts ist so, so wie es soll! Das kann ich, Freunde, schwören. - </p> ---- -Wyssozki sang uns mal mit Kraft,\\ -wie’s in den Bars und Kirchen.\\ -Dass er nicht mehr gesehen hat,\\ -wie Menschen heute stinken! - -Ich sag’ euch: Sein Zigeunerlied… kann ich ewig hören.\\ -Nichts ist so, so wie es soll! Das kann ich, Freunde, schwören. - -\textit{Juri Julianowitsch Schewtschuk (DDT)} - -Es mag sein, dass ich bei der Übersetzung den Akzent von einer bedauernswerten -Situation zu sehr auf die Menschen verschoben habe, aber sie sind schließlich -das, worum es Wyssozki so oft geht. diff --git a/themes/posts/2015/04/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich.tex b/themes/posts/2015/04/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich.tex deleted file mode 100644 index 0099ae5..0000000 --- a/themes/posts/2015/04/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich.tex +++ /dev/null @@ -1,586 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2015-04-22 04:06:00 -tags: Aufsatz -title: Zur Bedeutung der Kunst bei Friedrich Nietzsche. Teil 1. Die Geburt der Tragödie -teaser: | - <p> - Wie soll man mit einer Welt, aus der Gott ausgetrieben wurde und die Idee - einer sinnvollen Schöpfung erschüttert wurde, zurechtkommen? Wie soll man - das Leben in einer säkularisierten, von jeglichem Sinn befreiten Welt - ertragen, in einer Welt voller Grausamkeit, Demütigung, Verrat und Leid, in - einer Welt, wo alles Leben zum sinnlosen Sterben verurteilt ist? Auf der - Suche nach einer Antwort gelangt Nietzsche zur Kunst. In der Kunst offenbart - sich die menschliche Schaffenskraft, vielleicht kann sie einen wesentlichen - Beitrag zum Leben leisten. - </p> ---- -\subsection{Einleitung} - -\epigraph{% -[D]ie Kunst ist lang,\\ -Und kurz ist unser Leben.} -{\textbf{Faust I\\Johann Wolfgang von Goethe}\footcite[20]{faust}} - -Heutzutage wird oft und intensiv über die Fortschritte der Wissenschaft -gesprochen. Vieles, ohne was der moderne Mensch sein Leben nicht mehr vorstellen -kann, verdankt er den wissenschaftlichen Errungenschaften der letzten Zeit. Die -Technik, die entwickelt wird, soll mehr Komfort in die Existenz des modernen -Menschen bringen, sein Leben einfacher, erträglicher machen. Wenn man einen -Blick in die Vergangenheit wirft, kann man sich schwer vorstellen, wie man vor -einiger Zeit ohne Elektrizität und Maschinen leben konnte. Armut und schwere -Arbeiten scheinen das Joch zu sein, unter dem das Leben zum Leid wird. Die -industrielle Entwicklung, Instrumentalisierung der Forschungsergebnisse, -Erschaffung der Maschinen haben dazu verholfen, dass diese Probleme gelöst -wurden und das Leben auf ein anderes Niveau erhoben wurde. - -In Friedrich Nietzsches Aufzeichnungen aus den Jahren 1882–1883 findet sich -ein Satz, der einen wissenschaftlichen Fortschritt zu einem Rückschritt macht: -„Der wissenschaftliche Mensch hat Ein Loos mit dem Seildreher: er spinnt seinen -Faden länger, geht aber dabei selber — rückwärts.“\footcite[105]{nietzsche:fragmente} -Man bekommt den Eindruck, dass diese Aussage der Erfahrung unserer Zeit blind -widerspricht. Wenn man jedoch das menschliche Glück nicht auf einen materiellen -Luxus reduziert und in die Tiefe des menschlichen Seins schaut, wird man -feststellen müssen, dass die eigentliche Problematik des menschlichen Seins von -der Wissenschaft nicht einmal berührt wird. Die Tatsache, dass manche Mitglieder -moderner Gesellschaften psychologische Unterstützung brauchen oder sich sogar -das Leben nehmen, zeigt eine tiefe Verzweiflung dieser Menschen am Leben, die -zwar nicht immer gleich zu sehen ist, über die man aber nicht einfach -hinwegschauen kann. Einem scheint etwas zu fehlen, ein Ziel, für welches man -kämpfen kann. Wissenschaft kann aber diese geistliche Lücke nicht mit Inhalt -füllen. Wissenschaftliche Erkenntnis ist negativer Natur, die erschafft nichts -Neues, sondern strebt an, das Vorhandene, die bereits gegebene Welt, zu -analysieren. Es wird nichts Positives, absolut Neues erschaffen. Was aber ein -Mensch braucht, um seine Existenz als sinnvoll zu erfahren, ist etwas Neues, ein -Lebenssinn, etwas, was nicht in der materiellen Gegebenheit gefunden werden kann. -Was die Sinngebung betrifft, kann man deswegen, wenn auch nicht von einem -Rückschritt sprechen, so doch sagen, dass die Wissenschaft sich in dieser -Hinsicht nicht von der Stelle rührt. Eine solche existenzielle Problemstellung -kann aber philosophisch angegangen werden, da man philosophische Fragestellungen -nicht auf die wissenschaftlichen reduzieren kann. Nietzsche sieht die Versuche, -die seit Kant unternommen werden, Philosophie nur als eine Wissenschaft zu -verstehen, als eine Fehlentwicklung. So nimmt er 1884 Bezug auf die deutsche -Universitätsphilosophie: „Wenn Kant die Philosophie zur ‚Wissenschaft‘ reduzieren -wollte, so war dieser Wille eine deutsche Philisterei: an der mag viel Achtbares -sein, aber gewiß noch mehr zum Lachen.“\footcite[133]{nietzsche:fragmente} - -Dieses Verhältnis von der Philosophie und Wissenschaft wird sehr oft auf den -Kopf gestellt: Alles Philosophieren sei ein sinnloses Unternehmen, Philosophie -beschäftige sich mit Fragen, die nicht beantwortet werden können, es gebe seit -mehr als zwei Jahrtausenden keinen Fortschritt. Klaus Kornwachs schreibt: -„Philosophie stellt seit zwei Jahrtausenden Fragen und die Antwortversuche -stellen ihre Geschichte dar.“\footcite[7]{kornwachs:technik}Und die -gestellte Frage ist bereits ein Schritt nach vorne. - -Friedrich Nietzsche war sich dieser existenziellen Problematik sehr wohl bewusst, -ihm war es auch klar, dass für die von der Wissenschaft entzauberte Welt die -bisherigen Antwortversuche nicht mehr zufriedenstellend waren. Im Herbst 1881 -ruft er aus: „Wie tief-fremd ist uns die durch die Wissenschaft entdeckte -Welt!“\footcite[97]{nietzsche:fragmente} Wie soll man mit einer Welt, aus -der Gott ausgetrieben wurde und die Idee einer sinnvollen Schöpfung erschüttert -wurde, zurechtkommen? Wie soll man das Leben in einer säkularisierten, von -jeglichem Sinn befreiten Welt ertragen, in einer Welt voller Grausamkeit, -Demütigung, Verrat und Leid, in einer Welt, wo alles Leben zum sinnlosen Sterben -verurteilt ist? - -Auf der Suche nach einer Antwort gelangt Nietzsche zur Kunst. Er bemüht sich -sogar aus seinem eigenen Leben ein Kunstwerk zu erschaffen: „Der junge Nietzsche, -der auf der inneren Bühne der Tagebücher dem eigenen Leben Bedeutung verleihen -möchte, bewundert jene Genies, die nicht nur nach innen, sondern auch fürs -Publikum zu Darstellern ihres Selbst, zu Autoren des eigenen Lebens werden -konnten.“\footcite[25]{safranski:biographie} In der Kunst offenbart sich -die menschliche Schaffenskraft, vielleicht kann sie einen wesentlichen Beitrag -zum Leben leisten. - -Nietzsches Haltung zur Kunst war im Laufe seines Lebens bei weitem nicht -konstant. Er revidierte und entwickelte seine Ansichten weiter. Alles fängt -dennoch mit dem am 2. Januar 1872\footcite[Vgl.][11]{ries:geburt} -erschienenen Buch „Die Geburt der Tragädie aus dem Geiste der Musik“ an, das -„innerhalb seines Gesamtwerkes eine herausragende -Position“\footcite[11]{ries:geburt} einnimmt. - -\subsection{Die Geburt der Tragödie} - -Im Bezug auf „Die Geburt der Tragödie“ spricht Wiebrecht Ries von der Geburt -Nietzsches Philosophie, die sich in diesem Buch ereignet.\footcite[7]{ries:geburt} -Es ist aber bemerkenswert, dass das kein philosophisches Werk, sondern ein -philologisches ist. Nietzsche wurde früh ohne Promotion und Habilitation als -Professor für klassische Philologie berufen und hatte die Absicht, mit einer -schriftlichen Arbeit zu beweisen, dass er seine Berufung verdient -hat.\footcite[Vgl.][52]{safranski:biographie} Trotzdem scheint Nietzsche sich -mit der Zeit immer mehr der Philosophie zuwenden zu wollen. So bewirbt er sich -vermutlich im Jahre 1871 um Lehrstuhl für Philosophie in -Basel.\footcite[Vgl.][183]{hayman:biographie} Diese innere Spannung, in der -er sich damals befand, spiegelt sicht auch in der „Geburt der Tragödie“ wider. -So, während Ronald Hayman hervorhebt, dass das Werk „unbestritten brillant“ sei, -charakterisiert er es zugleich als „die Mischung von Philosophie und -dichterischen Parodoxon mit der klassischen Philologie“.\footcite[183]{hayman:biographie} - -Nicht nur Nietzsches Kritiker heben die Bedeutung der „Geburt der Tragödie“ -hervor,\footcite[Vgl.][12]{ries:geburt} sondern auch Nietzsche -selbst kommt in seinen späteren Jahren immer wieder auf sein Erstlingswerk -zurück. 1886 läßt er eine zweite Ausgabe erscheinen, wobei wenn die -ursprüngliche Überschrift „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ -lautete, die Neuausgabe mit dem Titel „Die Geburt der Tragödie. Oder: -Griechenthum und Pessimismus“ versehen wurde.\footcite[Vgl.][326]{groddeck:geburt-in-ecce} -Außerdem wurde der zweiten Ausgabe noch eine Vorrede, die mit „Versuch der -Selbstkritik“ betitelt wurde, vorangestellt.\footcite[Vgl.][11--22]{nietzsche:geburt} -Eine weitere Reflexion Nietzsches über sein Frühwerk findet man in „Ecce homo“ -im Kapitel „Die Geburt der Tragödie“.\footcite[Vgl.][309--315]{nietzsche:ecce-homo} -Unabhängig davon, wie man diese Bezugnahmen Nietzsches auf seine erste Schrift -bewertet, scheint sie für ihn niemals ganz an Bedeutung verloren zu haben. - -Wie der Titel des Buches unschwer erraten lässt, handelt es sich um die Geburt -beziehungsweise Entstehung der Tragödie und zwar der griechischen. Nietzsche -greift aus der griechischen Mythologie zwei Gottheiten heraus, die zwei -grundlegende Mächte des Seins symbolisieren, und entwickelt seine Theorie von -dem Aufstieg und Niedergang der attischen Tragödie: „An ihre [der Griechen] -beiden Kunstgottheiten, Apollo und Dionysus, knüpft sich unsere Erkenntnis, dass -in der griechischen Welt ein ungeheurer Gegensatz, nach Ursprung und Zielen, -zwischen Kunst des Bildners, der apollinischen, und der unbildlichen Kunst der -Musik, als der des Dionysus, besteht“.\footcite[25]{nietzsche:geburt} - -\subsubsection{Zwei Vorträge über die griechische Tragödie} - -„Die Geburt der Tragödie“ ist nicht die erste Arbeit, in der sich Nietzsche mit -dem dort behandleten Themenspektrum auseinandersetzt. 1870 hat Nietzsche zwei -Vortrage in Baseler Museum gehalten: einen am 18. Januar über „Das griechische -Musikdrama“ und den anderen am 1. Februar über „Socrates und die griechische -Tragödie“.\footcite[Vgl.][29 f]{ries:geburt} „In ihnen ist die -Gesamtkonzeption der Tragödienschrift bereits vorgebildet, die Entstehungs- und -Verfallstheorie der Tragödie im Rahmen des Verhältnisses von Kunst und -Kultur.“\footcite[29]{ries:geburt} - -Im Vortrag „Das griechische Musikdrama“ entwickelt Nietzsche in Anlehnung an ein -Werk der zeitgenössischen Altphilologie, „Geschichte der griechischen Literatur“ -von Karl Otfried Müller, die Auffassung, dass die griechische Tragödie aus dem -Dionysoskult entstanden ist. Dionysische Feste treiben die feiernden Menschen -bis zum Exzess, ins Maßlose, sodass principium individuationis durchbrochen wird -und der Mensch sich als Individuum in der Menge verliert und sich in ihr auflöst. -Wie in einem ekstatischen Rausch glauben die dionysischen Schwärmer, die dieses -Ganze, diese verschmolzene Einheit bilden, dieselben Visionen zu sehen. Am Ende -eines Festes kommt allerdings die Zeit, dass alle wieder ihre alte Gestalt -annehmen. Und für dieses Stadium hatte der Grieche die Tragödie nötig, die das -Ritual war, das den Übergang in die Vereinzelung weniger gefährlich -machte.\footcite[Vgl.][52 f]{safranski:biographie} - -Der oben geschilderte Vorgang dionysischer Feste ist die Grundlage oder Urbild -dessen, was im griechischen Musikdrama geschieht. Nietzsche sieht die -Festlichkeit als Bestandteil der Kunst überhaupt, so notiert er 1880: - -\begin{quote} -„Einstmals muß die Kunst der Künstler ganz in das -Festebedürfniß der Menschen aufgehen: der einsiedlerische und sein Werk -überhauptausstellende Künstler wird verschwunden sein: sie stehen dann in der -ersten Reihe derer, welche in Bezug auf Freuden und Feste erfinderisch -sind.“\footcite[58]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Das entscheidende Element des attischen Theaters ist der Chor, der ursprünglich -der Satyrchor war. Während die Helden, die den dionysischen Schwärmern entstammen, -auf der Bühne untergehen, bleibt der Chor immer bestehen, sodass die Helden als -eine Vision des Chors vorgestellt werden. Das Singen des Satyrchors, die Musik, -erzeugt also die Stimmung eines dionysischen Festes, in der die Menschen -miteinander verschmelzen, und auch das Publikum wird von der Gewalt der Musik -verschlungen. Die Protagonisten lösen sich aus dem Chor und, indem sie als -Einzelne auftreten, erzeugen sie „lebende -Dissonanz“,\footcite[Vgl.][54]{safranski:biographie} wonach sie wieder im Chor aufgehen. - -Das wesentliche Element der griechischen Tragödie sieht Nietzsche demzufolge in -der Musik. Rüdiger Safranski bemerkt in diesem Zusammenhang, dass die Tragödie -das Verhältnisbvon Musik und Wort symbolisiert: „Das Wort ist Mißverständnissen -und Fehldeutungen preisgegeben, es kommt nicht aus dem Innersten und es reicht -nicht bis dorthin.“\footcite[54]{safranski:biographie} Es ist also -die Musik, die uns die Erkenntnis über die innersten Strukturen der Welt -erschließt und nicht das Wort, nicht der Logos. Der Protagonist, der mit Worten -operiert, geht im singenden Chor auf. Aus diesem Gedanken über die Macht der -Musik über dem Wort fließt unmittelbar die Idee des zweiten Vortrages über -„Socrates und die griechische Tragödie“. Sokrates war bekanntlich derjenige, der -den Menschen den Glauben eingepflanzt hat, dass die Welt intelligibel ist, dass -man die Wirklichkeit rational erkennen und erforschen kann. Die Vorstellung, die -man vom Sein hat, wird viel oberflächlicher, das Unbewusste wird ausgegrenzt, -man taucht nicht mehr in die Seinsabgründe, sondern man begnügt sich mit -ausgedachten Begriffen, die darauf angewendet werden. Der Optimismus bahnt sich -den Weg, die Hoffnung, das die dunklen Lebensmächte sich rational aufhellen und -dann lenken lassen. „Denken und Sein sind keinesfalls dasselbe. Das Denken muß -unfähig sein, dem Sein zu nahen und es zu packen.“\footcite[20]{nietzsche:fragmente} -Diese Vereinfachung des Weltbildes beeinflusst unmittelbar die Tragödie. Sie -wird dem Tod überlassen. Am Ende des Vortrages erwähnt Nietzsche allerdings, -dass die Tragödie wiedergeboren werden kann.\footcite[Vgl.][55 f]{safranski:biographie} - -Wenn der erste Vortrag sich noch in Grenzen der damaligen altphilologischen -Forschung bewegt, so ist der zweite, der nahezu vollständig in die „Geburt der -Tragödie“ übernommen wurde,\footcite[Vgl.][30]{ries:geburt} für -die Altphilologie so provokativ, dass Nietzsche sich bemüht, dass sein Lehrer -Friedrich Ritschl, dem er seine erste Professur verdankt,\footcite[Vgl.][137 f]{hayman:biographie} -nichts von dem Vortrag erfährt.\footcite[Vgl.][55]{safranski:biographie} - -\subsubsection{Schopenhauer und Wagner} - -Aus zwei Vorarbeiten zur „Geburt der Tragödie“ lässt es sich auf zwei Figuren -schließen, deren Einfluss auf die frühen Einsichten Nietzsches, was die Kunst -betrifft, maßgeblich war. Es sind Arthur Schopenhauer und Richard Wagner. - -Die zentrale Unterscheidung der nietzscheanischen Metaphysik zwischen dem -Apollinischen und dem Dionysischen geht auf Arthur Schopenhauer zurück, genauer -gesagt auf sein Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“, das Nietzsche -fast zufällig, vermutlich Ende Oktober 1865, kennenlernte.\footcite[Vgl.][99 f]{hayman:biographie} -Er übernimmt Schopenhauers Ideen, modifiziert sie und formt sie um. Was -Nietzsche das Dionysische nennt, ist der Wille bei Schopenhauer; das Apollinische -ist die Vorstellung.\footcite[Vgl.][17 f]{ries:geburt} Nach -Schopenhauer ist der Wille, genauso wie das dionysische Element bei Nietzsche, -eine absolute Einheit und absolute Negativität, weil er der unvernünftige Grund -der Welt ist, der im ewigen Werden und so die Ursache alles Leidens -ist.\footcite[Vgl.][19]{schulz:function-and-place}Die reinen Formen der -Sinnlichkeit, Raum und Zeit im Zusammenspiel mit der Kategorie der Kausalität -verursachen, dass das Seiende in einzelne Gestalten zerfällt und als eine -objektive Welt vorgestellt wird.\footcite[Vgl.][1]{boening:metaphysics-art-lang} -Daher ist die Bezeichnung „Vorstellung“. - -Auch die hohe Schätzung der Kunst und besonders der Musik findet man bei Schopenhauer -wieder. Schopenhauer greift auf den platonischen Begriff der Idee zurück. Die Ideen -sind jedoch nicht in einem ideellen Reich verankert, sondern sie werden in der Kunst -erst erzeugt. So erschafft die Kunst eine andere Welt, die eine gewisse Ruhe vom Werden -aufweist.\footcite[Vgl.][19 f]{schulz:function-and-place} Die Musik nimmt eine Sonderstellung -in diesem Modell ein. Sie rührt an das Wesen des Seins. Sie hat den gleichen Wert -wie die erscheinende Welt selbst. Wenn ein malerisches Kunstwerk „sekundäre“ Qualität -hat, da es nur die Abbildung einer Erscheinung, der Welt, ist, hat die Musik den gleichen -Rang mit der erscheinenden Welt, weil die Musik die Abbildung des Wesens der Welt, -des Willens, selbst ist.\footcite[Vgl.][231]{boening:metaphysics-art-lang} Nietzsche -misst der Musik allerdings noch mehr Bedeutung bei, als dies Schopenhauer tut, denn -sie wird bei dem Ersteren nicht bloß als „‚Quietiv‘, sondern \textit{Stimulans} -des Lebens“\footcite[18]{ries:geburt} verstanden. - -Seit 1868 kannten Nietzsche und Wagner einander persönlich.\footcite[Vgl.][523]{hayman:biographie} -Schopenhauer war gewissermaßen ein Bindeglied zwischen diesen beiden, da Wagner auch -von der schopenhauerschen Philosophie inspiriert war, und zwar lebenslang, im Gegensatz -zu Nietzsche, der sich mit der Zeit sowohl von Schopenhauer als auch von Wagner distanzierte.\footcite[Vgl.][20]{ries:geburt} -Wenn Nietzsche am Ende seines Vortrages über Sokrates, der die Schuld daran trägt, -dass die griechische Tragödie zugrunde geht, eindeutet, dass die Hoffnung auf die -zweite Geburt oder Wiedergeburt der Tragödie besteht, so verweist er eindeutig auf -Richard Wagner als den, der den Prozess dieser Wiedergeburt in Gang setzen kann.\footcite[Vgl.][56]{safranski:biographie} - -Wie die Tragödie aus dem Geiste der Musik geboren werden soll, lässt sich aus Wagners -Konzeption des Gesamtkunstwerkes und der absoluten Musik erklären. Zur Zeit Wagners -wurde die Musik als selbständige Kunstgattung gesehen, was nicht immer der Fall war. -Bis Ende des 18. Jahrhunderts war man oft der Auffassung, dass sie nur eine begleitende -Komponente zum Text darstellt, der Affektäußerung dient und keinen eigenständigen -Wert hat. Deswegen musste sich die instrumentelle Musik, die sich auf keinen Text -stützte, gegen diese Betrachtungsweise wehren, um nicht als sinnlos zu gelten.\footcite[Vgl.][158 f]{bruse:gesamtkunstwerk} -Demzufolge kann man die Tatsache, dass der Musik bei Schopenhauer und Nietzsche eine -herausragende gegenüber den anderen Kunstgattungen Rolle, zukommt, auch als eine Folge -dieses Kampfes innerhalb der Ästhetik ansehen. So hat man eine an sich „bedeutungslose -Tonfolge“ in eine Kunst umgewandelt, die viel tiefgründiger als alle anderen Künste ist: - -\begin{quote} -„Im Verhältniß zur Musik ist alle Mittheilung durch -Worte von schamloser Art; das Wort verdünnt und verdummt; das Wort entpersönlicht: -das Wort macht das Ungemeine gemein.“\footcite[219]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Das Verhältnis zwischen der Musik und dem Wort ist nicht mehr, dass die Musik ohne -Text ihren Wert verliert, sondern dass der Text nur eine mögliche Deutung einer musikalischen Komposition ist. - -Wagner hat selber die Instrumentalwerke zunächst dem Drama untergeordnet: Ohne dazugehöriges -Bühnengeschehen verliere die instrumentelle Musik ihre inhaltliche Füllung. Um so -eine von anderen Künsten (beispielsweise Dichtung, szenische Handlung) und vom Gesamtkunstwerk -losgelöste Musik zu bezeichnen, gebrauchte er den Begriff „absolute Musik“. Nachdem -Wagner jedoch Schopenhauers Anhänger wird, ändert er diese Konzeption. Die Musik äußert -jetzt das eigentliche Wesen der Handlung und nicht erst durch diese sinnvoll wird. -Die Idee der absoluten Musik, die bei Nietzsche autonom ist, liegt dionysischer Musik -zugrunde.\footcite[Vgl.][158--160]{bruse:gesamtkunstwerk} Dass die Musik nicht an eine -konkrete Interpretation gebunden ist, zeigt Nietzsche am Beispiel des Volksliedes. -Konstituierendes Element des Volksliedes ist die „ursprüngliche Melodie“, die mit -verschiedenen Texten versehen werden kann. Kein Text kann die „Weltsymbolik“ der Musik -vollständig zum Ausdruck bringen.\footcite[Vgl.][48 f]{nietzsche:geburt} - -\begin{quote} -„In der Dichtung des Volksliedes sehen wir also die -Sprache auf das Stärkste angespannt, die Musik nachzuahmen.“\footcite[49]{nietzsche:geburt} -\end{quote} - -Das Wort erleidet die Gewalt der Musik und sucht sie nachzuahmen, aber mehr vermag -es nicht. Der Text wird aus der Melodie geboren: - -\begin{quote} -„Wer eine Sammlung von Volksliedern z.B. des Knaben -Wunderhorn auf diese Theorie hin ansieht, der wird unzählige Beispiele finden, wie -die fortwährend gebärende Melodie Bilderfunken um sich aussprüht: die in ihrer Buntheit, -ihrem jähen Wechsel, ja ihrem tollen Sichüberstürzen eine dem epischen Scheine und -seinem ruhigen Fortströmen wildfremde Kraft offenbaren.“\footcite[49]{nietzsche:geburt} -\end{quote} - -Aus demselben Geiste der Musik, aus dem die Volksdichtung geboren wird, wird auch die attische Tragödie geboren. - -\subsubsection{Das Apollinische und das Dionysische} - -Schon öfter wurden Apollo und Dionysus erwähnt, auf die Nietzsche als Vertreter zweier -Götterwelten der Griechen greift, die nach Auffassung der Romantik, die „zur Zeit -Nietzsches als kanonisch galt“,\footcite[40]{ries:geburt} in -einem Gegensatz zueinander stehen. Einerseits ist das die olympische, mit der Dichtung -Homers verbundene Religion mit ihren leuchtenden Göttern (Zeus, Apollo, Athene),\footcite[Vgl.][40]{ries:geburt} -andererseits die chthonische, die „eine ältere Schicht der griechischen Religion als -Glauben an die dunkle Mächte der Erdtiefe, wie er in der Dichtung Hesiods sichtbar -wird an den Töchtern der Nacht, den Erinyen, den weiblichen Todesgöttinnen (Kore, -Demeter, Persephone)“,\footcite[40--41]{ries:geburt} ist. Nietzsche -verwendet jedoch die Namen der beiden Götter sehr oft adjektivisch: apollinisch und -dionysisch. Daraus lässt sich schließen, dass jedes dieser Adjektive ein Sammelbegriff -für ein Bündel von Eigenschaften ist. Genauso wie die Griechen selbst sich ihrer Götter -bedient haben, um die mysteriöse, unbekannte Seite der Natur zu entschärfen, indem -man die natürlichen Erscheinungen mythisch erklärt, bedient sich Nietzsche dieser -zwei Göttergestalten, um zwei verschiedene Aspekte des Seins zu beschreiben. Diese -Aspekte stehen in einem Widerstreit miteinander, in welchem sie „durch einen metaphysischen -Wunderakt des hellenischen ‚Willens‘“\footcite[25]{nietzsche:geburt} die attische Tragödie gebären. - -Apollo ist für Nietzsche nicht nur bloß der Sonnengott, sondern Nietzsche spielt mit -dem Begriff der Sonne, die scheint, und Apollo wird aus dem scheinenden Gott der Gott -des Scheines. Der Schein hat eine gestaltende Funktion, er bringt die Schönheit der -Formen, die er erzeugt, mit sich.\footcite[Vgl.][26 ff]{nietzsche:geburt} Dieser -freie Umgang mit dem Mythos hat bereits am Anfang des Textes einen Anlass zur Kritik -seitens der Philologen gegeben. So verfasst Dr.\ phil.\ Ulrich von Wilamowitz-Möllendorf -Pamphlet „Zukunftsphilologie!“. Nachdem Nietzsches Freunde, Erwin Rohde und Richard -Wagner, versucht haben, Nietzsches Schrift gegen die Angriffe zu verteidigen, veröffentlicht -Ulrich von Wilamowitz-Möllendorf einen zweiten Teil. Im ersten Teil, im Bezug auf -Apollo als den Gott des schönen Scheins, schreibt er: „es gehörte freilich eine gewaltige -‚tapferkeit‘ dazu, aus Apollon, der ‚seiner wurzel nach der scheinende ist‘. (5) auf -dem wege des kalauers den ‚gott des scheins‘, d.h.\ des scheins des scheins, ‚der -höhern wahrheit des traumes gegenüber der lückenhaft verständlichen tageswirklichkeit‘ -zu machen!“\footcite[34]{zukunftsphilologie} - -Dionysus symbolisiert dagegen die entgegengesetzte Kraft. Von Lust und orgiastischen -Trieben gelenkt schafft sie nichts, sondern ist darum bemüht den Schein zu zerstören, -jede Ordnung zunichte zu machen, in den Urzustand einer ungeordneten Einheit zu bringen.\footcite[Vgl.][28 ff]{nietzsche:geburt} -Die eigentliche Äußerung findet das Dionysische in der Musik, wobei Nietzsche wiederum -von der dorischen Musik als von der apollinischen spricht.\footcite[Vgl.][33]{nietzsche:geburt} -K. O. Müller folgend stellt Nietzsche auf diese Weise der dorischen, apollinischen -Musik den dionyischen Dithyrambus entgegen.\footcite[Vgl.][47 f]{ries:geburt} - -Dennoch ist die Kunst nur als Produkt dieses Kampfes von Entstehen und Vergehen möglich. -So spricht Nietzsche im Bezug auf das Apollinische und Dionysische vom „Urwiderspruch“.\footcite[Vgl.][70]{nietzsche:geburt} -Des weiteren wendet sich Nietzsche an Euripides mit den Worten: „Und weil du Dionysus -verlassen, so verliess dich auch Apollo“.\footcite[75]{nietzsche:geburt} -Wenn jemand den Einen verlässt, so entkommt ihm auch der Andere. - -Man muss auch in Betracht ziehen, dass der junge Nietzsche einen sehr breiten Kunstbegriff -hat. Es sind nicht die physikalischen Gesetze, die die die Welt und alles Leben konstituieren, -vielmehr sind es die beiden Mächte, das Apollinische und Dionysische. „[D]ie Welt -selbst ist nichts als Kunst“.\footcite[183]{nietzsche:fragmente} Indem -Nietzsche die Welt als „sich selbst gebärende[n] Kunstwerk“\footcite[182]{nietzsche:fragmente}beschreibt, -entwirft er eine „Artisten-Metaphyisk“.\footcite[Vgl.][182]{nietzsche:fragmente} - -Alles ist in der Welt im Werden, alles kommt und vergeht, jedes Seiende entsteht, -um sich schließlich im Nichts spurlos aufzulösen. Das eigentliche Wesen, der erste -Grund der Welt ist das Leid, der Urschmerz. Dies macht verständlich, warum Nietzsche -im „Versuch einer Selbstkritik“ die Auffassung in Frage stellt, dass der Optimismus -ein Zeichen der Blütezeit ist. Vielmehr war der mit dem Namen Sokrates verbundene -Optimismus und die Hoffnung, die Welt vernünftig erkennen zu können, ein Symptom einer -unheilbaren Krankheit, ein Todeszeichen. Was die Kunst fordert, ist nicht der Optimismus, -sondern der Pessimismus.\footcite[Vgl.][12 f]{nietzsche:geburt} Das Sein selbst -ist also in seinem Innersten untrennbar mit Pessimismus verbunden und das ist das -Faktum, das nicht „das Erspriesslichste“ für den Menschen ist. Nietzsche gibt die -alte Sage wieder, nach der der König Midas den weisen Silen aufsucht, um ihn zu fragen, -was für den Menschen das Allerbeste sei. Der Silen antwortet darauf: „Das Allerbeste -ist für dich gänzlich unerreichbar: nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu -sein. Das Zweitbeste aber ist für dich — bald zu sterben.“\footcite[35]{nietzsche:geburt} -Wie kann man angesichts dieses Grauens noch die menschliche Existenz rechtfertigen? -Wie kann man es ertragen, jeden Morgen die Augen zu öffnen? Das ist der Augenblick, -an dem das Apollinische, „das entzückte Verharren vor einer erdichteten und erträumten -Welt“,\footcite[180]{nietzsche:fragmente} ins Spiel kommt. Um die Wirkung -der Schönheit des Scheins auszudrücken, haben die Griechen die olympischen Götter -erdichtet, „[u]m leben zu können“\footcite[36]{nietzsche:geburt} -mussten die Bewohner des Olymps ins Dasein gerufen werden. „So rechtfertigen die Götter -das Menschenleben, indem sie es selbst leben.“\footcite[36]{nietzsche:geburt} - -Außer dem oben erwähnten Gegensatz zwischen der Kunst des Bildners und der der Musik -verwendet Nietzsche noch ein weiteres Gleichnis, um das Wesen des Apollinischen und -des Dionysischen näher zu bestimmen, und zwar spricht er vom Traum und Rausch.\footcite[26]{nietzsche:geburt} -Die Welt, wie sie uns vor unseren Augen erscheint, erscheint eben nur so, an sich -ist sie „eine einzige ununterschiedene Flut“.\footcite[216]{boening:metaphysics-art-lang} -In Dionysus, wie unter der Wirkung des Rausches, taucht der Mensch in die Selbstvergessenheit -ein, die Grenzen des Individuellen verschwimmen immer mehr, bis sie verschwinden. -Auf der anderen Seite dieses Ur-Eine selbst, in dem alles Seiende wurzelt und aus -dem Alles hervorgeht, träumt die Welt durch den Menschen und ist somit selbst der -Grund für die Erscheinung. Das ist der Unterschied zu Schopenhauers System, dem die -Prinzipien des Dionysischen und des Apollinischen entnommen sind. „Für Schopenhauer -bewirken die reinen Formen der Anschauung, Raum und Zeit, als das ‚principium individuationis‘ -die Zerteilung alles für uns Seienden in die Vereinzelung“.\footcite[216]{boening:metaphysics-art-lang} -Es ist also nicht der Wille selbst, wie es bei Nietzsche der Fall ist.\footcite[Vgl.][217]{boening:metaphysics-art-lang} - -\subsubsection{Entstehung und Verfall der griechischen Tragödie} - -\epigraph{Die tragische Kunst, an beiden Erfahrungen reich, wird -als Versöhnung des Apoll und Dionysos bezeichnet: der Erscheinung wird die tiefste -Bedeutsamkeit geschenkt, durch Dionysos: und diese Erscheinung wird doch verneint -und mit Lust verneint.} -{\textit{Herbst 1885 -- Herbst 1886}\\ -\textbf{Friedrich Nietzsche}\footcite[181]{nietzsche:fragmente}} - -Nietzsche hat die tragische Kunst als Gegenstand seiner Betrachtung ausgewählt, weil -sie die Tragik des Lebens wiedergibt. Alles Leben dreht sich selbst im ewigen Kreis -von Werden und Vergehen, und es hat ihren Ursprung in der Duplizität des Apollinischen -und Dionysischen genauso wie die griechische Tragödie. Die Griechen konnten die beiden -Gegensätze in der Tragödie vereinigen und miteinander versöhnen.\footcite[Vgl.][56]{ries:geburt} -Die Entstehung der Tragödie ist nicht so wichtig in historischer Hinsicht wie für -die Beschreibung dessen, wie die Kunst überhaupt „geboren“ wird. - -Als Vorbild eines Tragödiendichters wählt Nietzsche Archilochus, der uns „durch die -trunknen Ausbrüche seiner Begierde“\footcite[43]{nietzsche:geburt} -erschreckt, er ist also ein dionysischer Dichter. Sein Verdienst ist, dass er das -Volkslied in die Literatur eingeführt hat, wobei das Volkslied dadurch, dass sie als -„ursprüngliche Melodie“ verstanden, eine metaphysische Bedeutung bekommt.\footcite[Vgl.][48 f]{nietzsche:geburt}„ -Hier folgt Nietzsche Schopenhauer, für den es innerhalb der Musik die Melodie ist, die -als tonaler Zusammenhang dem ‚Willen‘ am nächsten kommt.“\footcite[67]{ries:geburt} - -Wie Nietzsche bereits in seinem Vortrag „Die griechische Musikdrama“ erläutert, ist -die attische Tragödie aus dem Chor entstanden und war „nur Chor und nichts als Chor“.\footcite[52]{nietzsche:geburt} -Der Chor ist wiederum ein dionysisches Element, weil Nietzsche ihn „Satyrchor“\footcite[Vgl.][55]{nietzsche:geburt} -bezeichnet, es wurde also vorgestellt, dass er aus den mythischen Wesen, die Dionysus -begleiteten, besteht. Auch das Thema der Tragödie war nichts anderes als Dionysus -und die Darstellung seiner Leiden. Nietzsche erblickt hier aber etwas, was er „metaphysischen -Trost“ nennt, und zwar besteht dieser Trost darin zu sagen, dass das Leben trotz allem -„unzerstörbar mächtig und lustvoll sei“.\footcite[56]{nietzsche:geburt} -Wiebrecht Ries bemerkt dazu, dass der metaphysiche Trost nicht der griechischen Tragödie -entstammt, sondern vielmehr Nietzsches Lebensphilosophie. Nietzsche wendet sich im -Grunde gegen den Pessimismus von Schopenhauer und behauptet das Leben als etwas Lustvolles, -etwas, was gerechtfertigt werden kann.\footcite[Vgl.][70]{ries:geburt} - -An der Stelle, an der Nietzsche über das Volkslied spricht, redet er über den Prozess -einer Entladung der Musik in Bildern.\footcite[Vgl.][50]{nietzsche:geburt} -Wie ich bereits erwähnt habe, hat das Bild gegenüber der Musik eine sekundäre Stellung, -einerseits hilft es bei der Deutung der Musik, andererseits ist die Gewalt der Musik, -deren Klang aus dem tiefsten Grund der Welt stammt, so gewaltig, dass sie eine Entladung -im Bild nötig hat, sie muss besänftigt werden.\footcite[Vgl.][67 f]{ries:geburt} -Für Nietzsche wird der Prozess der Entladung in der Tragödie nachvollziehbar: Das -Geschehnis der Tragödie wird in der Handlung entladen. Das ist eine Parallele zu dionysischen -Festen: Am Ende des Festes war genauso die Entladung in der tragischen Handlung vonnöten, -um in das tägliche, individuelle Leben zurückzukehren. - -Es ist wichtig anzumerken, dass es eben um ein Geschehnis, genauer gesagt um ein Erlebnis -geht. Es gibt einen Unterschied zwischen dem erzählten, ewigen (zeitlosen) Epos und -der Tragödie als Drama, die erlebt wird. Der Chor sieht die göttlichen, dionysischen -Visionen; die Zuschauer sind keine Zuschauer, sondern Zeugen; die Helden, „alle die -berühmten Figuren der griechischen Bühne Prometheus, Oedipus u.s.w.\ [sind] nur Masken -jenes ursprünglichen Helden Dionysus [\dots]“.\footcite[71]{nietzsche:geburt} -Die Tragödie wird nicht einfach gespielt, sondern immer neu erlebt.\footcite[Vgl.][71--73]{ries:geburt} -Dies erklärt unter Anderem, wieso Nietzsche im „Versuch einer Selbstkritik“ schreibt, -dass „Die Geburt der Tragödie“ ein Buch für die Künstler ist, es ist ja „aus lauter -vorzeitigen übergrünen Selbsterlebnissen“\footcite[13]{nietzsche:geburt} -aufgebaut. Es reicht nicht, etwas über die Kunst zu lesen oder sie zu besprechen. -Allein die Selbsterlebnisse haben das entscheidende Gewicht. Es ist ein Buch, die -für diejenigen geeignet sind, die mit Nietzsche gleichgesinnt sind, „für Künstler -mit dem Nebenhange analytischer und retrospektiver Fähigkeiten“.\footcite[13]{nietzsche:geburt} - -Der Verfall der Tragödie fängt mit Euripides an, „der die vernunftgeprägte Weltverhaltung -in der Tragödiendichtung und dann in der Kunst überhaupt — wesenswidrig — zur Herrschaft -gebracht haben soll“.\footcite[238]{boening:metaphysics-art-lang} Während Ulrich -von Wilamowitz-Möllendorff den alleinigen Grund Nietzsches Argumentation gegen Euripides -darin sieht, dass Nietzsche mit einem maßlosen Hass gegen den Dichter, „welcher nächst -Homer dem gesamten altertum teuer und vertraut war“,\footcite[48]{zukunftsphilologie} -erfüllt war, betrachtet W. Ries diese Entgegenstellung eines wahren, dionysischen -Tragikers, Archilochus, und „frevelndes“\footcite[Vgl.][74]{nietzsche:geburt} -Euripides als Teil einer Strategie. Nietzsche zielt damit auf die Gegenwartskritik -ab.\footcite[Vgl.][92]{ries:geburt} Hier kommt „der tiefe Hass gegen -‚Jetztzeit‘, ‚Wirklichkeit‘ und ‚moderne Ideen‘“\footcite[21]{nietzsche:geburt} -zum Ausdruck. Die Kritik wird von Nietzsches Zeit auf die Antike projiziert, das idealisierte -sechste Jahrhundert wird hervorgehoben und der Zeit des Verfalls, dem dritten und -vierten Jahrhundert entgegengestellt.\footcite[91 f]{ries:geburt} - -Aus dem Euripides spricht weder Dionysus noch Apollo, sondern „ein ganz neugeborner -Dämon, genannt Sokrates“.\footcite[83]{nietzsche:geburt} Im Folgenden -entwickelt Nietzsche das Bild eines theoretischen Menschen, dessen Hauptvertreter -Sokrates ist. Der theoretische Mensch ist auch um die Suche der Wahrheit bemüht, um -das Erkennen des Innersten des Seins, aber er sucht die Wahrheit auf einem ganz anderen -Wege. Anhand eigener Vernunft versucht der Theoretiker die kausalen Zusammenhänge -in der Natur zu erkennen. Er vertieft sich immer weiter in die theoretischen Erkenntnisse -mit dem Glauben (sogar wie Nietzsche sagt von der „Wahnvorstellung“ getrieben), „dass -das Denken, an dem Leitfaden der Causalität, bis in die tiefsten Abgründe des Seins -reiche, und dass das Denken das Sein nicht nur zu erkennen, sondern sogar zu corrigiren -im Stande sei“.\footcite[99]{nietzsche:geburt} Das Eintreten des theoretischen -Menschen in die griechische Kultur kennzeichnet gleichzeitig den Tod der Tragödie -und damit auch den Tod der Kunst überhaupt. Die Wissenschaft sucht auf der Oberfläche, -nur in der apollinischen Erscheinung und reicht nicht bis zum dunklen Grund des Daseins, -der sich einem in der Tragödie offenbart. - -Obwohl Nietzsche im „Versuch einer Selbstkritik“ schreibt, dass er „Hoffnungen anknüpfte, -wo Nichts zu hoffen war, wo Alles allzudeutlich auf ein Ende hinwies“,\footcite[20]{nietzsche:geburt} -sah er vor seiner Enttäuschung und dem Bruch mit Wagner in 1876\footcite[Vgl.][379]{safranski:biographie} -ein Potenzial zur Wiedergeburt der Tragödie beziehungsweise zur Auferstehung der Kunst. -Bereits am Anfang schrieb Nietzsche über seine Erfahrung, dass wir bei dem „höchsten -Leben“ der Traumwirklichkeit „doch noch die durchschimmernde Empfindung ihres Scheins -haben“\footcite[26]{nietzsche:geburt} und zur Bekräftigung seiner -Worte auf Schopenhauer verwiesen hat, der behauptete, dass, wenn einem alle Dinge -manchmal als bloße Phantome vorkommen, dies ein Kennzeichen philosophischer Befähigung -ist.\footcite[Vgl.][26 f]{nietzsche:geburt}Eben Schopenhauer, der seinerseits -an Kants Erkenntniskritik anknüpft, trägt der Wiedergeburt der Tragödie und der Kunst -bei, indem er den „metaphysischen Erkenntnisoptimismus“ kritisiert.\footcite[Vgl.][113]{ries:geburt} -Auch in der deutschen Musik, wie etwa „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner, lassen -sich die Töne erkennen, die die Ketten der Erscheinung zerreißen und den Menschen -zum finsteren Grund seiner Selbst und der Welt bringen.\footcite[Vgl.][114--116]{ries:geburt} -Bezüglich Wagner findet man bei Nietzsche folgende Aufzeichnung aus dem Jahr 1871: - -\begin{quote} -„Ich erkenne die einzige Lebensform in der griechischen: -und betrachte Wagner als den erhabensten Schritt zu deren Wiedergeburt im deutschen -Wesen.“\footcite[24]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -\subsubsection{Zeitgenössische Rezeption} - -Was ist von dieser Geschichte der griechischen Tragödie, wie sie von Nietzsche dargelegt -wird, zu halten? Was hatte der Autor im Sinne als er dieses sein erstes Buch schrieb? -Das ist im Grunde ein Werk, das ein philologisches Problem behandelt. Gleichzeitig -wurde oben eine Vielfalt philosophischer Fragestellungen aufgezeigt, die der Autor -untersucht. „Die Geburt der Tragödie“ enthält die Grundzüge der gesamten späteren -Philosophie von Nietzsche. Die Themen, die er in der Tragödienschrift berührt, sind -prägend für sein gesamtes Denken, sie werden wieder aufgegriffen und weiter -entwickelt.\footcite[Vgl.][12]{ries:geburt} -Es stellt sich aber die Frage, ob diese Idealisierung der griechischen Tragödie als -eigentliche Kunst, ihr Verfall und Tod, der philologisch-historischen Realität entspricht, -zumindest dem Wissensstand Nietzsches Zeit. Wilamowitz-Möllendorff hat Nietzsche und -sein Werk „Geburt der Tragödie“ in seinem Aufsatz „Zukunftsphilologie!“ sehr scharf -angegriffen. Nach dem Versuch Wagners, Nietzsche zu verteidigen, hat Wilamowitz-Möllendorff -sogar eine Fortsetzung „Zukunftsphilologie! Zweites Stück\@. eine erwiderung auf die -rettungsversuche für Fr. Nietzsches ‚Geburt der tragödie‘“ verfasst.\footcite[Siehe][]{streit-um-geburt} - -Bereits im Titel des zweiten Aufsatzes stehen die Begriffe, die es deutlich machen, -wie Wilamowitz-Möllendorff als Philologe Nietzsches Werk bewertet. Nietzsche wurde -nicht verteitigt, sondern man versuchte ihn zu „retten“ und er konnte trotz alledem -nicht gerettet werden, weil es nur „Versuche“ waren. Im ersten Teil seiner Auseinandersetzung -mit „Geburt der Tragödie“ wirft Wilamowitz-Möllendorff Nietzsche vor, Winckelmann, -nie gelesen zu haben,\footcite[Vgl.][32]{zukunftsphilologie} Homer nicht zu -kennen,\footcite[Vgl.][35]{zukunftsphilologie} Archilochus und die Geschichte -der griechischen Musik gröblich zu verkennen\footcite[Vgl.][38]{zukunftsphilologie} -und die Tragödie überhaupt, nicht zu kennen.\footcite[Vgl.][46]{zukunftsphilologie} - -Wilamowitz-Möllendorff veweist auf Winckelmann, der gezeigt hat, „wie die allgemeinen -regeln wissenschaftlicher kritik auch für die geschichte der kunst, ja für das verständnis -jedes einzelnen kunstwerks nötig seien, [\dots]“.\footcite[32]{zukunftsphilologie} -Und der Ursprung des Missverständnisses zwischen Wilamowitz-Möllendorff und Nietzsche -scheint eben in dieser „Wissenschaftlichkeit“ zu liegen. Wenn man den Text der Tragödienschrift -sich anschaut, wird man feststellen, dass Nietzsche kaum die Quellen angibt, aus denen -er das Material für seine Überlegungen schöpft, oder die Angaben sind sehr ungenau. -An ein paar Stellen wird Schopenhauers „Die Welt als Wille und Vorstellung“ zitiert, -die aber wohl nicht so aussagekräftig für eine philologische Forschung der attischen -Tragödie ist, ansonsten werden einige moderne und antike Autoren erwähnt ohne genauere -Angaben. Die Vernachlässigung der Prinzipien des wissenschaftlichen Arbeitens ist -kaum ein Zufall oder Unaufmerksamkeit Nietzsches. Der Grund liegt meines Erachtens -darin, dass die primäre Zielsetzung beim Schreiben der Arbeit „Die Geburt der Tragödie“ -gar nicht eine wissenschaftliche Untersuchung der Entstehung der attischen Tragödie -war. Vielmehr handelt es sich bei diesem Buch um einen modernen Mythos. Warum braucht -man aber in unserer von der Wissenschaft aufgekläre Gesellschaft Mythen? Denn wenn -die Wissenschaft an ihre Grenzen kommt, muss sie in Kunst umschlagen.\footcite[Vgl.][99]{nietzsche:geburt} -Die wichtigsten Fragen des menschlichen Seins berührt die Wissenschaft nicht, sie -stellt sie oft nicht mal auf. Was ist der Sinn dessen, dass es etwas gibt. Um die -Antwort auf diese Frage zu geben, bedarf man eines Mythos, der erzählt, wie die Tragödie -aus dem Geiste der Musik geboren wird und wie diese göttliche Musik der tragischen -Aufführung auf der Bühne des Lebens Sinn verleiht. - -Giorgio Colli nimmt Nietzsches philologische Position ernster. Er konstatiert zwar -auch die Tatsache, dass „[d]ie klassische Altertumswissenschaft [\dots] Nietzsches -Konzeption als unwissenschaftlich stillschweigend ignoriert“\footcite[901]{colli:geburt-nachwort} -hat, aber fügt hinzu, dass die Wissenschaft selbst nicht viel mehr auf diesem Gebiet -geleistet hat: „Die überlieferten Fakten sind immer noch die gleichen, dürftigen und -unsicheren.“\footcite[901]{colli:geburt-nachwort} Jedoch auch G. Colli -ist es bewusst, dass „Die Geburt der Tragödie“ „keine historische Interpretation“ -der Entstehung und des Verfalls der Tragödie ist, sondern das Werk „eine Interpretation -des gesamten Griechentums“ und „eine philosophische Gesamtschau“ entfaltet.\footcite[Vgl.][902]{colli:geburt-nachwort} diff --git a/themes/posts/2015/04/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich_23.tex b/themes/posts/2015/04/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich_23.tex deleted file mode 100644 index c00b14a..0000000 --- a/themes/posts/2015/04/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich_23.tex +++ /dev/null @@ -1,125 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2015-04-23 03:20:00 -tags: Aufsatz -title: Zur Bedeutung der Kunst bei Friedrich Nietzsche. Teil 2. Gesellschaftliche Dimension der Kunst -teaser: | - <p> - Die Bedeutung der Kunst endet nicht mit der Frage, welche Position sie im Leben - eines Individuums einnimmt. Nietzsche versucht seinen Kunstbegriff auf größere Menschenmengen - zu beziehen, um damit gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse zu erklären, oder - mindestens zu schauen, welche Auswirkung die Kunst oder die einzelnen Künstler auf - die menschliche Gesellschaft und Kultur haben. - </p> ---- -Die Bedeutung der Kunst endet nicht mit der Frage, welche Position sie im Leben -eines Individuums einnimmt. Nietzsche versucht seinen Kunstbegriff auf größere Menschenmengen -zu beziehen, um damit gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse zu erklären, oder -mindestens zu schauen, welche Auswirkung die Kunst oder die einzelnen Künstler auf -die menschliche Gesellschaft und Kultur haben. - -In einer Aufzeichnung von 1885 schreibt Nietzsche Folgendes: - -\begin{quote} -„Die mathematischen Physiker können die Klümpchen-Atome -nicht für ihre Wissenschaft brauchen: folglich construiren sie sich eine Kraft-Punkte-Welt, -mit der man rechnen kann. Ganz so, im Groben, haben es die Menschen und alle organischen -Geschöpfe gemacht: nämlich so lange die Welt zurecht gelegt, zurecht gedacht, zurecht -gedichtet, bis sie dieselbe brauchen konnten, bis man mit ihr ‚rechnen‘ -konnte.“\footcite[163]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Es existiert also keine „objektive Welt“. Die Menschen erdichten ihre eigene Welt, -in der ihnen am Besten zu Mute ist, in der sie leben können und wollen. Und dies ist -genau, das was bereits für den jungen Nietzsche eine menschliche Kultur ausmacht. -Das Dionysische ist das Fundament auf dem die Kulturen entstehen, „der ungeheure Lebensprozess -selbst, und Kulturen sind nichts anderes, als die zerbrechlichen und stets gefährdeten -Versuche, darin eine Zone Lebbarkeit zu schaffen“.\footcite[59]{safranski:biographie} - -Im Zusammenhang mit der menschlichen Kultur führt Nietzsche den Krieg als ein dionysisches -Element ein, und dieses Element beinhaltet auch „die Bereitschaft zum lustvollen -Untergang“.\footcite[59]{safranski:biographie} Nietzsche, der selbst im Krieg -einige Wochen als Sanitäter beteiligt war, sieht im Krieg als zerstörerischer -Macht des Dionysus eine positive Potenz, und zwar erwartet er, dass dem -Vernichten das Werden folgt, mit anderen Worten erhofft er eine Erneuerung -der Kultur. Die Grausamkeit des Krieges um der Erneuerung der Kultur willen scheint -übertrieben und grauenvoll zu sein. Daher hat der Krieg eine Umgestaltung durch die -bildende apollinische Kraft nötig.\footcite[Vgl.][58--61]{safranski:biographie} Nietzsche -greift wieder auf das Vorbild der Griechen, die „ein Beispiel dafür, wie diese kriegerische -Grausamkeit sublimiert werden kann durch den Wettkampf, der überall stattfindet, in -der Politik, im gesellschaftlichen Leben, in der Kunst.“\footcite[62]{safranski:biographie} -„Ihr sagt, die gute Sache sei es, die sogar den Krieg heilige? Ich sage: der -Krieg ist es, der jede Sache heiligt!“\footcite[109]{nietzsche:fragmente} -schreibt er im November 1882 -- Februar 1883. - -Auch auf der kulturellen Ebene balancieren die zwei grundlegenden Lebensmächte, -das Dionysische und Apollinische, einander aus. Jede Kultur benötigt apollinische -Bilder, um das Leben ertragen zu können, aber es besteht die Gefahr, dass die Kultur -erstarrt und die dionysische Dynamik verliert, und dann muss sich das Dionysische -wieder in den Weltprozess deutlicher einmischen.\footcite[Vgl.][62 f]{safranski:biographie} - -Ein anderer Grund, den Krieg als eine unabdingbare Komponente der Entwicklung anzusehen, -besteht darin, dass die Kultur für Nietzsche die oberste Position in der Pyramide -der Menschheitswerke. Alles andere ist ihr untergeordnet: Gelehrsamkeit, Religion, -Staat.\footcite[Vgl.][63]{hayman:biographie} - -Kennzeichnend dafür, welche Bedeutung die Kultur hat, ist, wie Nietzsche die Rolle -des Künstlers in einer Gesellschaft einschätzt. So heißt es am Ende 1870 -- April 1871: - -\begin{quote} -„Ich würde aus meinem idealen Staate die sogenannten ‚Gebildeten‘ hinaustreiben, -wie Plato die Dichter: dies ist mein Terrorismus.“\footcite[22]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Die Dichter, die Künstler dürfen keinesfalls aus dem Nietzsches Staat ausgetrieben -werden. Ganz im Gegenteil, für ihr Wohlergehen müssen alle Bedingungen erschaffen -werden. Auch in dieser Hinsicht ist das antike Griechenland ein Vorbild für Nietzsche. -Er verteidigt die damalige Sklaverei als notwendige Bedingung für das Wohl der „höchsten -Exemplaren“ einer Gesellschaft, die ihrerseits den Beitrag zum Aufblühen der Kultur -leisten.\footcite[Vgl.][67]{hayman:biographie} Nietzsche hat keineswegs illusionäre -Vorstellungen bezüglich der Sklaverei, vielmehr lobt er die grausame Ehrlichkeit der -Griechen, die „die letzten Geheimnisse ‚vom Schicksale der Seele‘ und Alles, was sie -über die Erziehung und Läuterung, vor Allem über die unverrückbare Rangordnung und -Werth-Ungleichheit von Mensch und Mensch wußten, sich aus ihren dionysischen Erfahrungen -zu deuten suchten: […]“.\footcite[169]{nietzsche:fragmente} Es ist -auch nicht so, dass Nietzsche die Demokratie verachtet, weil sie zu Gleichheit der -Menschen untereinander führt. Er glaubt einfach nicht, dass in einem demokratischen -Staat, das Verhältnis sich ändert. Die demokratische Gleichheit ist für ihn eine Lüge: - -\begin{quote} -In neuerer Zeit wird die Welt der Arbeit geadelt, aber das sei Selbstbetrug, -denn an der fundamentalen Ungerechtigkeit der Lebensschicksale, die den einen -die mechanischen Arbeit und den Begabteren das schöpferische Tun zuweist, ändere -auch die \underline{Begriffs-Hallucination} von der \underline{Würde der Arbeit} -nichts."\footcite[68]{safranski:biographie} -\end{quote} - -Nietzsche zieht sozusagen die dionysische Wahrheit, die besagt, dass das menschliche -Sein von vornherein ungerecht ist, der apollinischen Einbildung, dass die Demokratie -eine Gerechtigkeit gleicher Menschen garantieren kann, vor. Nietzsche idealisiert -auch die privilegierte Kaste eines derartigen Staates nicht und fragt sich, „[o]b -man nicht ein Recht hat, alle großen Menschen unter die bösen zu rechnen“.\footcite[147]{nietzsche:fragmente} -Nietzsche beschreibt diese Welt als eine „Sich-selber-widersprechendste, und dann -wieder aus der Fülle heimkehrend zum Einfachen, aus dem Spiel der Widersprüche zurück -bis zur Lust des Einklangs, sich selber bejahend noch in dieser Gleichheit seiner -Bahnen und Jahre, sich selber segnend als das, was ewig wiederkommen muß, als ein -Werden, das kein Sattwerden, keinen Überdruß, keine Müdigkeit kennt -: diese meine -dionysische Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens, des Ewig-sich-selber-Zerstörens“.\footcite[158]{nietzsche:fragmente} -Als dionysische Welt ist sie in sich absurd und widersprüchlich. Die Vereinigung der -Gegensätze in sich ist auch der Maßstab für die Größe des Künstlers und das ist auch -eben, was ihn „böse“ macht, denn den Tugenden wohnt der Frevel bei, die kreative Kraft -wird durch die zerstörerische vervollständigt. So antwortet Nietzsche auf seine Frage: - -\begin{quote} -„[D]ie Größten haben vielleicht auch große Tugenden, -aber gerade dann noch deren Gegensätze. Ich glaube, daß aus dem Vorhandensein der -Gegensätze, und aus deren Gefühle, gerade der große Mensch, der Bogen mit der großen -Spannung, entsteht.“\footcite[147]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Genauso wie der Krieg ein Aspekt der Kultur ist, ohne den Nietzsche ihre dynamische -Entwicklung sich nicht vorstellen kann, genauso ist die prinzipielle Ungleichheit -und Grausamkeit der Menschen gegenüber einander etwas, worauf die Kultur beruht, und -was sie apollinisch, d.h.\ für den Menschen erträglich zu gestalten sucht. Und so verwendet -Nietzsche dieselben Prinzipien des Dionysischen und des Apollinischen, die er entdeckt -hat, um das kulturelle Leben einer Gesellschaft zu beschreiben. diff --git a/themes/posts/2015/04/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich_30.tex b/themes/posts/2015/04/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich_30.tex deleted file mode 100644 index fbfeb47..0000000 --- a/themes/posts/2015/04/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich_30.tex +++ /dev/null @@ -1,456 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2015-04-30 11:35:00 -tags: Aufsatz -title: Zur Bedeutung der Kunst bei Friedrich Nietzsche. Teil 3. Die Kunst und das Leben -teaser: - <p> - Nietzsche unternimmt einen neuen Versuch, dem Leben, so wie es ist, einen - Sinn zu geben. Es ist keine Rechtfertigung, die auf eine bestimmte Theologie - oder ein Moralsystem stützt, sondern dies ist die Rechtfertigung eines - Künstlers. Nur als ein ästhetisches Phänomen lässt sich das Dasein als - lebenswert erfahren. - </p> ---- -\epigraph{Die Kunst und nichts als die Kunst! Sie ist die große Ermöglicherin des Lebens, die große -Verführerin zum Leben, das große Stimulans des Lebens.} -{\textit{Mai -- Juni 1888}\\ -\textbf{Friedrich Nietzsche}\footcite[283]{nietzsche:fragmente}} - -In der „Geburt der Tragödie“ steht ein bekannter Satz, der oft zitiert wird. Nietzsche -unternimmt einen neuen Versuch, dem Leben, so wie es ist, einen Sinn zu geben. Es ist keine -Rechtfertigung, die auf eine bestimmte Theologie oder ein Moralsystem stützt, sondern -dies ist die Rechtfertigung eines Künstlers. Nur als ein ästhetisches Phänomen lässt -sich das Dasein als lebenswert erfahren.\footcite[Vgl.][47]{nietzsche:geburt} -Alles andere ist hilflos gegen die Weisheit des Silen. 1878 stellt Nietzsche die Moral -der Kunst entgegen und schreibt rückblickend: - -\begin{quote} -Damals glaubte ich daß die Welt vom aesthetischen Standpunkt -aus ein Schauspiel und als solches von ihrem Dichter gemeint sei, daß sie aber als -moralisches Phänomen ein Betrug sei: weshalb ich zu dem Schlusse kam, daß nur als -aesthetisches Phänomen die Welt sich rechtfertigen lasse.\footcite[55]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Nur als Teilnahme am Traum eines göttlichen Wesens kann die menschliche Existenz -gerechtfertigt werden, nur so können die extremen Widersprüche im menschlichen Dasein -erträglich gemacht werden.\footcite[Vgl.][59 ff]{ries:geburt} - -Mithilfe der Kunst versucht Nietzsche dem Pessimismus und Nihilismus zu entkommen -und sagen: Das Leben muss bejaht werden! W. Ries nennt die Rechtfertigung des Lebens -bei Nietzsche „die letzte Bastion gegenüber einer Gegenwart […], welche durch -die universale Banalisierung ihrer reduzierten Lebensvollzüge funktionalistisch charakterisiert -werden kann, einer Gegenwart, aus welcher ‚die Götter‘ ebenso endgültig verschwunden -sind wie ‚die griechische Heiterkeit‘ und an deren Trivialität es nichts mehr zu ‚rechtfertigen‘ -gibt.“\footcite[66]{ries:geburt} - -\subsubsection{1. Die Kunst als Wahrheit oder die Kunst anstatt der Wahrheit} - -Der Grund, warum Nietzsche die alten Ideale wie Religion und Moral als nicht -lebenstauglich verwirft, liegt darin, dass sie ein objektives System von -Urteilen voraussetzen, zum Beispiel einen Gott und ein göttliches Gesetz oder -die Idee des Guten, gegenüber welchen Nietzsche sehr skeptisch ist. Erkenntnistheoretisch -besteht das Problem darin, dass man sie nicht mit voller Sicherheit begründen kann. -Im Fall mit der Religion spielt der Glaube eine enorme Rolle und die Glaubenssätze -können nicht auf die logische Ebene zurückgeführt werden, sonst würde es sich um keine -Religion, sondern um eine Wissenschaft handeln. Im Fall mit der Moral besteht die -Gefahr, dass alle Normen, die als objektiv gültig zu sein scheinen, bloß eine Folge -der kulturellen Entwicklung sind, sodass die Moral sich dann als „eine Summe von -Vorurtheilen“\footcite[67]{nietzsche:fragmente} entlarven lässt. Die -menschliche Entwicklung und die kulturellen Zusammenhänge sind oft dermaßen -kompliziert, dass es sich kaum unterscheiden lässt, was objektiv und was ein -subjektives (oder ein kollektives) Vorurteil ist. Im Sommer 1880 stellt Nietzsche -die Moral der Wissenschaft gegenüber: - -\begin{quote} -In den Wissenschaften der speziellsten Art redet man -am bestimmtesten: jeder Begriff ist genau umgrenzt. Am unsichersten wohl in der Moral, -jeder empfindet bei jedem Worte etwas Anderes und je nach Stimmung, hier ist die Erziehung -vernachlässigt, alle Worte haben einen Dunstkreis bald groß bald eng werdend.\footcite[66]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Auch der moderne Pluralismus lehrt, dass es nicht so einfach ist, eine Religion -oder ein Moralsystem in den Bereich des Absoluten zu erheben. - -Volker Gerhardt findet Nietzsches Hervorheben der ästhetischen Seite des Daseins -provokativ und fragt: „Wie weit reicht eigentlich die Provokation des moralischen -Denkens durch die Forderung nach einer ganz und gar ästhetischen Betrachtung des Seins?“\footcite[47]{artisten-metaphysik} -Ist Nietzsches Argumentation ernst gemeint oder will er einfach in jeder Diskussion -Recht behalten, indem er moralische Urteile relativiert und an ihre Stelle ästhetische -Sichtweise erhebt? V. Gerhardt argumentiert, dass es kränkend sei, wenn jemand moralische -Argumente bringt, die von dem Opponenten nicht ernst genommen werden, sodass der Letztere -sich noch berechtigt fühlen könne, seine Untat zu rechtfertigen und zu wiederholen. -Außerdem kann man einen solchen „Künstler“ überhaupt ernst nehmen, wenn „Grausamkeiten -belächelt, fremde Qualen genossen und eigene Pflichten bloß theatralisch genommen -werden“?\footcite[Vgl.][47]{artisten-metaphysik} Darauf kann man zweierlei antworten: - -\begin{enumerate} - \item - Innerhalb eines Freundeskreises, einer Kultur oder sogar einer Epoche - würde vielleicht tatsächlich „jeder von uns empört, wenn ein ernstes moralisches Anliegen - durch Hinweis auf ästhetische Reize zurückgewiesen wird“.\footcite[47]{artisten-metaphysik} - Nun wird die Frage nach der Geltung der Moral, nach dem Vorhandensein allgemein gültiger - moralischer Regeln, von Nietzsche viel radikaler gestellt. Ihn interessiert, ob es - prinzipiell eine moralische Gesetzgebung gibt, die dieselbe Gültigkeit wie ein physikalisches - Gesetz hat, das überall auf der Erde in allen Zeiten gültig ist. Nietzsche verneint - die Möglichkeit der Existenz einer moralischen Gesetzgebung. - - Wird nicht jeder von - uns empört, wenn ein moralisches Anliegen diametral entgegengesetzt bewertet wird, - aufgrund eines anderen Wertesystems, einer andersartigen Ethikkonzeption oder eines - ungleichen kulturellen Hintergrundes? Lässt es sich in der Tat immer über die moralischen - Urteile streiten? Man denke nur an moralische Konflikte auf einer größeren, politischen, - Ebene zwischen den Ländern, deren moralische Wertesysteme durch eine Jahrhunderte - und Jahrtausende lange Geschichte geprägt sind. - - \item „Ästhetisch“ und „theatralisch“ -kann nicht einfach mit „frech“, „leichtsinnig“, „gleichgültig“, „egoistisch“ gleichgesetzt -werden. Auf der Bühne des Theaters kann sehr ernst gespielt werden (man denke nur, -welche existenzielle Bedeutung hat nach Nietzsche die griechische Tragödie). Des Weiteren -kann man sehr wohl auf Moralsysteme mit den Maximen wie „Vertraue keinem Menschen“, -„Erreiche dein Ziel um jeden Preis“, „Kümmere dich nur um dich selbst und um die Menschen, -die dir etwas bedeuten“ und so weiter stoßen. Auf der anderen Seite kann man sein -Leben ästhetisch als ein schönes und gutes Kunstwerk gestalten. Die Frage, ob die -Moral oder die Ästhetik mehr Wahres in sich hat, ist theoretischer Natur. Welche Auswirkung -auf das menschliche Handeln die Entscheidung für entweder moralische oder ästhetische -Weltbetrachtung hat, hängt allein von der Lebenseinstellung des Handelnden. -\end{enumerate} - -Alles, was „jenseits“, nicht sinnlich ist, will Nietzsche aus der Philosophie verbannen, -und wieder hat hier die Philosophie von der Kunst zu lernen: - -\begin{quote} -In der Hauptsache gebe ich den Künstlern mehr Recht -als allen Philosophen bisher: sie verloren die große Spur nicht, auf der das Leben -geht, sie liebten die Dinge ‚dieser Welt‘, - sie liebten ihre Sinne. Entsinnlichung -zu erstreben: das scheint mir ein Mißverständnisß oder eine Krankheit oder eine Kur, -wo sie nicht eine bloße Heuchelei oder Selbstbetrügerei ist. […] Was gehen -uns die priesterlichen und metaphysischen Verketzerungen der Sinne an!\footcite[154]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Gegen die christlichen Vorstellungen und philosophische Systeme, die den Leib als -Kerker der Seele betrachten, setzt Nietzsche fort und sagt, dass es sogar „ein Merkmal -der Wohlgerathenheit [ist], wenn Einer gleich Goethen mit immer größerer Lust und -Herzlichkeit an ‚den Dingen der Welt‘ hängt“.\footcite[154]{nietzsche:fragmente} -Zwar nennt er diese Welt, wie oben gesagt, eine Scheinwelt, aber es gibt keine andere. -Wenn Nietzsche darüber spricht, dass wir in einer Scheinwelt leben, so verweist er -nicht auf eine wahre, reale Welt, es existiert keine „Hinterwelt“\footcite[Vgl.][93]{nietzsche:fragmente} -Er will kein Dualist sein und akzeptiert nur die Realität, die er mit seinen Sinnen -wahrnehmen kann, selbst wenn sie eine Täuschung sein soll: - -\begin{quote} -Wir finden das Umgekehrte, die Gegenbewegung gegen die -absolute Autorität der Göttin ‚Vernunft‘ überall, wo es tiefere Menschen giebt. Fanatische -Logiker brachten es zu Wege, daß die Welt eine Täuschung ist; und daß nur im Denken -der Weg zum ‚Sein‘, zum ‚Unbedingten‘ gegeben sei. Dagegen habe ich Vergnügen an der -Welt, wenn sie Täuschung sein sollte; und über den Verstand der Verständigsten hat -man sich immer unter vollständigeren M<enschen> lustig gemacht.\footcite[162]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -\subsubsection{2. Wissenschaft} - -Nicht nur Religion und Moral können uns keine Aussage über die Welt, wie sie -an sich ist, und über die Wahrheit geben, auch die Wissenschaft kann es kaum. -Wenn auch Walter Schulz Nietzsche „wissenschaftsgläubig“ nennt,\footcite[Vgl.][19]{schulz:function-and-place} -so hat Nietzsche doch die Wissenschaft zu verschiedenen Zeiten seines Lebens unterschiedlich -bewertet. Ja, die Wissenschaft mag sich auf empirische Daten stützen und deswegen -nicht so subjektiv sein, wie Metaphysik, Religion oder Moral. Es stellt sich allerdings -die Frage, ob die Wissenschaft deswegen einen Anspruch auf die Wahrheit hat. - -Besonders gut lässt sich die Berechtigung dieser Frage nachvollziehen, wenn man -einen kurzen Blick auf die moderne Wissenschaftstheorie wirft. Moderne Wissenschaften -geben heutzutage gar nicht vor, die Aussagen über die Wirklichkeit zu treffen, was -vor zwei oder drei Jahrhunderten der Fall war. Die naive Vorstellung, die Wissenschaft -erforsche die Wirklichkeit, ist zwar verbreitet, aber nicht in den wissenschaftlichen -Kreisen selbst. Moderne Wissenschaften basieren auf Theorien, was bedeutet, dass sie -mit von Menschen erschaffe- nen Modellen arbeiten, die helfen, bestimmte Phänomene -zu erklären oder gewisse Berechnungen durchzuführen. - -Hatte Nietzsche nicht schon damals Recht, als er die einzig reale für den Menschen -Welt eine Scheinwelt genannt hat, denn wie sonst kann man erklären, dass der Mensch -kein Wissen über die Tatsachen der Welt hat, sondern ledigilich auf die Bildung von -Theorien angewiesen ist? Man kann jetzt die radikale Frage stellen, ob die Wissenschaft -selbst nicht eine „Kunstgattung“ ist. Die Gegenfrage würde lauten: Wenn man die Kunst -braucht, um das Leben umzulügen, es umzudichten und so erträglich zu machen, wozu -braucht man dann die Wissenschaft? - -\begin{quote} -Die Bequemlichkeit, Sicherheit, Furchtsamkeit, Faulheit, -Feigheit ist es, was dem Leben den gefährlichen Charakter zu nehmen sucht und alles -‚organisiren‘ möchte - Tartüfferie der ökonomischen Wissenschaft\footcite[135]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Wissenschaften bringen Sicherheit ins Leben. Diese Funktion hatten früher die heidnischen -Religionen. Man fühlte sich sicherer, wenn man wusste, dass man nicht der blinden, -gleichgültigen Natur ausgeliefert ist; wenn man wusste, dass eine Götterwelt sich -hinter allen Naturphänomenen verbirgt, die man anbeten kann und so bekam man das Gefühl, -dass man ein gewisses Maß an Kontrolle über die Natur hat. Deswegen schreibt Nietzsche -über die griechische Mythologie, dass die Götter des Olymps „aus tiefster Nöthigung“\footcite[36]{nietzsche:geburt} -geschaffen wurden. - -Diese Rolle der Lebensabsicherung hat später die Wissenschaft übernommen. Sie ermöglicht -einerseits Zusammenhänge zwischen den Ereignissen festzustellen und daraus auf die -Naturgesetze zu schließen, und so erscheint die Welt nicht mehr chaotisch, sondern -wird geordnet und als ein nach Gesetzen funktionierendes System vorgestellt. Andererseits -versetzt die Wissenschaft in die Lage, Voraussagen über die Zukunft zu treffen. Aufgrund -der Komplexität der physikalischen Systeme, können alle natürlichen Ereignisse in -so großen Systemen wie unser Universum nicht genau vorhergesehen werden, weshalb, -was die Auswirkung auf den Menschen betrifft, die Vorhersagemöglichkeit der Naturphänomene -analog zu Anbetung der Götter ist, weil beides mehr Sicherheit in den folgenden Tag bringt. - -Etwas andere Sicht auf die Wissenschaft bietet eine andere Aufzeichnung von Nietzsche, -die aus der Zeit zwischen dem Herbst 1885 und Herbst 1886 stammt: - -\begin{quote} -Man findet in den Dingen nichts wieder als was man nicht -selbst hineingesteckt hat: dies Kinderspiel, von dem ich nicht gering denken möchte, -heißt sich Wissenschaft? […] das Wiederfinden heißt sich Wissenschaft, das -Hineinstecken - Kunst, Religion, Liebe, Stolz.\footcite[188]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -In diesem Modell ist es die schöpferische Kraft des Menschen die, die Welt schafft. -Die Wissenschaft hat zu ihrer Aufgabe die so erschaffene Welt zu analysieren und aus -den gewonnenen Daten ein wissenschaftliches System zu formen. Diesen Gedanken findet -man ebenfalls in der modernen Wissenschaftstheorie wieder, und zwar im Konzept der -Operationalisierung. Das ist ein wichtiges Konzept, das ermöglicht, ein Objekt unter -bestimmte Begriffe zu subsumieren. Operationalisierung sagt uns nichts über die realen -Eigenschaften eines Objektes, es besagt bloß, dass, um einem Objekt einen Begriff -zuzuordnen, eine Messmethode angegeben wieden muss. Ein Beispiel aus der Psychologie -wäre ein Intelligenztest. Empirisches Problem beim Durchführen eines derartigen Tests -ist, dass es nicht klar ist, was Intelligenz eigentlich ist, was genau unter Intelligenz -verstanden wird. Man würde den Begriff „Intelligenz“ operationalisierbar machen, wenn -man eindeutig eingeben würde, wie die Intelligenz zu messen ist (zum Beispiel anhand -eines Tests, der genauso universell für die Messung der Intelligenz ist, wie ein Lineal -für die Messung der Länge). Das hätte das Problem mit der Subjektivität und Begrenztheit -eines Intelligenztests gelöst, man hätte sie messen können und mit den Messwerten -anderer Menschen vergleichen. Dafür, dass der Begriff „Intelligenz“ nun operationalisierbar -wäre, würde man jedoch ein anderes Problem bekommen: Bevor man anfängt etwas zu messen, -muss man definieren, wie es zu messen ist. In dem Fall mit der Intelligenz bedeutet -es, dass man nicht auf die „Idee der Intelligenz“ in einem platonischen Ideenreich -zugreift, die objektiv definiert, was die Intelligenz ist, sondern man legt vorher -selbst fest, was es ist und wie es zu messen gilt. In den Naturwissenschaften ist -es nicht anders: Man misst nicht etwas aus der objektiven Wirklichkeit, sondern nur -das, was man messen will, mit Nietzsche gesagt: Man misst nur das, was man in -die Natur „hineingesteckt“ hat. - -Man kann Nietzsches Metaphysik auch auf die Wissenschaft anwenden. Wissenschaft -erscheint in diesem Licht als eine lebensnotwendige Lüge, genauso wie die Welt, die -von ihr erforscht wird. - -\subsubsection{3. Pessimismus und Optimismus in der Kunst} - -"Nietzsche legt - das Gesamt der geistigen Tätigkeiten durchmusternd - dar, daß Metaphysik, Moral, -Religion und Wissenschaft nur verschiedene Formen der Lüge sind."\footcite[12]{schulz:function-and-place} -Menschen haben aber das innere Streben nach der Wahrheit, sonst hätte man diese Lügen -nicht ausgedacht. Aber auch mit der Kunst steht es nicht viel anders, und Walter Schulz -schreibt an einer anderen Stelle: "Die Kunst lügt um, aber sie umlügen, weil wir sonst -nicht leben können."\footcite[11]{schulz:function-and-place}Und wenn auch die -Welt nur ein Kunstwerk ist, ist auch sie durch und durch lügnerisch. Und wenn man -diese Wahrheit niemals erreichen kann, weil es sie nach Nietzsche nicht gibt, dann -hat kann man sich fragen, was für einen Sinn das Leben überhaupt hat, und ob es ausreicht -sich ästhetisch zu betrügen, wenn man jede Sekunde weiß, dass es nur eine Lüge ist. - -Diese Frage ist entscheidend für Nietzsche, weil er sich nicht als Pessimist verstehen -will. Wenn er im „Versuch einer Selbstkritik“ dem Optimismus als dem Zeichen des Verfalls -den Pessimismus gegenüberstellt,\footcite[Vgl.][12 f]{nietzsche:geburt} so -meint er mit dem „Pessimismus“ in diesem Fall etwas anderes. Optimismus, den Nietzsche -zu bekämpfen sucht, ist der Optimismus in der Erkenntnis, sokratische Einstellung, -dass das Sein in seinem Grund vernünftig, geordnet und berechenbar ist. Das ist auch, -was heute oft als „positives Denken“ bekannt ist. Denke positiv, schließe deine geistigen -Augen und merke nicht die Probleme und die Welt um dich herum. Diese Lebenshaltung ist zu „apollinisch“. - -Der Gegenbegriff zum Optimismus ist der Pessimismus oder wie Nietzsche sagt „Pessimismus -der Stärke“.\footcite[12]{nietzsche:geburt} Es zeugt von gewisser -Stärke, die Welt in ihrem dionysischen Chaos und ihrer Absurdität anzuerkennen und -trotzdem „Ja“ zum Leben zu sagen. Es gibt aber auch das, was man analog zum „Pessimismus -der Stärke“ „Pessimismus der Schwäche“ nennen könnte. Das ist, wenn man zwar keine -Angst hat, in die Abgründe des Seins zu schauen, aber zu schwach ist, die Welt trotz alledem zu bejahen. - -Wie ich oben erwähnte hat Nietzsche die Überschrift der zweiten Ausgabe der „Geburt -der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ verändert, das Buch hieß nun „Die Geburt der -Tragödie. Oder: Griechenthum und Pessimismus“. Im „Versuch einer Selbstkritik“ beschreibt -er „Griechentum und das Kunstwerk des Pessimismus“,\footcite[12]{nietzsche:geburt} -wobei die Griechen positiv als Pessimisten beschrieben werden, da Nietzsche sie im -nächsten Satz die „zum Leben verführendste Art der bisherigen Menschen“\footcite[12]{nietzsche:geburt} -nennt. Auch in seiner Aufzeichnung zur „Geburt der Tragödie“ aus dem Herbst 1885 - -Herbst 1886 äußert er sich positiv über die „pessimistische Religion“, die an den -tragischen Mythos gebunden ist: „Ein Verlangen nach dem tragischen Mythus (nach ‚Religion‘ -und zwar pessimistischer Religion) (als einer abschließenden Glocke worin Wachsendes -gedeiht)“.\footcite[181]{nietzsche:fragmente} - -In „Ecce homo“, in dem Abschnitt, wo Nietzsche „Die Geburt der Tragödie“ reflektiert, -verdreht er allerdings die ursprüngliche Bedeutung des zweiten Teils der Überschrift -und, um anscheinend seine Opposition gegen den „Pessmismus der Schwäche“ zu betonen, -spricht er von Griechen, die im Gegenteil keinen Pessimismus kannten: „‚Griechenthum -und Pessimismus‘: das wäre ein unzweideutigerer Titel gewesen: nämlich als erste Belehrung -darüber, wie die Griechen fertig wurden mit dem Pessimismus, - womit sie ihn überwunden… -Die Tragödie gerade ist der Beweis dafür, dass die Griechen keine Pessimisten -waren: Schopenhauer vergriff sich hier, wie er sich in Allem vergriffen -hat“.\footcite[Vgl.][309]{nietzsche:ecce-homo} - -Es gibt „das Kunstwerk des Pessimismus“,\footcite[12]{nietzsche:geburt} -das dem Menschen offenbart, was der Pessimismus der Stärke ist, aber es gibt keine -pessimistische Kunst im Sinne des Pessimismus der Schwäche. - -Das Verständnis von Pessimismus ist der Punkt, in dem Nietzsche sich von seinem geistigen -Lehrer Schopenhauer absetzt, wie man es aus dem letzten Zitat aus „Ecce homo“ sieht. -Schopenhauer hat den dunklen, in sich widersprüchlichen Kern des Daseins entdeckt. Nietzsche -geht einen Schritt weiter und behauptet, dass das Dasein zu bejahen ist. 1888 antwortet -Nietzsche auf die Frage „Pessimismus in der Kunst?“, die in der Überschrift seiner -Aufzeichnung steht, folgendermaßen: - -\begin{quote} -Kunst ist wesentlich Bejahung, Segnung, Vergöttlichung -des Daseins…\\-: Was bedeutet eine pessimistische Kunst?.. Ist das nicht -eine contradictio? - Ja.\\Schopenhauer irrt, wenn er gewisse Werke der Kunst in -den Dienst des Pessimism stellt. Die Tragödie lehrt nicht ‚Resignation‘…\\- -Die furchtbaren und fragwürdigen Dinge darstellen ist selbst schon ein Instinkt der -Macht und Herrlichkeit am Künstler: er fürchtet sie nicht… Es giebt keine pessimistische -Kunst.. Die Kunst bejaht. Hiob bejaht.\footcite[250]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -\subsubsection{4. Ästhetische Rechtfertigung des Daseins} - -Wenn man nach dem Sinn des Lebens fragt, dann fragt man: „Welchen Zweck hat -das Leben?“. Die Möglichkeit einer vernünftigen -Antwort auf diese Frage setzt also voraus, dass es eine Zweckmäßigkeit in der Natur -gibt, dass sie nach einem Prinzip funktioniert. Nun ist der dionysische Grund in dieser -Hinsicht nicht anders als dessen Vorbild, der Wille bei Arthur Schopenhauer, er „hat -kein Ziel und ist kein Prinzip, er begründet nichts, richtet nicht und kann folglich -auch nichts ‚rechtfertigen‘“.\footcite[55]{artisten-metaphysik} Wenn -die Welt das menschliche Dasein nicht rechtfertigen kann, so kann es nur der Mensch -selbst. Der Mensch projiziert aber sein Bedürfnis nach einem Sinn in die Welt, um -sich von der Last, sein Dasein rechtfertigen zu müssen, zu befreien. Dies führt zur -Entstehung großer Systeme wie die Moral oder Religionen. Wenn man aufhört nach dem -Sinn in der Außenwelt zu suchen, weil die menschliche Erkenntnis nicht zuverlässig -ist, so ist das Einzige, was übrig bleibt, in sich selbst zu suchen, weil man die -Grenzen seiner Selbst nicht sprengen kann.\footcite[Vgl.][55]{artisten-metaphysik} -Da Nietzsche das bis zum Ende konsequent durchdenkt, kommt er zu dem Schluss, dass -die Rechtfertigung des Daseins nur von dem Menschen selbst ausgehen kann, wenn -sie überhaupt möglich sein soll. - -Volker Gerhardt setzt den Gedanken über die Rechtfertigung des Lebens fort und -verbindet ihn mit den Bedingungen des menschlichen Handelns. Ein mit Sinn erfülltes -Leben ist die Voraussetzung für das menschliche Handeln, weil, wenn man keinen Grund -zu leben hat, man auch keinen Grund zu handeln hat, woraus folgt, dass es Nietzsche -nicht nur um die theoretische, sondern auch um die praktische Philosophie geht.\footcite[Vgl.][52--54]{artisten-metaphysik} -Deswegen hat die Lösung des Problems, ob das Dasein für den Menschen befriedigend -gerechtfertigt werden kann, weitreichende Konsequenzen für das individuelle und gesellschaftliche -Leben, das aus handelnden Subjekten besteht, obwohl Nietzsche nichts über den möglichen -funktionalen Zusammenhang von ästhetischen und theoretischen (oder praktischen) Einsichten"\footcite[Vgl.][56]{artisten-metaphysik} -sagt. - -V. Gerhardt unterscheidet zwischen der Rechtfertigung der Welt und des individuellen -Daseins. Der Mensch als handlungsfähiges Subjekt ist auf die Interaktion mit den anderen -Menschen und der Umwelt angewiesen, das heißt, um das eigene Leben und Handeln als -sinnvoll zu erfahren, muss das menschliche Subjekt sein eigenes Dasein im „Lauf der -Dinge“\footcite[Vgl.][56]{artisten-metaphysik} verstehen. Bei Nietzsche ist -es nicht möglich, weil die Rechtfertigung der Welt und des eigenen Daseins verschmelzen, -es ist schließlich nur der Mensch selbst, der allem Sinn gibt. Man kann also sein -Dasein nicht in den „Lauf der Dinge“ integrieren, sondern nur in seine eigene Einbildung -oder in den vom Zufall gesteuerten Traum eines höheren Wesens. Kann so etwas als „Rechtfertigung“ -und „Sinngebung“ gelten, oder wäre es ehrlicher mit dem Schopenhauers Pessimismus zu bleiben? - -Dazu muss man sagen, dass, wenn man den Geist aus der Welt vollständig ausklammert, -als etwas, was empirisch nicht nachgewiesen werden kann (und es ist das Ziel Nietzsches, -ohne eine Hinterwelt auszukommen), es keine bessere Lösung gibt. Eine physische, von -den Naturgesetzen gelenkte Welt ist uns genauso fremd wie der absurde Traum des Dionysus. -Wenn wir unser Dasein als ein Glied in der Geschichte der Menschheit verstehen können, -dann nimmt diese Geschichte ihren Anfang im Nichts und sie wird sich am Ende im Nichts -auflösen. Die individuelle Existenz ist in diesem Modell absolut sinnlos, obwohl es -in ein größeres Ganzes eingebaut werden kann. Das Letzte, was dem Menschen bleibt, -sich und seiner Umwelt selbst einen Sinn zu geben. Und da ist man schon wieder bei -Nietzsche. Dass er die Rechtfertigung des Daseins und diejenige der Welt nicht auseinanderhält, -ist ein richtiger Schachzug von ihm: Die Existenz der Welt ist sowieso sinnlos (oder -wird als solche erfahren), wenn es die menschliche Existenz ist. - -Ein anderes Argument, das V. Gerhardt bringt, ist, dass die Kunst, die das Leben -rechtfertigen soll, an Voraussetzungen gebunden ist, die sie dann zu erklären -versucht. In einem anderen Artikel, „Nietzsches ästhetische Revolution“ spricht -er von der „Dequalifizierung des Kunstbegriffs“: - -\begin{quote} -Erstens geht der Begriff der Kunst dem des Lebens methodisch -voraus. Allein das vorgängige Verständnis der Kunst ermöglicht, wenn überhaupt noch, -das Leben zu verstehen. Alle anderen Modelle, die von den Wissenschaften bereitgestellt -worden sind - bis hin zur mechanischen Erklärung der Lebensprozesse -, hält Nietzsce -für gescheitert. Nur als Analogon der Kunst ist das Leben noch sinnvoll mit den historisch -inzwischen unumgänglich gewordenen Erfahrungen zu -verbinden.\footcite[25]{revolution} -\end{quote} - -Aber andererseits wird das Leben oder bestimmte Erfahrungen im Leben vorausgesetzt, weil -„wenig so stark an ein Gegenteil gebunden ist wie gerade die Kunst. Die ästhetische -Erfahrung braucht, um Stimulans zu sein, die Not und die Enge des -Lebens“,\footcite[64]{artisten-metaphysik} weil die Welt uns sich -selbst nicht als ein Kunstwerk präsentiert.\footcite[Vgl.][65]{artisten-metaphysik} - -Dazu kommen noch erkenntnistheoretische Voraussetzungen. Nietzsche erklärt die -Erkenntnis mithilfe der Kunst, aber zunächst muss man \textit{erkennen}, was die -Kunst ist.\footcite[Vgl.][65]{artisten-metaphysik} - -Aber leider auch in diesem Fall bleibt einem nichts Besseres übrig. Sagen wir, -ich werde anerkennen, dass die theoretische Erkenntnis ist, was die Kunst begründet -und nicht umgekehrt. Was gibt mir aber die Sicherheit, dass meine Erkenntnis keine -Illusion, keine Einbildung ist? Was gibt mir die Sicherheit, dass meine Erkenntnis -nicht an andere Voraussetzungen gebunden ist, zum Beispiel an die Kunst. Woher kann -ich wissen, dass es nicht die Kunst ist, die die Erkenntnis möglich macht? V. Gerhardt -hat recht, dass die logische Erkenntnis und die Logik der Kunst methodisch vorausgehen, -was aber nicht bedeutet, dass sie ihr auch ontologisch übergeordnet sind. Die Natur -der menschlichen Erkenntnis ist so, dass sie immer reflexiv ist. Erst in der Reflexion -kann man die Frage stellen, ob die theoretische Erkenntnis die Kunst begründet oder -umgekehrt. Wenn man überhaupt keine Voraussetzungen machen will, landet man im Skeptizismus, -aus dem man nicht mehr rauskommt. - -Wenn Nietzsche alles der Kunst unterordnet und sagt, dass man sein Leben selbst -künstlerisch gestaltet und es so etwas wie Wahrheit nicht gibt, so bleibt er seinem -Wort treu, egal wie absurd es klingen mag. So schreibt er im Sommer 1883: - -\begin{quote} -Man sucht das Bild der Welt in der Philosophie, bei -der es uns am freiesten zu Muthe wird; d.h.\ bei der unser mächtigster Trieb sich -frei fühlt zu seiner Thätigkeit. So wird es auch bei mir -stehn!\footcite[111]{nietzsche:fragmente} -\end{quote} - -Ist es ein Selbstwiderspruch? Genau. Das ist die naive Ehrlichkeit, die Nietzsches -Schriften kennzeichnet. Er scheint keine Angst zu haben, sich selbst zu widersprechen, -und tat es absichtlich, weil er von dem Sein wusste, das in sich selbst widersprüchlich -ist, weil er es als Solches erlebt hat. Er versuchte diese Widersprüche in sich zu -vereinigen um dem Sein gerecht zu werden.\footcite[Vgl.][187]{ries:geburt} -Es ist nicht so, wie V. Gerhardt behauptet, dass nur die Kunst das Leben oder bestimmte -Lebenserfahrungen voraussetzt, weil die logische Erkenntnis es auch tut, sie ist an -dieselben Bedingungen gebunden. Das Vorhandensein solcher Menschen wie Friedrich Nietzsche -ist gerade der Beweis dafür, dass man im Leben auch Erfahrungen sammeln kann, die -zu einem ästhetischen Weltbild führen und nicht zu einem logischen. V. Gerhardt fragt, -warum die Welt uns nicht als ein Kunstwerk erscheine?\footcite[Vgl.][65]{artisten-metaphysik} -Man kann auch die Gegenfrage stellen: Warum erscheint uns die Welt nicht als ein logisches -System? Warum stellt Philosophie, wie Klaus Kornwachs sagt, seit zwei Jahrtausenden -Fragen, die sie und keine Wissneschaft beantworten kann?\footcite[Vgl.][7]{kornwachs:technik} -Vielleicht, weil die Welt ein Kunstwerk ist, in das wir unsere logischen Denkgesetze -übertragen? Von dem Standpunkt des Lebens betrachtet kann die Welt nicht nur als ein -logisches, sondern auch als ein ästhetisches Werk gedeutet werden. - -Das Problem einer ästhetischen Rechtfertigung der Welt bleibt trotzdem sehr schwer -zu lösen. Das endliche Dasein auf der Erde kann Einem sinnvoll erscheinen, weil nur -wenn jemand begrenzte Zeit im Leben hat, man mehr zu erreichen versucht, und sich -mehr um sein Leben kümmert. Für den Anderen kann es umgekehrt zwecklos sein, sich -um etwas zu bemühen, wenn alles eines Tages sowieso untergeht. Aber ist es nicht bereits -eine ästhetische Rechtfertigung, mit der man versucht seinem Leben Sinn zu erteilen, -indem man entweder sein Leben als eine kurze Theateraufführung versteht, oder ein -geistiges Reich erschafft, in dem man ewig leben kann. - -Es stellt sich auch die Frage, warum man sein Dasein überhaupt rechtfertigen soll? -Warum muss man das eigentlich in der Kunst umlügen? Man kann in Schopenhauers Pessimismus -Schwäche sehen, weil er nicht stark genug war, das Ekelhafte und Grauenvolle zu beja- -hen. Man kann aber genauso Nietzsches Pessimismus als eine Schwäche interpretieren, -eine Schwäche, sich der Grausamkeit, Sinnlosigkeit und Ausweglosigkeit Gesicht zu -Gesicht zu stellen. Die Antwort auf diese Frage ist auch nicht von der Erfahrung zu -trennen, die der Mensch im Leben macht. Theoretisch wollte Nietzsche die Kunst als -Stimulans des Lebens begreifen. Aber inwieweit ist es möglich für ein Wesen, das nach -der Wahrheit strebt (und Nietzsche strebt auch nach Wahrheit des Dionysus), an eine -Lüge zu glauben, über die man weiß und die man sich sogar selbst ausgedacht hat. Ist -es möglich auch auf der praktischen Ebene sich dermaßen zu belügen, oder ist die Kunst -doch nur ein Quietiv und hilft nur, das Leben etwas zu verschönern, um nicht an der -Wahrheit zu Grunde zu gehen? Es ist also die Frage, ob man eine theoretische Einstellung -zum Leben auch in der Praxis realisieren kann, wo einem so viele Hindernisse im Wege stehen. diff --git a/themes/posts/2015/05/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich.tex b/themes/posts/2015/05/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich.tex deleted file mode 100644 index eea756f..0000000 --- a/themes/posts/2015/05/zur-bedeutung-der-kunst-bei-friedrich.tex +++ /dev/null @@ -1,49 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2015-05-07 18:17:00 -tags: Aufsatz -title: Zur Bedeutung der Kunst bei Friedrich Nietzsche. Teil 4. Abschließende Bemerkungen -teaser: | - <p> - Der Welt, aus der die Wissenschaft die Geistigkeit vertrieben hat, die - genauso wie ihr Gott „getötet“ und zu einem physischen Mechanismus gemacht - wurde, schenkt Friedrich Nietzsche ein neues Leben, neue Dynamik, die - Dynamik eines Kunstwerkes, das noch nicht vollendet ist und niemals - vollendet sein wird. - </p> ---- -\epigraph{Eigentlich sollte ich einen Kreis von tiefen und zarten -Menschen um mich haben, welche mich etwas vor mir selber schützten und mich auch zu -erheitern wüßten: denn für einen, der solche Dinge denkt, wie ich sie denken muß, -ist die Gefahr immer ganz in der Nähe, daß er sich selber zerstört.} -{\textit{Herbst 1885 -- Frühjahr 1886}\\\textbf{Friedrich Nietzsche}\footcite[170]{nietzsche:fragmente}} - -Der Welt, aus der die Wissenschaft die Geistigkeit vertrieben hat, die genauso -wie ihr Gott „getötet“ und zu einem physischen Mechanismus gemacht wurde, schenkt -Friedrich Nietzsche ein neues Leben, neue Dynamik, die Dynamik eines Kunstwerkes, -das noch nicht vollendet ist und niemals vollendet sein wird. Seine Theorie von der -ästhetischen Rechtfertigung des Lebens hat er in die Praxis umgesetzt, er komponierte -sein schriftliches Werk: „Sie hätte singen sollen, diese ‚neue Seele‘ --- und nicht -reden!“,\footcite[15]{nietzsche:geburt} klagt er im „Versuch einer Selbstkritik“ -darüber, dass er nicht gewagt hat, in seinem Erstlingswerk „als Dichter“\footcite[15]{nietzsche:geburt} -zu sprechen. Und Wiebrecht Ries bemerkt, dass in der „Zarathustra-Dichtung“ erfüllt -ist, „daß die Rede Musik wird, und dies in gleicher Weise wie der Gedanke Seele wird.“\footcite[138]{ries:geburt} -Nietzsches Leben wurde wie eine Tragödie aus dem Geiste der Musik, die ihn sein Leben -lang inspirierte,\footcite[Vgl.][18]{ries:geburt} geboren. - -„Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ vernichtet Nietzsches Karriere, weil die Behauptungen -wie, dass die Existenz nur eine „Theateraufführung“ im Bewusstsein eines mythischen -Wesens, „provozierend gemeint [sind], aber sie […] einen unbeabsichtigten Zweifel -an der Nüchternheit und Zuverlässigkeit des Autors als humanistischen Gelehrten“\footcite[187]{hayman:biographie} -provozieren. „Die Wahrheit ist häßlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der -Wahrheit zu Grunde gehn.“,\footcite[279]{nietzsche:fragmente} heißt es 1888. -Dennoch geht er an der dionysischen Wahrheit zu Grunde und erleidet einen Zusammenbruch.\footcite[Vgl.][439]{hayman:biographie} -„Das Finale im Wahnsinn verlieh dem Werk rückwirkend eine dunkle Wahrheit: da war -offenbar jemand ins Geheimnis des Seins so tief eingedrungen, daß er darüber den Verstand -verloren hatte.“\footcite[331]{safranski:biographie} Nietzsches Schwester Elisabeth, -die noch zu Lebenszeiten seines Bruders alle Rechte auf seine Werke bekommen hat, -hat sich nach seinem Zusammenbruch um die Ausgabe seiner Schriften gekümmert\footcite[Vgl.][537 f]{hayman:biographie} -und ein Nietzsche-Archiv eröffnet.\footcite[454]{hayman:biographie} Bereits -1893 war die Nachfrage nach Nietzsches Büchern „sprunghaft angestiegen“.\footcite[454]{hayman:biographie} - -Also hat die dionysische Selbstzerstörung eines Philosophie-Künstlers etwas Neues hervorgebracht: sein Werk. diff --git a/themes/posts/2015/11/niemals-hat-die-mutter-ruhe.tex b/themes/posts/2015/11/niemals-hat-die-mutter-ruhe.tex deleted file mode 100644 index 35360ce..0000000 --- a/themes/posts/2015/11/niemals-hat-die-mutter-ruhe.tex +++ /dev/null @@ -1,28 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2015-11-01 21:51:00 -tags: Gedicht -title: Niemals hat die Mutter Ruhe… -teaser: | - <p> - Niemals hat die Mutter Ruhe,<br> - die ihre Tochter sah im Grab.<br> - Die Liebeskummer, die ich hab’<br> - sei nur unbequem wie neue Schuhe. - </p> - <p> - Ich bedauere Ihr’n Verlust sowie,<br> - dass Sie noch nie entbrannten,<br> - nie in 60 Jahren kannten,<br> - was sie ist, die Liebeslust. - </p> ---- -Niemals hat die Mutter Ruhe,\\ -die ihre Tochter sah im Grab.\\ -Die Liebeskummer, die ich hab’\\ -sei nur unbequem wie neue Schuhe. - -Ich bedauere Ihr’n Verlust sowie,\\ -dass Sie noch nie entbrannten,\\ -nie in 60 Jahren kannten,\\ -was sie ist, die Liebeslust. diff --git a/themes/posts/2016/03/blog-post_4.tex b/themes/posts/2016/03/blog-post_4.tex deleted file mode 100644 index 8cc7a72..0000000 --- a/themes/posts/2016/03/blog-post_4.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2016-03-04 08:29:00 -tags: Стихотворение -title: И все же нам с тобою повезло… -teaser: | - <p> - И все же нам с тобою повезло,<br> - мы столько, брат, с тобою отхватили.<br> - Мне так тогда все было все равно.<br> - Да и сейчас мне все равно, как мы прожили. - </p> ---- -И все же нам с тобою повезло,\\ -мы столько, брат, с тобою отхватили.\\ -Мне так тогда все было все равно.\\ -Да и сейчас мне все равно, как мы прожили. diff --git a/themes/posts/2016/04/blog-post.tex b/themes/posts/2016/04/blog-post.tex deleted file mode 100644 index 797b5a4..0000000 --- a/themes/posts/2016/04/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,24 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2016-04-20 21:48:00 -tags: Стихотворение -title: Не уж то свет на ней сошелся клином -teaser: | - <p> - Не уж то свет на ней сошелся клином,<br> - или не знаешь чем себя занять?<br> - Вся молодость пройдет ведь мимо… - </p> - <p> - К чертям всю молодость, коль жить невыносимо!<br> - Коль надоело петь мне и играть.<br> - Коль свет и впрямь на ней сошелся клином. - </p> ---- -Не уж то свет на ней сошелся клином,\\ -или не знаешь чем себя занять?\\ -Вся молодость пройдет ведь мимо… - -К чертям всю молодость, коль жить невыносимо!\\ -Коль надоело петь мне и играть.\\ -Коль свет и впрямь на ней сошелся клином. diff --git a/themes/posts/2016/08/die-nacht-in-ihrem-stillen-schweigen.tex b/themes/posts/2016/08/die-nacht-in-ihrem-stillen-schweigen.tex deleted file mode 100644 index 65bc050..0000000 --- a/themes/posts/2016/08/die-nacht-in-ihrem-stillen-schweigen.tex +++ /dev/null @@ -1,28 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2016-08-06 07:31:00 -tags: Gedicht -title: Die Nacht in ihrem stillen Schweigen… -teaser: | - <p> - Die Nacht in ihrem stillen Schweigen,<br> - unvergänglich ist dein Stolz.<br> - Ich liebe dich, in blauen Kleidern,<br> - und respektiere deinen Trotz. - </p> - <p> - Lass mich nicht alleine leiden,<br> - ich ahne dein Geheimnis schon.<br> - Mein Geist ist deiner Ehe Sohn.<br> - Du kannst ihn so nicht immer meiden. - </p> ---- -Die Nacht in ihrem stillen Schweigen,\\ -unvergänglich ist dein Stolz.\\ -Ich liebe dich, in blauen Kleidern,\\ -und respektiere deinen Trotz. - -Lass mich nicht alleine leiden,\\ -ich ahne dein Geheimnis schon.\\ -Mein Geist ist deiner Ehe Sohn.\\ -Du kannst ihn so nicht immer meiden. diff --git a/themes/posts/2016/09/wenn-ich-zu-einem-volksfest-gehe.tex b/themes/posts/2016/09/wenn-ich-zu-einem-volksfest-gehe.tex deleted file mode 100644 index 670dd58..0000000 --- a/themes/posts/2016/09/wenn-ich-zu-einem-volksfest-gehe.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2016-09-21 01:22:00 -tags: Gedicht -title: Wenn ich zu einem volksfest gehe… -teaser: | - <p> - Wenn ich zu einem Volksfest gehe,<br> - kann ich immer aufs Neue versteh’n,<br> - warum der Mensch mir so verhasst ist,<br> - wie er schreit und wie er frisst. - </p> ---- -Wenn ich zu einem Volksfest gehe,\\ -kann ich immer aufs Neue versteh’n,\\ -warum der Mensch mir so verhasst ist,\\ -wie er schreit und wie er frisst. diff --git a/themes/posts/2016/11/herbst.tex b/themes/posts/2016/11/herbst.tex deleted file mode 100644 index 5810b26..0000000 --- a/themes/posts/2016/11/herbst.tex +++ /dev/null @@ -1,35 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2016-11-07 16:47:00 -tags: Gedicht -title: Herbst -teaser: | - <p> - Alles sehnt sich jetzt nach Ruhe,<br> - Bäume werf’n die Blätter ab,<br> - alles, was mit Kraft und Mühe<br> - herrlich, prachtvoll blühte, starb. - </p> - <p> - Die Sonne glüht nun abends müde,<br> - und Vögel suchen ein neu’s Heim. - </p> - <p> - Als ob die Welt nicht leben würde,<br> - aber nein. Zur Jahreszeit<br> - erholt sie sich von ihrer Bürde,<br> - von des Tages Eitelkeit. - </p> ---- -Alles sehnt sich jetzt nach Ruhe,\\ -Bäume werf’n die Blätter ab,\\ -alles, was mit Kraft und Mühe\\ -herrlich, prachtvoll blühte, starb. - -Die Sonne glüht nun abends müde,\\ -und Vögel suchen ein neu’s Heim. - -Als ob die Welt nicht leben würde,\\ -aber nein. Zur Jahreszeit\\ -erholt sie sich von ihrer Bürde,\\ -von des Tages Eitelkeit. diff --git a/themes/posts/2016/11/ich-sah-kurz-einen-auf-der-strae.tex b/themes/posts/2016/11/ich-sah-kurz-einen-auf-der-strae.tex deleted file mode 100644 index d61aa1c..0000000 --- a/themes/posts/2016/11/ich-sah-kurz-einen-auf-der-strae.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2016-11-28 09:55:00 -tags: Gedicht -title: Ich sah kurz einen auf der Straße... -teaser: | - <p> - Ich sah kurz einen auf der Straße,<br> - ein Ring im Ohr, zwei in der Nase…<br> - Ich will ja nun nicht ängstlich klingen:<br> - Das war gewiss der Herr der Ringe. - </p> ---- -Ich sah kurz einen auf der Straße,\\ -ein Ring im Ohr, zwei in der Nase…\\ -Ich will ja nun nicht ängstlich klingen:\\ -Das war gewiss der Herr der Ringe. diff --git a/themes/posts/2017/02/blog-post.tex b/themes/posts/2017/02/blog-post.tex deleted file mode 100644 index 4f1e074..0000000 --- a/themes/posts/2017/02/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,50 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2017-02-09 16:29:00 -tags: Стихотворение -title: И вот лежу, и вот мне скучно… -teaser: | - <p> - И вот лежу, и вот мне скучно,<br> - плюю с презреньем в потолок.<br> - И воздух спертый, жестко, скучно.<br> - И ночь пошла на самотек. - </p> - <p> - Как за спиною, слышу шорох:<br> - беседуют отец и мать.<br> - Зима, февраль, мороз под сорок.<br> - Собачий холод! Благодать! - </p> - <p> - Потом друзей мелькают лики,<br> - друзей, и вот уж больше не друзей.<br> - Одной единственной той блики<br> - другой единственной честней. - </p> - <p> - И вот лежу, и сердце ноет,<br> - и ночь за часом час бежит.<br> - Усталость мне глаза прикроет,<br> - и сон земной обворожит. - </p> ---- -И вот лежу, и вот мне скучно,\\ -плюю с презреньем в потолок.\\ -И воздух спертый, жестко, скучно.\\ -И ночь пошла на самотек. - -Как за спиною, слышу шорох:\\ -беседуют отец и мать.\\ -Зима, февраль, мороз под сорок.\\ -Собачий холод! Благодать! - -Потом друзей мелькают лики,\\ -друзей, и вот уж больше не друзей.\\ -Одной единственной той блики\\ -другой единственной честней. - -И вот лежу, и сердце ноет,\\ -и ночь за часом час бежит.\\ -Усталость мне глаза прикроет,\\ -и сон земной обворожит. diff --git a/themes/posts/2017/03/gegenstaendliche-erkenntnis-bei-frank.tex b/themes/posts/2017/03/gegenstaendliche-erkenntnis-bei-frank.tex deleted file mode 100644 index f03d87e..0000000 --- a/themes/posts/2017/03/gegenstaendliche-erkenntnis-bei-frank.tex +++ /dev/null @@ -1,294 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2017-03-15 00:00:00 -tags: Aufsatz -title: Gegenständliche Erkenntnis bei Simon L. Frank -teaser: - <p>Die so für den gemeinen Menschen merkwürdige Frage nach der Sicherheit menschlicher - Erkenntnis wurde im letzten Jahrundert nicht nur durch vielfältige philosophische Spekulationen, - sondern auch durch die modernen Naturwissenschaften noch stärker verschärft, - wobei philosophische Spekulationen in gewisser Hinsicht wichtiger sind, weil, wenn die - Naturwissenschaften mit den Sinnesdaten arbeiten und die Existenz der Außenwelt einfach voraussetzen, - der Philosoph keine solche Voraussetzungen machen darf. Er steigt eine Ebene tiefer ein und fragt, ob - es überhaupt möglich ist, solche Sinnesdaten zu gewinnen.</p> - <p>Unter den zahlreichen Versuchen, dieses erkenntnistheoretische Problem zu entschlüsseln, - verdient der Lösungsweg, den Simon L. Frank beschritten hat, eine besondere Aufmerksamkeit.</p> ---- - \section{Einleitung} - - \epigraph{ -Heiße Magister, heiße Doktor gar,\\ -Und ziehe schon an die zehen Jahr'\\ -Herauf, herab und quer und krumm\\ -Meine Schüler an der Nase herum ---\\ -Und sehe, daß wir nichts wissen können! -}{\textit{Faust I}\\Johann Wolfgang von Goethe\footcite[15]{faust}} - -In der Tat, können wir etwas wissen, etwas erkennen? -Seit der Entstehung der Menschheit wunderte man sich über die Welt, die einen umgibt. Man fragte sich, wie die Umwelt -funktioniert, was hinter den natürlichen Ereignissen steht, suchte nach Gesetzmäßigkeiten und legte auf diese Weise den -ersten Grundstein für das Gebäude der Physik. Dieses Projekt war jedoch anscheinend so komplex, dass manche Philosophen -sich wenige Jahrhunderte später die Ansicht aneigneten, dass es überhaupt keine Wahrheit, sondern nur Schein und -Täuschung gebe. Durch Grübelei und Diskutieren gelangte man schließlich zum Zentrum seines Daseins, zu seinem Selbst, -und stellte sich nun die Frage: „Was bin ich? Habe ich zumindest eine sichere Erkenntnis, dass es mich selbst -tatsächlich gibt, oder bin ich auch ein bloßer Schein, eine Selbsttäuschung?“ - -Die so für den gemeinen Menschen merkwürdige Frage nach der Sicherheit menschlicher Erkenntnis wurde im letzten Jahrundert -nicht nur durch vielfältige philosophische Spekulationen, sondern auch durch die modernen Naturwissenschaften noch -stärker verschärft, wobei philosophische Spekulationen in gewisser Hinsicht wichtiger sind, weil, wenn die -Naturwissenschaften mit den Sinnesdaten arbeiten und die Existenz der Außenwelt einfach voraussetzen, der Philosoph -keine solche Voraussetzungen machen darf. Er steigt eine Ebene tiefer ein und fragt, ob es überhaupt möglich ist, -solche Sinnesdaten zu gewinnen. - -Unter den zahlreichen Versuchen, dieses erkenntnistheoretische Problem zu entschlüsseln, verdient der Lösungsweg, den -Simon L. Frank beschritten hat, eine besondere Aufmerksamkeit. Bevor ich aber zur Darlegung Franks Erkenntnistheorie -übergehe, möchte ich genauer auf die Frage eingehen: Was ist eigentlich so rätselhaft an unserer Erkenntnis? - - \section{Wie weit geht der Zweifel?} -Ren\'{e} Descartes, der nach Arthur Schopenhauer „mit Recht für den Vater der neuern -Philosophie“\footcite[11]{schopenhauer} gilt, wollte bekanntlich vor allem ein festes Fundament für seine Philosophie -legen.\footcite[23f]{discours} Als erste Regel, die ihn von Abgründen des Nichts-Wissens zu wahren Erkenntnissen -leiten sollte, war, nichts in sein Wissen aufzunehmen, „als was sich so klar und deutlich darbot, dass -ich keinen Anlass hatte, es in Zweifel zu ziehen.“\footcite[33]{discours} Die materielle Welt fiel aus dieser -Kategorie gleich aus: Es könnte ja sein, dass ich sie nur träume, dass es sie aber nicht gibt. Das ist das -problematische Moment der gegenständlichen Erkenntnis. Sie ist außer uns, aber alles, was wir haben, sind unser Gehirn und -unsere Sinnesorgane. Wenn sie uns täuschen, dann haben wir ein völlig verkehrtes Weltbild, ohne das jemals zu merken -oder merken zu können. - -Gibt es aber etwas, was nicht bezweifelt werden kann? Descartes bejaht diese Frage: -„Aber gleich darauf bemerkte ich, daß, während ich so denken wollte, alles sei falsch, es sich notwendig so verhalten müsse, -daß ich, der dies dachte, etwas war.“\footcite[57]{discours} -Nun fühlt man festen Boden unter den Füßen. Wenn ich auch an allem zweifeln kann, dann doch nicht daran, dass es -mich selbst gibt, dass ich denke und zweifle. Ferner definiert Descartes den Menschen als denkende Substanz, -\textit{res cogitans}\footcite[Vgl.][43]{geschichte17-18}, die Wladimir Solowjew seinerseits als -„einen unzweifelhaften Mischling“\footnote{\cite[40]{solowjow}. Zur Kritik Descartes denkender Substanz siehe den -kompletten ersten Aufsatz aus „Theoretische Philosophie“ im genannten Band.} -bezeichnet, weil jener dem Subjekt das zuschreibe, was ihm nicht mit Sicherheit gehöre. Alles Reden über das Ich -ist kein Reden über das Ich, sondern das Reden über \textit{Etwas}. Wenn wir über das Subjekt reden, vergegenständlichen -wir dieses, machen es zu einem Objekt, was gleichzeitig alle Probleme gegenständlicher Erkenntnis auf das Subjekt -überträgt. Descartes weist zum Beispiel darauf hin, dass die Gedankenwelt eines Traumes niemals so evident und vollständig -wie diese der Realität sei.\footcite[Vgl.][69-71]{discours} Wie kann man zu diesem Schluss -kommen? Man vergleicht das Realitätsbewusstsein mit demjenigen eines Traumes, was allerdings gar nicht in die umgekehrte Richtung -geht: Im Traum gelten andere Gesetze, die \textit{in diesem Moment} unvergleichbare Evidenz und Vollständigkeit haben. -Wenn ich also eine zweite Realität annehme und ich nur das Produkt eines Traumes eines Anderen bin, dann sind die -Gedankengänge meiner Wirklichkeit genauso lächerlich und absurd für die zweite Realität. - -Natürlich gibt es einen Kern, denn ich bin doch etwas (wenn auch nur ein Traumgebild oder ein Produkt der Natur, -das sich einbildet, etwas frei denken zu können), aber man kann diesen Kern kaum -benennen. -Solowjew unterscheidet deswegen zwischen dem reinen und empirischen Subjekt. Jenes ist sicher und -unerschütterlich, da es uns auf dem unmittelbarsten Wege gegeben ist, -aber leer (wie ein mathematischer Punkt), dieses erfüllt und bunt, weil es die ganze Persönlichkeit -enthält, dennoch wackelig und grundlos.\footcite[Vgl.][51]{solowjow} Und so verhält es sich in diesem Model mit allem -Sein überhaupt. - -Hiermit stehen dem Skeptizismus alle Türe offen, weil, wenn man das Sein radikal und bis zum Ende, als etwas, -was dem Erkennenden gegenüber steht, denkt, das Maximum, was man mit Sicherheit weiß, ist, dass man -\textit{in irgendeiner Weise} existiert. Alle anderen Erkenntnisse stehen unter Verdacht, nicht objektiv zu sein. -Die große Frage wäre also, ob man diese Kluft zwischen dem Subjekt und Objekt überbrücken kann. - - \section{Zwei Hauptaspekte der Erkenntnislehre} -Das von mir oben geschilderte Problem ist als Transzendenzproblem bekannt. Frank unterteilt es in zwei -Fragen, wovon eine relativ einfach und in verschiedenen Systemen im Prinzip gelöst, die andere dagegen -schwieriger sei und oft außer Acht gelassen werde.\footcite[Vgl.][166f]{frank:problem} Einerseits handelt es -sich darum, zu erklären, wie das Subjekt das gegenständliche Sein, also das Transzendente, wirklich erfassen kann. -Andererseits stellt sich die Frage: Was bedeutet dieses gegenständliche Sein überhaupt, woher wissen wir, dass es -etwas von unserem Bewusstsein Unabhängiges, permanent Existierendes gibt?\footcite[Vgl.][168]{frank:problem} - -Es ist kein Zufall, dass Frank im Bezug auf das Transzendenzproblem nicht nur über unser Verhältnis zum Sein spricht, -sondern auch über das Sein selbst, was streng genommen keine Aufgabe der Erkenntnistheorie ist, sondern die der -Ontologie. In seinem Aufsatz „Die Krise der modernen Philosophie“ hat Frank darauf hingewiesen, dass Kant -(und mit ihm die moderne Philosophie) jeder Ontologie eine Erkenntnistheorie vorgeordnet -sieht.\footcite[Vgl.][48]{frank:krise} Das Erkennen geht ja von uns aus. Wir haben ein gewisses Vermögen, das uns -ermöglicht, verschiedene Inhalte in uns aufzunehmen. Deswegen ist das Reflektieren über dieses Vermögen das -Grundlegendste, was es geben kann. Auch wenn wir über das Sein nachdenken, tun wir das vermittels dieses Vermögens. -Es dreht sich also alles um die Bedingung der Möglichkeit der Erkenntnis und die Wissenschaft, die diese Bedingung -erforscht, wenn sie tatsächlich gründlich sein will, muss selbst bedingungslos sein, das heißt sich auf keine vorgefasste -Ontologie stützen.\footcite[Vgl.][48]{frank:krise} Frank mit seinem scharfen Sinn für das -Sein (und nicht nur für die abstrakte Begrifflichkeit) tritt dieser Einstellung entgegen und dreht das Verhältnis -von Ontologie und Erkenntnistheorie um: Wird es denn nicht angenommen, dass es einerseits den Erkennenden und -andererseits das gegenständliche Sein \textit{gibt}? Die Spaltung -in Objekt und Subjekt ist somit nichts Anderes als eine ontologische Voraussetzung. Die Erkenntnistheorie muss zum -Bewusstsein kommen, dass sie selbst Ontologie ist und anders gar nicht gedacht werden kann, sie soll „eine offene und -richtige Ontologie“ sein und „sich von jenem [\dots] fehlerhaften circulus vitiosus befreien, in dem einzelne, -abgeleitete Daten eines begrenzten Seinsgebiets die logische Grundlage für die Beurteilung des seins im ganzen -waren.“\footcite[50]{frank:krise} - -Wenn man nun die scheinbare Grenzlinie zwischen dem Subjekt und Objekt aufhebt, gelangt man auch schon zur Lösung -des ersten Teils des Transzendenzproblems. Das Bewusstsein ist eben nicht etwas in sich Geschlossenes, das auf eine -unbekannte Weise affiziert wird und nur verzerrte Bilder der Wirklichkeit in sich aufnimmt, sondern es steht -immer mitten im Sein und richtet seinen Blick auf die Gegenstände. Frank vergleicht den Erkenntnisprozess mit der -Wirkung einer Lampe, die aus sich selbst „hinausgeht“ und ihr Licht auf die Dinge wirft. Das menschliche Bewusstsein -ist seinem Wesen nach ein Lichtstrahl, der seine Grenzen transzendiert und so seine Umgebung -beleuchtet.\footcite[Vgl.][167]{frank:problem} - - \section{Das Transzendente als unmittelbar Gegebenes} -Frank gibt sich mit dem Erreichten nicht zufrieden und untersucht genauer, soweit es möglich ist, die Seinsstrukturen -und das Interagieren des menschlichen Bewusstseins mit den anderen Teilaspekten des Seins. - -Am Anfang bin ich durch systematischen Zweifel, der bei der objektiven Wirklichkeit ansetzt und zum Innersten -des Subjekts führt, zum Ergebnis gelangt, dass es unbedingt etwas geben muss. Man kann nur dieses „Etwas“ nicht -als res cogitans oder mit einem anderen Begriff bezeichnen, was gleichsam Vergegenständlichung bedeuten würde. Es -entkommt jeder Definition. Es ist ein Punkt, etwas unendlich Kleines, weil es nichts Definierbares in sich enthält -und unendlich Großes, weil es nichts außer sich selbst kennt. Man kann auch nicht von Dauer sprechen. -Die Vergangenheit und die Zukunft sind uns nicht unmittelbar gegeben. Die Zukunft gibt es im Moment noch gar nicht -und seine Vergangenheit kann man rekonstruiren, auch wenn diese Rekonstruktion nicht im Geringsten der Wahrheit -entspricht, ohne dabei die Absicht zu lügen zu haben\footnote{Juristen sind so genannte -\textit{Knallzeugen} bekannt, die vor Gericht in allen Einzelheiten etwas beschreiben können, was sie gar nicht -gesehen haben, sondern erst im Moment des Ereignisses (beispielsweise eines Autounfalls) darauf aufmerksam geworden -sind. Die Widersprüchlichkeit seiner Aussagen wird so einem Zeugen nicht -bewusst. \cite[Vgl.][17]{psyche}}. Es lebt nur in diesem konkreten Moment. Es wäre ein Nichts, wenn es nicht -ein „Etwas“ wäre, „es ist ein \textit{Sein} schlechthin“\footcite[178]{frank:problem}. Es ist primär und -unmittelbar evident. Alles Andere, Denken, Bewusstsein, sind im Vergleich dazu sekundär, sie müssen ja erst -\textit{sein}, also an einem Sein teilhaben. Frank betont nochmal ausdrücklich, dass das Subjekt kein Träger vom -Sein ist, sondern, dass es das Getragene ist, es haftet selbst am Sein, dass alles in sich -vereinigt\footcite[Vgl.][178]{frank:problem}. - -Es ist also gelungen, etwas Evidentes, Unleugbares zu finden, und es annähernd zu beschreiben. Es scheint jedoch zu -sein, dass man an dieser Stelle auch bleiben muss, weil es sich nichts mehr findet, was genauso selbstevident und dem -Menschen unmittelbar gegeben wäre. Im nächsten Schritt kritisiert Frank aber die Meinung, dass die -Selbstevidenz, unmittelbare Gegebenheit und Immanenz unbedingt zusammenfallen. Es ist überhaupt ein Merkmal unseres -Denkens, dass wir ein Ding nie einzeln denken können. Was ist zum Beispiel die Gegenwart? Die Gegenwart wird als eine -Grenzlinie zwischen Vergangenheit und Zukunft vorgestellt. Genauso kann man nur auf dem Hintergrund dessen, was -die Gegenwart ist, verstehen, was die Zukunft ist. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für die Vergangenheit. Alle -drei Begriffe stehen -in einer Relation zueinander und können unabhängig voneinander gar nicht gedacht werden. Wenn es keine Zukunft und -keine Vergangenheit gegeben hätte, dann hätte man auch keine Vorstellung von der Gegenwart. Wenn man genauer hinschaut, -dann erblickt man, dass es sich ähnlich auch mit allen anderen Dingen verhält, auch mit räumlichen Gegenständen. Wenn -ich einen roten Fleck sehe und sage, dass der Fleck rot ist, bringe ich ihn in Beziehung mit allen anderen Gegenständen, -die vielleicht grün, schwarz oder weiß sind. Wie hätte ich die Röte wahrnehmen können, wenn es keine anderen Farben -gegeben hätte?\footcite[Vgl.][26f]{ehlen:frank-intro} - -Zu einem Inhalt A kommt notwendig ein anderer Inhalt, non-A, hinzu, der dem A nicht immanent, sondern -transzendent ist und mit ihm in einer Verbindung steht. Nicht nur Immanentes ist uns evident und unmittelbar gegeben, -es ist nicht mal das Primäre, weil es nur im Zusammenhang mit dem Transzendenten gedacht werden kann, als Teil eines -Ganzen, das folglich auch \textit{ist}. Dieses non-A ist kein Gegenstand unserer Erkenntnis in dieser Sekunde, -weil unser Blick auf den Inhalt A gerichtet ist, non-A ist uns verborgen, -aber trotzdem als solches gegeben.\footcite[Vgl.][179ff]{frank:problem} Demzufolge kann man auch das -Sein nicht als einen nur in diesem Moment existierenden, mathematischen Punkt deuten. Dieser Moment setzt einen anderen -voraus und ein Punkt setzt eine unendliche Seinsfülle voraus, der er zugehört. - -Das ist die Antwort, die Frank auf die zweite Teilfrage des Transzendenzproblems gibt. Es gibt Sein, das nicht -gegenständlich ist, sondern das eine Einheit vom Subjekt und dem gegenständlichen Sein darstellt. Alles, was ist, -partizipiert an ihm, wodurch eine Verbindung zwischen den Teilen des Seins, zwischen Subjekt und Objekt -gewährleistet wird. - - \section{Das mitgedachte Unbekannte} -Das Moment des Unbekannten, des Verborgenen spielt auch eine große Rolle im Erkenntnisprozess. Frank untersucht ein -synthetisches Urteil der Form „S ist P“. Wenn S als eine Begriffsbestimmtheit gedacht wird, kann S nach -dem Widerspruchsprinzip kein P sein, weil S ein S ist. Wenn man „S ist P“ sagt, meint man dann wohl etwas Anderes. -„Unter S wird aber tatsächlich zweierlei zugleich gedacht: einerseits eine Begriffsbestimmtheit A, die sich eben mit -der Bestimmtheit B, die das Wesen des Prädikats ausmacht, verbindet [\dots]“.\footcite[170]{frank:problem} -Andererseits hat unsere Erkenntnis nur Sinn, wenn sie auf etwas Unbekanntes ausgerichtet ist, und es ist, wie es oben -gezeigt wurde, tatsächlich so, dass das Unbekannte immer mitgedacht wird. -„Wäre die Realität auf das jeweils Erkannte beschränkt, -würde fortschreitendes Erkennen darin bestehen, daß ein neuer Wissensinhalt den anderen ablöst. Dieser Vorgang [\dots] -würde der Dynamik des Erkenntnisvorgangs nicht entsprechen.“\footcite[25]{ehlen:frank-intro} Also muss S auch -etwas Unbestimmtes enthalten, es ist das überbegriffliche Ganze, in dem wir im Urteil die Bestimmtheit B erkennen. -Frank schließt daraus, dass die eigentliche Form des Urteils \mbox{AX = B} sei\footcite[Vgl.][171]{frank:problem}. -Wobei dieses X nicht etwas an sich -Unerkennbares ist, Frank bezeichnet es mit dem Wort „Bestimmtheitskomplex“\footcite[171]{frank:problem}. Dieser -Komplex ist unabhängig von uns vorhanden und bestimmt, aber nicht von uns erkannt. Bei der Erkenntnis hat man nicht -nur mit den Erkenntnisinhalten zu tun, sondern auch mit dem Unbekannten, mit der Inhaltsfülle des Gegenstandes -selbst. Die Zweieinheit von Subjekt und Prädikat im Urteil kann nicht zufällig sein und ist nicht sekundär, -weil es dann schwer zu erklären wäre, wie es überhaupt zu dieser Kopula kommt,\footcite[Vgl.][170]{frank:problem} -muss also im Sein verankert sein und die Einheit vom Gegenstand und dem Erkenntnisinhalt widerspiegeln. - - \section{Intuitive und begriffliche Erkenntnis} -Die nächste Frage, der Frank sich widmet, ist, wie dieses Abbilden des Gegenstandes, also dieses Gewinnen des -Erkenntnisinhaltes, überhaupt möglich ist, weil man den Erkenntnisinhalt nicht mit dem Inhalt des Gegenstandes selbst -verwechseln darf. Unsere Urteile können auch falsch sein. Der Wahrheitswert unserer Erkenntnisse wird auf irgendeine -Weise am Inhalt des Gegenstandes gemessen. Um ein Abbild zu machen, muss man aber den Gegenstand bereits -besitzen, was jedoch zufolge hätte, -dass ein Abbild überflüssig wäre, und wenn man ihn nicht besitzt, dann ist es einfach nicht möglich so ein -Abbild anzufertigen, weil man das Original nicht hat.\footcite[Vgl.][193]{frank:meta} - -Als Ausgangspunkt nimmt Frank das Schlussprinzip (A $\Rightarrow$ B) und die logische Regel modus ponens -(A $\Rightarrow$ B; nun ist A, also ist auch B), weil es dem Vorgehen unserer Erkenntnis entspricht: -Aus einem bereits bekannten A wird B gefolgert. Die Überlegungen, die Frank hier anstellt, sind im Wesentlichen -ähnlich der Untersuchung des synthetischen Urteils der Form „A ist B“. A ist eben A und kann keine „Informationen“ -über B enthalten, also muss es eine primäre Einheit AB geben, die die Möglichkeit des Schlusses begründet. Die -Schlussfolgerung darf aber in diesem Fall nicht als eine Summe von A und B gedacht werden, sonst wäre es keine -wirkliche Schlussfolgerung, sondern die beiden Teile würden uns unmittelbar gegeben. Das Ganze ist in diesem Fall -viel mehr eine Potenz, sodass die Bestimmtheit A sich zunächst auskristallisiert und danach aus dem vom Ganzen -gebliebenen Rest B gebildet wird.\footcite[Vgl.][194-197]{frank:meta} - -Da es unendlich viele Bestimmtheiten gibt, muss es einen Bereich geben, der alles Gedachte und Erkennbare überhaupt -umfasst. Allerdings können die logischen Denkgesetze (Kategorie der Identität und Unterschiedes, der Satz des -ausgeschlossenen Dritten) nicht als Verbindungsglied zwischen den als fertig gegeben gedachten Bestimmtheiten -gedacht werden. Das führt zu Tautologien und Widersprüchen. Biespielsweise besagt die Identität, dass -\mbox{A = A} ist, wobei die Identität das Vorhandensein eines -zweiten A eigentlich ausschließt. Der Satz des ausgeschlossenen Dritten besagt: Alles Denkbare ist entweder A oder non-A und ein -Drittes ist nicht gegeben. „Alles Denkbare“ ist aber ein Drittes, weil es sowohl A als auch non-A enthalten -kann. Und die Möglichkeit dieses Dritten wird im Satz geleugnet. Wäre ein Drittes in der Tat ausgechlossen, wäre der -Satz gar nicht denkbar, weil „alles Denkbare“ nur eins von beidem wäre.\footcite[Vgl.][198]{frank:meta} Dagegen -sind die Denkgesetze die Möglichkeitsbedingungen, „auf Grund deren die begriffliche Bestimmtheit überhaupt (also -ein A und ein non-A) erst entsteht.“\footcite[Vgl.][198f]{frank:meta} So wird alles Denkbare zunächst als eine -Einheit gedacht (Identitätsprinzip), dann wird von allem Anderen abgehoben (Underschiedsprinzip) so, dass es sich -„eindeutig als ein »Solches«, ein genau bestimmtes, einzigartiges »Quale« -konstituiert“\footcite[199]{frank:meta} (Satz des ausgeschlossenen Dritten). - -Hier nähern wir uns einem Gebiet an, das nicht nach logischen Gesetzmäßigkeiten funktoniert, sondern sie erst -begründet. Dieses Gebiet ist deswegen \textit{metalogisch}. Frank bezeichnet darum die Beziehung zwischen der primären -Einheit und dem System der Bestimmtheiten als „metalogische Ähnlichkeit“\footcite[200]{frank:meta}, sie haben die -gleichen Inhalte, aber unterschiedliche Seinsgrade. Aus dem Vorhandensein dieser zwei Ebenen, die das Sein jeweils -auf eigene Art und Weise abbilden, leitet Frank die Existenz auch einer zweiten Erkenntnisart, ab, der -intuitiven Erkenntnis, die grundlegend für die begriffliche ist, da die erstere das Material für -die letztere aus der überbegrifflichen Alleinheit liefert.\footcite[Vgl.][201]{frank:meta} - -Die intuitive Erkenntnis hat das Erlebnis zu ihrem Ansatzpunkt. Das Erlebte ist zunächst ein X, etwas vollkommen -Unbekanntes und es wird nicht nur durch das Gehalt dieses Erlebnisses bestimmt, sondern dieses Unbekannte wird -in einem Zusammenhang mit dem Ganzen des Seins erkannt, als dessen Teilmoment, was objektive -Erkenntnis möglich macht, weil dieses Ganze keine amorphe Masse ist, sondern „konkrete Einheit der -Mannigfaltigkeit“\footcite[203]{frank:meta}. Die intuitive Erkenntnis dient nicht nur als Grundlage für die -begriffliche Erkenntnis, sondern sie ist auch dem Gegenstand selbst mehr adäquat, weil -die Teilaspekte des Seins intuitiv als ein Ganzes gefasst werden, was der Einheit des Seins mehr entspricht. Die -Entsprechung ist aber wiederum kein Original. Man könnte unsere Erkenntnis (jeder Art) mit einem malerischen Werk -vergleichen. Man kann eine Gegend sehr gut auf einem Blatt Papier darstellen, die Deminsionen können anhand bestimmter -Techniken nachgemacht werden, sie sind aber trotzdem nicht da, sondern nur in der Natur selbst. Dazu muss noch gesagt -werden, dass ein Kunstwerk natürlich zeitlos ist, ihm fehlt der Atem, der die lebendige Natur bis in die letzte Tiefe -durchdringt.\footcite[Vgl.][210f]{frank:meta} - -Im Gegensatz zur intuitiven Erkenntnisweise hat die begriffliche Erkenntnis einen -negativen Charakter, weil A durch die Verneinung alles Anderen bestimmt wird, A steht immer in einer Relation zu non-A, -welches als „der unendliche dunkle Rest“\footcite[205]{frank:meta} übrig bleibt. Eine Bestimmtheit A ist immer -eine Abspaltung, eine gewisse Verarmung im Vergleich zur primären Einheit „A + non-A“ und trotzdem verliert die -begriffliche Erkenntnis nicht an Bedeutung. Zwar ist sie relativ „tot“, sie greift Daten aus der Seinsfülle -heraus und macht sie zu einem starren System, doch ist das -menschliche Intuitionsvermögen auch nicht im Stande das Sein in seinem ganzen Umfang zu fassen. Beide -Erkenntnisarten vervollsändigen einander. Die begriffliche Erkenntnis hilft das Sein auseinanderzunehmen und -auf diese Weise es genauer zu untersuchen. Nur die Kooperation der beiden Erkenntnisarten macht es möglich die -Mannigfaltigkeit und die Einheit des Seins für den erkennenden Menschen in ein Gleichgewicht zu -bringen.\footcite[Vgl.][206]{frank:meta} - - \section{Wissendes Erleben} -Simon Frank hat uns ziemlich nah an das Sein herangeführt (genauer gesagt an die bewusste Schau des Seins). Und doch -ist dieses Sein vor unseren Augen unbeweglich, grob, blass. Frank führt das Beispiel eines Apfels an, dessen Begriff -oder das vollkommenste intuitive Erfassen uns jedoch nicht sättigen können.\footcite[Vgl.][210]{frank:meta} Der -Unterschied zwischen einem Apfel als Gegenstand und einem Begriff ist die „Idealität“, die Frank mit der -Zeitlosigkeit, die ich bereits kurz angesprochen habe, gleichsetzt. Hier kehren wir wieder zum Anfang, da wo ich -im Zusammenhang mit dem Zweifel geschrieben habe, dass alles, was zum \textit{Gegenstand} menschliches Denkens (oder -auch intuitives Anschauens) werden kann, wird vergegenständlicht, „[a]us dem zeitlichen Geschehen wird dadurch -\textit{eine ewig-unbewegliche Wahrheit}“\footcite[211]{frank:meta}. Das gilt sowohl für abstraktes Denken als auch -für normales Geschehen. Dieses Zeitlose kann nicht das Primäre sein aus dem einfachen Grund, dass das Zeitlose immer -in einer Relation mit dem Zeitlichen steht. Das wahre Absolute ist nicht relativ zu etwas, es schließt Relatives ein, -ohne es aufzulösen. Es kann auch nicht zeitlos sein, sondern überzeitlich. Erst aus dem Überzeitlichen entwickeln sich -diese zwei Gegensätze: Zeitloses und Zeitliches.\footcite[Vgl.][213]{frank:meta} - -Gibt es eine Möglichkeit den „Apfel des Seins“ nicht nur begrifflich zu erkennen und intutiv anzuschauen, sondern ihn -auch zu kosten? Jede gegenständliche Erkenntnis ist nur ein Abbild, das deswegen nicht dem Gegenstand selbst -adäquat ist, sondern höchstens etwas über ihn sagt. Frank wählt für diesen Fall den Begriff -„cognitio \textit{circa rem}“ anstatt von „cognitio \mbox{\textit{rei}\hspace{0.02cm}“\footcite[217]{frank:meta}.} -Wenn ein Lebewesen in sich tatsächlich geschlossen wäre, wäre eine wahre Erkenntnis in der Tat nicht möglich, weil man -sich dann nur mit Abbildungen der Wirklichkeit begnügen sollte. Es wurde jedoch gezeigt, dass der Mensch auf diese -Weise nicht denkbar ist. Er ist vielmehr --- wie alles andere Seiende auch --- vom Sein durchdrungen. Der Mensch -geht über sich hinaus, weil in ihm sich das manifistiert, was weit über die Grenzen seines eigenen menschlichen Wesens -fließt und die ganze Realität mit sich füllt. Die Erfahrung der Manifestation des Seins in uns macht man im Erleben, -das immer ein wissendes Erleben ist. Frank macht an dieser Stelle eine strenge Unterscheidung zwsichen der dunklen -Irrationalität des unmittelbaren Lebens und der \textit{über}rationalen Fülle der Lebensintuition, die „helles inneres -Erleuchten“\footcite[Vgl.][219]{frank:meta} ist. - -In ihm, im Erleben, in dem das Sein sich selbst uns offenbart, -wurzelt die intuitive Erkenntnis und allein dadurch wird die gegenständliche Erkenntnis möglich. - -\section{Literaturverzeichnis} diff --git a/themes/posts/2017/04/herausforderungen-der-technikphilosophie.tex b/themes/posts/2017/04/herausforderungen-der-technikphilosophie.tex deleted file mode 100644 index 5f1f8be..0000000 --- a/themes/posts/2017/04/herausforderungen-der-technikphilosophie.tex +++ /dev/null @@ -1,223 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2017-04-12 00:00:00 -tags: Aufsatz -title: Herausforderungen der Technikphilosophie -teaser: - <p>Eines der wichtigsten Merkmale unserer Zeit ist die Technisierung vieler Bereiche unseres - alltäglichen Lebens. „Das technische Zeitalter“ kann man über unsere Tage sagen hören. - Doch, was jene Technisierung kennzeichnet, ist nicht so sehr die Technik selbst, sondern - die rasche Entwicklung derjenigen. Als solche ist die Technik nichts Neues, wenn auch - die Technik des letzten Jahrhunderts ganz anderer Art, als das, was man vorher kannte. - Es gibt sie dennoch mehr als hundert Jahre, vielleicht gab es sie schon immer. Vielleicht - ist die Fähigkeit aus der Natur Erkenntnisse zu gewinnen und dann anhand derer etwas - zu erfinden, etwas was einen Menschen eigentlich ausmacht.</p> - - <p>Wenn man über das technische Zeitalter spricht, ist diese Aussage nicht unbedingt - wertneutral. Der zügellose technische Fortschritt hatte zur Folge, dass er viel - Aufmerksamkeit in der Gesellschaft auf sich gelenkt hat, worüber man sich auch kaum wundern - kann, weil wir heute in so vielerlei Hinsicht auf die Technik angewiesen sind.</p> - - <p>Desto interessanter wird es, über die Technik und Technisierung nachzudenken. Was - ist sie nun? Ist sie etwas Gutes, was uns weiterbringt und uns mehr Macht über die - Natur beschert? Ist sie etwas Schlechtes, was den Menschen jeden Tag immer mehr von - ihr abhängig und hilfslos macht?</p> ---- -Eines der wichtigsten Merkmale unserer Zeit ist die Technisierung vieler Bereiche unseres alltäglichen -Lebens. „Das technische Zeitalter“ kann man über unsere Tage sagen hören. Doch, was jene -Technisierung kennzeichnet, ist nicht so sehr die Technik selbst, sondern die rasche Entwicklung -derjenigen. Als solche ist die Technik nichts Neues, wenn auch die Technik des letzten Jahrhunderts -ganz anderer Art, als das, was man vorher kannte. Es gibt sie dennoch mehr als hundert Jahre, vielleicht -gab es sie schon immer. Vielleicht ist die Fähigkeit aus der Natur Erkenntnisse zu gewinnen und dann -anhand derer etwas zu erfinden, etwas was einen Menschen eigentlich ausmacht. - -Wenn man über das technische Zeitalter spricht, ist diese Aussage nicht unbedingt wertneutral. -Der zügellose technische Fortschritt hatte zur Folge, dass er viel Aufmerksamkeit in der Gesellschaft -auf sich gelenkt hat, worüber man sich auch kaum wundern kann, weil wir heute in so vielerlei Hinsicht -auf die Technik angewiesen sind. - -Desto interessanter wird es, über die Technik und Technisierung nachzudenken. Was ist sie nun? -Ist sie etwas Gutes, was uns weiterbringt und uns mehr Macht über die Natur beschert? Ist sie -etwas Schlechtes, was den Menschen jeden Tag immer mehr von ihr abhängig und hilfslos macht? - -Ich habe vorher schon angedeutet, dass die Technik auch als etwas genuin Menschliches verstanden -werden kann. Dann wäre die Frage nach der Technik einer ganz anderen Dimension zuzuordnen. Es -wäre kein bloß moralisches Problem, also ob die Technik gut oder schlecht an sich sein kann, zu welchen -Zwecken sie eingesetzt werden darf und ob jeder Zweck das Mittel rechtfertigt; keine Frage der -politischen Zugehörigkeit oder der persönlichen Einstellung, ob man bestimmte Technologien -befürwortet oder nicht und ob man an den hellen Morgen glaubt oder eher diesbezüglich pessimistisch -ist. Es wäre vielmehr eine philosophische Fragestellung, weil es vor allem die Philosophie ist, die -nach der Washeit der Dinge und der Möglichkeitsbedingungen fragt: Was ist der Mensch? Was macht einen -Menschen aus? Was ist und warum eigentlich Technik, was macht sie möglich? - -Die philosophische Natur ist auch aus einer anderen Überlegung einsehbar. Und zwar sind viele Fragen, -die mit der Technik verbunden sind, gar nicht durch das technische Denken selbst beantwortbar, sondern -bedürfen einer Reflexion, die über das Technische hinausgeht. Selbst wenn jemand behaupten würde, dass die -Technik nur aus sich heraus erklärt werden könne und müsse und keine weitere Rechtfertigung oder Würdigung -nötig habe, wäre das eine Behautpung, die die Grenzen des Technischen überschreitet. - -Im Folgenden will ich andeuten, welche Fragestellungen und Probleme das Eintreten des Technischen in unser Leben -mit sich bringt. Mir geht es nicht darum, die Antworten auf bestimmte Fragen zu geben, sondern auf die -Spannungsfelder zu verweisen, die sich eröffnen, wenn man über das Technische nachdenkt, und so zu zeigen, dass es -sich dabei eigentlich um Philosophie handelt. - - \section{Kunst oder Mittel zum Zweck} - -Zunächst stellt sich die Frage nach dem Wesen und dem Ursprung des Technischen. Unter Technik verstehen -wir bestimmte Arten von Menschenwerk, aber was lässt sich über den Status dieses Werks sagen? Hier gibt es -zwei entgegengesetzte Extreme: Man kann die Technik als die Folge des menschlichen zweckrationalen Handelns -, das heißt als Mittel zu einem bestimmten Zweck, oder als ein Kunstwerk verstehen. Das Verständnis von -Technik würde sich dann aus dem zweckrationalen Handeln und der schöpferischen Kraft zusammensetzen, wobei man deren Rolle -unterschiedlich gewichten kann. - -Was kann der Zweck der Technik sein? Wenn man einen möglichst allgemeinen Zweck nennen will, der auf möglichst viele -oder im besten Fall auf alle technischen Erfindungen zutrifft, dann würde ich das Bezwingen der Natur vorschlagen. -Die Technik kam in die Welt, um die Bürde der Arbeit leichter zu machen. Man kann vieles schneller und -qualitativ besser erledigen, wenn man passende Instrumente zur Hand hat. Es ging natürlich viel weiter, als nur -eigenes Überleben auf diese Weise zu sichern. Hier tritt der Begriff Luxus in Erscheinung: Man produziert -Gegenstände, die nicht unmittelbar notwendig sind. Es geht dann so weit, dass man im Zusammenhang mit der -Marktwirtschaft vom Produzieren der Bedürfnisse spricht. - -Kunst kann man in einer gewissen Hinsicht der Zweckrationalität entgegenstellen. So spricht Kant von -ästhetischen Urteilen als dem Wohlgefallen ohne alles Interesse\autocite[Vgl.][49]{kant:ku}: -„Wir können aber diesen Satz, der von vorzüglicher Erheblichkeit ist, nicht besser erläutern, -als wenn wir dem reinen uninteressierten Wohlgefallen im -Geschmacksurteile dasjenige, was mit Interesse verbunden ist, entgegensetzen [\dots]“\autocite[50]{kant:ku}. -Bei der Einführung der Technik spricht man oft von einer technischen \textit{Erfindung}. Nun, wenn man -nicht gerade ein ideales Reich der Ideen, wo alle technischen Erfindungen bereits realisiert sind, -annimmt\autocite[Vgl.][59f]{ropohl:aufklaerung}, enthält die Technik eine künstliche Dimension, in der -die schöpferische Kraft des Menschen etwas Neues erfindet. - -Nun es hat Konsequenzen, ob man die Technik mehr als Mittel zum Zweck oder Kunst versteht. Das Erfinden ist -meines Erachtens ein wichtiger Bestandteil dessen, was die menschliche Freiheit konstituiert, und man versucht -diesen Bereich heute möglichst wenig zu zensieren, sondern es dem Menschen zu überlassen, sich auf seine -eigene Weise auszudrücken. Aber \textit{darf} man auch im technischen Sinne alles erfinden, was man erfinden -\textit{kann}? - - \section{Erhöhung der Lebensqualität oder Zerstörung} - -Ein Leben ohne technische Geräte im Haushalt ist kaum vorstellbar. Elektrische Geräte, Wasserversorgung, -Computer, Telefone gehören zum Alltag. Selbst die allgemeine Zugänglichkeit der Gegenstände, die wir -normalerweise nicht als Technik bezeichnen würden, wie zum Beispiel Bücher, verdanken wir dem heutigen -Stand der Technik. Nicht anders ist es im beruflichen Umfeld. Auch die moderne Wissenschaft und Forschung -sind von Teilchenbeschleunigern und Supercomputern abhängig. - -Technische Erfindungen bringen uns Komfort, erhöhen unsere Leistung, ermöglichen neue Arten von -Kommunikation. Das hat allerdings auch eine andere Seite. Die Möglichkeiten, die die moderne Entwicklung -mit sich bringt, birgt viele Gefahren und versetzt wohl viele Menschen in Schrecken, was aus der -zahlreichen Kritik an der Technik zu sehen ist. Man denke nur an den Kalten Krieg oder an die -Atomkatastrophen der letzten Jahrzehnte: Tschernobyl und Fukushima, die zu vielen Protesten gegen die -Verwendung von Atomenergie geführt haben. Hans Blumenberg spricht in diesem Zusammenhang sogar von der -„Dämonie der Technik“\autocite[Vgl.][11]{blumenberg:schriften-technik}. - -Andererseits, wenn man die Entwicklung der Energie verfolgt, so führen Streike und Proteste in der -Gesellschaft nicht zu einem Rückschritt, nicht zur Abweisung der Atomenergie, sondern zur Suche nach -alternativen Lösungen. Man forscht weiter und schaut, ob man andere Energiequellen finden kann, die -die vorhandenen zumindest teilweise ersetzen können, ohne an Leistung zu verlieren. Das heißt, man sehnt -sich nicht nach der „Rückkehr zu Natur“, sondern man sucht -nach \textit{technischen} Lösungen für die \textit{technischen} Probleme. Das kann zu einem Zirkel führen, -aus dem man vielleicht nicht rauskommen kann: Die vorhandene Technik motiviert zu Entwicklung anderer -Alternativen, die mit der Zeit wiederum Schwächen aufweisen, die wieder technisch ausgeglichen werden müssen -und so weiter. Ich denke, man hofft irgendwann ans Ende zu kommen und eine perfekte Lösung zu finden, die keine -beweinenswerten „Nebeneffekte“ hat. Die Frage, die der Mensch sich heute zu stellen hat, ist -natürlich: Wird es denn irgendwann so sein? Oder ist es nur ein Selbstbetrug und eitle Hoffnung? -Die Antwort, die jeder Mensch auf diese Frage gibt, ist von entscheidender Bedeutung für das Verhältnis des -Menschen zur Natur. Und die Frage selbst ist kaum eine wissenschaftliche Frage, sondern -vielmehr eine ethische und philosophische. - -Interessant ist, welche radikale Stellung Günter Ropohl nimmt. Er schreibt über ein anderes modernes Problem, -das in dem Verhältnis des Menschen und der Technik und Natur ihren Ursprung hat: das ökologische Problem. -Er sieht die Lösung, wie ich oben beschrieben habe, in der weiteren technischen Entwicklung, die nicht nur -zu einer Ausbeutung der Natur für die Menschenzwecke führt, sondern die Natur unter Schutz mit Hilfe der Technik -nimmt, ganz in dem Sinne des Gartens Eden, den der erste Mensch zu pflegen und zu schützen gehabt habe, und -schreibt Folgendes: - -\begin{quote} -Wenn die Gattung Mensch die nunmehr gebotene ökotechnologische Wende nicht vollzieht, wird sie gemäß -ökologischen Prinzipien über kurz oder lang eliminiert werden; dann und nur dann wird es wieder Natur geben. -Wenn jedoch die Menschen die Hege und Pflege des irdischen Ökosystems mit der erforderlichen Konsequenz -vervollkommen, so bedeutet dies nicht mehr und nicht weniger als das Ende der Natur.\autocite[71]{ropohl:aufklaerung} -\end{quote} - - \section{Befreieung oder Versklavung} - -Der Satz im vorherigen Abschnitt, dass die Technik die Entwicklung weiterer Technik -\textit{motivieren} kann, hat eine interessante Struktur. Die Technik wird hier \textit{personifiziert}, -einem unbelebten Gegenstand, einer unbelebten Struktur wird aktives Handeln zugeschrieben. Kann ein Messer -oder ein Handy handeln? Aber das ist eben das, was wir in der letzten Zeit beobachten. Die Technik hat -eine gewisse Autonomie, Eigentendenz. - -Die Technik hat schon im Laufe ihrer gesamten Geschichte geholfen, den Menschen von schwerer Arbeit zu -befreien, dem Menschen ein würdiges Dasein zu gewährleisten. Die Folgen davon kann man in heutiger Zeit -gut beobachten. In den entwickelten Ländern müssen relativ wenige Mensche schwere Arbeiten ausführen, vieles -kann von Maschinen teilweise oder vollständig übernommen werden. Und selbst, wenn die Maschine von mehreren -Menschen gesteuert werden muss, ist eine ganze andere Art der Arbeit, als die Tätigkeit selbst auszuführen. - -Kann man das aber nicht so hinstellen, dass während der Mensch von schwerer Arbeit befreit wird, er von -seinem Befreier abhängig wird? Und das ist nicht nur in dem Sinne, dass wir Instrumente verwenden, die -unser Leben erleichtern, dass wir gewissermaßen unserer Freiheit beraubt werden. Moderne Gesellschaft kennt -neue Arten von Sucht, wie zum Beispiel Spielsucht. Man hört Beschwerden über die jungen Leute, die die -ganze Zeit nur in ihr Handy starren, und keinerlei „reale“ Kontakte mehr haben (wobei ich -mich einer Meinung enthalten möchte, ob solche Beschwerden gerechtfertigt sind). Aber selbst, -wenn man von der individuellen Ebene absieht, schreibt Hans Blumenberg über „eine spezifische -Eigengesetzlichkeit“ eines Machtmittels wie Atomkraft\autocite[Vgl.][13]{blumenberg:schriften-technik}: -„So wie das technische Gebrauchsprodukt Bedarf zu erzeugen vermag, so schafft das technische Machtmittel -mit eigenartiger Automatie auslösende Situationen.“\autocite[13]{blumenberg:schriften-technik} - -Hier stellt sich die Frage, ob ein Messer tatsächlich einen neutralen ethischen Wert hat, und es nur auf den -Menschen ankommt der ihn verwendet, ob er damit nur das Brot schneidet oder noch für andere Zwecke einsetzt, -oder ob ein Messer einen immanenten Wert hat, der zu dessen Benutzung nicht nur für gute Zwecke -herausfordert. - - \section{Gleichheit oder Zerspaltung} - -Ein weiteres von der Technik verfolgtes Ziel ist, die Kluft zwischen sozialen Schichten der -Gesellschaft geringer zu machen. Technische Mittel ermöglichen es, verschiedene Artefakte für -alle Menschen zugänglich zu machen. Zum Beispiel der Buchdruck hat dazu geführt, dass die -Produktionskosten von Büchern stark gesunken sind, und viel mehr Menschen sich den Kauf von -Büchern erlauben konnten. - -Das Beispiel der Bücher ist auch geeignet, wenn man die Bücher als Informationsquelle -betrachtet und zur heutigen digitalen Informationsvermittlung kommt. -Man könnte denken, dass, wenn die Mehrheit der Bevölkerung einen Internetzugang -und einen Computer hat, es allen den gleichen Zugang zu den Informationen automatisch -ermöglichen würde. - -Dem kann man entgegenbringen, dass die Quantität noch nichts über die Qualität sagt, denn -ein Internetzugang noch nichts darüber sagt, wie er genutzt wird. Da die Nutzung der digitalen -Medien immer mehr an Bedeutung gewinnt, zum Beispiel, in der Schule und am Arbeitsplatz, kommt -es dazu, dass einige gesellschaftliche Gruppen noch weiter voran kommen, weil sie mit entsprechenden -technischen Mitteln umgehen können, die anderen darauf nicht zugreifen. So wird die Kluft nicht kleiner, -sondern im Gegensatz größer. Dieses Phänomen ist keine Spekulation, sondern wurde durch Studien -bereits vor etwa 20 Jahren entdeckt und immer wieder bestätigt. Es hat den Namen „digitale -Spaltung“ (Digital divide) bekommen.\autocite[Vgl.][206--221]{filipovic:ungleichheit} - - - \section{Schlussbemerkung} - -Mit diesen wenigen Beispielen habe ich zu zeigen versucht, dass die technische Entwicklung unserer Zeit sehr -schwer nur mit einem „Gut“ oder „Schlecht“ bewertet werden kann. Es stehen immer komplexe -Fragen im Hintergrund, die zwei Seiten haben und wo die goldne Mitte nicht unbedingt einfach zu finden -ist. - -Viele Probleme, die direkt oder nur indirekt von der Wissenschaft und Technik verursacht wurden, sind -gar keine wissenschaftliche und noch weniger technische Fragen, sondern sie berühren solche Bereiche wie -die der Ethik, der Verantwortung und des menschlichen Selbstverständnisses. Sie haben auch eher wenig -Bedeutung für die Wissenschaft oder Technik, dafür aber für die menschliche Existenz, sowohl auf der -individuellen als auch auf der gesellschaftlichen Ebene. - -Das ist der Grund, warum ich denke, dass eine philosophische Reflexion im Bereich der Technik unentbehrlich -ist. Ich denke, es ist verantwortungslos, alles dem natürlichen Lauf der Dinge zu überlassen, ohne sich -zumindest zu fragen, warum es so geschieht, welche Konsequenzen es haben kann und ob man in einer -bestimmten Lage etwas unternehmen soll oder kann. Wieder wäre es äußerst wichtig, dass eine solche philosophische -Reflexion die moderne Entwicklung nicht bloß dämonisiert oder glorifiziert, sondern möglichst gerecht -und ausgeglichen verläuft, weil sie nur so ernst genommen werden kann, was nicht zu vernachlässigen ist, wenn -die Technikkritik nicht in der Luft hängen oder nur deskriptiv bleiben will, sondern auch etwas aktiv -für die Zukunft bewirken will. - -\begin{quote} -So wäre es eine wichtige Aufgabe für eine Philosophie der Technik an Schule und Hochschule, den zukünftigen -Ingenieuren und Technikern zeigen zu können, wie Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Praxis -zusammenhängen, welche Rolle die Arbeit, die Praxis, die gestaltete Technik, die Muße und die Kunst bei -der Konstitution unseres Selbstverständnisses spielen.\autocite[105]{kornwachs:technik} -\end{quote} diff --git a/themes/posts/2017/05/die-narren-sollen-weiter-lastern.tex b/themes/posts/2017/05/die-narren-sollen-weiter-lastern.tex deleted file mode 100644 index 5904b7e..0000000 --- a/themes/posts/2017/05/die-narren-sollen-weiter-lastern.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2017-05-26 20:09:00 -tags: Gedicht -title: Die Narren sollen weiter lästern… -teaser: | - <p> - Die Narren sollen weiter lästern,<br> - für and’re Themen sind sie dumm.<br> - Ich bin zu müde mich zu bessern.<br> - Der Weise schweigt und trinkt sein’ Rum. - </p> ---- -Die Narren sollen weiter lästern,\\ -für and’re Themen sind sie dumm.\\ -Ich bin zu müde mich zu bessern.\\ -Der Weise schweigt und trinkt sein’ Rum. diff --git a/themes/posts/2017/05/technikkonzept-von-ernst-kapp.tex b/themes/posts/2017/05/technikkonzept-von-ernst-kapp.tex deleted file mode 100644 index b39b393..0000000 --- a/themes/posts/2017/05/technikkonzept-von-ernst-kapp.tex +++ /dev/null @@ -1,339 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2017-05-09 00:00:00 -tags: Aufsatz -title: Technikkonzept von Ernst Kapp -teaser: - <p>Zwar begleiten die technischen Erfindungen den Menschen schon seine ganze Geschichte, angefangen mit einem - Schlagstein, der als Prototyp für einen Hammer diente, über die Dampfmaschine, den Telegrafen, bis zu - Rechenmaschinen und Computern, hat man erst vor kurzem angefangen über die Technik systematisch - nachzudenken. Das mag daran liegen, dass die technische Entwicklung seit der Industrialisierung ganz neue - Maßstäbe angenommen hat. Eines der ersten Werke, das sich ausführlich mit dem Wesen der Technik - beschäftigt, ist wohl „Grundlinien einer Philosophie der Technik“ von Ernst Kapp aus dem Jahre - 1877, „sein bis heute als grundlegendes Werk der Technikphilosophie geltendes Buch“.</p> ---- -\section{Technik als Herausforderung für die Philosophie} - -Eines der wichtigsten Merkmale unserer Zeit ist die Technisierung vieler Bereiche unseres alltäglichen -Lebens. „Das technische Zeitalter“ kann man über unsere Tage sagen hören. Als solche ist die -Technik nichts Neues, wenn auch die Technik des letzten Jahrhunderts ganz anderer Art, als das, was man -vorher kannte, ist. Es gibt sie dennoch mehr als hundert Jahre, vielleicht gab es sie schon immer. Vielleicht -ist die Fähigkeit, aus der Natur Erkenntnisse zu gewinnen und dann anhand derer etwas zu erfinden, etwas -was einen Menschen eigentlich ausmacht. - -Desto interessanter wird es, über die Technik und Technisierung nachzudenken. Was ist sie nun? -Die Frage nach der Technik ist eine philosophische Frage, weil es vor allem die Philosophie ist, die -nach der Washeit der Dinge und der Möglichkeitsbedingungen fragt: Was ist der Mensch? Was macht einen -Menschen aus? Was ist und warum eigentlich Technik, was macht sie möglich? - -Die philosophische Natur ist auch aus der Überlegung einsehbar, dass viele Fragen, -die mit der Technik verbunden sind, gar nicht durch das technische Denken selbst beantwortbar sind, sondern -einer Reflexion bedürfen, die über das Technische hinausgeht. Selbst wenn jemand behaupten würde, dass die -Technik nur aus sich heraus erklärt werden könne und müsse und keine weitere Rechtfertigung oder Würdigung -nötig habe, wäre das eine Behautpung, die die Grenzen des Technischen überschreitet. - -Zwar begleiten die technischen Erfindungen den Menschen schon seine ganze Geschichte, angefangen mit einem -Schlagstein, der als Prototyp für einen Hammer diente, über die Dampfmaschine, den Telegrafen, bis zu -Rechenmaschinen und Computern, hat man erst vor kurzem angefangen über die Technik systematisch -nachzudenken. Das mag daran liegen, dass die technische Entwicklung seit der Industrialisierung ganz neue -Maßstäbe angenommen hat. Eines der ersten Werke, das sich ausführlich mit dem Wesen der Technik -beschäftigt, ist wohl „Grundlinien einer Philosophie der Technik“ von Ernst Kapp aus dem Jahre -1877, „sein bis heute als grundlegendes Werk der Technikphilosophie geltendes -Buch“\autocite[VIII]{maye:einleitung-kapp}. - -140 Jahre sind seit dem Erscheinen des Buches vergangen und die Entwicklung bleibt nicht stehen. Und überhaupt -ist die rasche Entwicklung eines der wichtigsten Merkmale der heutigen Technisierung. Ältere Leute haben oft -Probleme mit dem Bedienen des Computers oder Handys, weil sie in einem ganz anderen Umfeld aufgewachsen sind und -das „Checken der E-Mails“ und die Abgabe der Steuererklärung online ihnen fremd ist. -Selbst Menschen, die sich beruflich mit den modernen Technologien beschäftigen, können die technische Entwicklung -nicht mehr einholen. In 90er-Jahren gab es noch den Begriff „Webmaster“. Ein Webmaster befasste sich -mit der Entwicklung, Gestaltung, Verwaltung von Websites. Heute wird der Begriff kaum noch verwendet. -Stattdessen gibt es Frontend- und Backend-Programmierer, Designer, SEO-Spezialisten (Search Engine -Optimization --- Suchmaschinenoptimierung), Server-Administratoren. -Man spricht noch vom „Full-stack developer“, darunter wird aber jemand verstanden, der sowohl -die Frontend- als auch Backend-Programmierung macht, es ist jedoch keineswegs der alles könnende Webmaster. -Die Fülle an Technologien und Aufgaben hat zur Spezialisierung und Auskristallisierung neuer Berufsfelder -geführt. Und dieser Prozess fand innerhalb einer Generation statt. - -Auf der anderen Seite beschäftigt sich die Philosophie in meinem Verständnis mit den ewigen Fragen. -Die Umstände, der Kenntnisstand ändern sich, aber die Fragen nach dem, was das Sein ist, was die Erkenntnis -zu leisten vermag, wie der Mensch zu handeln hat, bleiben. Es wäre also nicht uninteressant zu schauen, -ob unsere Vorstellung von der Technik sich in hundert Jahren kardinal gewandelt hat, oder ob Kapp zu -Erkenntnissen gelangte, die auch noch für uns und vielleicht unsere Nachfahren nicht von einer bloß -geschichtlichen Bedeutung sind. - -Kapp hat sein Werk so aufgebaut, dass er mit primitiven Werkzeugen anfängt und sich dann immer weiter zu -komplexeren Strukturen und Artefakten hocharbeitet. Dabei greift er fast in jedem Kapitel auf ein Produkt -aus der Geschichte der Technik, an dem er versucht, seine These plausibel zu machen. Ich wähle eine ähnliche -Vorgehensweise und werde mich bemühen, spätere Werke der Menschenhand im Lichte Kapps Auffassung des Menschen -und der Technik zu betrachten. Zunächst muss allerdings jene Auffassung kurz dargestellt werden. - - \section{Technikkonzept von Ernst Kapp} - - \epigraph{% -Noch steht die Menschheit in den Kinderschuhen ihrer Kultur oder in den Anfängen der technischen -Gleise, die sich der Geist selbst zu seinem Voranschreiten zu legen hat.\footcite[309]{kapp:technik} -}{} - - \subsection{Technik und Kultur} - -„Grundlinien einer Philosophie der Technik“ hat noch einen Untertitel: „Zur -Entstehungsgeschichte der Kultur aus neuen Gesichtspunkten“. Die Technik ist also nicht -bloß ein Mittel zum Zweck, sie hat etwas mit der Entstehung der Kultur zu tun. Wenn man bedenkt, -dass die Kultur ein Werk des menschlichen Schaffens ist, ist es auch verständlich, dass die Technik -ein Teil der Kultur ist. Technische Artefakte haben ihre eigene Geschichte und sie haben schon immer -die Lebensweise der Menschen stark beeinflusst. Man denke nur an den Buchdruck, der viel mehr Menschen -den Zugang zu Büchern ermöglichte, dadurch, dass die aufwendige Arbeit des Abschreibens von Maschinen -ersetzt werden konnte. Kapps Überzeugung ist aber, dass die Technik nicht ein Aspekt der Kultur ist, -sondern, dass sie konstituierend für das Entstehen der Kultur ist: „Der Anfang der Herstellung -technischer Gegenstände ist der Beginn des Kulturwesens Mensch.“\autocite[7]{leinenbach:technik} - -Wie ist das zu verstehen? Klaus Kornwachs stellt erstmal fest, dass der Umgang mit der Technik nicht von -der Technik selbst vollständig determiniert ist, sondern dass „verschiedene Nationen und verschiedene -Kulturkreise unterschiedlich mit Technik umgehen und unterschiedliche Techniklinien und -Organisationsformen hervorgebracht und zuweilen auch wieder aufgelöst -haben“\autocite[22]{kornwachs:technik}. - -Die Technik wird dadurch ermöglicht, dass der Mensch die Gesetze der Natur sich zunutze machen kann. -Die physikalischen Gesetze sind aber für alle gleich. Wie kommt es, dass verschiedene Zivilisationen -nicht die gleiche Technik bauen oder, dass sie die gleiche Technik nicht auf dieselbe Weise nutzen? -Um diese Frage zu beantworten, macht Kornwachs die Unterscheidung zwischen zwei Arten -technologischer Funktionalität. Die technologische Funktionalität der ersten Art ist diejenige, -„deren physikalische Wirksamkeit und technische Brauchbarkeit invariant gegenüber der -kulturellen Ausprägung der organisatorischen Hülle sind“\autocite[22]{kornwachs:technik}. -Als Beispiele nennt Kornwachs Regelkreise, Hebel, Kraftmaschinen usw.\autocite[Vgl.][22]{kornwachs:technik} -Was ist die organisatorische Hülle? „Die organisatorische Hülle einer Technik umfasst alle -Organisationsformen, die notwendig sind, um die Funktionalität eines technischen Artifakts überhaupt ins -Werk setzen zu können“\autocite[23]{kornwachs:technik}. Eben so eine organisatorische Hülle -„konstituiert \textit{eine technologische Funktion zweiter Art}, -[\dots]“\autocite[23]{kornwachs:technik} Kornwachs erklärt diese am Beispiel eines Autos, dessen -„organisatorische Hülle das gesamte System vom Straßenverkehrsnetz über die Proliferationssysteme für -Treibstoff und Ersatzteile bis hin zu den rechtlichen Regelungen, [\dots], -[umfasst]“\autocite[23]{kornwachs:technik}. - -Aber nicht nur die organisatorische Hülle regelt, wie die Technik eingesetzt wird; auch die Technik prägt -die organisatorischen Hüllen: „Es ist offenkundig, dass die organisatorische Umgestaltung unserer -Zivilisation durch die Informations- und Kommunikationstechnologien keine dieser organisatorischen -Hüllen unberührt lässt.“\autocite[23]{kornwachs:technik} - -Die Kernthese der „Grundlinien einer Philosophie der Technik“ ist, dass es sich bei -allen technischen Gegenständen um die Projektion menschlicher Organe handelt. Selbst wenn der Mensch -keine tiefen Erkenntnisse über den Bau seines Körpers hat, projiziert er ihn unbewusst in die von ihm -gemachten Artefakte, „[i]st demnach der Vorderarm mit zur Faust geballter Hand oder mit deren -Verstärkung durch einen fassbaren Stein der natürliche Hammer, so ist der Stein mit einem Holzstiel -dessen einfachste künstliche Nachbildung“.\autocite[52]{kapp:technik} Es ist nicht ungewöhnlich, -zwischen der Technik und den menschlichen Organen und zwischen der Funktionsweise der Technik -und derselben des Organismus Analogien zu bilden. Genauso wie den Vorderarm mit zur Faust geballter Hand -kann man mit einem Hammer vergleichen, kann man zum Beispiel den Computer mit dem Gehirn vergleichen, weil -die Computer viele Operationen wie das Rechnen sogar viel effizienter als das menschliche -Gehirn durchführen können. Bei Kapp geht es aber nicht nur um Ähnlichkeiten und Analogien. Vielmehr -behauptet er, dass die Menschen ihren Organismus und seine Funktionen in die Technik projizieren, sodass -wenn der Organismus anders aufgebaut wäre, anders funktionieren würde, würde auch die Technik -ganz anders aussehen. Und das beansprucht er für alle technischen Gegenstände -ausnahmslos.\autocite[Vgl.][7]{leinenbach:technik} - - \subsection{Selbsterkenntnis} - -Die Organprojektion ist nicht nur der Gegenstand der Technikphilosophie, sondern auch der -Erkenntnistheorie. Die Produktion der Artefakte ist die Art und Weise, wie der Mensch die Natur -und sich selbst erkennt. Da der Mensch seinen Organismus in die Technik projiziert und die -Technik demzufolge Merkmale dieses Organismus hat, kann er aus der von ihm erschaffenen Technik -sich selbst erkennen. Ein Hammer sieht nicht nur äußerlich dem Arm ähnlich, er hat auch -strukturelle Ähnlichkeiten mit diesem. Ein Hammer besteht aus zwei Teilen: einem Stiel und -einem Kopf. Der untere Teil des Armes besteht genauso aus dem Unterarm, an den die Hand -angeschlossen ist. In der Technik erkennt man dann wieder die Eigenschaften, die man in sie -projiziert hat und erkennt auf diese Weise sich selbst. „Zentrum und Ziel allen Weltgeschehens -ist in Kapps Denken die stetig sich vergrößernde Selbsterkenntnis des Menschen. Die technischen -Artefakte sind Vehikel dieser Selbsterkenntnis: [\dots].“\autocite[36]{fohler:techniktheorien} - -So wird der Mensch zum „Maß der Dinge“\autocite[Vgl.][73]{kapp:technik}, weil alles, was -er in die Welt setzt, aus ihm selbst entsprungen ist. Es gibt auch keine andere Quelle der -Erkenntnis als der Mensch selbst.\autocite[Vgl.][73]{kapp:technik} - -\begin{quote} -Die Welt der Technik leitet demnach einen Selbstreflexionsprozeß ein, da sie zum einen -bestimmte Entwicklungsstufe des Menschen erfahrbar mache, zum anderen jedoch auch auf das verweise, was den -Menschen möglich sei.\autocite[10]{korte:kapp} -\end{quote} - -Eine andere Komponente, die die Selbsterkenntnis kennzeichnet, ist die Sprache, weil „[d]ie Sprache -sagt, welche Dinge sind und was sie sind, [\dots]“\autocite[60]{kapp:technik}. Und sie ist auch ein -Produkt der Organprojektion. Kapp behauptet, dass die Bezeichnungen für die Gegenstände -aus der Tätigkeit der Organe entstanden seien. So habe das Wort \textit{Mühle} -seine Wurzel im indoeuropäischen \textit{mal} oder \textit{mar}, was soviel wie „mit den Fingern -zerreiben“ oder „mit den Zähnen zermalmen“ bedeutet -habe.\autocite[Vgl.][57\psq]{kapp:technik} - - \subsection{Terminus „Technik“} - -Hier wird es deutlich, dass es Kapp nicht bloß um den Einfluss der Technik auf die Kultur geht, vielmehr -ist die Technik dasjenige, was die gesamte menschliche Kultur bildet. „Die Technik ist das erste -Kulturereignis. Der Anfang der Herstellung technischer Gegenstände ist der Beginn des Kulturwesens -Mensch.“\autocite[7]{leinenbach:technik} - -Um diese These zu verstehen, muss man untersuchen, was Kapp meint, wenn er das Wort -„Technik“ verwendet. Mit der Entwicklung der Technik entwickelt sie auch die -Sprache. Wenn ich heute „Technik“ sage, dann meine ich meistens Computertechnik -oder zumindest irgendeine Maschine, ein Auto, ein Lüftungssystem und dergleichen. Wenn ich über -Werkzeuge in meinem Werkzeugkasten spreche, dann sage ich nicht unbedingt „Technik“ -von jenen, es sei denn ich habe elektrische Werkzeuge da, wie ein Elektroschrauber oder eine -Bohrmaschine. Es mag eine Zeit gegeben haben, in der eine Handsäge eine technische -Errungenschaft darstellte. Heute gehört sie aber mehr zur Klasse der Werkzeuge. Das heißt man -unterscheidet meistens in der heutigen Umgangssprache zwischen der Technik und den Werkzeugen. - -Es ist überhaupt schwierig, eine Definition der Technik zu entwickeln, die man verwenden könnte, -um zwischen technischen Gegenständen und übrigen zu differenzieren. Ich habe vorher von -den von Menschenhand geschaffenen Gegenständen als von der Technik gesprochen. Aber zählt ein -gemaltes Bild zur Technik? Wohl eher nicht. Es ist Kunst. Ist ein technischer Gegenstand keine Kunst? -Man würde meinen: Nein. Der Ingenieur, der Monate verbracht hat, es zu entwerfen und zu konzipieren, -könnte dem widersprechen. Die Technik hat noch eine weitere Eigenschaft, dass sie einen Nutzen hat. -Allerdings auch die Kunst hat für viele Menschen einen ästhetischen Nutzen. Man kann den -„Begriff“ auf die eine oder andere Weise definieren, aber eine solche Definition wäre -meines Erachtens der Umgangssprache nicht gerecht und würde nicht alle Anwendungsfälle decken. - -Wenn man zu diesem Begriff von einer anderen Seite kommt, kann man zwischen zwei Bedeutungen dessen -unterscheiden. Zu einem bezeichnet man Gegenstände als Technik: ein Videorecorder ist Technik, ein -Fernseher ist Technik. Zum anderen spricht man von erlernten Fähigkeiten als von den Techniken. In -diesem Sinne gibt es Maltechniken, Kampftechniken, Lerntechniken und andere Techniken. Der Begriff -hat also noch eine funktionale Seite. - -Kapp hat diese Vielfalt des Technischen in seine Philosophie aufgenommen. Es war vorhin davon die -Rede, dass der Mensch seinen Organismus in die Technik projiziert, und bei den ersten Werkzeugen -sieht man gewisse Ähnlichkeit mit den Organen. Aber auch der Umstand, dass die Technik mit einer -Funktion verbunden ist (dass sie eine Fähigkeit bezeichnen kann), ist ihm nicht entgangen. -„An die Stelle der Ähnlichkeit, welche die äußere Gestalt der Organe des Menschen mit deren -gegenständlichen Projekten besitzt, tritt im Fortgang der Entwicklung technischer Gegenstände bis -hin zur Maschine vielmehr die Projektion des organischen -Funktionsbildes, [\dots]“\autocite[61]{leinenbach:technik} Man hat versucht Kapps Theorie -zu widerlegen, indem man nach Artefakten gesucht hat, die keine Ähnlichkeiten mit irgendeinem -Organ aufweisen: das Rad\autocite[Vgl.][84--86]{leinenbach:technik} oder das künstliche -Licht\autocite[Vgl.][88\psq]{leinenbach:technik}. - -Das war auch für Kapp offensichtlich, dass nicht alle Werkzeuge und Maschinen äußere Ähnlichkeiten -aufweisen. Vielmehr entfernt sich die Technik im Prozess ihrer Entwicklung von ihrem -ursprünglichen Vorbild. Kapp spricht zum Beispiel von „vergeistigten“ Werkzeugen, die eher -den menschlichen Geist projizieren als seinen Körper. So heißt es von dem Werkzeug der Kommunikation, -der Sprache: - - \begin{quote} -In der Sprache hört der Unterschied von Kunstwerk und Werkzeug, der sonst durchweg feststeht, -ganz auf. Indem sie erklärt, was sie selbst ist, übt sie gerade das aus, was sie erklären will. Mithin -ist sie das Werkzeug, sich als ihr eigenes Werkzeug zu begreifen, also ein vergeistigtes Werkzeug, -Spitze und Vermittlung zugleich der absoluten Selbstproduktion des Menschen.\autocite[248]{kapp:technik} - \end{quote} - -Die „Spitze“ der Organprojektion sind gar nicht die technischen Artefakte, sondern der -gesamte kulturelle Reichtum, den der Mensch um sich schafft. Nur ist diese kulturelle Bereicherung -ohne Technik nicht möglich. Außer dass Kapp verschiedene Bedeutungen der Technik in seine Theorie -aufnimmt, breitet er diesen Begriff so weit aus, dass er auf jegliche Errungenschaft das Menschen -angewendet werden kann. Solche Verwendung des Begriffes „Technik“ mag zunächst -befremdend erscheinen, aber sie ist unserer Sprache auch nicht vollkommen fremd, denn wir -instrumentalisieren auch geistige Prozesse und sprechen von der Sprache als dem -\textit{Werkzeug} der Kommunikation oder der Logik als dem \textit{Werkzeug} des Denkens. - - \subsection{Kapps Menschenbild} - -Zwar projiziert sich der Mensch immer in die Technik, aber dieser Prozess wird nie abgeschlossen. Es -gibt immer eine unendliche Kluft zwischen der Natur und dem Mechanismus. - - \begin{quote} -[\dots]; der Mechanismus, durch Zusammensetzung von außen zustande gebracht, ist eine „Mache“ -der Menschenhand. Der Organismus ist wie die gesamte Welt \textit{natura}, ein Werdendes, der -Mechanismus ist das gemachte Fertige; dort ist Entwicklung und Leben, hier Komposition und -Lebloses.\autocite[68]{kapp:technik} - \end{quote} - -Kapp ist kein Materialist und der Mensch ist für ihn kein rein materielles Wesen. Anstatt von der Materie -und dem Geist zu sprechen, spricht Kapp von der Psychologie und der Physiologie, zwei Gegensätze, die die -menschliche Natur in sich vereinigt. Allerdings ist auch keine Trennung dieser zwei Bestandteile möglich. -Man kann auch nicht sagen, dass das eine wichtiger oder wesentlicher wäre als das andere, wie es zum -Beispiel Descartes sieht\footcite[Vgl.][43]{geschichte1718}. Der Mensch ist nur als ein Ganzes möglich und -denkbar: „Psychologie und Physiologie haben lange genug fremd gegen einander getan, -[\dots]“\autocite[19]{kapp:technik}. Auch das kulturelle Gut und die Technik sind nicht sekundär, -obwohl es auf den ersten Blick scheint, als ob die menschliche Existenz auch ohne diese denkbar wäre, -weil sie erst ein Produkt seiner geistigen Aktivität sind. „Einerseits sollen die natürlichen -Organe das Vorbild aller mechanischen Objekte und Ensembles sein, andererseits lässt sich erst durch -deren Strukturen und Funktionen das Wesen der Organe -erkennen.“\autocite[XXXV-XXXVI]{maye:einleitung-kapp} - - \subsection{Kritik} - -Ganz am Anfang klingt Kapps Theorie sehr plausibel. Bei einfachen Werkzeugen kann man das sich sehr gut -vorstellen, dass der Mensch seine Organe als Muster für die Werkzeuge benutzt hat. Vor allem, weil die -eigene körperliche Kraft nicht ausgereicht hat, musste man einen Weg finden, zu kompensieren, anders -gesagt, man musste seine natürlichen Organe verlängern und verstärken. - -Allerdings mit dem Fortschritt der Technologie, wenn die direkte Analogie zwischen dem Organ und -dem Produkt der Menschenhand zu schwanken beginnt, fällt es einem immer schwerer, an die -Organprojektion als eine universelle Theorie zu glauben. - -Es liegt in der Natur des Menschen, seine Umwelt immer weiter zu gestalten, und seine Werkzeuge und -Maschinen weiter zu entwickeln. Und auch schwere Maschinen helfen dem Menschen, schwere Arbeiten -auszuführen, die er sonst mit seinen eigenen Organen verrichten sollte. Deswegen können auch sie -als Projektion menschlicher Organe und ihrer Funktionen betrachtet werden. Allerdings wenn Kapp -Beispiele wie „[d]as Netz der Blutgefäße als organisches Vorbild des -Eisenbahnsystems“\autocite[121]{kapp:technik} einführt, stellt sich die Frage, wie es zu -überprüfen ist. Kapp zwar besteht darauf, dass es nicht bloß das „Sinnbildliche der -Allegorie“ ist, sondern das „Sach- und Abbildliche der -Projektion“\autocite[Vgl.][129]{kapp:technik} und versucht das argumentativ -zu stützen\autocite[Vgl.][129--130]{kapp:technik}, seine Argumentation kann jedoch nicht als ein -handfester Beweis gelten. - -Die Hauptschwäche dieser Theorie ist ihre Überprüfbarkeit. Ich kann höchstens auf bestimmte -Ereignisse oder Artefakte hinweisen und sie zum Vorteile der Theorie deuten, aber meine -Behauptung lässt sich nicht empirisch überprüfen. Ich kann nur versuchen sie plausibler als -die Alternativen zu machen. Vor allem geschieht die Organprojektion nach Kapp -\textit{unbewusst} und weist sich erst im Nachhinein als solche aus. Und um den Ursprung und -die Art unbewusster geistiger Vorgänge lässt sich nur spekulieren. - -Des Weiteren war Kapp auf die Technik seiner Zeit beschränkt. Er konnte selbstverständlich -nicht voraussehen, welche Herausforderungen die künftige Technik mit sich bringt, und ob die -Theorie entsprechend angepasst werden soll. Der Glaube an den Menschen als ein einzigartiges -Geschöpf der Natur wird immer schwächer. Vielleicht ist er gar nicht so einzigartig, vielleicht -kann man ihn nachbauen, vielleicht kann man das, was in seinem Kopf vorgeht, auf eine Reihe -von Algorithmen reduzieren. Immer mehr Menschen glauben, dass es sehr bald möglich sein wird. -Für Kapp war der Mensch noch der einzige Schöpfer seiner Technik: - - \begin{quote} -Niemals ist aber bei irgendeiner Maschine die Menschenhand völlig aus dem Spiele; denn auch -da wo ein Teil des Mechanismus sich gänzlich ablöst, wie der Pfeil, die Gewehrkugel, die dem -Schiffbrüchigen die rettende Leine überbringende Rakete, ist die Abweichung nur vorübergehend und -scheinbar.\autocite[64\psq]{kapp:technik} - \end{quote} - -Die Technik, die immer menschlicher wird, macht darüber nachdenklich, ob der Mensch diesen Status -für die gesamte Zeit seiner Geschichte behalten kann. Andererseits das Sprechen über die Maschinen, -die man von einem Menschen nicht mehr unterscheiden kann, ist auch nur noch eine Spekulation. Und -es ist meines Erachtens noch zu früh, sie als ein Argument gegen Kapps Ansichten auszuspielen. -Schließlich hat auch die höchste entwickelte Technik ihren Ursprung im Menschen und ist Folge -seiner Leistung, wie es Kapp auch sagt. Das heißt, wenn eine Maschine ohne menschliche -Teilnahme andere Maschinen produzieren kann, so wurde sie so konstruiert, um diese Aufgabe -zu erfüllen. Es wird inzwischen über die Maschinen spekuliert, die auch geistige Leistungen -des Menschen übernehmen können, die zum Beispiel selbst programmieren können, und so andere -Maschinen hervorbringen, die nicht nur nach einem bestimmten Plan konstruiert sind, sondern -tatsächlich neue Technik darstellen. Aber selbst in diesem Fall soll solche Intelligenz erstmal -künstlich geschaffen werden, sie würde ihre Existenz immer noch dem Menschen verdanken. Das ist, -denke ich, die Tatsache, auf die Kapp hinweisen wollte. - -Man darf auch nicht vergessen, dass obwohl wir Technik bauen und verwenden, darüber zu -reflektieren, warum wir sie eigentlich brauchen und warum wir so bauen, wie wir sie bauen, keine -einfache Aufgabe ist, die lückenlos gelöst werden kann. Deswegen verdient Kapps -Theorie Aufmerksamkeit als ein möglicher Lösungsansatz. - - \subsection{Kapps Technikphilosophie in Anwendung auf die nachfolgende Geschichte der Technik} - -Das Kapitel, in dem Harald Leinenbach über die Rezeptionsgeschichte der Organprojektionstheorie spricht, -nennt er „Die Grundlinien einer Philosophie der Technik“ -„Kapps mystisches Blendwerk“\autocite[60]{leinenbach:technik}, womit er andeuten will, -wie das Werk meistens rezipiert wurde. -„Dabei finden sich Erwähnungen der Organprojetionstheorie meist bloß in knappen -Randbemerkungen. Kapps Technikphilosophie ist nirgends aufgenommen, geschweige denn konstruktiv -weitergeführt worden.“\autocite[61]{leinenbach:technik} Als Grund gibt Leinenbach an, dass -Kapp von seinen Gegnern immer missverstanden wurde, dass man seine Theorie nicht zu Ende denkt, sondern -sich „hauptsächlich am Organprojektionsstatus der technischen -Gegenstände“\autocite[60\psq]{leinenbach:technik} aufhält, und -sobald man eine Maschine findet, die äußerlich dem menschlichen Organismus nicht ähnlich ist, hört -man auf und lehnt die Theorie als unzureichend ab. Dazu kommen noch Begriffe wie das Unbewusste, mit -denen Kapp gearbeitet hat.\autocite[Vgl.][64]{leinenbach:technik} Besonders in der Zeit, in der die -Künstliche Intelligenz entwickelt wird, scheint die Hoffnung zu wachsen, das Unbewusste aus der Welt -zu schaffen, und alles Menschliche ohne Rest technisch reproduzieren zu können. diff --git a/themes/posts/2017/07/du-bist-von-anderen-umringt.tex b/themes/posts/2017/07/du-bist-von-anderen-umringt.tex deleted file mode 100644 index d575263..0000000 --- a/themes/posts/2017/07/du-bist-von-anderen-umringt.tex +++ /dev/null @@ -1,30 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2017-07-22 19:51:00 -tags: Gedicht -title: Du bist von anderen umringt… -teaser: | - <p> - Du bist von anderen umringt;<br> - Ich weiß, mein Weg ist nicht so eben.<br> - Wenn man sich auf ihn begibt,<br> - liegen ’rum nur laute Scherben. - </p> - <p> - Er führt uns trotzdem zum Altar<br> - und entfernt das letzte Siegel,<br> - dass nichts im All ein Zufall war,<br> - und dass das Sein den Tod besiege. - </p> ---- -\textit{Katja M. S. B.} - -Du bist von anderen umringt;\\ -Ich weiß, mein Weg ist nicht so eben.\\ -Wenn man sich auf ihn begibt,\\ -liegen ’rum nur laute Scherben. - -Er führt uns trotzdem zum Altar\\ -und entfernt das letzte Siegel,\\ -dass nichts im All ein Zufall war,\\ -und dass das Sein den Tod besiege. diff --git a/themes/posts/2017/07/ehe-fur-alle.tex b/themes/posts/2017/07/ehe-fur-alle.tex deleted file mode 100644 index 742f9e3..0000000 --- a/themes/posts/2017/07/ehe-fur-alle.tex +++ /dev/null @@ -1,13 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2017-07-01 09:14:00 -tags: Gedicht -title: Ehe für alle -teaser: | - <p> - „Ehe für alle!“ - heuchelte der Wind,<br> - wo nämlich Scheidungen in Mode sind. - </p> ---- -„Ehe für alle!“ — heuchelte der Wind,\\ -wo nämlich Scheidungen in Mode sind. diff --git a/themes/posts/2017/09/was-ist-technik.tex b/themes/posts/2017/09/was-ist-technik.tex deleted file mode 100644 index d016cf6..0000000 --- a/themes/posts/2017/09/was-ist-technik.tex +++ /dev/null @@ -1,770 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2017-10-01 00:00:00 -tags: Aufsatz -title: Was ist Technik? Eine Auseinandersetzung mit dem Technikkonzept von Ernst Kapp -teaser: - <p>Im vorliegenden Artikel geht es um die Anwendung des Technikkonzepts von Ernst Kapp auf die - heutige Technik. Eines der Gebiete, dessen Entwicklung für die Moderne unentbehrlich ist, ist die - Computertechnik. Wobei ich einen breit gefächerten Computerbegriff benutzen möchte. - Computer werden immer universeller und können immer mehr Aufgaben ausführen, deswegen sind sie bereits - ein Teil vieler Bereiche unseres Daseins. Sie werden vorprogrammiert, um anhand gegebener Daten bestimmte - Aktionen auszuführen. In diesem Sinne ist nicht nur ein Laptop ein Computer, sondern auch ein Handy; - genauso ist ein Roboter ein komplexer Computer.</p> ---- -Im vorliegenden Artikel geht es um die Anwendung des Technikkonzepts von Ernst Kapp auf die -heutige Technik. Eines der Gebiete, dessen Entwicklung für die Moderne unentbehrlich ist, ist die -Computertechnik. Wobei ich einen breit gefächerten Computerbegriff benutzen möchte. -Computer werden immer universeller und können immer mehr Aufgaben ausführen, deswegen sind sie bereits -ein Teil vieler Bereiche unseres Daseins. Sie werden vorprogrammiert, um anhand gegebener Daten bestimmte -Aktionen auszuführen. In diesem Sinne ist nicht nur ein Laptop ein Computer, sondern auch ein Handy; -genauso ist ein Roboter ein komplexer Computer. - - \section{Datenverarbeitung. Mensch und Maschine} - -Ein Computer ist vor allem ein Rechner. Es kommt einem so vor, als ob die Computer ganz -verschiedene Informationsarten verwalten, bearbeiten und speichern können: Text, Musik, Bilder. - - \begin{quote} -Trotzdem ist ein Computer ein Gerät, das Probleme durch Berechnungen löst: Er kann nur -diejenigen Sachverhalte „verstehen“, die man in Form von Zahlen und mathematischen -Formeln darstellen kann. Dass es sich dabei heute auch um Bilder, Töne, Animationen, 3-D-Welten -oder Filme handeln kann, liegt einfach an der enormen Rechengeschwindigkeit und Kapazität moderner -Rechner.\autocite[35]{kersken:fachinformatiker} - \end{quote} - -Natürlich ist das nicht die grundlegendste Ebene: -der Arbeitsspeicher und Prozessor wissen nichts von den Zahlen und der Arithmetik, aber die Mathematik ist -trotzdem von fundamentaler Bedeutung für die logische Funktionsweise von Programmen. - - \subsection{Darstellung der Daten im Computer. Zahlensysteme und das Zählen} - -Wenn man einen Text, ein Musikstück oder ein Bild speichern will, werden sie als eine Zahlenfolge -interpretiert, und nicht eine Folge von Buchstaben, Noten oder Farben, wie sie für den Menschen -erscheinen. Ein wichtiger Unterschied zum vom Menschen eingesetzten dezimalen Zahlensystem ist, dass -für das Programmieren der Computer ein binäres Zahlensystem verwendet wird. Für das Rechnen verwenden -wir ein Zahlensystem mit 10 Ziffern, von 0 bis 10, daher der Name „dezimal“. Das binäre -Zahlensystem hat nur 2 Ziffern: 0 und 1, funktioniert aber wie ein dezimales oder jedes andere -Zahlensystem, und lässt sich in jedes andere Zahlensystem übersetzen. Beim Zählen um eine Nummer -größer als 9 zu erzeugen, setzt man sie aus mehreren Ziffern zusammen. - - \noindent\begin{tabular}{cccccccccc} - \addlinespace[2em] - \toprule - & \multicolumn{9}{l}{\textbf{Ziffern des Dezimalsystems}} \\ - \midrule - 0 & 1 & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 \\ - \bottomrule - \addlinespace - \end{tabular} - - \noindent\begin{tabular}{cc} - \addlinespace[2em] - \toprule - & \textbf{Ziffern des Binärsystems} \\ - \midrule - 0 & 1 \\ - \bottomrule - \addlinespace[2em] - \end{tabular} - -Im binären Zahlensystem ist es genauso mit dem Unterschied, dass die zusammengesetzten Nummern -bereits nach 1 folgt, weil es keine 2 gibt, so zählt man folgendermaßen: 0, 1, 10, 11, 100, 101, 110, -111 und so weiter. Jeder Zahl in dieser Folge kann man eine dezimale Zahl zuordnen: 0 ist 0, 1 ist 1, -10 ist 2, 11 ist 3, 100 ist 4 und so weiter. - - \noindent\begin{tabular}{lcccccccccc} - \addlinespace[2em] - \toprule - & \multicolumn{9}{c}{\textbf{Zuordnung}} \\ - \midrule - Dezimal & 0 & 1 & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 \\ - \midrule - Binär & 0 & 1 & 10 & 11 & 100 & 101 & 110 & 111 & 1000 \\ - \bottomrule - \toprule - Dezimal & 9 & 10 & 11 & 12 & 13 & 14 & 15 & 16 & 17 \\ - \midrule - Binär & 1001 & 1010 & 1011 & 1100 & 1101 & 1110 & 1111 & 10000 & 10001 \\ - \bottomrule - \addlinespace[2em] - \end{tabular} - -Das dezimale Zahlensystem ist kaum etwas -Eingeborenes, wir hätten auch binär, oktal oder hexadezimal rechnen können, aber die Wahl des -Zahlensystems ist auch nicht zufällig. Kapp argumentiert, dass der Wahl des Zahlensystems die Tatsache -zugrunde liegt, dass Menschen ihre Finger zum Zählen verwendeten und auch bis heute verwenden: - - \begin{quote} -Der Ausdruck für die Menge der Maßeinheiten derselben Art, die \textit{Zahl}, wurde, wie noch heute zur -Unterstützung des Zählens geschieht, an den fünf Fingern abgezählt. Das griechische Wort für dieses Zählen -nach Fünfen war \textgreek{πεµπάζειν}, „fünfern“. Die zehn Finger lieferten das Dezimalsystem -und die zehn Finger mit Zugabe der beiden Hände des Duodezimalsystem.\autocite[75]{kapp:technik} - \end{quote} - -Das heißt, man hat die Besonderheit seines Organismus verwendet, um sich das Zählen beizubringen. Beim -Entwickeln der Computertechnik hat man auf ein gut vertrautes System zurückgegriffen und es nur -entsprechend modifziert. Die Hardware hat keine Finger, aber dafür elektronische Schaltungen, die zwei -Zustände haben können: „Ein“ und „Aus“, die den beiden Ziffern des binären -Zahlensystems entsprechen. „Die grundlegenden Funktionen, die im Computer stattfinden, lassen -sich sehr leicht als elektrische Schaltpläne darstellen.“\autocite[85]{kersken:fachinformatiker} - - \vspace{2em} - - \noindent\begin{minipage}{.30\linewidth} - \begin{tabular}{ccc} - \toprule - 1 & 2 & Oder \\ - \midrule - 0 & 0 & 0 \\ - \midrule - 0 & 1 & 1 \\ - \midrule - 1 & 0 & 1 \\ - \midrule - 1 & 1 & 1 \\ - \bottomrule - \end{tabular} - \end{minipage} - \begin{minipage}{.65\linewidth} - \centering - \includegraphics[scale=0.5]{/assets/images/was-ist-technik/or.png} - \captionof{figure}[Logisches Oder durch einfache Schalter]{% - Logisches Oder durch einfache Schalter\autocite[86]{kersken:fachinformatiker} - } - \end{minipage} - - \vspace{2em} - - \noindent\begin{minipage}{.30\linewidth} - \begin{tabular}{ccc} - \toprule - 1 & 2 & Und \\ - \midrule - 0 & 0 & 0 \\ - \midrule - 0 & 1 & 0 \\ - \midrule - 1 & 0 & 0 \\ - \midrule - 1 & 1 & 1 \\ - \bottomrule - \end{tabular} - \end{minipage} - \begin{minipage}{.65\linewidth} - \centering - \includegraphics[scale=0.5]{/assets/images/was-ist-technik/and.png} - \captionof{figure}[Logisches Und durch einfache Schalter]{% - Logisches Und durch einfache Schalter\autocite[86]{kersken:fachinformatiker} - } - \end{minipage} - - \vspace{2em} - -0 und 1 lassen sich also in eine für die Hardware verständliche Sprache übersetzen. Größere Zahlen -bekommt man, wenn man mehrere Nullen und Einsen zusammensetzt, genauso wie man es vom Dezimalsystem kennt. -Es bleibt herauszufinden, wie man andere Informationen umwandeln kann. - -Für einen Text ist es relativ einfach. Genauso wie in der Cäsar-Verschlüsselung kann man jedem Zeichen -eine Zahl zuordnen. Es gibt deswegen sogenannte Kodierungen, Tabellen, die die Konvertierung zwischen -den Zahlen und den Zeichen einer Schriftsprache ermöglichen. Eine der ältesten Kodierungen, die aber -für die moderne Verhältnisse oft nicht mehr ausreicht, ist ASCII\@. Sie besteht aus 128 Zeichen, darunter -sind sowohl die Buchstaben des lateinischen Alphabets (groß und klein separat), als auch Satzzeichen -(Punkt, Komma und so weiter), als auch solche wie das Leerzeichen oder der Zeilenumbruch. Da man -sehr bald einsehen musste, dass man vielmehr Zeichen braucht, um nicht englische Texte kodieren -zu können, sind weitere Zeichenkodierungen entstanden wie UTF-8, UTF-16 oder UTF-32, wobei es auch -viele anderen gibt (windows-1251, koi8-r und so weiter). - - \noindent\begin{tabular}{cccccccccccccccc} - \addlinespace[2em] - \toprule - \multicolumn{16}{c}{\textbf{ASCII}} \\ - \toprule - 97 & 98 & 99 & 100 & 101 & 102 & 103 & 104 & 105 & 106 & 107 & 108 & 109 & 110 & 111 & \dots \\ - \midrule - 0 & 1 & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & \@: & \@; & < & = & > & \dots \\ - \bottomrule - \midrule - 65 & 66 & 67 & 68 & 69 & 70 & 71 & 72 & 73 & 74 & 75 & 76 & 77 & 78 & 79 & \dots \\ - \midrule - A & B & C & D & E & F & G & H & I & J & K & L & M & N & O & \dots \\ - \bottomrule - \toprule - 97 & 98 & 99 & 100 & 101 & 102 & 103 & 104 & 105 & 106 & 107 & 108 & 109 & 110 & 111 & \dots \\ - \midrule - a & b & c & d & e & f & g & h & i & j & k & l & m & n & o & \dots \\ - \bottomrule - \addlinespace[2em] - \end{tabular} - -Darstellung der Graphik ist recht ähnlich. Zunächst muss man ein Bild in die einzelnen -„Buchstaben“ zerlegen. Im Falle der Graphik nennt man so einen „Buchstaben“ -ein \textit{Pixel}. Ein Pixel ist ein Bildpunkt. Die Pixel sind so klein, dass das menschliche -Auge gar nicht merkt, dass ein Bild aus sehr vielen Pixeln zusammengesetzt wird, obwohl vor 30 -Jahren auf den alten Bildschirmen das noch zu sehen war. Da jedes Pixel eine eigene Farbe haben -kann, muss jeder Farbe eine Zahl zugeordnet werden, die die jeweilige Farbe repräsentieren würde. -Deswegen gibt es auch hier etwas etwas, was den Kodierungen der Buchstaben entpricht: Farbmodelle. -Eines der am meistverbreiteten ist RGB (\textbf{R}ed, \textbf{G}reen, \textbf{B}lue). -Die Farben entstehen aus Mischung der drei Grundfarben: Rot, Grün und Blau. Jeder der Grundfarben -wird eine Zahl von 0 bis 255 zugeordnet, die der Intensivität der jeweiligen Farbe entspricht. Und -man kann dann im Endeffekt jede Farbe als drei Zahlen jeweils von 0 bis 255 kodieren. Schwarz ist zum -Beispiel [0, 0, 0] (alle Farben fehlen), Rot ist [255, 0, 0] (Rot hat den maximalen Wert, die anderen -Farben sind nicht vorhanden), Gelb: [0, 255, 255] (Rot ist nicht vorhanden, Grün und Blau haben den -maximalen Wert). Auch hier gilt es, dass es noch weitere Farbmodelle gibt, zum Beispiel -\textit{CMYK}. - - \noindent\begin{tabular}{ccccc} - \addlinespace[2em] - \toprule - Rot & Grün & Blau & Schwarz & Weiß \\ - \midrule - (255, 0, 0) & (0, 255, 0) & (0, 0, 255) & (0, 0, 0) & (255, 255, 255) \\ - \bottomrule - \toprule - Gelb & Pink & Dunkelgrün & Orange & Grau \\ - \midrule - (0, 255, 255) & (255, 192, 203) & (0, 100, 0) & (255, 165, 0) & (190, 190, 190) \\ - \bottomrule - \addlinespace[2em] - \end{tabular} - -Die Übersetzung der Informationen, Wahrnehmungen in eine für den Computer verständliche Form (in die -digitale Form) heißt Digitalisierung. Dementsprechend, wenn man ein Ereignis mit einer Digitalkamera -aufnimmt, wird die Aufname digitalisiert. - - \begin{quote} -In der Natur liegen alle Informationen zunächst in analoger Form vor: Das Bild, das Sie sehen, -oder der Ton, den Sie hören, besitzt prinzipiell keine kleinste Informationseinheit oder Auflösung. -Mit dieser Art von Informationen kann ein Computer heutiger Bauart nichts anfangen. Die besonderen -Eigenschaften der Elektronik haben dazu geführt, dass Computer digital entworfen wurden. -„Digital“ stammt vom englischen Wort \textit{digit} („Ziffer“); dieses Wort -ist wiederum vom lateinischen \textit{digitus} („Finger“) abgeleitet, da die Finger von -jeher zum Zählen eingesetzt wurden.\autocite[52]{kersken:fachinformatiker} - \end{quote} - -Es gibt mindestens einen sprachlichen Zusammenhang zwischen dem Zählen, das nach Kapp eines der Produkte -der Organprojektion ist, und der digitalen Technik. Wenn man aus dem Fenster schaut, zählt man nicht die -einzelnen Farben und unterteilt nicht das Gesehene in die kleinsten Bestandteile. Es ist nicht bekannt, ob -die Natur überhaupt in die kleinsten Bausteine zerlegt werden kann. Es gibt auch eine Reihe von Emergenztheorien, -die behaupten, dass die Natur mehr ist, als die Summe ihrer Teile. -Von der Emergenz spricht man, wenn auf höheren Ebenen der Entwicklung Eigenschaften entstehen, die auf -niedrigieren Ebenen nicht vorhanden waren und die nicht auf etwas noch grundlegenderes reduzierbar sind. - - \begin{quote} -Leben etwa ist eine emergente Eigenschaft der Zelle, nicht aber ihrer Moleküle; Bewusstsein ist -eine emergente Eigenschaft von Organismen mit hoch entwickeltem Zentralnervensystem; Freiheit ist eine -emergente Eigenschaft des menschlichen Organismus. Die einfacheren Lebensformen bilden zwar die Grundlage -für die komplexeren; doch mit jedem Zusammenschluss zu einem neuen System entstehen auch qualitativ neue -Eigenschaften, die es bei den vorangehenden Stufen noch nicht gab.“\autocite[93]{kather:leben} - \end{quote} - -Wir nehmen solche Systeme als eine Ganzheit wahr. Ein schöner Baum vermittelt uns kein -ästhetisches Gefühl mehr, wenn er in Moleküle oder Atome zerlegt wird. Computer degegen, um solche -Eindrücke verarbeiten und speichern zu können, zerlegen sie sie in Informationseinheiten. Damit das Bild -eines Baumes auf meiner Festplatte gespeichert werden kann, muss es in möglichst kleine Punkte, -von denen jedem eine Farbe zugeordnet wird, zerlegt werden, diese Bildpunkte oder Pixel müssen dann abgezählt -werden und dann können sie gespeichert werden. Deswegen macht die Abstammung des Wortes -„Digitalisierung“ vom „Finger“ als dem Organ, das beim Zählen -Abhilfe schuf, immer noch Sinn: Bei der Digitalisierung werden die Elemente, zum Beispiel eines Bildes, -abgezählt, weil nur eine endliche Anzahl von Elementen aufgenommen werden kann, und dann gespeichert. - -Andererseits, obwohl wir unsere Umwelt als eine Ganzheit wahrnehmen, besteht die Natur aus kleineren -Bausteinen. Der menschliche Körper besteht aus Molekülen, Atomen, Elementarteilchen. Und genauso hat -man die Welt der Informationstechnologien aufgebaut. Es gibt immer eine Informationseinheit (ein -Buchstabe, ein Pixel), aus deren Zusammenstellung ein komplexeres Gebilde entsteht (ein Text oder ein -Bild). Wie ein Atom aus Protonen, Neutronen und Elektronen besteht, können auch solche -„Informationseinheiten“ weiter zerlegt werden. Der Buchstabe „A“ des lateinischen -Alphabets hat den ASCII-Code 65. 65 ist größer als 1, ist also nicht direkt repräsentierbar. In der -binären Darstellung enspricht der Zahl 65, die Zahl 0100 0001. 0 oder 1 in dieser Folge heißen ein -\textit{Bit}. Eine Folge aus 8 Bits ist ein \textit{Byte}. Ein Bit ist die kleinste Einheit für den -Computer. Man braucht also ein Byte, um 65 oder „A“ speichern zu können. Und dieses Byte ist -in noch kleinere „Elementarteilchen“, Bits, zerlegbar. Wenn die Technik in der Tat die -unbewusste Projektion des menschlichen Organismus sein soll, dann ist die Art, wie die Verarbeitung der -Daten im Computer abläuft, noch ein Beleg dafür. - -Der Organprojektion verdankt man nach Kapp die Fähigkeit zu zählen. Diese Fähigkeit hat dem Menschen -ermöglicht die Welt zu ermessen. Man hat gelernt Gewicht und Abstand zu messen. Mit der Einführung des -Geldes kann man den Reichtum messen. Und heute kann man auch Informationen messen. Für das Messen -des Abstandes wurden Einheiten eingeführt wie Millimeter, Zentimeter, Meter oder Kilometer; für diese -des Gewichtes --- Gramme und Kilogramme. Um die Informationen digital darstellen zu können, müssen -sie auch messbar sein. Die kleinste Informationseinheit ist ein Bit. Mit einem Bit ist nur ein 0 oder -1 darstellbar. Eine Folge aus 8 Bits ist ein Byte. 1000 Bytes (B) sind ein Kilobyte. 1000 Kilobytes (KB) -sind ein Megabyte (MB). Es gibt dann Gigabytes (GB), Terrabytes (TB), Petabytes (PB) und so weiter. Es -gibt auch Masseinheiten die auf Besonderheit der Computer-Technik abgestimmt und vom binären -Zahlensystem abgeleitet sind: 1 Kibibyte (KiB) = 1024 (2$^{10}$) Byte, 1 Mebibyte (MiB) = 1024 KiB und -so weiter. Aber die Grundlage bleibt immer dieselbe: Man hat ein Zahlensystem, das dazu verhilft, die -Information „abzählbar“ zu machen, damit man sie digital verarbeiten kann. - - \subsection{Alte Prinzipien im Lichte der neuen Technik} - -Maßeinheiten, Zahlen, Zahlensysteme kannte man vor der Elektrotechnik. Mit der Entwicklung der Technik -hat man nur gelernt, sie anders einzusetzen. Das kann einerseits rechtfertigen, dass die -Spekulationen der Technikphilosophie nicht vergänglich sind, dass sie mit dem Fortschritt der Technik -nicht notwendig veraltet werden. Andererseits kann es auch für die Organprojektion sprechen, weil -der eigene Organismus dasjenige ist, was den Menschen durch seine Geschichte begleitet hat, sodass -die Erkenntnisse, die er aus seinem Organismus gewonnen hat, bestehen bleiben und nur erweitert, -korrigiert und neu angewendet werden. - -Auch von der Möglichkeit, Texte zu „digitalisieren“, konnte man sehr früh Gebrauch machen, -und zwar im Zusammenhang mit der Kryptographie, das heißt der Verschlüsselung und Entschlüsselung von Daten. -Den Bedarf, Nachrichten verschlüsselt zu verschicken, gibt es wohl mindestens so lange, wie es Kriege gibt. -Eines der ältesten Verschlüsselungsverfahren wird Cäsar zugeschrieben: - - \begin{quote} -Julius Caesar is credited with perhaps the oldest known symmetric cipher algorithm. The so-called -\textit{Caesar cipher} --- [\dots] --- assigns each letter, at random, to a number. -This mapping of letters to numbers is the key in this simple algorithm.\autocite[30\psq]{davies:tls} - \end{quote} - -Was sich in den letzten Jahren geändert hat, ist, dass die Kryptographie nicht nur für bestimmte Gruppen -(wie die Militär) interessant ist. Wenn man die Website seiner Bank, ein soziales Netzwerk oder seine -Lieblingssuchmaschine besucht, werden die eingegebenen Daten verschlüsselt vor dem Versenden und dann am -anderen Ende, vom Empfänger (der Bank, dem sozialen Netzwerk oder der Suchmaschine), entschlüsselt. - -Bei der Cäsar-Verschlüsselung wird jeder Buchstabe eines geordneten Alphabets um mehrere Positionen nach -rechts verschoben. „Verschieben“ heißt, einen Buchstaben mit einem anderen zu ersetzen, -der $n$ Positionen weiter vorkommt. $n$ heißt dann \textit{Schlüssel} (\textit{key}). Zum Beispiel, wenn -jedes Zeichen des Klartextes um 2 Positionen nach rechts verschoben werden muss, wird \textit{A} -zu \textit{C}, \textit{B} zu \textit{D}, \textit{Z} zu \textit{B} usw. Um den Text dann wieder zu -entschlüsseln, muss man die Anzahl der Positionen kennen, um die jedes Zeichen verschoben wurde, -damit man das rückgängig machen kann (also um $n$ \textbf{nach links} verschieben). Dies ist -ein \textit{symmetrischer} Algorithmus, weil für die Verschlüsselung und die Entschlüsselung derselbe -Schlüssel $n$ verwendet wird: Bei der Verschlüsselung muss man um $n$ Positionen nach rechts verschieben, -bei der Entschlüsselung --- um $n$ Positionen nach links. - -Symmetrische Kyptographie wird immer noch weit eingesetzt. Wenn auch die modernen Algorithmen (Data Encryption -Standard, Advanced Encryption Standard u.Ä.\autocite[Vgl.][30\psqq]{davies:tls}) etwas komplexer -sind, funktionieren sie sehr ähnlich: - - \begin{quote} -With symmetric cryptography algorithms, the same key is used both for encryption and decryption. In some -cases, the algorithm is different, with decryption „undoing“ what encryption did. In other -cases, the algorithm is designed so that the same set of operations, applied twice successively, cycle -back to produce the same result: [\dots].\autocite[30]{davies:tls} - \end{quote} - -Das heißt die Computerindustrie hat unsere Denkweise nicht kardinal geändert. Man hat mit der Technik nicht -eine komplett neue Welt erschaffen, sondern man hat nach Wegen gesucht, erpobte Vorgehensweisen auf die neue -Technik anzuwenden. Für die Techniktheorien, wie die von Kapp, kann es bedeuten, dass sie nicht komplett -von der zu jeweiliger Zeit vorhandenen Technik abhängig. Ein vor Jahrtausenden entwickeltes -Verschlüsselungskonzept findet immer noch Anwendung unter ganz anderen Bedingungen. Natürlich kann die -Cäsar-Verschlüsselung nicht mehr eingesetzt werden, sie ist anfällig für die sogenannten -„Brute-Force-Angriffe“: Ausprobieren aller möglichen Kombinationen oder Schlüssel. Für einen -deutschen Text gibt es höchstens 30 Schlüssel, die man ausprobieren soll, um einen Text zu entschlüsseln -(wenn man annimmt, dass das deutsche Alphabet 30 Buchstaben hat). Ein moderner Rechner kann diese Aufgabe -in Sekunden lösen. Deswegen wurden Algorithmen entwickelt, die auch von einem Computer nicht so einfach -rückängig zu machen sind, wenn man den Geheimschlüssel nicht kennt. Sie basieren aber auf derselben Grundlage -und auch die kann man theoretisch durch das Ausprobieren aller möglichen Schlüssel umgehen, nur dass es -auch für leistungstärkste Rechner Jahre und Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde, dies durchzuführen. - - \subsection{Eric Kandel. „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“} - -Wenn man eine Stufe tiefer geht und die Computertechnik auf der mechanischen Ebene betrachtet, findet -man noch weitere Argumente für Kapps These. -Bei einer oberflächlichen Betrachtung fällt einem sofort auf, dass die Computer komplexe Maschinen sind, -die aus mehreren Bauteilen bestehen. - - \begin{quote} -Die Hardware besteht grundsätzlich aus Zentraleinheit und Peripherie. Zur Zentraleinheit zählen vor -allem der Mikroprozessor, der Arbeitsspeicher (RAM), die verschiedenen Bus- und Anschlusssysteme sowie -das BIOS\@. Zur Peripherie gehören sämtliche Bauteile, die zusätzlich an die Zentraleinheit angeschlossen -werden; sie dienen der Ein- und Ausgabe sowie der dauerhaften Speicherung von -Daten.\autocite[115\psq]{kersken:fachinformatiker} - \end{quote} - -Der menschliche Organismus hat auch eine „Peripherie“, zu der die „Bauteile“ gehören, -die der „Ein- und Ausgabe“ dienen. Ein Eingabegerät eines Rechners ist zum Beispiel eine -Tastatur oder Maus. Man tippt etwas ein, die Informationen werden an die Zentraleinheit weitergeleitet -und dort verarbeitet. „Eingabegeräte“ des menschlichen Körpers sind seine Sinnesorgane, unter -anderem seine Augen und Ohren. Man nimmt die Informationen aus der Außenwelt auf und sie werden zu seiner -„Zentraleinheit“ weitergeleitet und dort verarbeitet. Zu Ausgabegeräten zählen -der Bildschirm und die Lautsprecher. Das „Ausgabegerät“ des Menschen ist -beispielsweise sein Mundwerk. - -Zur Zentraleinheit gehört der Mikroprozessor (Central Processing Unit, kurz -CPU)\autocite[Vgl.][119]{kersken:fachinformatiker}, -„das eigentliche Herzstück des Computers, das für die Ausführung der Programme sowie für die -zentrale Steuerung und Verwaltung der Hardware zuständig -ist.“\autocite[119]{kersken:fachinformatiker} Das, was für die Maschine der Mikroprozessor ist, ist für -den Menschen sein Gehirn: „[\dots] alle Zellen [haben] spezialisierte Funktionen. Leberzellen -beispielsweise führen Verdauungsaktivitäten aus, während Gehirnzellen über bestimmte Mittel verfügen, -Informationen zu verarbeiten und miteinander zu kommunizieren.“\autocite[74]{kandel:gedaechtnis} - -Der menschliche Körper besteht also aus verschiedenartigen Zellen, die für bestimmte Aufgaben zuständig -sind. Man kann auch ein ähnliches Aufbaukonzept bei einem Rechner beobachten. Abgesehen vom Mikroprozessor -kann er auch weitere Bestandteile wie die Grafikkarte oder Audiokarte, die zur Peripherie gehören, oder -der Arbeitsspeicher, der ein Teil der Zentreinheit ist, haben.\autocite[Vgl.][120]{kersken:fachinformatiker} -Und diese Bestandteile haben auch ihre spezifischen Funktionen, wie die Video- oder Audioverarbeitung. - -Der Mikroprozessor ist allerdings das „Gehirn“ eines Rechners. Man kann sich einen Desktop-PC -ohne eine Grafikkarte (der also nichts auf den Bildschirm ausgeben kann) kaum vorstellen. Es gibt -aber auch die sogenannten Server, Computer, die bestimmte Dienste anbieten. Zum Beispiel, wenn man eine -Webseite besucht, stellt man hinter den Kulissen eine Anfrage zu einem entfernten Computer, auf dem die -Webseiteninhalte gespeichert sind. So ein Computer ist ein Beispiel eines Servers. Und solche -Serversysteme bedürfen oftmals keine Bildschirmausgabe, ihre Aufgabe ist schlicht, die Anfragen der -Benutzer anzunehmen, die richtigen Inhalte entsprechend der Anfrage auszusuchen und sie an den -Besucher der Webseite schicken, damit er sie auf \textit{seinem} Bildschirm sehen kann. Wenn ein -menschliches Organ „defekt“ ist, seine Funktionen nicht mehr vollständig ausführen kann, dann -führt es zu Einschränkungen der Lebensqualität. Daher gibt es blinde und taube Menschen. Wenn einige -Teile eines Computersystems defekt oder nicht vorhanden sind, dann ist seine Funktionalität auch -eingeschränkt, es kann zum Beispiel keinen Ton wiedergeben oder kein Bild ausgeben. Die Art der -Einschränkung ist aber in den beiden Fällen nicht dieselbe. Kapp hat ja immer auf den Unterschied -zwischen dem Organischen und Mechanischen hingewiesen, darauf, dass wir uns „des Andranges solcher -Ansichten erwehren [müssen], welche den redenden, organisch gegliederten Menschen in den Räder- und -Tastenautomat Hübners einsargen möchten“\autocite[101]{kapp:technik}. Hier tritt die Differenz -zwischen dem Organischen und Mechanischen nochmal ans Licht. Ein Organismus ist ein Ganzes, eine Einheit, -die nicht ohne ein Verlust zerlegt werden kann, hier ist das Ganze mehr als die Summe der Teile. Ein -Mensch kann wunderbar ohne eine Lunge auskommen (wenn man eine Lunge im Folge einer Krebskrankheit -verloren hat). Vielleicht muss man auf manche Sportarten in seinem -Leben verzichten, aber wenn man sowieso keinen Sport treibt, kann es für manche Menschen irrelevant -sein. Und trotzdem wird es als eine Einschränkung betrachtet, als etwas, was normalerweise nicht der -Fall sein soll. Ein Mechanismus dagegen ist die Summe der Teile und nicht mehr als das. Er ist -nach einem Plan gebaut, da gibt es nichts Unbekanntes: „Das physikalische Gesetz deckt allerdings -vollkommen den Mechanismus, nicht aber den Organismus, den wir nur insoweit begreifen, wie wir mit -jenem reichen“\autocite[101]{kapp:technik}. Das Fehlen einiger Komponenten in einem Serversystem, -die in einem Desktop-PC vorhanden sind, wird nicht als eine Einschränkung betrachtet, solange der Server -seine Aufgaben erfüllen kann. Das heißt, solange die Technik ihrem unmittelbaren Zweck dienen kann, ist -sie durch das Fehlen einiger Komponente nicht eingeschränkt. Selbst wenn die Audiokarte meines Rechners -kaputtgeht, ist das mehr eine Einschränkung für mich, weil ich keinen Ton habe, als für meinen Rechner. - -Wenn zu Kapps Zeiten die Organtransplantation und die Medizin überhaupt den heutigen Stand der Entwicklung -gehabt hätte, würde er bestimmt noch auf Folgendes aufmerksam machen. Wenn ein technisches Gerät -kaputtgeht, kann man es je nach der Art des Defektes reparieren. Wenn ein Kabel reißt, kann man es -meistens löten, sodass es weiterhin seine Funktion erfüllt. Wenn ein Teil komplexer ist, ist es -oft günstiger, dieses Teil einfach auszutauschen. Nun könnte man mit Kapp argumentieren, dass die -Medizin ihre Entstehung dem verdankt, dass der Mensch gesehen hat, dass er von ihm erzeugte Artefakte -reparieren kann, und daraus geschlossen hat, dass es eine Möglichkeit geben muss, auch den Menschen -zu „reparieren“. Und diese Erkenntnis kann sehr alt sein, da sogar so etwas Einfaches wie -ein Hammer kaputtgehen kann. Als man komplexere Maschinen reparieren musste, könnte einem -eingefallen sein, dass man auch den Organismus durch ersetzen der Organe heilen kann. Im -Gebrauchtwarenhandel (e.g.\ eBay) sind seit einiger Zeit Geräte „für Bastler“ zu kaufen, das heißt -kaputte Geräte, denen man aber noch funktionierende Teile entnehmen kann, um ähnliche Modelle wieder -beleben zu können --- die Möglichkeit, die einem Arzt durch das Vorhandensein eines Organspendeausweises -bei einem Verstorbenen eröffnet wird. - -Wie aber ein Mensch nicht ohne Gehirn leben kann, kann ein Computer nicht ohne den Mikroprozessor -funktionieren. Eric Kandel, ein Gehirnforscher unserer Zeit, und ein -Nobelpreisträger,\autocite[Vgl.][11--15]{kandel:gedaechtnis} schreibt in seinem Buch -„Auf der Suche nach dem Gedächtnis“ über drei Prinzipien, auf denen die -Biologie der Nervenzelle beruht: - - \begin{quote} -Die \textit{Neuronenlehre} -(die Zelltheorie, auf das Gehirn angewandt) besagt, dass die Nervenzelle --- das Neuron --- der -Grundbaustein und die elementare Signaleinheit des Gehirns ist. Die \textit{Ionenhypothese} betrifft -die Informationsübertragung innerhalb der Nervenzelle. Sie beschreibt die Mechanismen, durch die einzelne -Nervenzellen elektrische Signale, so genannte Aktionspotenziale, erzeugen, die sich innerhalb einer -gegebenen Nervenzelle über beträchtliche Entfernungen ausbreiten können. Die \textit{chemische Theorie der -synaptischen Übertragung} befasst sich mit der Informationsübermittlung zwischen Nervenzellen. Sie beschreibt, -wie eine Nervenzelle mit einer anderen kommuniziert, indem sie ein chemisches Signal, einen Neurotransmitter, -freisetzt. Die zweite Zelle erkennt das Signal und reagiert mit einem spezifischen Molekül, dem Rezeptor, an -ihrer äußeren Membran.\autocite[75\psq]{kandel:gedaechtnis} - \end{quote} - -Bei jedem dieser drei Prinzipien handelt es sich um die Informationsübertragung. Der menschliche Körper -ist ein komplexes System, dessen Untersysteme anhand von Signalen miteinander kommunizieren. Wenn ich etwas -berühre, führt es zur Erregung einer Nervenzelle, die das Signal an andere Zellen und an das Gehirn -weiterleitet. Funktional ist das derselbe Prozess, den man auch von Computern kennt: Wenn eine Taste -der Tastatur betätigt wird, muss das über eine Kette der Signale dem Mikroprozessor mitgeteilt werden. - -Auch der Sprachgebrauch der Neurobiologie verweist auf die Technik: - -„[\dots] Nervenzellen [sind] innerhalb bestimmter Bahnen verknüpft, die er [Santiago Ram\'o y Cajal] -neuronale Schaltkreise nannte.“\autocite[81]{kandel:gedaechtnis} - -„Schaltkreis“ ist ein Begriff, der aus der Elektrotechnik kommt und jetzt in der -Neurobiologie Anwendung findet. Kapp ist auch zu seiner Zeit auf eine Reihe von Begriffen aufmerksam -geworden, die zunächst zur Beschreibung der Artefakte verwendet wurden, dann aber für die Beschreibung des -Organismus übernommen wurden: - - \begin{quote} -Aus der Mechanik wanderten demzufolge zum Zweck physiologischer Bestimmungen eine Anzahl von -Werkzeugnamen nebst ihnen verwandten Bezeichnungen an ihren Ursprung zurück. Daher spielen in der Mechanik -der Skelettbewegungen Ausdrücke wie \textit{Hebel, Scharnier, Schraube, Spirale, Achsen, Bänder, -Schraubenspindel, Schraubenmutter} bei der Beschreibung der Gelenke eine angesehene -Rolle.\autocite[71]{kapp:technik} - \end{quote} - -Es ist bemerkenswert, dass Kandel die elektrische Signalübertragung „die Sprache des -Geistes“\autocite[Vgl.][90]{kandel:gedaechtnis} nennt: „ [\dots] sie ist das Mittel, -mit dessen Hilfe sich Nervenzellen, die Bausteine des Gehirns, miteinander über große Entfernungen -verständigen.“\autocite[90]{kandel:gedaechtnis} Das heißt, dass das, was man der -Computertechnik zugrunde gelegt hat, hat man dann in der Gehirnforschung wiedergefunden: Die Signalübertragung der -anhand elektrischer Signale. - -Hier endet allerdings die Ähnlichkeit der Funktionsweise nicht. Elektrische Signale werden bei der -Computertechnik nicht einfach weiter, sondern auch nach Bedarf gestoppt. Zum Beispiel wird logisches -Und mit einer Reihenschaltung mit zwei Schaltern realisiert.\autocite[Vgl.][86]{kersken:fachinformatiker} -Wenn einer der Schalter geschlossen ist, wird das Signal gestoppt, was $0 \wedge 1 = 0$ oder -$1 \wedge 0 = 0$ entsprechen würde. Bei den Nervenzellen kann man einen ähnlichen -„Schaltmechanismus“ entdecken: - - \begin{quote} -[\dots] nicht alle Nerventätigkeit [ist] erregend (exzitatorisch) [\dots], dass also nicht alle -Nervenzellen ihre präsynaptischen Endigungen dazu benutzen, die nächste Empfängerzelle in der Reihe zu -stimulieren, damit sie die Information weiterleitet. Einige Zellen sind hemmend (inhibitorisch). Sie -verwenden ihre Endungen dazu, die Empfängerzelle an der Weiterleitung der Information zu -hindern.\autocite[87]{kandel:gedaechtnis} - \end{quote} - -Des Weiteren kennen auch die Nervenzellen keine „schwächere“ oder „stärkere“ -Signale: - - \begin{quote} -Adrians Aufzeichnungen in einzelnen Nervenzellen zeigten, dass Aktionspotenziale dem -Alles-oder-Nichts-Gesetz gehorchen: Sobald die Schwelle für die Erzeugung eines Aktionspotenzial erreicht wird, -ist das Signal stets gleich --- in der Amplitude wie in der Form\autocite[94]{kandel:gedaechtnis} - \end{quote} - - - \subsection{Asymmetrische kryptographische Algorithmen und die Stellung des Menschen} - -Manche Anwendungsbereiche profitieren immer noch sehr stark von der ursprünglichen Tätigkeit der Rechner: -dem Rechnen. Ein solcher Bereich ist die Kryptographie. Als nächstes möchte ich einen kryptographischen Algorithmus -darstellen, der seit einigen Jahrzehnten erfolgreich im Internet eingesetzt wird. Mein Ziel dabei wäre, zu -untersuchen, was die „Denkweise“ einer Maschine von der Denkweise eines Menschen unterscheiden -kann. Kapp hat zwar versucht, die -Organprojektion stark zu machen, aber hat trotzdem geglaubt, dass der Mensch nicht vollständig in -eine Maschine projiziert werden kann, dass er immer Anlagen hat, die in der technischen Welt nicht -vorkommen können. - -Algorithmen, die mit einem Geheimwort, einem Geheimschlüssel arbeiten (sogenannte symmetrische Verschlüsselung) -sind im Zeitalter des Internets nicht allein verwendbar. Das Problem ist, dass -die beiden Seiten der Kommunikation einen Geheimschlüssel austauschen müssen. Wenn Sie eine E-Mail -verschicken möchten, können Sie sie verschlüsseln, aber Sie müssen den Geheimschlüssel dem Empfänger -mitteilen, damit er Ihre Nachricht auch entschlüsseln und lesen kann. Wenn Sie den Geheimschlüssel zusammen -mit der Nachricht verschicken, dann geht die ganze Sicherheit verloren, weil, dann jeder, der den Zugriff -zu Ihrer Nachricht bekommt, kann sie auch entschlüsseln. Um dieses Problem zu lösen, wurden -„asymmetrische“ kryptographische Verfahren entwickelt. Sie operieren genauso wie -die Cäsar-Verschlüsselung mit den Schlüsseln, aber für die Verschlüsselung und Entschlüsselung werden -verschiedene Schlüssel verwendet (deswegen nennt man sie asymmetrisch). Deren Funktionsweise ist der -der symmetrischen Algorithmen nicht ähnlich, weil ihnen bestimmte Eigenschaften der Zahlen zugrunde liegen. -Streng genommen kann man mit deren Hilfe nur Zahlen verschlüsseln und die Tatsache, dass man -viele Informationen in der Form von Zahlen darstellen kann, macht deren Verwendung überhaupt erst möglich. - -„By far the most common public-key algorithm is the „RSA“ algorithm, named after its -inventors Ron \textit{Rivest}, Adi \textit{Shamir}, and Leonard -\textit{Adleman}.“\autocite[91]{davies:tls} - -RSA ist relativ simpel. Dessen Sicherheit basiert nicht auf komplexen Formeln, sondern darauf, dass es -mit sehr großen Zahlen operiert wird, sodass selbst die leistungsstärksten Rechner Jahrzehnte brauchen -würden, um auf die richtige Antwort zu kommen, ohne den Geheimschlüssel zu kennen. Und das mit Einbeziehung -der Tatsache, dass die Computer immer schneller werden. - -Also für die Verschlüsselung und Entschlüsselung werden zwei Schlüssel verwendet, einen davon nennt man -den öffentlichen Schlüssel (\textit{public key}), den anderen --- den privaten Schlüssel (\textit{private -key}). Der öffentliche Schlüssel heißt so, weil er öffentlich gemacht wird. Das eigentliche -„Geheimwort“ ist der private Schlüssel. Stellen wir uns zwei Personen vor, Max und Sven, und -Max will dem Sven eine E-Mail senden. Dafür muss Sven im Besitz der zwei oben genannten Schlüssel sein. -Den öffentlichen Schlüssel stellt Sven dem Max und jedem anderen zur Verfügung, den privaten kennt nur er. -Max verschlüsselt seine Nachricht mit Svens öffentlichem Schlüssel, verschickt sie, und nur der Besitzer -des privaten Schlüssels, Sven, kann die Nachricht entschlüsseln. Der private Schlüssel wird zu keinem -Zeitpunkt verschickt, der bleibt immer bei Sven. So verschwindet das Problem, das man mit der -symmetrischen Kryptographie hat. Man muss nur zwei Schlüssel generieren können, die die Eigenschaft -besitzen, dass, wenn man mit dem einen etwas verschlüsselt, allein der Besitzer des dazugehörigen -privaten Schlüssels, es entschlüsseln kann. - -Was sind diese Schlüssel eigentlich? Jeder davon besteht aus je zwei Zahlen: - -$e$ und $n$ --- Öffentlicher Schlüssel. - -$d$ und $n$ --- Privater Schlüssel. - -Wenn $m$ die Nachicht ist, die verschüsselt werden soll, dann funktioniert es, wie folgt: - -\begin{equation} - c = m^e \bmod n -\end{equation} - -$c$ ist jetzt die verschlüsselte Nachricht. $e$ und $n$ gehören, wie oben beschrieben, zu dem öffentlichen -Schlüssel. $a \bmod b$ berechnet den Rest der Division $a$ geteilt durch $b$. Bei der Entschlüsselung -bedient man sich derselben Formel, nur $e$ wird mit $d$ (die Komponente des privaten Schlüssels) ersetzt: - -\begin{equation} - m = c^d \bmod n -\end{equation} - - \subsubsection{Beispiel} - -Nehmen wir an, Max will Sven die PIN seiner Bankkarte „1234“ übermitteln. Sven hat Max -seinen öffentlichen Schlüssel mitgeteilt (der aus 2 Zahlen besteht): - -\begin{gather*} - e = 79 \\ - n = 3337 -\end{gather*} - -Der private Schlüssel von Sven (den nur er kennt, aber nicht Max) ist: - -\begin{gather*} - d = 1019 \\ - n = 3337 -\end{gather*} - -Max berechnet: - -\begin{equation*} - 1234^{79} \bmod 3337 = 901 -\end{equation*} - -Sven bekommt $901$ und berechnet: - -\begin{equation*} - 901^{1019} \bmod 3337 = 1234 -\end{equation*} - -So kann Sven verschlüsselte Nachrichten empfangen, ohne seinen Geheimschlüssel jemandem mitteilen zu -müssen.\autocite[Vgl.][114\psq]{davies:tls} Wenn wir wissen, dass alle Informationen, mit denen ein Computer -arbeiten kann als Zahlen repräsentierbar sind, kann man diese Vorgehensweise für jede vermittels eines -Computers geschehende Kommunikation verwenden.\footnote{Am Rande erwähnt wird die asymmetrische Kryptographie -nicht zur Verschlüsselung der eigentlichen Nachrichten verwendet, es ist zu langsam, um große Mengen -an Informationen zu verschlüsseln, sondern sie wird nur für das \textit{Key Exchange} verwendet. -Die symmetrischen Algorithmen hatten das Problem, dass beide Kommunikationspartner denselben Schlüssel -teilen müssen. Algorithmen, wie RSA, benutzt man, um den Schlüssel eines symmetrischen Algorithmus dem -anderen Kommunikationspartner zu übermitteln. Danach wird die Kommunikation normalerweise symmetrisch -verschlüsselt.} - -In dem Beispiel oben wurden sehr kleine Zahlen verwendet. Aber selbst die Berechnungen mit diesen -Zahlen sind für einen Menschen zu komplex (Das Ergebnis von $901^{1019}$ hat über 3000 Stellen). - - \begin{quote} -The security of the system relies on the fact that even if an attacker has access to $e$ and $n$ --- -which he does because they're public --- it's computationally infeasbile for him to compute $d$. For -this to be true, $d$ and $n$ have to be enormous --- at least 512 bit numbers (which is on the order of -$10^{154}$) --- but most public key cryptosystems use even larger numbers. 1,024- or even 2,048-bit numbers are -common.\autocite[92]{davies:tls} - \end{quote} - -Eine 512-Bit-Zahl ist eine Zahl bis $2^{512}$, eine 1024-Bit-Zahl --- bis $2^{1024}$, 2048-Bit --- bis $2^{2048}$. -Inzwischen wird oft empfohlen, 4096-Bit-Zahlen zu verwenden. - - \subsubsection{Diskreter Logarithmus} - -Der Modulus $n$ ist das Produkt zweier großer Zahlen $p$ und $q$: - -\begin{gather} - n = pq -\end{gather} - -Danach muss man die Exponenten $e$ und $d$ so wählen, dass gilt: - -\begin{equation} - {(m^e)}^d \bmod n = m -\end{equation} - -Man schafft sich Abhilfe mit der \textit{eulerschen Funktion}: - -\begin{equation} - \phi(n) = (p - 1)(q - 1) -\end{equation} - -Danach wählt man $e$ und $d$, sodass gilt: - -\begin{equation} - e \cdot d \bmod \phi(n) = 1 -\end{equation} - - \begin{quote} -The security in RSA rests in the difficulty of computing first the private exponent $d$ -from the public key $e$ and the modulus $n$ as well as the difficulty in solving the equation $m^x\%n = c$ for -m. This is referred to as the \textit{discrete logarithm} problem. These problems are both strongly -believed (but technically not proven) to be impossible to solve other than by enumerating all possible -combinations.\autocite[130]{davies:tls} - \end{quote} - - \subsubsection{Kreativität und Intuition} - -Die Tatsache, dass der Algorithmus funktioniert, verdankt also RSA nicht einer Kenntnis, sondern -einer \textit{Unkenntnis}, einem mathematischen Problem, für das man keine Lösung hat, von dem -man \textit{glaubt}, dass es keine Lösung hat; und im Zusammenhang mit der Sicherheit kann man vielleicht auch -sagen, dass man \textit{hofft}, dass man keine Lösung findet. - -Menschliches Handeln, zumindest so, wie wir es erleben, basiert nicht nur auf Berechnungen. Der Mensch -kann \textit{hoffen}, \textit{glauben}. - -Davies schreibt im Bezug auf die asymmetrische Kryptographie Folgendes: „In general, public-key cryptography -aims to take advantage of problems that computers are inherently bad at [\dots].“\autocite[91]{davies:tls} -Er behauptet, dass die Computer grundsätzlich schlecht im -Lösen einiger mathematischer Probleme sind. Das stößt beim ersten Lesen auf Fragen. Eigentlich sind -die Computer oft viel besser in der Mathematik als die Menschen. \textit{Computer Algebra Systems} (CAS) -sind Programme, die für die Arbeit mit algebraischen Ausdrücken entwickelt sind. Sie können alle möglichen -Berechnungen durchführen und Gleichungen lösen. Aber das Lösen der Gleichungen muss -einem CAS zunächst „beigebracht“ werden, es muss unterstützt sein, das heißt ein gewisser Algorithmus -muss implementiert werden, nach dem die Gleichung gelöst werden kann. - -Der Mensch sucht aber nicht nur nach Lösungen gewisser mathematischer Probleme, sondern auch nach Problemen -selbst. Das ist ein kreativer Vorgang. Und bei manchen Problemen bleibt einem nichts anderes übrig, als -sich auf seine Intuition zu verlassen, wie im oben aufgeführten Problem. Man muss auch in Betracht ziehen, -dass man in dem Fall mit RSA viel Vetrauen seiner Intuition schenkt, weil die Wichtigkeit der -Sicherheitssysteme für eine Informationsgesellschaft nicht zu unterschätzen ist. Das heißt man muss fest -davon überzeugt sein, dass das Problem des diskreten Logarithmus zumindest nicht sehr bald gelöst werden -kann. - -Man kann im Bezug zu Maschinen nicht von der Kreativität, Intuition, einer Überzugung oder einem Glauben -sprechen. Wir haben sie gebaut, wir wissen, wie sie funktionieren, wir wissen, dass sie nichts glauben. -Selbst wenn wir von der Künstlichen Intelligenz sprechen, von den Maschinen, die selbst lernen, und die so -viel gelernt haben, dass wir nicht mehr nachvollziehen können, wie sich die Maschine die einzelnen Inhalte -beigebracht hat, so wissen wir zumindest, wie der Lernprozess selbst funktioniert, dass er nicht auf der -Intuition, sondern auf der kalten Berechnung basiert. - -Nun kann es natürlich sein, dass auch der Mensch nichts weiter als ein Bioroboter ist, der nur glaubt, -dass er etwas glauben, von etwas überzeugt sein kann. Dann kann die Maschine den Stand des Menschen -eines Tages einholen und ihn vielleicht sogar überholen. Das ist wohl das wichtigste und das stärkste -Argument gegen Kapps Menschenbild. Dieses Argument hat allerdings auch problematische Seiten. Es sind -ja die Menschen, die alles mit Bedeutung füllen. Ich kann mir auch nicht sicher sein, ob mein Nachbar -etwas fühlt, hofft oder glaubt, oder ob er nur so tut. Erst wenn ich meinen Mitmenschen als solchen -akzeptiere, schreibe ich ihm Eigenschaften zu, die ich selbst als Mensch zu besitzen glaube. Das -heißt, wenn ein Roboter aus der Zukunft genauso aussieht, sich verhält, spricht wie ein Mensch, ist es -immer noch zu wenig, ihn einem Menschen gleichzusetzen, zumindest, wenn der Mensch für mich nicht auf -die physikalischen Eigenschaften reduzierbar ist. - -Eine der Möglichkeiten, diesen Sachverhalt zu verdeutlichen, ist ein Gedankenexperiment, das den -Namen „Chinesisches Zimmer“ bekommen hat, der „als Standardargument der Philosophie -des Geistes und der Künstlichen Intelligenz betrachtet werden“ kann.\autocite[8]{dresler:KI} -Man stellt sich ein Computersystem, das chinesisch verstehen kann, es könnte beispielsweise Fragen -auf Chinesisch beantworten, auf Aufforderungen reagieren und so weiter. So ein Programm würde chinesisch -verstehen ohne es zu verstehen.\autocite[Vgl.][8]{dresler:KI} Und das zweite „Verstehen“ ist -eben in dem Sinne jenes Erlebnisses, das wir als Verstehen kennen, gemeint. - -Ich behaupte hiermit nicht, dass dieses Argument den Status des Menschen als eines einzigartigen -Wesens rettet; ich will viel mehr zeigen, dass die Frage nach dem Menschsein nicht durch die Entwicklung -der Technik gelöst oder aufgehoben werden kann. - - \section{Würdigung} - -Kapps Theorie der Organprojektion ist umstritten. Sie hat ihre Schwächen. Diese Schwächen sind -aber nicht dadurch entstanden, dass die Theorie zu alt für die moderne Technik ist, dass sie überholt -ist. Genauso wie zu Kapps Zeiten stößt sie auch heute auf Kritik. Man kann sie genauso in der heutigen -Zeit vertreten mit Einbeziehung neuer Entwicklungen, neuer Beispiele. In gewisser Hinsicht wird die -Organprojektionstheorie durch den Umstand gestärkt, dass sie nicht auf die Zeit ihrer Entstehung -beschränkt geblieben ist, sondern dass immer neue Tatsachen aufgetaucht sind, die ihrer Unterstützung -dienen können. - -Die Mechanisierung schreitet fort. Immer noch ist der Streit laut zwischen denen, die glauben, dass -der Mensch eine Maschine ist, die künstlich nachgebaut werden kann, und denen, die das menschliche -Schaffen dem Schaffen der Natur unterordnen. Wobei die Teilung auf diese zwei Lager ist nicht -so eindeutig. Vielleicht wird man tatsächlich eines Tages im Stande sein, einen Roboter zu bauen, -der sich äußerlich und in dem, wie er handelt, vom Menschen nicht unterscheidet. Aber ist er -deswegen mit einem Menschen gleichzusetzen? Hat der Mensch nicht etwas Immaterielles in sich? -Einen Geist oder eine Seele? Die Antwort auf diese Frage kann unterschiedlich ausfallen. Für -Kapp war der Mensch und die Natur etwas, was von der Technik nie nachgeholt werden kann. Die -Entwicklung der Robotertechnik macht schwieriger zu vertreten. Und trotzdem dünkt es mich, dass man -ihn nie als „nicht aktuell“ abtun kann. Schließlich hat die Frage nach dem Status des -Menschen einiges gemeinsam mit der Gottesfrage. Wenn man als Beispiel das Christentum nimmt, ist es -irrelevant, wie viel von der Natur man physikalisch erklären kann, Gott bleibt jenseits der Natur. -Genauso kann es geglaubt werden, dass ein Teil des Menschen immer jenseits der physikalischen -Welt liegt, oder dass der Körper sogar der „Kerker der Seele“ ist, der das Eigentliche -im Menschen festhält, wie es bei Platon auftaucht\autocite[Vgl.][21]{platon:kratylos}. Die -Entwicklung der Technik beeinflusst die Anthropologie, aber es ist schwierig sich vorzustellen, dass -jene diese überflüssig machen kann. - -Die ersten Werkzeuge hatten viele Ähnlichkeiten mit den menschlichen Organen. Komplexere Maschinen -waren immer weniger ähnlich, aber haben den Anfang ihrer Entstehungsgeschichte in den einfachen -Werkzeugen. Es ist aufregend zu sehen, wie die äußerliche Ähnlichkeit jetzt zurückkehrt. Man -baut Roboter, die Hände, Beine, die Struktur eines menschlichen Organismus haben, und die ähnlich -wie Menschen lernfähig sind. Der Unterschied ist, dass laut Kapp der Mensch am Anfang seiner Geschichte -sich unbewusst in seine Werkzeuge projiziert hat. Die Entwicklung der Roboter und der -Künstlichen Intelligenz ist hingegen voll bewusst. Man schaut, wie der Mensch sich entwickelt, -wie er lernt, wie er aufgebaut ist, und versucht das technisch zu reproduzieren. Aber das Streben selbst, -auf diese Weise die Natur zu erklären, sie besser zu verstehen, ist bemerkenswert. Kapp hätte auch -hundert Jahre später kaum weniger Argumente gehabt, um seine Theorie zu verteidigen. diff --git a/themes/posts/2017/12/ki-begriffsklaerung.tex b/themes/posts/2017/12/ki-begriffsklaerung.tex deleted file mode 100644 index d34d0ed..0000000 --- a/themes/posts/2017/12/ki-begriffsklaerung.tex +++ /dev/null @@ -1,717 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2017-12-25 00:00:00 -tags: Aufsatz -title: Künstliche Intelligenz. Eine Begriffsklärung -teaser: - <p>Es ist relativ neu, dass man angefangen hat, technischen Artefakten menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. - So spricht man heute von „intelligenten“ Maschinen. Es gibt intelligente Menschen, die gebildet, - begabt sind. Die Maschinen, Computer werden programmiert, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen, sie arbeiten - nach einem vordefinierten Algorithmus. Bestenfalls kann so ein Algorithmus aktualisiert werden. - Wäre es jedoch vielleicht möglich, ein Programm zu schreiben, das das menschliche Lernvermögen nachbildet - und lernen kann? Es ist tatsächlich möglich und in diesem Fall spricht man von der <em>künstlichen Intelligenz</em> - (<em>Artificial Intelligence</em>) und dem <em>maschinellen Lernen</em> (<em>Machine Learning</em>), von der - Fähigkeit einer Maschine, selbst zu lernen, also den Algorithmus, nach dem sie arbeitet, weiter zu entwickeln - und zu verändern. Das, was eine Maschine auf diese Weise gelernt hat, ist oft so komplex, dass man nicht mehr - sagen kann, wie genau sie das gelernt hat und wie sie zu Ergebnissen kommt, die sie liefert. Ob es ausreichend - ist, von der Intelligenz zu sprechen, im selben Sinne, wie man von der menschlichen Intelligenz spricht, ist - eine schwierige Frage. Selbst die menschliche Intelligenz ist kein eindeutig definierter, ein vager Begriff, - der viele subjektive Merkmale in sich trägt.</p> ---- - \section{Einleitung} - -Die Technik gibt es seit sehr langem. Der Mensch war schon immer abhängig von seiner Technik und -verdankte ihr seinen kulturellen Aufstieg. Sie erleichterte das Überleben in der Natur, ermöglichte -den Bau der Städte und die Entwicklung der Zivilisationen, half bei der Kriegsführung und der Erforschung -und dem Bewohnen neuer Territorien. Mit der Zeit wurde die Technik immer komplexer: Angefangen mit einfachen -Werkzeugen hat man gelernt, komplexere Maschinen zu bauen. Dies hatte wiederum eine enorme Wirkung auf die -Kultur. Viele schwere Arbeiten konnten auf die Maschinen verlagert werden; die Bildung hat einen neuen -Aufschwung bekommen; Wissenschaften hatten neue Mittel, um Experimente durchzuführen und immer weiter -fortzusrchreiten. Schon sehr lange ist der Mensch von seiner Technik umgeben; Es ist nicht erst gestern -passiert, dass er sich von ihr abhängig gemacht hat und seine Geschichte mit der der -Technik verbunden hat. Was sich aber im Laufe der Zeit gewandelt hat, ist die Art der angesetzten Technik. - -Es ist relativ neu, dass man angefangen hat, technischen Artefakten menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. -So spricht man heute von „intelligenten“ Maschinen. Es gibt intelligente Menschen, die gebildet, -begabt sind. Die Maschinen, Computer werden programmiert, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen, sie arbeiten -nach einem vordefinierten Algorithmus. Bestenfalls kann so ein Algorithmus aktualisiert werden. -Wäre es jedoch vielleicht möglich, ein Programm zu schreiben, das das menschliche Lernvermögen nachbildet -und lernen kann? Es ist tatsächlich möglich und in diesem Fall spricht man von der \textit{künstlichen Intelligenz} -(\textit{Artificial Intelligence}) und dem \textit{maschinellen Lernen} (\textit{Machine Learning}), von der -Fähigkeit einer Maschine, selbst zu lernen, also den Algorithmus, nach dem sie arbeitet, weiter zu entwickeln -und zu verändern. Das, was eine Maschine auf diese Weise gelernt hat, ist oft so komplex, dass man nicht mehr -sagen kann, wie genau sie das gelernt hat und wie sie zu Ergebnissen kommt, die sie liefert. Ob es ausreichend -ist, von der Intelligenz zu sprechen, im selben Sinne, wie man von der menschlichen Intelligenz spricht, ist -eine schwierige Frage. Selbst die menschliche Intelligenz ist kein eindeutig definierter, ein vager Begriff, -der viele subjektive Merkmale in sich trägt. - -Dass wir die Programme entwickeln können, die sich selbst „weiterschreiben“, weiterentwickeln -können, birgt viele Möglichkeiten und viele Gefahren in sich. Einerseits können die Maschinen dem Menschen -nicht nur schwere körperliche Arbeit abnehmen, sondern auch einige geistige Tätigkeiten. Zum Beispiel das -Übersetzen von Texten in andere Sprachen kann teilweise von Computern übernommen werden, die ihre -„Sprachkenntnisse“ selbst immer mehr verbessern können. Andererseits, wenn man nicht mehr -versteht, wie genau die von ihm konstruierte Maschine handelt, fühlt man sich bedroht. Es werden auch Stimmen -laut, dass die nächste Stufe der Evolution nicht eine biologische, sondern eine technische Evolution sei und, -dass der Mensch sehr bald vom Werk seiner Hände überholt werde.\autocite[7ff]{kurzweil:menschheit} - -Das Ziel dieser Arbeit ist, auf die künstliche Intelligenz und neuronale Netze, nicht nur aus technischer, -sondern auch philosophischer Sicht zu schauen. Wenn wir von der künstlichen Intelligenz sprechen, -verwenden wir viele Begriffe wie Lernen, Lernerfolg, Intelligenz, deren Bedeutung aber nicht immer -klar ist. Und ich finde, dass das, wie wir über die Maschinen sprechen, -viel darüber sagt, wie sich unser eigenes Menschenbild im technischen Zeitalter verändert oder verändert hat. - - \section{Maschinelles Lernen} - -Maschinelles Lernen ist ein Zweig der künstlichen Intelligenz, in dem es darum geht, einem künstlichen -System das Gewinnen von Wissen zu ermöglichen. Ein auf diese Weise lernendes System kann eine gestellte -Aufgabe nicht nach einem vordefinierten Algorithmus lösen, sondern ist fähig, selbst zu lernen, wie die -Aufgabe zu lösen ist. - -Maschinelles Lernen ist sehr vielfältig und hat verschiedene Anwendungen. Es kann grob in zwei große Kategorien -unterteilt werden: überwachtes und unüberwachtes Lernen. - - \subsection{Überwachtes Lernen (Supervised Learning)} - -Beim überwachten Lernen stehen dem Lernenden eine Menge von Eingaben und den dazugehörigen Ausgaben zur Verfügung. -Das heißt es gibt eine Reihe von Ausgangsituationen und eine Reihe möglicher Antworten beziehungsweise Reaktionen -auf jene Situationen, wobei zwischen den ersteren und den letzteren eine Abhängigkeit vorhanden ist. -Das Ziel des Algorithmus ist jetzt diese Abhängigkeit zu entdecken, sie zu „erlernen“. - - \begin{quote} -\textit{Supervised learning} algorithms assume that some variable X is -designated as the target for prediction, explanation, or inference, and that -the values of X in the dataset constitute the „ground truth“ values for -learning.\autocite[154]{danks:ai} - \end{quote} - -Zum überwachten Lernen gehört auch das sogenannte \textbf{bestärkende Lernen (Reinforcement Learning)}. -Das ist das Lernen durch „Versuch und Irrtum“. Dem lernenden System steht hier keine Menge -möglicher Ausgaben, sodass der Algorithmus aus vorhandenen Daten lernen könnte, dafür kann es mit seiner -Umgebung interagieren und von dieser „belohnt“ oder „bestraft“ werden. Also der -Algorithmus wird aus der Umgebung bewertet und anhand dieser Bewertung kann er lernen, wie er anhand -einer Eingabe zu der richtigen Ausgabe gelangt. - -„The learning algorithms used on reinforcement learning adjusts -the internal neural parameters relying on any qualitative or quantitative information -acquired through the interaction with the system (environment) being mapped, [\dots]“\autocite[27]{silva:ai} - -Maschinelles und bestärkendes Lernen wird schon seit längerer Zeit bei Spam-Erkennung verwendet. Als Spam -werden unerwünschte E-Mails, zum Beispiel Werbung, die man nicht bestellt hat, genannt. Es gibt auch einen -Gegenbegriff zum Spam: Ham, also normale E-Mails, die man in seinem E-Mail-Postfach erwartet. - -Wie ein Programm lernt, Spam von Ham zu unterscheiden, kann man damit vergleichen, wie es ein Mensch lernt. -Sie bekommen unerwünschte Werbung per Post. Es ist ein Briefumschlag mit einer unpersönlichen Anrede und ein -kleines Heft. Sie blättern es durch und sehen, dass sie daran nicht interessiert sind und schmeißen es weg. -Wenn Sie ein ähnliches Heft nächstes Mal bekommen, blättern Sie vielleicht nochmal durch, um sicher zu sein, -dass es nichts Wichtiges bzw\@. etwas, was Sie abonniert haben, ist. Wenn Sie einige Wochen später nochmal so ein -Heft bekommen, reicht nur ein Blick. Vielleicht haben Sie den Namen desselben Unternehmens oder bekannte -Produktabbildungen oder einen ähnlichen Werbetext gesehen --- Sie schmeißen es, ohne genauer zu schauen, weg. -Sie haben gelernt, dass derartige Hefte mit Werbung keine für Sie hilfreiche Information enthalten. - -In vielen Mail-Programmen gibt es inzwischen die Funktion „Als Spam markieren“. Wenn eine E-Mail -als Spam markiert wird, analysiert der Spam-Filter den Inhalt der E-Mail und merkt, wie viele Male jedes Wort -in der Nachricht vorkommt. Dieselbe Analyse macht der Filter für die anderen Nachrichten, die nicht als Spam -markiert wurden. Langsam sammelt sich eine Datenbank mit der Anzahl der Vorkommnisse verschiedener Wörter in -Spam- und Ham-Nachrichten. Anhand dieser Daten kann dann der Filter erkennen, dass bestimmte Wörter nur in -Spam-Mails vorkommen, aber nicht in Ham, und kann ohne die Einmischung des Menschen entscheiden, ob eine E-Mail -unerwünscht ist oder nicht. So ein Verfahren ist natürlich nicht fehlerfrei. Es kommt sowohl dazu, dass Spam durch -so einen Filter unerkannt durchdringen kann, als auch dazu, dass Ham im Spam-Ordner landet. Auf diversen Webseiten -kann man lesen: „Wenn Sie keine E-Mail innerhalb von \textit{X} Stunden erhalten haben, überprüfen Sie Ihren -Spam-Ordner“. Wenn Ham als Spam eingestuft wird, spricht man vom \textit{False-Positive}. Es gibt meistens -wiederum die Funktion, um die Spam-Markierung von der E-Mail zu entfernen. Dadurch kann der Filter neu lernen -und seine Datenbank aktualisieren beziehungsweise anpassen. - -Wir haben gesehen, dass eine der Möglichkeiten, Spam zu erkennen, darauf basiert, den Spam-Filter mit der -Umgebung, also mit dem Benutzer, kommunizieren zu lassen. Der Benutzer hat eine Möglichkeit dem Filter mitzuteilen, -ob eine E-Mail Spam oder Ham ist, woraus der Filter lernen kann. Je länger so ein Filter eingesetzt wird und je -mehr er auf diese Weise trainiert wird, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit des False-Positives. - - \subsection{Unüberwachtes Lernen (Unsupervised Learning)} - - \begin{quote} -\textit{Unsupervised learning} algorithms do not single out any particular -variables as a target or focus, and so aim to provide a general -characterization of the full dataset.\autocite[154]{danks:ai} - \end{quote} - -Beim unüberwachten Lernen wird keine bestimmte Ausgabe, kein bestimmter Wert bei der Ausgabe erstrebt, wie es -bei dem überwachten Lernen der Fall ist. Vielmehr geht es darum, eine innere Struktur in den Daten zu entdecken. - -Ein Standardbeispiel für unüberwachtes Lernen ist ein soziales Netzwerk. In großen sozialen Netzwerken kann -man sein Interesse oder Desinteresse dadurch zeigen, dass man bestimmte Beitrage positiv markiert -beziehungsweise blockiert. Ein gutes soziales Netzwerk würde, um seinen Nutzern genüge zu tun, die einem -bestimmten Benutzer angezeigten Beiträge zensieren, und ihm nur diejenigen zeigen, die er wahrscheinlich -mag und nicht diejenigen, die er blockieren würde. Aber das Netzwerk weiß nicht im Voraus, dass es -Beiträge zu verschiedenen Themen gibt: Kunst, Politik, Sport und so weiter. Schließlich können immer neue -Themen auftauchen. Das Netzwerk lernt selbst die Beiträge und Benutzer zu klassifizieren. Das Lernen geht -über die Erforschung der Vorlieben einer bestimmten Person hinaus. Nehmen wir an in Profilen zweier Personen -unter „Interessen“ steht, dass sie gern Tennis spielen und beide lesen gerne Nachrichten eines -Sportvereins, der eine eigene Seite im sozialen Netzwerk hat. Wenn eine dritte Person jetzt angibt, dass sie -gern Tennis spielt, hat das soziale Netzwerk den Grund anzunehmen, dass dieser Person auch die Nachrichten -des Sportvereins gefallen werden. Das heißt das Netzwerk lernt aufgrund komplexer Zusammenhänge, dass es bestimmte -Gruppen, Themen- und Interessenbereiche gibt. Es gibt hier keine richtige Antwort, man überwacht nicht alle -registrierten Benutzer und korrigiert das Netzwerk nicht: Nein, dieser Mensch gehört dieser Gruppe nicht. Und -wenn ich einen Beitrag blockiere und markierte, bedeutet es nicht unbedingt, dass ich eine Bewertung abgebe, wie -gut das Netzwerk gelernt hat. Es kann schließlich sein, dass ich heute keine Lust auf meinen Sportverein habe, -sonst aber gerne lese, was er schreibt. - -Die Unterteilung in Gruppen, Klassifizierung ist in der Wirklichkeit sehr komplex und unterzieht sich oft der -Möglichkeit, sich auf irgendeine Weise kontrollieren oder bewerten zu lassen. Unüberwachtes Lernen kann hier -Abhilfe schaffen. - - \section{Neuronale Netze} - -In diesem Abschnitt handelt es sich um eine mögliche Realisierung des maschinellen Lernens und zwar anhand -der neuronalen Netze. - - \subsection{Biologisches Vorbild} - -Ein „neuronales Netz“, wie der Name raten lässt, ist ein Netz das aus -Neuronen beziehungsweise Nervenzellen besteht. Das Neuron ist kein technischer Begriff, er stammt aus -der Biologie: „[\dots] die Nervenzelle --- das Neuron --- [ist] der Grundbaustein und die elementare -Signaleinheit des Gehirns [\dots]“\autocite[75]{kandel:gedaechtnis} Neuronale Netze haben nicht nur -den Begriff des Neurons aus der Gehirnforschung übernommen, sondern auch einige weitere, und überhaupt -haben sie menschliches Gehirn zu ihrem Vorbild. - -Die Nervenzelle besteht aus drei Komponenten: einem Zellkörper mit zwei Arten von Fortsätzen, -Axone und Dendriten.\autocite[Vgl.][79]{kandel:gedaechtnis} Diese Fortsätze der Nervenzelle dienen -der Signal- beziehungsweise der Informationsübertragung: - - \begin{quote} -Mit den Dendriten empfängt das Neuron Signale von anderen Nervenzellen, und mit dem Axon sendet es -Informationen an andere Zellen\@. [\dots] Die Axonendigungen eines Neurons kommunizieren mit den -Dendritten eines anderen Neurons nur an speziellen Stellen, die von Sherrington später Synapsen -genannt wurden (von griechisch \textit{s\'{y}napsis} --- „Verbindung“).\autocite[81]{kandel:gedaechtnis} - \end{quote} - -Synapsen sind ein weiterer Begriff, der für maschinelles Lernen wichtig ist. Sie verbinden -die Neuronen miteinander und kodieren die bisher gelernten Informationen. In künstlichen sowie in -biologischen neuronalen Netzen sind nicht alle Neuronen miteinander verbunden. Im Falle der biologischen -neuronalen Netze sind „Nervenzellen innerhalb bestimmter Bahnen verknüpft [\dots], die -er [Santiago Ram\'{o}n y Cajal] neuronale Schaltkreise nannte. Signale bewegen sich darin in -vorhersagbaren Mustern.“\autocite[81]{kandel:gedaechtnis} Auch im Gehirn sind die Synapsen für -die Informationsspeicherung und Lernerfahrung verantwortlich, da das Lernen die synaptische Stärke und -dadurch die Kommunikation zwischen Neuronen verändern kann.\autocite[Vgl.][220]{kandel:gedaechtnis} - - \subsection{Einschichtiges feedforward-Netz} - -In diesem Abschnitt soll die Funktionsweise eines neuronalen Netzes an einem Beispiel erklärt werden. -Nehmen wir an, wir wollen den Zusammenhang zwischen der Anzahl der Stunden, die man mit dem -Lernen und dem Schlafen am Tag vor einer Klausur verbracht hat, und dem Ergebnis der Klausur, -gemessen in Prozent, herausfinden. - -Zu unseren Eingabedaten zählen: - - \begin{enumerate} - \item Stunden geschlafen. - \item Stunden gelernt. - \end{enumerate} - -Basierend auf diesen Daten wollen wir vorhersagen, wie das Ergebnis der Klausur ausfällt. Da wir am Anfang -nicht blind raten wollen, nehmen wir auch an, dass wir eine Testperson zur Verfügung haben, die uns für die -Untersuchung notwendige Parameter und das Endresultat ihrer Klausur mitteilt. - - \begin{center} - \begin{tabular}{c c} - (gelernt; geschlafen) & Ergebnis \\ - \toprule - (3 Std; 5 Std) & 70\% \\ - \bottomrule - \end{tabular} - \end{center} - -Diese Daten wollen wir verwenden, um unser neuronales Netz zu „trainieren“, d\@.h\@. es -muss anhand dieser Daten Vorhersagen über einen wahrscheinlichen Verlauf künftiger Klausuren machen können. - -Bei unseren Berechnungen wollen wir nicht mit verschiedenen Maßeinheiten arbeiten. Zum Beispiel in unseren -Daten haben wir die Eingabe in \textit{Stunden} und die Ausgabe in \textit{Prozent}, es ist allerdings nicht -möglich Stunden in Prozente zu übersetzen oder umgekehrt. Unser Netz ist aber auch an Maßeinheiten oder an -der Art unserer Daten nicht interessiert, es muss schließlich mögliche Zusammenhänge zwischen den Eingabe- -und Ausgabewerten finden, unabhängig davon, ob es nun Stunden, Prozente, Kilogramme oder Meter sind. - -Außerdem soll die Ausgabe $x$ die folgende Bedingung erfüllen soll: - - \begin{gather} - \{x \in \mathbb{N} \mid 0 \leq x \leq 100 \} - \end{gather} - -Um bessere Ergebnisse zu bekommen, werden wir hauptsächlich mit reellen Zahlen von 0 bis 1 rechnen. -Um das zu erreichen werden die Stunden und die Prozentzahl durch 100 geteilt. Nach diesen Umwandlungen -erhalten wir die folgende Tabelle: - - \begin{center} - \caption{table}{\textbf{Normalisiert}} - \begin{tabular}{c c} - (gelernt; geschlafen) & erwartetes Ergebnis \\ - \toprule - (0{,}03; 0{,}05) & 0,7 \\ - \bottomrule - \end{tabular} - \end{center} - - \subsection{Gewichtung} - -Unser neuronales Netz wird insgesamt aus drei Schichten bestehen: - - \begin{figure}[H] - \centering - \includegraphics{/assets/images/ki-begriffsklaerung/image1.png} - \caption{Einfaches neuronales Netz}\label{fig:empty_network} - \end{figure} - -Jede dieser Schichten hat wiederum eins oder mehrere \textit{Neuronen}. Jedes dieser Neuronen kann -Daten speichern (in unserem Fall --- eine Zahl). Die Neuronen sind untereinander mit \textit{Synapsen} verbunden. -Eine Synapse kann wiederum Informationen speichern, i\@.e\@. sie werden auch mit einer Zahl versehen. - -Die erste Schicht (Abbildung~\ref{fig:empty_network}, links) ist die Eingabeschicht, sie enthält die -Eingabedaten. Als Eingabe haben wir zwei Werte pro Testlauf: die Anzahl der Stunden, die die Testperson gelernt -und geschlafen hat. Diese zwei Werte sind unseren Eingaben, weil es die Daten sind, auf deren Basis wir eine -Ausgabe erwarten, eine Vorhersage machen wollen. Die Ausgabeschicht ist die letzte Schicht -(Abbildung~\ref{fig:empty_network}, rechts), sie hat nur ein Neuron, das Ergebnis der Klausur, das wir erwarten. -Schließlich in der Mitte ist die verdeckte Schicht. Sie ist verdeckt, weil sie für den Endbenutzer -nicht sichtbar ist, der Endbenutzer gibt schließlich eine Eingabe und bekommt am Ende eine Ausgabe, dazwischen -werden, basierend auf dem, was das neuronale Netz vorher gelernt hat, nur eine Reihe von Berechnungen -durchgeführt.\autocite[Vgl.][22]{silva:ai} - -Nun hat unser Netz noch nichts gelernt, wir wollen das erstmal nur trainieren. Für den ersten Lauf müssen -wir deswegen eine Reihe von Parametern \textit{zufällig} wählen. - -Erstens brauchen wir die sogenannten \textit{Gewichte}. Gewichte sind Werte, die den Synapsen zugeordnet werden. -Sie bestimmen, welchen Einfluss ein Eingabewert auf das Endergebnis hat. Die Gewichtung repräsentiert, -was das Netz bisher gelernt hat. - -In unserem Fall haben wir insgesamt 9 Synapsen, sodass jedes Neuron der Eingabeschicht mit allen Neuronen der -verdeckten Schicht, und jedes Neuron der verdeckte Schicht mit dem Neuron der Ausgabeschicht verbunden werden -kann. Ich versehe diese Synapsen mit den folgenden Werten (von oben nach unten und von links nach rechts): -0.8, 0.4, 0.3, 0.2, 0.9, 0.5, 0.3, 0.5, 0.9. Es gibt erstmal keinen Grund, diese Werte und nicht andere -auszuwählen. Sie sind zufällig gefällt und die einzige Bedingung, die sie erfüllen müssen, ist, dass jeder -dieser Werte im Intervall $\left[ 0, 1 \right]$ liegen soll. - -Schließlich müssen wir die Neuronen der Eingabeschicht mit unseren Ausgangsdaten füllen. Unsere Ausgangssituation -graphisch dargestellt ist dann die folgende: - - \begin{figure}[H] - \centering - \includegraphics{/assets/images/ki-begriffsklaerung/image2.png} - \caption{Einfaches neuronales Netz}\label{fig:start_network} - \end{figure} - - \subsection{Vorwärtspropagation} - -Im nächsten Schritt wird die verdeckte Schicht gefüllt. Da wir zwei Neuronen in der Eingabeschicht haben und -jedes davon ist den Neuronen der verdeckten Schicht verbunden ist, führen jeweils zwei Synapsen von der -Eingabeschicht zu einem der Neuronen der verdeckten Schicht. Wir multiplizieren den Wert des Neurones der -Eingabeschicht mit den Gewichten der daraus ausgehenden Synapsen, addieren die Ergebnisse zusammen und schreiben -das Endergebnis in das entsprechende Neuron der mittleren Schicht. Die Werte jedes der Neuronen der -verdeckten Schicht werden also wie folgt berechnet: - - \begin{equation} - \begin{split} - 0{,}03 \cdot 0{,}8 + 0{,}05 \cdot 0{,}2 = 0{,}034\\ - 0{,}03 \cdot 0{,}4 + 0{,}05 \cdot 0{,}9 = 0{,}057\\ - 0{,}03 \cdot 0{,}3 + 0{,}05 \cdot 0{,}5 = 0{,}034 - \end{split}\tag{Verdeckte Schicht} - \end{equation} - - \begin{figure}[H] - \centering - \includegraphics{/assets/images/ki-begriffsklaerung/image3.png} - \caption{Einfaches neuronales Netz}\label{fig:before_activation} - \end{figure} - - \subsection{Aktivierungsfunktion} - -Da die Eingabe (die Stunden) nicht im Intervall $\left[ 0, 1 \right]$ liegt, verwenden wir eine -\textit{logistische Aktivierungsfunktion}, deren Wertebereich $f(x) \in \mathbb{R} \mid 0 \leq x \leq 1$ ist: -„The output result produced by the logistic function will always assume real values between zero -and one.“\autocite[15]{silva:ai} - - \begin{equation} - f(x) = \frac{1}{1 + e^{-x}} \tag{Aktivierungsfunktion} - \end{equation} - -So bekommen wir nach den anschließenden Berechnungen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zahl zwischen 0 und 1, -die anschließlich mit 100 multipliziert werden kann, um so auf die Prozente zu kommen. - -Wir wenden zunächst die Aktivierungsfunktion auf jeden der vorher berechneten Werte an und schreiben -das Ergebnis ebenfalls in die verdeckte Schicht. - - \begin{equation} - \begin{split} - f(0{,}034) \approx 0{,}509\\ - f(0{,}057) \approx 0{,}514\\ - f(0{,}034) \approx 0{,}509 - \end{split} - \end{equation} - - \begin{figure}[H] - \centering - \includegraphics{/assets/images/ki-begriffsklaerung/image4.png} - \caption{Einfaches neuronales Netz}\label{fig:activation} - \end{figure} - -Es bleibt jetzt nur noch dieselbe Berechnung durchzuführen wie mit der Eingabeschicht: Jeder der Werte -der verdeckten Schicht wird mit dem entsprechenden Gewicht multipliziert und alle Ergebnisse werden -anschließend summiert. - - \begin{equation} - \begin{split} - 0{,}509 \cdot 0{,}3 = 0{,}1527\\ - 0{,}514 \cdot 0{,}5 = 0{,}257\\ - 0{,}509 \cdot 0{,}9 = 0{,}4581 - \end{split} - \end{equation} - - \begin{equation} - \begin{split} - 0{,}1527 + 0{,}257 + 0{,}4581 \approx 0{,}87 - \end{split} - \end{equation} - -Hier ist das komplett ausgefüllte neuronale Netz für unsere Testperson: - - \begin{figure}[H] - \centering - \includegraphics{/assets/images/ki-begriffsklaerung/image5.png} - \caption{Einfaches neuronales Netz}\label{fig:complete_network} - \end{figure} - - \subsection{Fehlerrückführung} - -Man muss einsehen, dass das Resultat, zu dem wir am Ende kamen, absolut zufällig ist. -In fast jeder Berechnung wurden Gewichte verwendet, die am Anfang zufällig ausgewählt wurden. -Das heißt, wenn ich mich für andere Gewichtung entschieden hätte, käme auch etwas anderes dabei -heraus. Und das ist jetzt die Aufgabe, die bevorsteht: die Gewichtung so anzupassen, dass sie -zu einem genaueren Ergebnis führt. Dieser Schritt heißt \textbf{Fehlerrückführung}. Man versucht -hier den Fehler geringer zu machen. In unserem Fall ist das Ergebnis, das wir erwartet haben, 0.7. -Statdessen haben 0.87, was um 0.17 größer als das erwartete Ergebnis. Wenn wir diese Distanz -zwischen dem aktuellen und dem erwarteten Ergebnis geringer machen, \textit{trainieren} -wir das neuronale Netz. - -Es gibt mehrere Methoden, die Fehlerrückführung durchzuführen. Die einfachste (und die schlechteste -für die Praxis, weil sie für ein größeres Netz zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde) wäre, einige der -Gewichte zu ändern (man kann dafür wiederum andere zufällige Zahlen von 0 bis 1 verwenden), und -alles dann nochmal mit diesen neuen Gewichten berechnet. Wenn man zu einem besseren Ergebnis kommt, -kann man versuchen, die Gewichtung weiter anzupassen, bis das Resultat zufriedenstellend ist. Wenn -das Ergebnis noch schlechter wird, versucht man dasselbe mit anderen Gewichten. - -Das heißt, die \textbf{Vorwärtspropagation} und \textbf{Fehlerrückführung} werden mehrmals wiederholt, -bis das Endresultat ausreichend genau ist. Schließlich ist eine Testperson für das Trainieren des -neuronalen Netzes nicht ausreichend. Wenn wir weitere Daten erhalten, können wir sie genauso -einsetzen, und den Endwert mit denselben Gewichten für diese neuen Daten berechnen. Dann können -wir versuchen, die Gewichtung so anzupassen, dass für die beiden Fälle ein genaueres Ergebnis -herauskommt. Dann ziehen wir noch eine dritte Testperson hinzu und so weiter\dots{} Irgendwann haben -wir die Gewichtung so gewählt, dass wir damit rechnen können, dass wenn wir dem Netz neue Daten -übergeben, wir eine gute Einschätzung für die Endnote bekommen. Es ist kaum möglich mit dem oben -aufgeführten Netz. Neuronale Netze sind in der Praxis viel komplexer und haben mehrere verdeckte -Schichten, was genauere Anpassung der Gewichte ermöglicht. - - \section{Lernerfolg. Turing-Test} - -Im Zusammenhang mit dem maschinellen Lernen sprechen wir vom Lernerfolg. Allerdings wurde es noch nicht -geklärt, was Erfolg in diesem Fall bedeutet. - -Um einen gewöhnlichen Einwand gegen den Erfolg der künstlichen Intelligenz zu erläutern, konstruieren -wir ein futuristisches Beispiel, das in einer oder der anderen Form zum Thema vieler Filme der letzten -Jahre geworden ist. Sagen wir, die Menschen haben einen Supercomputer entwickelt, dessen künstliche -Intelligenz dermaßen fortgeschritten ist, dass er selbst weitere Maschinen entwerfen und produzieren kann. -So beginnt eine neue Ära, in der die Maschinen sich selbt ohne die Einmischung des Menschen entwickeln. -Schlussendlich wird der Mensch zu einer überholten, schwachen Spezies, deren Existenz nicht mehr förderlich -für den weiteren technischen Fortschritt ist, sodass der mächtige Supercomputer sich dazu entscheidet, -die menschliche Art auszulöschen. Nun hatte der Supercomputer, der eine solche Macht erlangt hat, alles über -die Wissenschaft und Technik gelernt, was der Mensch je hätte lernen können, und diese Kenntnisse noch -weiter gebracht hat. Man könnte sich aber fragen, ob der Erfolg des Lernens an der Anzahl der Erkenntnisse -gemessen werden kann. In dem aufgeführten Beispiel hat sich die Technik, die der Mensch sich zuhilfe -schuf, hatte gegen den Menschen gewendet und so gegen das moralische Prinzip, nach dem das menschliche -Leben einen Wert an sich hat, verstoßen. - -Wenn wir also vom Erfolg sprechen, beziehen wir den Erfolg nicht nur auf die eigentliche Tätigkeit (das -Erwerben von Erkenntnissen), sondern auch auf das Endresultat --- wie die erworbenen Erkenntnisse angewandt -werden. Bei der Bewertung ihrer Anwendung braucht man wiederum eine Ethik, die es ermöglicht, zu beurteilen, -ob die Anwendung richtig oder falsch, gut oder böse ist. Man sieht sofort, wie schnell das Problem des Erfolgs -sehr komplex und unübersichtlich wird. Ich werde deswegen dafür argumentieren, dass der Erfolg des -Lernens nur in dem Sinne des unmittelbaren Erfolgs ohne die Einbeziehung der Konsequenzen verstanden werden -muss. Desweiteren werde ich versuchen den Erfolg anhand des Turing-Tests etwas genauer zu bestimmen. - -Alan Turing stand vor einem ähnlichen Problem, als er das, was wir heute Turing-Test nennen, vorgeschlagen -hat. Das Lernen, die Suche nach Gesetzmäßigkeiten und die Anwendung des Gelernten und Erforschten sind -wichtige Aspekte menschlicher Denktätigkeit. Wenn wir davon sprechen, dass die Computer selbstständig -lernen, stellt sich die Frage, ob sie dann auch denken kennen? Um zu sagen, ob die Computer denken -können, muss man dann definieren, was das Denken eigentlich ist und dann schauen, ob diese Definition -auf die Computersysteme angewandt werden kann. - -Nun ist es aber alles andere als trivial, eine Definition für das Denken zu finden. Das eigentliche Problem -besteht aber nicht darin, dass eine solche Definition eine schwierige Aufgabe ist, sondern darin, dass -die Angabe einer Definition des Denkens sich sowohl dem Interessenbereich der Technik als auch -dem Interessenbereich der Wissenschaft entzieht. Wir verbinden das Denken mit den Gehirnaktivitäten. Aber -spielt es für einen Gehirnforscher in seiner wissenschaftlichen Forschung eine Rolle, was das Denken ist? -Er kann durchaus eine private Überzeugung haben, dass das, was wir unter dem Denken verstehen, nichts weiter -als die Gehirnaktivität ist, oder, dass das, was wir im Gehirn beobachten, nur auf eine bestimmte Weise -unser Denken repräsentiert. Aber ob er sich für die erste Möglichkeit, oder für die zweite, oder für eine -dritte entscheidet, ist für seine eigentliche wissenschaftliche Forschung von wenig Bedeutung. Auch -umgekehrt: Wenn man eines Tages weiß, dass man jede geistige Aktivität auf Gehirnaktivitäten zurückführen -kann, bedeutet es, dass ich mich ab dann für einen vollständig von den physikalischen Gesetzen -bestimmten Bio-Roboter halte, der keinen eigenen Willen hat? - -Es ist ganz natürlich den Gegenständen menschliche Eigenschaften und Aktivitäten zuzurschreiben: -„Der Computer \textit{will} nicht funktionieren“. Natürlich kann es bei einem kaputten -Rechner keine Rede vom Willen sein. Das ist bloß eine Redewendung. Aber wenn die Computer viel -leistungsfähiger werden, passiert die Zuschreibung viel bewusster, wir fangen an, von ihrer Intelligenz, -ihrem Denken oder dem Erfolg ihrer Aktivitäten zu sprechen. Diese Begriffe sind aber in der Sprache sehr -oft ambivalent und werden intuitiv verwendet. Deswegen ist es auch problematisch, sie auf andere -Gegenstände zu übertragen. - -Um das höchstproblematische Reden vom Denken im Fall der Computer zu vermeiden, hat Alan Turing -„The Imitation Game“\autocite[433f]{turing:mind} vorgeschlagen. Dieses Imitationsspiel -wird von drei Personen gespielt: einem Mann (A), einer Frau (B) und einem Fragesteller (C), dessen -Geschlecht für das Spiel irrelevant ist. Der Fragesteller kennt die beiden anderen Personen A und B -nicht und befindet sich in einem anderen Raum. Das Ziel des Spiels für den Fragesteller besteht -darin, richtig zu erraten, wer von A und B ein Mann und wer eine Frau ist. Dabei kann der Fragesteller -den übrigen Spielteilnehmern Fragen stellen und Antworten auf seine Fragen bekommen. Die Teilnehmer -kommunizieren miteinander so, dass der Befragende und die Befragten einander weder sehen noch -hören können, zum Beispiel sie könnten einander Texte über das Internet versenden. A und B sind nicht -verpflichtet, ehrliche Antworten auf die Fragen zu geben. Die Aufgabe von A ist, dem Befragenden zu -helfen, B soll ihn im Gegenteil in die Irre führen.\autocite[433f]{turing:mind} - - \begin{quote} -We now ask the question, „What will happen when a machine takes the part of A in this -game?“ Will the interrogator decide wrongly as often when the game is played like this -as he does when the game is played between a man and a woman? These questions replace our -original, „Can machines think?“\autocite[434]{turing:mind} - \end{quote} - -Das heißt, die Maschine soll die Rolle eines Spielers --- entweder A oder B --- übernehmen. Es gibt -keine Frau, keinen Mann und Fragesteller mehr, sondern einen Menschen, eine Maschine und den -Fragesteller (menschlich). Wenn es für den Fragesteller genauso schwierig ist, ohne einen direkten -Kontakt eine Maschine von einem Menschen zu unterscheiden, wie eine Frau von einem Mann, dann hat -die Maschine den Turing-Test bestanden. - -Im Grunde, um den Erfolg des Lernens eines Computersystems zu bewerten, wird hier eine funktionale -Beschreibung verwendet. Anstatt nach der Washeit der Dinge zu fragen: Was ist Denken? Was ist Erfolg? -Können diese Begriffe auf ein Computersystem angewandt werden?, fragt man, ob und wie gut das System -eine bestimmte Funktion ausführen, einen Test bestehen kann. Der Turing-Test scheint mir auch die beste -Methode zu sein, um den Erfolg des Lernes eines Computersystems zu bewerten. Vor allem, weil so ein -funktionaler Test einen Aufschluss darüber gibt, welche Stufe in der Entwicklung der künstlichen -Intelligenz man bereits erreicht hat, und was noch verbessert werden muss, um den Lernerfolg zu -vergrößern. Er gibt auch eine Skala an, von der abgelesen werden kann, ob ein Algorithmus bessere -Ergebnisse liefert als ein anderer. Dies ermöglicht den technischen Fortschritt und die Verbesserung -der Algorithmen. Diese Skala gibt es aber nicht oder sie ist sehr verschwommen, wenn der Lernerfolg eine -ethische Perspektive haben soll. - -Was ich hiermit nicht sagen will, ist, dass die Ethik für die Entwicklung der -künstlichen Intelligenz unwichtig ist. Es macht nur wenig Sinn sie in die Definition des Lernerfolgs -eines künstlichen Systems einzubeziehen. Um so ein System weiter zu entwickeln, braucht man eine -technische Definition des Erfolgs, die ermöglicht, die Schwächen dieses Systems aufzuzeigen, an denen -noch gearbeitet werden soll. Eine voreilige Einbeziehung einer ethischen Bewertung würde den Fortschritt -im Bereich der künstlichen Intelligenz unnötig verkomplizieren und verlangsamen. Eine ethische Bewertung -der künstlichen Intelligenz als solchen und dessen, wie sie eingesetzt wird, ist im Gegenteil nützlich -und nötig, um die Möglichkeit einer bösartigen Anwendung deren zu verringern. - -Ich meine auch nicht, dass eine ethische Auseinandersetzung der technischen Entwicklung zeitlich -folgen soll. Es kann zu spät sein, sich mit etwas auseinanderzusetzen, was schon da ist. Vielmehr sollen -die Bereiche des Technischen und Ethischen voneinander getrennt sein. Wenn ein Informatiker oder ein -Mathematiker an einem neuen Algorithmus für maschinelles Lernen arbeitet, ist er wahrscheinlich -gar nicht daran interessiert, ein künstliches System zu erschaffen, das ihm ermöglicht, die Welt -zu beherrschen, womöglich ist er nur an seinem Fach interessiert und will sehen, wie weit man die -künstliche Intelligenz bringen kann. Natürlich soll man sich Gedanken darüber machen, was passiert, -wenn man den neuen Algorithmus oder die neue Technologie auf den Markt bringt, das darf aber nicht -der eigentlichen Forschung im Wege stehen. - - \section{Dritt- und Erstperson-Perspektive} - -Kommen wir auf die Frage „Können die Maschinen denken?“ zurück. Was ist an dieser -Frage so problematisch, sodass Alan Turing sie umzugehen suchte, außer dass der Begriff -„Denken“ schwierig zu definieren ist. Oder warum ist er schwierig zu -definieren? Das Denken für den Menschen ist ein \textit{Erlebnis}, das heißt ich erlebe mich -selbst als ein denkendes Wesen. Ich gehe davon aus, dass auch die anderen Menschen sich als -denkende Wesen erleben, obwohl ich nicht mit Sicherheit sagen kann, wie sich das Denken eines -anderen Menschen für ihn anfühlt, was und wie er denkt. Man denke nur an die Diskussionen, ob -Tiere Freude oder Leiden empfinden können, ob sie denken können. Es ist relativ naheliegend, -dass andere Menschen denken können, aber es ist nicht klar, ob man das von den anderen Lebewesen -behaupten kann. Desto unklarer ist es, wenn man von etwas spricht, was überhaupt kein -Lebewesen ist. - -Anstatt der Maschine einen Geist und eine Art Innerlichkeit zuzuschreiben, entwickelt sich aber -die Tendenz, den Menschen mechanisch zu verstehen. Wenn Sören Kierkegaard sagt: -„Der Mensch ist Geist“\autocite[11]{kierkegaard:krankheit}, so heute ist der Mensch immer -öfter sein Gehirn: „In Germany, leading neuroscientists like Wolf Singer and Gerhard -Roth are omnipresent in TV and press. They speak of the brain as if they were talking about a -person.“\autocite[164]{foerster:neuroturn} Kierkegaards Mensch und sein Geist waren nicht bloß -eine immaterielle Substanz, sondern vielmehr eine Synthese „aus Unendlichkeit und Endlichkeit, -aus dem Zeitlichen und dem Ewigen, aus Freiheit und -Notwendigkeit, [\dots]“\autocite[11]{kierkegaard:krankheit} Ob die Beschreibung des Menschen -als Gehirn genauer zutrifft, ist fraglich. Yvonne Förster in ihrem Artikel „Effects of the -Neuro-Turn: The Neural Network as a Paradigm for Human Self-Understanding“ macht darauf -aufmerksam, dass obwohl bei der Erforschung des Gehirns nur die Drittperson-Perspektive in die Betrachtung -einbezogen wird, eine Verschiebung der Terminologie von der Philosophie zu den Neurowissenschaften -stattfindet: - - \begin{quote} - While phylosophy works with concepts, experience, reflection, and linguistic - description, neuroscience, on the other hand, uses these philosophical terms within - a third-person framework of observation, imaging techniques, and - measurements.\autocite[163]{foerster:neuroturn} - \end{quote} - -Eine Reihe von Begriffen, wie der freie Wille oder das Bewusstsein, für die die Innenperspektive -unentbehrlich ist, werden aus der Drittperson-Perspektive beurteilt und beschrieben. -Doris Nauer spricht auch davon, dass bei der Erforschung geistiger Funktionen -„NaturwissenschaftlerInnen zunehmend die Interpretationsgrenzen rein naturwissenschaftlicher -Forschung überschreiten“.\autocite[35]{nauer:seelsorge} -Außerdem merkt Förster an, dass die Neurowissenschaften keinen direkten Zugang auch zum Gehirn oder den -Neuronen selbst haben, vielmehr arbeiten sie mit Modellen: - - \begin{quote} - The neural gains its visibility only via technology. The process of making the neural visible is - not a simple representation of something otherwise hidden. Rather it is a production of images by - means imaging techniques. What we get to see is not the inside of our skull, not copies of our - neurons, but reconstructions modeled according to a certain set of rules of computation. The neural - net as we know it from neuroscientific imagery is not a photograph of brain parts. It is deeply - technological mediated.\autocite[172]{foerster:neuroturn} - \end{quote} - -Das Selbstverständnis des Menschen und das Verständnis der Maschine und der künstlichen Intelligenz sind -voneinander abhängig. Wenn wir die Maschinen konstruieren, die selbst lernen und vielleicht denken können, -und so den Menschen nachahmen, lernen wir auch etwas über die menschlichen Denkprozesse und dem -Zusammenhang zwischen dem Bewusstsein und dem Gehirn. Andererseits um -zu entscheiden, ob die Maschinen denken oder ein geistiges Leben haben können, ist unser Menschenbild -wichtig, weil es von ihm abhängt, ob sich das, was wir unter dem Menschen verstehen, auf die Maschine -übertragen lässt. - - \section{Zum Begriff der Intelligenz} - -Eine der Fragen, die sich noch stellen, ob wir im Falle der künstlichen Intelligenz überhaupt von -der \textit{Intelligenz} sprechen kann, wie wir von der menschlichen sprechen. Ich möchte von vornherein -sagen, dass diese Frage nicht eindeutig zu beantworten ist. Von einem Menschen zu sagen, er sei intelligent, -ist nicht dasselbe, wie zu sagen: „Zwei ist eine gerade Zahl“. - -Erstens, je nachdem wer das Wort „intelligent“ sagt, kann man darunter unterschiedliche -Eigenschaften meinen. Für einen mag intelligent derjenige sein, der über viele Fachkentnisse in -einem bestimmten Bereich verfügt. Für einen anderen ist es der, der allgemein gebildet ist und nicht -nur in bestimmten Bereichen. Für den dritten spielen die erworbenen Kenntnisse überhaupt eine geringere -Rolle, viel wichtiger, um intelligent zu sein, sei es, schlau zu sein, schnell die Lösungen für die -auftretenden Probleme zu finden. - -Zweitens hängt die Antwort auf die Frage, ob man so eine Eigenschaft wie „Intelligenz“ -auf eine Maschine übertragen kann, sehr stark von anthropologischen Ansichten der jeweiligen Person. -Ist der Mensch selbst wahrscheinlich nichts weiter als eine Art von der Natur erschaffener Roboter? -In diesem Fall kann wohl auch eine vom Menschen konstruierte Maschine Intelligenz haben. Wenn der Mensch -dagegen ein geistiges Wesen ist, das nicht vollständig durch physikalische Gesetze determeniert ist, -dann ist es qualitativ etwas anderes als eine Maschine und man könnte argumentieren, dass deswegen bestimmte -Eigenschaften wie Intelligenz nur dem Menschen zugeschrieben werden können. - -Der Stand der Entwicklung rechtfertigt nicht immer die Anwendung des Begriffes „Intelligenz“ -im Bezug auf die Maschinen. Bereits heutige Computer sind in bestimmten Bereichen -intelligenter als die Menschen. Zum Beispiel kann jeder der heutigen Prozessoren (oder CPU, -\textbf{C}entral \textbf{P}rocessing \textbf{U}nit) einfache Berechnungen, wie Multiplizieren, -Dividieren, Addieren oder Substrahieren, vielfach schneller durchführen als ein Mensch. Und diese -Fähigkeit besitzten bereits die Computer der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als die künstliche -Intelligenz noch nicht so verbreitet war. Schnelles Rechnen kann auch ein Merkmal der Intelligenz sein. -Und doch spricht man von der künstlichen Intelligenz meistens in Bezug auf maschinelles Lernen. Dies zeigt, -dass wenn man von intelligenten Maschinen spricht, meint man eine bestimmte Art von der Intelligenz, und -zwar meint man die Maschinen, die das Können besitzen, nicht nur die einprogrammierten -„Kenntnisse“ anzuwenden, sondern auch neue Erkenntnisse selbstständig zu gewinnen. Das heißt -Intelligenz knüpft hier an die \textit{schöpferische} Kraft des Menschen, an die Kraft etwas neues -zu \textit{erschöpfen}. Natürlich ist es nicht dasselbe wie Erschaffen eines Kunstwerkes oder eines -Musikstückes, weil das, was erkannt wird, schon da ist, es nicht aus Nichts geschaffen wird. Und doch -ist auch das Gewinnen der Erkenntnisse aus der Erfahrung, die vorher nicht waren, ist das Gewinnen von -etwas \textit{neuem}, also ein schöpferischer Vorgang. Und dieser Übergang zwischen einer die Befehle -ausführenden und einer lernenden Maschine ist wohl die Grenze, ab der die Maschinen -\textit{intelligent} werden. - -Wie weit die künstliche Intelligenz reicht oder reichen kann, lässt sich noch nicht sagen. Wir haben -noch keine Roboter, die malen, Romane oder Lieder schreiben oder physikalische Gesetze entdecken. Wie -am Beispiel mit dem neuronalen Netz gezeigt wurde, geht es bei maschinellem Lernen um das Erkennen -bestimmter Muster in der Eingabedaten. Falls so ein Muster tatsäschlich erkannt wurde, dann können anhand -dessen auch neue Daten ausgewertet werden. Dem lernenden System geht es nicht um die Forschung oder die -Suche nach der Wahrheit. Und hier ist es nicht mal wichtig, was Wahrheit ist, und ob es sie gibt. Wenn -ein Schriftsteller schreibt, sehnt er oft aus dem tiefsten seines Herzens, seinen Lesern etwas -mitzuteilen, seine Wahrheit zu verkünden. Auch ein Forscher kann von diesem Gefühl bewegt werden, -selbst wenn seine Theorie sich später als falsch erweist, hat er versucht, etwas Wahres zu entdecken. -Ein lernendes System hat überhaupt keinen Sinn für die Wahrheit. Es wurde programmiert, um Muster in -den Daten zu erkennen und das tut es. Wenn ich weiß, wie ein System aufgebaut ist, kann ich es von -vornherein mit manipulierten Daten füttern, sodass es etwas falsch lernt, und es wird sich nicht -betrogen fühlen. Wobei ich zugeben muss, dass es auch einem Menschen passieren kann, dass er sich -auf falsche, falsch ausgewählt Daten, stützt, und deswegen zu inkorrekten Ergebnissen gelangt. - -Die Mustererkennung ist wichtig auch für das menschliche Überleben. Allerdings vermag der Mensch auch -abstrakt zu denken. Es gibt zum Beispiel in der Natur keine Zahlen, es gibt nur abzählbare Gegenstände. -Man muss sich von den einzelnen Gegenständen beziehungsweise ihrer endlichen Anzahl abstrahieren können, -um auf die unendliche Menge von natürlichen Zahlen kommen. Diese Fähigkeit zum abstrakten Denken ist etwas, -was den Menschen gegenüber den Maschinen immer noch auszeichnet. - - \section{Grenzen der Anwendung von maschinellem Lernen} - -Zwar ist die künstliche Intelligenz zum selbstständigen Lernen fähig, ist kein selbstständiges -Lebewesen wie der Mensch, sondern nur ein Instrument unter vielen anderen. - -Nehmen wir an, wir wollen quadratische Gleichungen in der Normalform lösen: - -\begin{equation} - x^2 + px + q = 0 -\end{equation} - -Dafür beabsichtigen wir ein Programm zu schreiben, das die 2 Parameter, $p$ und $q$, als -Eingabewerte annimmt und die Gleichung nach $x$ auflöst. Man kann diese Aufgabe durchaus mithilfe der -künstlichen Intelligenz lösen. Wir entwerfen ein neuronales Netz, das zwei Neuronen in der -Eingabeschicht und zwei in der Ausgabeschicht hat. Dann lösen wir einige Tausende solcher Gleichungen -selbst und übergeben die Eingaben und die Lösungen dem Netz, damit es aus diesen Daten lernen kann. -Dann testen wir, ob das Netz nun selbst richtige Antworten produzieren kann. Wenn es nicht der Fall -sein soll, bereiten wir weitere Angaben und Lösungen vor. Irgendwann haben wir das neuronale Netz -ausreichend trainiert, sodass es jetzt selbst solche Gleichungen lösen kann. - -Eigentlich wissen wir aber, wie man eine quadratische Gleichung löst. Genauso gut könnten wir den folgenden -Algorithmus in einem Programm implementieren:\autocite[Vgl.][10f]{lothar:math} - -\begin{enumerate} - \item Berechne die Diskriminante $D$: - \begin{equation} - D = {(p/2)}^2 - q - \end{equation} - - \item Wenn $D \geq 0$ ist, gibt es zwei reelle Lösungen: - \begin{equation} - x_{1/2} = -\frac{p}{2} \pm \sqrt{D} - \end{equation} - - \item Wenn $D < 0$ ist, gibt es zwei konjugiert komplexe Lösungen:\autocite[Vgl.][676]{lothar:math} - \begin{equation} - x_{1/2} = -\frac{p}{2} \pm j \cdot \sqrt{\left|D\right|} - \end{equation} -\end{enumerate} - -Der Aufwand, dieses Programm, zu schreiben ist viel geringer als die Variante mit der künstlichen -Intelligenz. Was noch viel wichtiger für ein Programm, das mathematische Berechnungen durchführt, ist, -ist, dass wir wissen, dass, wenn der Algorithmus korrekt implementiert ist, er richtige Ergebnisse -liefert. Im Falle des neuronalen Netzes ist es nicht so. Wenn das neuronale Netz komplex genug ist, -können wir nicht mehr nachvollziehen, wie eine bestimmte Berechnung durchgeführt wird, das heißt, wir -können nicht überprüfen, ob der Algorithmus für alle Paare $p$ und $q$ das richtige Ergebnis liefert. -Für die Anwendungsfelder des maschinellen Lernens ist eine solche Genauigkeit auch nicht unbedingt -erforderlich. Wenn ein soziales Netzwerk setzt künstliche Intelligenz ein, um gezielte Werbung -anzuzeigen, dann ist es durchaus vorteilhaft, wenn die Werbung den Nutzer anspricht, aber es ist immer -noch zulässig, wenn die Wahl der Werbung nicht optimal ist. Es genügt, wenn die Werbung -\textit{interessant genug} für den Nutzer ist, oder dass ein gewisser Profit durch sie erreicht wird. - -Künstliche Intelligenz ist keine universelle Lösung für alle Probleme. Sie ist sehr nützlich für -die Auswertung von großen Mengen an Daten und für die Suche nach Mustern in diesen, aber ist noch -nicht fähig abstrakte, e\@.g\@. mathematische Probleme zu lösen. - - \section{Fazit} - -Über viele Fragen lässt es heute nur spekulieren. Können die Maschinen alle Tätigkeiten ausüben, die -die Menschen ausüben? Sind sie eine neue Evolutionsstufe, sodass sie die Menschen eines Tages -verdrängen und überflüssig machen? Oder werden die Maschinen und Menschen weiterhin friedlich -coexistieren? Einige Autoren versuchen bereits diese Fragen zu beantworten. Ich wage heute noch nicht, -auf sie eine Antwort zu geben. Schließlich ist die Entwicklung der Wissenschaft und der Technik -auch von einer Reihe von sozialen, politischen und wirtschaflichen Faktoren mitbestimmt. - -Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen ist ein junges Konzept, dem viel Aufmerksamkeit von -verschiedenen Siten geschenkt wird. Die Technik und Informatik sind daran interessiert, weil es ermöglicht -neue, selbst „denkende“ Programme zu schreiben; Naturwissenschaften hoffen durch künstliche -auch die menschliche Intelligenz besser zu verstehen; man sieht auch Potenzial, den Menschen noch mehr -vom Last der Arbeit zu befreien, aber man warnt auch vor den Gefahren der Verselbständigung der -Computertechnik oder deren Missbrauch. Naturwissenschaftliche Forschung hatte schon fatale Folgen, sie -ermöglichte zum Beispiel eines Tages die Erschaffung der Atomwaffen, was vielen unschuldigen Menschen -ihr Leben kostete. Doch sie hat auch einen soliden Beitrag zur modernen Medizin und Technik geleistet, -auf die wir uns jeden Tag verlassen. Um die künstliche Intelligenz scheint es ähnlich zu stehen: Es ist -ein kontroverses Thema. diff --git a/themes/posts/2019/08/das-licht-erlischt.tex b/themes/posts/2019/08/das-licht-erlischt.tex deleted file mode 100644 index 8e8456d..0000000 --- a/themes/posts/2019/08/das-licht-erlischt.tex +++ /dev/null @@ -1,52 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2019-08-14 19:36:00 -tags: Gedicht -title: Das Licht erlischt… -teaser: | - <p> - Das Licht erlischt, die Stimmen sinken,<br> - die Dunkelheit verschlingt den Saal.<br> - Die Töne fangen an zu ringen<br> - und durch die Reihen fließt ein Strahl. - </p> - <p> - Ein Mädchen steht mit spröden Lippen<br> - und kontrolliert die Gäste bald.<br> - Es dreht nur schnell die zweite Kippe.<br> - Der Abend draußen ist windig, kalt. - </p> - <p> - Den Saal betritt ein kühner Künstler,<br> - der nun sein langes Lied beginnt.<br> - Das Stück ist anfangs trist und düster,<br> - damit das Glück am Schluss gewinnt. - </p> - <p> - Das Mädchen rollt jetzt schon die dritte<br> - und grübelt über etwas nach;<br> - Sei dies die Arbeit und die Sitten,<br> - sei dies die Hoffnung, die zerbrach. - </p> ---- -\textit{Ra} - -Das Licht erlischt, die Stimmen sinken,\\ -die Dunkelheit verschlingt den Saal.\\ -Die Töne fangen an zu ringen\\ -und durch die Reihen fließt ein Strahl. - -Ein Mädchen steht mit spröden Lippen\\ -und kontrolliert die Gäste bald.\\ -Es dreht nur schnell die zweite Kippe.\\ -Der Abend draußen ist windig, kalt. - -Den Saal betritt ein kühner Künstler,\\ -der nun sein langes Lied beginnt.\\ -Das Stück ist anfangs trist und düster,\\ -damit das Glück am Schluss gewinnt. - -Das Mädchen rollt jetzt schon die dritte\\ -und grübelt über etwas nach;\\ -Sei dies die Arbeit und die Sitten,\\ -sei dies die Hoffnung, die zerbrach. diff --git a/themes/posts/2020/03/kleines-madchen.tex b/themes/posts/2020/03/kleines-madchen.tex deleted file mode 100644 index fc27157..0000000 --- a/themes/posts/2020/03/kleines-madchen.tex +++ /dev/null @@ -1,41 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2020-03-13 15:09:00 -tags: Gedicht -title: Kleines Mädchen -teaser: | - <p> - Du, kleine Wölfin, blickst einsam und öde;<br> - Auch ich war mal früher ein trüber Selbstmörder,<br> - lag auch mit'm Rasierer in blutiger Wanne<br> - und atmete schweigend mein Marihuana. - </p> - <p> - Du siehest, wie friedlich die Kühe dort weiden,<br> - kristallene Berge im Nebel sich weiten.<br> - Wir richten die Säulen, verschieben die Grenzen.<br> - O, kleine Wölfin mit Blick voll Entsetzen. - </p> - <p> - Versinke in Träumen, schlaf süß und gelassen.<br> - Dein Elternhaus steht nunmehr wüst und verlassen,<br> - mit Dornen verwachsen die Gräber und Platten.<br> - O, kleine Wölfin mit Blick eines Schattens. - </p> ---- -Du, kleine Wölfin, blickst einsam und öde;\\ -Auch ich war mal früher ein trüber Selbstmörder,\\ -lag auch mit'm Rasierer in blutiger Wanne\\ -und atmete schweigend mein Marihuana. - -Du siehest, wie friedlich die Kühe dort weiden,\\ -kristallene Berge im Nebel sich weiten.\\ -Wir richten die Säulen, verschieben die Grenzen.\\ -O, kleine Wölfin mit Blick voll Entsetzen. - -Versinke in Träumen, schlaf süß und gelassen.\\ -Dein Elternhaus steht nunmehr wüst und verlassen,\\ -mit Dornen verwachsen die Gräber und Platten.\\ -O, kleine Wölfin mit Blick eines Schattens. - -\textit{(Frei übersetzt nach гр. Крематорий "Маленькая девочка")} diff --git a/themes/posts/2020/05/medizin.tex b/themes/posts/2020/05/medizin.tex deleted file mode 100644 index 754cadc..0000000 --- a/themes/posts/2020/05/medizin.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2020-05-02 22:28:00 -tags: Gedicht -title: Medizin -teaser: | - <p> - Ich kam zum Arzt mit meinen Schmerzen.<br> - Er sieht mich an und sagt vom Herzen:<br> - Schlägt der Tod Euch noch nicht nieder,<br> - kommt in einem Monat wieder. - </p> ---- -Ich kam zum Arzt mit meinen Schmerzen.\\ -Er sieht mich an und sagt vom Herzen:\\ -Schlägt der Tod Euch noch nicht nieder,\\ -kommt in einem Monat wieder. diff --git a/themes/posts/2020/08/blog-post.tex b/themes/posts/2020/08/blog-post.tex deleted file mode 100644 index eb890ae..0000000 --- a/themes/posts/2020/08/blog-post.tex +++ /dev/null @@ -1,32 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2005-04-24 21:48:00 -tags: Стихотворение -title: Тучей солнце затянуло -teaser: | - <p> - Тучей солнце затянуло,<br> - Помрачнело все вокруг.<br> - Только солнышко блеснуло<br> - И потухло снова вдруг. - </p> - <p> - Туча с каждою минутой —<br> - Все черней, черней, черней…<br> - Небо все покрылось смутой,<br> - Мороз на улице сильней.<br> - Вот дождь пошел<br> - И легче стало: воздух мягче и свежей. - </p> ---- -Тучей солнце затянуло,\\ -Помрачнело все вокруг.\\ -Только солнышко блеснуло\\ -И потухло снова вдруг. - -Туча с каждою минутой —\\ -Все черней, черней, черней…\\ -Небо все покрылось смутой,\\ -Мороз на улице сильней.\\ -Вот дождь пошел\\ -И легче стало: воздух мягче и свежей. diff --git a/themes/posts/2021/01/schuld.tex b/themes/posts/2021/01/schuld.tex deleted file mode 100644 index 7c1f3dd..0000000 --- a/themes/posts/2021/01/schuld.tex +++ /dev/null @@ -1,59 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2021-01-18 08:09:45 -tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten -title: Schuld -teaser: | - <p>Der ästhetische Mensch kennt keine Schuld, weil er sein Leben seinen - Leidenschaften allein widmet, ohne Rücksicht auf etwas anderes zu nehmen. Er - bereut nichts, fühlt sich nicht schuldig. In den von Victor Eremita - herausgegebenen Papieren findet sich die Ansicht, dass die Schuld dem - Individualismus entspringt. Ein Individuum kann nicht mehr sein Schicksal, - seinen Stamm und dessen Götter für sein Leid verantwortlich machen. Das - Individuum ist alleine seines Glückes Schmied. Diese Verantwortung, alles - unter Kontrolle zu haben, ist kaum zu ertragen. Das Religiöse bringt Erlösung - und befreit mittels eines Ritus von der individuellen Schuld.</p> ---- -Der ästhetische Mensch kennt keine Schuld, weil er sein Leben seinen -Leidenschaften allein widmet, ohne Rücksicht auf etwas anderes zu nehmen. Er -bereut nichts, fühlt sich nicht schuldig. In den von Victor Eremita -herausgegebenen Papieren findet sich die Ansicht, dass die Schuld dem -Individualismus entspringt. Ein Individuum kann nicht mehr sein Schicksal, -seinen Stamm und dessen Götter für sein Leid verantwortlich machen. Das -Individuum ist alleine seines Glückes Schmied. Diese Verantwortung, alles -unter Kontrolle zu haben, ist kaum zu ertragen. Das Religiöse bringt Erlösung -und befreit mittels eines Ritus von der individuellen Schuld. - -Nietzsche stellt dieses Verhältnis vom Ästethischen und Religiösen auf den -Kopf und sagt, dass die Schuld erst durch das Religiöse in die Welt kommt. -„Nur aesthetisch giebt es eine Rechtfertigung der Welt. Gründlicher -Verdacht gegen die Moral (sie gehört mit in die Erscheinungswelt).“ -(Friedrich Nietzsche. Kritische Studienausgabe, 2 [110], Zur „Geburt der Tragödie“). - -Dem modernen Menschen ist das Religiöse genauso fremd wie das Ästhetische, -deswegen steckt er zwischen diesen 2 Stadien, im Ethischen: sei ein treuer -Freund, ein guter Familienmensch, ein rechtschaffener Bürger. Aber kein -Mensch ist unfehlbar. Und man verschuldet sich immer mehr und schämt sich -dafür, was er getan oder nicht getan hat. - -Eine neue Weisheit lehrt, dass wir an unserem Leid selbst schuld sind, -weil wir falsch denken. So versuchen wir richtig zu denken -und unser Leid unter Bergen eingeprägter Parolen zu vergraben: „Hauptsache -glücklich sein“, „weniger denken“, „sei du selbst“, „denke positiv“. - -Das moderne Ethische hat keine Begründung, keinen Halt. Es ist einfach da, -ab dem Moment, in dem unsere Mutter uns verbietet, Finger in eine -Steckdose zu stecken, bis zum Moment, in dem wir unsere krankhaften Augen -eines Morgens vor Scham und Schmerzen nicht mehr öffnen können. Dieses Herumirren -im Ozean des Ethischen haben wir irrtümlicherweise als Freiheit oder freie -Entfaltung bezeichnet. So sind wir entweder daran schuld, dass wir keine -rechtschaffenen Bürger, guten Nachbarn, treuen Ehegatten sind, daran, dass wir -nicht normal sind; oder eben daran, dass wir rechtschaffene Bürger, gute -Nachbarn, treue Ehegatten sind, daran, dass wir normal sind (denn wir seien dann -offensichtlich nicht wir selbst, sondern wir spielen eine Gesellschaftsrolle). -„Heirate, du wirst es bereuen; heirate nicht, du wirst es auch bereuen; -entweder du heiratest oder du heiratest nicht, du bereust beides.“ -(„Entweder-Oder“, Sören Kierkegaard). So versucht der Mensch -glücklich zu sein und scheitert, und fühlt sich deswegen schuldig, weil -die wahre Glückseligkeit nach Plato unabhängig von allen äußeren Faktoren -sei, und verzweifelt daran, dass er nicht stark genug sei, glücklich zu sein. diff --git a/themes/posts/2021/08/stalin-lenin-1923.tex b/themes/posts/2021/08/stalin-lenin-1923.tex deleted file mode 100644 index 84703d2..0000000 --- a/themes/posts/2021/08/stalin-lenin-1923.tex +++ /dev/null @@ -1,24 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2021-08-18 11:00:00 -tags: Übersetzung -title: Ein Witz über die Corona-Politik und die bevorstehenden Wahlen -teaser: | - <p>Lenin und Stalin treffen sich im Jahre 1923.</p> ---- -Lenin und Stalin treffen sich im Jahre 1923. - -\textbf{Stalin:} Genosse Lenin, die Partei ist sehr besorgt um Ihre Gesundheit. Wie geht -es Ihnen? - -\textbf{Lenin:} Es geht mir, Genosse Stalin, übelst schlecht. Dr\@. Obuch sagt, dass ich -wahrscheinlich bald sterben würde. Ich weiß nicht, mein Freund, wem ich die -Macht übergeben soll. - -\textbf{Stalin:} Ich denke, mir, Genosse Lenin. - -\textbf{Lenin:} Ich befürchte, Genosse Stalin, dass das Volk Ihnen nicht folgen wird. - -\textbf{Stalin:} Dann wird es Ihnen folgen, Wladimir Iljitsch. - -\textbf{Quelle:} Городок. diff --git a/themes/posts/2021/10/bist-du-einer-unter-netten.tex b/themes/posts/2021/10/bist-du-einer-unter-netten.tex deleted file mode 100644 index 02ba27c..0000000 --- a/themes/posts/2021/10/bist-du-einer-unter-netten.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2021-10-07 09:00:00 -tags: Gedicht -title: Bist du einer unter Netten? -teaser: | - <p> - Bist du einer unter Netten?<br> - rauchst Elektrozigaretten,<br> - isst Sojafleisch, trinkst Kindersekt?<br> - Ist gar nichts echt, was dir noch schmeckt? - </p> ---- -Bist du einer unter Netten?\\ -rauchst Elektrozigaretten,\\ -isst Sojafleisch, trinkst Kindersekt?\\ -Ist gar nichts echt, was dir noch schmeckt? diff --git a/themes/posts/2023/05/oh-gott-im-himmel.tex b/themes/posts/2023/05/oh-gott-im-himmel.tex deleted file mode 100644 index 982daa6..0000000 --- a/themes/posts/2023/05/oh-gott-im-himmel.tex +++ /dev/null @@ -1,17 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2023-05-12 20:36:00 -tags: Gedicht -title: Oh Gott im Himmel, gib mir Kraft -teaser: | - <p> - Oh Gott im Himmel, gib mir Kraft,<br> - gelass'n auf Dummheit zu erwidern.<br> - Mein Zorn wird Dummheit auch nicht mindern.<br> - Es kommt, dass sie sich bald entlarvt. - </p> ---- -Oh Gott im Himmel, gib mir Kraft,\\ -gelass'n auf Dummheit zu erwidern.\\ -Mein Zorn wird Dummheit auch nicht mindern.\\ -Es kommt, dass sie sich bald entlarvt. diff --git a/themes/posts/2023/12/tishina.tex b/themes/posts/2023/12/tishina.tex deleted file mode 100644 index f2136ab..0000000 --- a/themes/posts/2023/12/tishina.tex +++ /dev/null @@ -1,25 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2023-12-10 13:10:00 -tags: Стихотворение -title: Когда умолкнут ночью стены… ---- -Когда вконец умолкнут стены,\\ -над комнатой нависнет ночь,\\ -ты тишину не дай гнать прочь\\ -теченью мыслей сокровенных. - -Прислушайся, как сердце дышит,\\ -как всякий дышит в нем предмет.\\ -И ничего в сем мире нет,\\ -что грусть твою сейчас не слышит. - -Воспрянет тишина живая\\ -из пепла мертвой тишины,\\ -что взял ее в свои ты сны,\\ -во век тебе не забывая. - -Во мраке ли, в мятежной ль буре\\ -ланитою к тебе прильнет,\\ -теплом и миром обовьет,\\ -покажет свет за абажуром. diff --git a/themes/posts/2024/09/anna.tex b/themes/posts/2024/09/anna.tex deleted file mode 100644 index 9d1f0fa..0000000 --- a/themes/posts/2024/09/anna.tex +++ /dev/null @@ -1,272 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2024-09-03 20:45:00 -tags: Aufsatz -title: Anna -teaser: | - <p> - Im nächsten Zug, in dem ich meine Fahrt fortführte, befand sich - eine Gruppe der Menschen, die untereinander gemischt Russisch und - Ukrainisch gesprochen haben. Als wir uns der Haltestelle näherten, - haben sie sich überlegt, wie sie den Rollstuhl eines ihrer Kollegen - durch den engen Gang im Zug zur Tür durchbringen können. - </p> - <p> - »Was ist mit ihm geschehen? Unfall? etwas anderes?«, fragte ein - Einheimischer ein Mädchen aus der Gruppe. - </p> - <p>»Ich weiß es nicht.«</p> - <p>»Seid ihr nicht alle zusammen?«</p> - <p> - »Oh nein, wir haben uns erst hier getroffen. Ja, ich glaube, es war ein Unfall.« - </p> ---- -\epigraph{ -Manche wilde Frühlingspflanze\\ -kann ein Gärtner tief verpflanzen.\\ -Kann auch Blumen ins Wasser stecken,\\ -und sie werden bald verwelken. -}{} - -»Entschuldigung, Gunzenhausen.« Anna sieht mich hoffnungsvoll an und -zeigt in die Richtung der Bahngleise. - -Ich bin etwas verwirrt, weil ich den Ort, den sie sucht, nicht kenne, -und mir überlege, wie ich ihr helfen kann. - -»Gunzenhausen.«, wiederholt sie nochmal. - -Die Bahnsteigtreppe steigt eine andere Frau hoch. Anna hat inzwischen -verstanden, dass mit mir nichts zu gewinnen ist, und wechselt zu dieser -Frau, die sie auf die Anzeigetafel über dem Gleis verweist, und sagt, dass es der Zug -sei, den sie nehmen wolle. Aber der Zug kommt erst in 40 Minuten. Anna -versucht der Frau etwas zu erklären. Ich höre einige russiche Wörter, -die sie versehentlich in deutsche Sätze einbaut. Vielleicht kann ich mit ihr -Russisch sprechen und herausfinden, was sie genau sucht. Das mache ich auch. -Sie sieht, dass ich mein Handy in der Hand habe, weil ich kurz davor nachgesehen habe, -welche Verbindungen es noch gibt, die mich meinem Zielort näher bringen, und fragt, -ob sie mein Handy nutzen darf, um eine andere Fahrmöglichkeit nach Gunzenhausen -zu finden. Ich gebe ihr mein Handy und bedanke mich vor der anderen Frau, die -immer noch auf dem Bahnsteig steht und uns ansieht, ohne uns zu verstehen, und -sage ihr, dass ich Anna helfen werde. - -»Kein Problem.«, verabschiedet sich die Frau und geht weiter. - -Wir bleiben allein. Leider finden wir keine anderen Züge als den, den die -Anzeigetafel ankündigt. Anna findet keine Worte, um ihren Unmut zu beschreiben: - -»Oh nein, das kann doch nicht wahr sein! In Gunzenhausen wartet ein -Taxi auf mich um 19:10. Mein Zug hat sich verspätet, deswegen -habe ich die Anschlussverbindung verpasst, und jetzt werde ich erst eine Stunde -später in Gunzenhausen ankommen als geplant. Ich hätte von dort noch -weiterfahren müssen. Unglaublich!« - -»Ich wollte auch diesen Zug erwischen, du würdest dann aber auf halbem Weg -aussteigen und ich hätte bis zum Ende der Strecke fahren müssen. Und jetzt -wird meine Heimfahrt mindestens 2 Stunden länger dauern.«, sage ich ihr mit -einem müden Lächeln im Gesicht, um ihr das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht -allein in ihrer Lage ist. - -Sie erwidert mein Lächeln und gibt mir die erste Möglichkeit, sie -genauer anzuschauen. Sie ist mir bereits im unterirdischen Gleisübergang -aufgefallen. Ich lief hinter ihr. Sie hat ein junges, gutwilliges Gesicht, -das nicht zu erkennen gibt, dass sie sich gerade Sorgen macht. Ihre hellgrünen -Augen spiegeln die Stimmung dieses hellen, sonnigen und heißen Tages wider. -Die blonden, lockigen Haare reichen knapp bis an ihre Schultern. Der linke, -dünne Träger ihres schneeweißen Kleides ist heruntergerutscht, sodass Annas linke -Schulter, ob in Eile oder mit Absicht, nackt ist. - -»Man kann sich auf die Deutshce Bahn nicht verlassen, wenn man irgendwo -pünktlich ankommen will. So ist es überall in Deutschland die letzten -Jahre.«, setze ich fort. - -»Krass, unglaublich. Was soll dieser Unfug, ich will in die Ukraine -zurück.« - -Wir gehen etwas weiter entlang des Bahnsteiges und entfernen uns von -der Treppe. Sie beschwert sich weiter, dass sie jetzt womöglich durch -einen Wald nach Hause laufen müsse, weil sie ihr Taxi verpassen werde. Ich -bin auch besorgt, weil ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich heute noch -nach Hause komme. - -»Du bist aus der Ukraine also?«, frage ich sicherheitshalber. - -»Ja.«, bestätigt sie. - -»Darf ich fragen, wie du heißt?« - -»Anna.« - -»Ich bin Eugen.« - -»Freut mich.« - -»Freut mich auch. Wie lange bist in Deutschland?« - -»Seit der Krieg ausgebrochen ist. Wie lange ist das her… 2 Jahre schon. -Wo kommst du her?« - -»Aus Russland, aus dem hohen Norden.« sage ich, »Ich bin ein Russlanddeutscher, -also ich habe sowohl deutsche als auch russische Vorfahren, und -lebe schon länger in Deutschland.«, ergänze ich meine Antwort, als ob ich mich dafür -rechtfertigen würde, dass ich in Russland aufgewachsen bin. - -In der Zwischenzeit kommt ein langer Güterzug mit ein paar leeren Waggons auf -dem Gleis gegenüber an und bleibt stehen. - -»Vielleicht können wir fragen, wohin der Güterzug fährt, vielleicht kann er uns -mitnehmen, falls er in dieselbe Richtung fährt?«, wundert sich Anna laut. - -Ich lache und sage, dass ich an sich nicht so abenteuerfreudig bin, -aber hörte, dass Jelzin in seiner Jugend so manchmal gereist haben soll. - -Meine Anmerkung bringt Lächeln auf ihr Gesicht, das weiterhin nur -Zuversichtlichkeit ausstrahlt. Wir machen uns auf den Weg zum Kopf -des Güterzuges. - -Während wir jetzt mehr sprechen, höre ich nun auch ihre ukrainische -Mundart deutlicher und mutmaße, dass sie aus der Westukraine stammt. - -Bald rührt sich auch der Güterzug und wir verstehen, dass auch aus -dieser Idee nichts wird, und kehren zurück. - -»Ich will nach Hause, in die Ukraine.«, wiederholt sie, »Es gibt hier -nichts, was wir nicht haben. Wenn du einen beliebigen Ukrainer fragst, -ob er etwas in Deutschland bewundert, etwas, was er in seiner Heimat -vermisste, so etwas gibt es nicht.« - -Tatsächlich ist ein fremdes Land manchmal wie ein Wunder, wo alles blüht -und gedeiht, wo es alles im Übermaß gibt, und es den Menschen an nichts fehlt. -Aber gelegentlich erlebst du einen Abend, an dem du auf einer U-Bahn-Station -aussteigst und alles dir Angst macht. -Die Menschen sind merkwürdig gekleidet und werfen böse Blicke in deine Richtung. -Du gehst zitternd an ihnen vorbei, schaust nach unten, auf den schmutzigen -Boden, und befürchtest, dass sie dich ansprechen. Dein Herz beginnt zu rasen -und du fragst dich, ob es nur ein Alptraum ist, oder, ob alles davor ein Traum -war. - -Anna unterbricht meinen Versuch, mich in ihre Gefühle einzufühlen: -»Ich bin schon beinahe zurückgegangen, aber dann fiel eine Rakete auf ein -Kinderkrankenhaus. Hast du davon gehört?« - -Ich nicke. - -»Das ist nicht weit von meinem Zuhause entfernt. Teile vom Krankenhaus -sind gestürzt, und Menschen haben sich in eine Schlange gestellt, und -räumten selbst die Steine, um den Weg freizulegen und andere zu retten.« - -»Ja, bei großen Überschwemmungen kommen auch hier Leute aus ganz -Deutschland, um zu helfen, weil die Regierung nicht rechtzeitig -reagiert.«, sage ich, um hinzuweisen, dass Menschen in Not überall -gleich handeln. - -»Siehst du? auf wen soll man warten?«, stellt sie die rhetorische Frage. - -»Du bist aus Kiew?« - -»Ja. Ich frage immer ganz besorgt meine Mutter, wie sie dort mit meinem -kleinen Bruder lebt. Aber meine Mutter schenkt dem Geschehen nicht mehr -so viel Aufmerksamkeit. „Als ob ständig Motorräder durch den Himmel -fahren würden“«, zitiert sie ihre Mutter lachend, »Es gibt verschiedene -Stufen von Alarm-Signalen. Bei stärkerem Beschuss gehen Menschen in den -Keller und kommen danach zurück.« - -Menschen leben ihr Leben weiter. Auch unter grausamen Bedingungen. Es -gibt nur weniges, woran sich der Mensch nicht gewöhnt. Der Rest geht in -den Alltag über. Ich erinnerte mich an Berichte aus der Ostukraine aus -der Zeit des Bürgerkrieges, bevor die russische Armee einmarschiert -ist. Wohngebiete unter Beschuss, aber Menschen stehen jeden Tag auf, -Erwachsene gehen zur Arbeit, Kinder --- zur Schule. - -Ich höre Anna aufmerksam und mit Interesse zu und vermeide Beurteilungen und -Suche nach Schuldigen. Auch Anna scheint dieses Themengebiet nicht anfassen zu -wollen. Es ist möglicherweise die Angst, dass es unser Gespräch in -einen sinnlosen Streit verwandeln würde. Bei näherem Betrachten, welche -Rolle spielt das? Ich bin am bewaffneten Konflikt zwischen Russland und -der Ukraine nicht Schuld. Sie ist es auch nicht. Sie hat nur Heimweh -und will ihr Leben zurück haben. - -»Kannst du vielleicht den Taxi-Dienst anrufen und fragen, ob die Fahrt -verschoben werden kann?«, hat Anna mich gebeten. - -Sie hat die Telefonnummer des Taxi-Unternehmens rausgesucht. Ich habe mehrmals -versucht, konnte aber niemanden erreichen. Während ich wartete, -dass jemand ans Telefon geht, haben wir angefangen über unser Alter zu -sprechen. Ich bin fast 15 Jahre älter als sie. - -»Du siehst 7 Jahre jünger aus als du bist.«, sagt sie mir, nachdem ich -ihr Alter beim zweiten Versuch richtig raten konnte. - -»Eltern sagen öfters, dass wir für sie immer klein, immer Kinder -bleiben. Aber auch sie bleiben in meiner Erinnerung im selben Alter, -vielleicht 40--50 Jahre alt, im Alter, in dem ich sie als Kind kannte.« -Ich erzähle das und gebe mir dabei die Mühe, nicht zu ernst zu sein, -weil ich nicht weiß, ob sie meine Aussage absurd findet oder das ähnlich -wie ich empfindet. »Vielleicht altern wir heutzutage nicht so schnell, -weil das Leben nicht mehr so hart ist.« - -»Ich habe einen Freund, 25 Jahre alt. Er ist, naja…«, sie macht eine kurze -Pause, »er hat militärischen Hintergrund. Er ist plötzlich und -rasch viel älter geworden, machte den Eindruck, sehr erschöpft zu sein.« - -Es gibt eine andere Dimension des Alterns. Man hört gelegentlich, dass -manch ein Mensch einfach nicht erwachsen wird. Nur sein Körper wird -älter. Aber auch hier gibt es Unterschiede. Die einen handeln kindisch, -die anderen haben die Seele eines Kindes; eine Seele, die verzeihen -kann, die keine Angst hat zu vertrauen und zu lieben. Hat Christus -nicht gesagt, dass das Himmelreich den Kindern gehört? - -Und es gibt Menschen, die alt geboren werden. Schon in frühen Jahren -lernen sie, dass alles Weltliche vergeht, dass jede Freundschaft und -jede große Liebe ein Ende haben. Dass man sich auf die Worte seines -Gegenübers niemals verlassen kann, denn süße Worte wie Zucker auf der -Zunge zergehen und nur einen Nachgeschmack aus unreinen Absichten -hinterlassen. - -»Wann ist der Krieg schon endlich zu Ende?«, sagt Anna traurig. - -»In der Tat. Kriege enden leider nicht. Kaum endet der eine, beginnt -irgendwo ein anderer. Sie sind die treuesten Begleiter der -Menschengeschichte, genauso wie Krankheiten und Hunger.« - -»Ich habe gehört, dass der Krieg bald endet. Aber manche sagen, dass, wenn -er endet, in 10 Jahren ein neuer beginnt. Die anderen behaupten -wiederum, dass es zu einem dritten Weltkrieg kommt.« - -Ich habe nicht verstanden, ob nach 10 Jahren der Ukraine-Konflikt sich erneut -entfachen soll, oder, ob sie allgemein Kriege meint. Im letzteren Falle wären -10 Jahre sehr großzügig. »Die Lage ist weltweit sehr angespannt, und es gibt -mehrere Regionen, wo es jederzeit zu bewaffneten Auseinandersetzungen kommen -kann, die wiederum das Potenzial haben, die halbe Welt in Brand zu setzen.« - -Abgehobene Wahrheiten, die Frage nach dem Übel in der Welt und die globale -geopolitische Lage scheinen sie nicht des Atems zu berauben. Sie wolle nach Kiew. - -Ab einem bestimmten Moment lief die Zeit schneller. Wir -mussten uns immer wieder ein neues Gesprächsthema überlegen, und -Themenwechsel wurde immer wieder von größeren Pausen begleitet. Dann -kam schon der Zug, auf den wir sehnsüchtig gewartet haben. Anna konnte -ihr Handy aufladen und ihre Bekannte kontaktieren, die sie mit Auto von -Bahnhof abholen sollten. Das hat sich also geregelt. - -Im Zug sprachen wir über unsere Berufe und Freizeitbeschäftigungen, -über Kleidergeschäfte und Technik, über dies und jenes. - -Als die Zeit kam, haben wir uns voneinander verabschiedet und einander eine -gute Wieterfahrt gewünscht, und sie stieg aus. Ich blieb sitzen und schaute nicht -zur Tür zurück. - -Im nächsten Zug, in dem ich meine Fahrt fortführte, befand sich -eine Gruppe der Menschen, die untereinander gemischt Russisch und -Ukrainisch gesprochen haben. Als wir uns der Haltestelle näherten, -haben sie sich überlegt, wie sie den Rollstuhl eines ihrer Kollegen -durch den engen Gang im Zug zur Tür durchbringen können. - -»Was ist mit ihm geschehen? Unfall? etwas anderes?«, fragte ein -Einheimischer ein Mädchen aus der Gruppe. - -»Ich weiß es nicht.« - -»Seid ihr nicht alle zusammen?« - -»Oh nein, wir haben uns erst hier getroffen. Ja, ich glaube, es war ein Unfall.« diff --git a/themes/posts/2025/07/Kindheit.tex b/themes/posts/2025/07/Kindheit.tex deleted file mode 100644 index f815645..0000000 --- a/themes/posts/2025/07/Kindheit.tex +++ /dev/null @@ -1,25 +0,0 @@ ---- -layout: post -date: 2025-07-04 01:00:00 -tags: Gedicht -title: Die Kindheit ist für immer fort… ---- -Die Kindheit ist für immer fort.\\ -Der Mensch versucht zurückzufinden\\ -zu jener Zeit, an jenen Ort,\\ -die ihn mit seinem Selbst verbinden. - -Er läuft alleine durch den Park:\\ -Sein altes Heim erwacht aus Steinen,\\ -und seine Stadt, die sich verbarg,\\ -die er durchlief auf zweien Beinen. - -Als ob in einem Geistersee,\\ -da, zwischen trüben Straßenlichtern\\ -kann er die alten Freunde seh'n\\ -in ihm wildfremdesten Gesichtern. - -Das Kind ist da und niemals fort,\\ -im Menschengeiste tief verborgen.\\ -Zu jeder Zeit, an jedem Ort\\ -erkennt er sich in ihm geborgen. |
