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authorEugen Wissner <belka@caraus.de>2026-08-10 15:26:21 +0200
committerEugen Wissner <belka@caraus.de>2026-08-10 15:26:21 +0200
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tags: Gedicht
title: Das alte, neu erzählte Märchen
teaser: |
- <p>
- Mein Dad schuf neu die alten Märchen:<br>
- von einem sonderbaren Mädchen,<br>
- von ihrem Prinzen und dem Reiche,<br>
- in ihm sind tiefe Honigteiche.
- </p>
- <p>
- Von Wesen, die im Walde leben:<br>
- von Spinnen, die dort Schlösser weben,<br>
- von Basilisken und Chimären<br>
- und Satyrn, Hexen, Drachen, Bären.
- </p>
- <p>
- Im Reiche gibt es Königsritter<br>
- und armes Fräulein Margareta.<br>
- Erzähltest du ein wahres Märchen<br>
- von jenem wunderbaren Mädchen,
- </p>
- <p>
- von ihrem Prinzen und dem Reiche,<br>
- in dem die tiefsten Honigteiche,<br>
- von grünen, zauberhaften Wiesen<br>
- und wilden, grauenvollen Riesen?
- </p>
- <p>
- Und was, wenn’s stimmt, was Leute sagen,<br>
- die jedes Märchen hinterfragen?<br>
- Es gibt, sie sagen, keine Ritter<br>
- und keine arme Margareta.
- </p>
- <p>
- Wie soll ich denn noch weiter leben,<br>
- wenn alle Sagen langsam sterben?<br>
- Erzähl mir deine neuen Märchen,<br>
- vom allerschönsten Menschen, Gretchen!
- </p>
- <p>
- Ich werd’ sie unter Menschen säen,<br>
- Ich pflege sie und schütz’ vor Krähen.<br>
- Man wird sie eines Tages pflücken<br>
- und als den Trank des Lebens schlücken.
- </p>
- <p>
- Sag, kann ein Märchen mich berauben,<br>
- da ich an die erzählten nicht mehr glaube?<br>
- Bringst du mir bei, wie ich sie dichte,<br>
- wie ich die Welt des Traumes richte.
- </p>
- <p>
- Mein Vater, sag, dass ich noch lebe,<br>
- dass ich nur bloß im Traume schwebe,<br>
- ich werd’ die alte Welt vernichten<br>
- und sie dann neu, ganz neu umdichten!
- </p>
+ Mein Dad schuf neu die alten Märchen:<br>
+ von einem sonderbaren Mädchen,<br>
+ von ihrem Prinzen und dem Reiche,<br>
+ in ihm sind tiefe Honigteiche.
+
+ Von Wesen, die im Walde leben:<br>
+ von Spinnen, die dort Schlösser weben,<br>
+ von Basilisken und Chimären<br>
+ und Satyrn, Hexen, Drachen, Bären.
+
+ Im Reiche gibt es Königsritter<br>
+ und armes Fräulein Margareta.<br>
+ Erzähltest du ein wahres Märchen<br>
+ von jenem wunderbaren Mädchen,
+
+ von ihrem Prinzen und dem Reiche,<br>
+ in dem die tiefsten Honigteiche,<br>
+ von grünen, zauberhaften Wiesen<br>
+ und wilden, grauenvollen Riesen?
+
+ Und was, wenn’s stimmt, was Leute sagen,<br>
+ die jedes Märchen hinterfragen?<br>
+ Es gibt, sie sagen, keine Ritter<br>
+ und keine arme Margareta.
+
+ Wie soll ich denn noch weiter leben,<br>
+ wenn alle Sagen langsam sterben?<br>
+ Erzähl mir deine neuen Märchen,<br>
+ vom allerschönsten Menschen, Gretchen!
+
+ Ich werd’ sie unter Menschen säen,<br>
+ Ich pflege sie und schütz’ vor Krähen.<br>
+ Man wird sie eines Tages pflücken<br>
+ und als den Trank des Lebens schlücken.
+
+ Sag, kann ein Märchen mich berauben,<br>
+ da ich an die erzählten nicht mehr glaube?<br>
+ Bringst du mir bei, wie ich sie dichte,<br>
+ wie ich die Welt des Traumes richte.
+
+ Mein Vater, sag, dass ich noch lebe,<br>
+ dass ich nur bloß im Traume schwebe,<br>
+ ich werd’ die alte Welt vernichten<br>
+ und sie dann neu, ganz neu umdichten!
---
Der innere Gehalt mag nietzscheanisch geprägt sein. Die Idee für das Gedicht
hatte ich schon länger, bis das Lied bzw. Gedicht von Yuri Kukin „Der alte