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authorEugen Wissner <belka@caraus.de>2025-11-05 09:33:23 +0100
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@@ -0,0 +1,8 @@
+---
+layout: post
+date: 2013-04-29 21:44:00
+tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten
+title: Das dunkle Wissenschaftsalter
+---
+Gestern war die Philosophie die Magd der Theologie, heute hat man für die Kunst
+und Mystik das Wort „Geisteswissenschaft“ ausgedacht.
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@@ -0,0 +1,259 @@
+---
+layout: post
+date: 2013-05-25 06:16:00
+tags: Aufsatz
+title: Dubitō ergō nōn esse possim
+teaser: |
+ <p>
+ Seit der Entstehung der Menschheit wunderte man sich über die Welt, die einen
+ umgibt. Man fragte sich, wie die Umwelt funktioniert, was hinter den natürlichen
+ Ereignissen steht, suchte nach Gesetzmäßigkeiten und legte auf diese Weise den
+ ersten Grundstein für das Gebäude der Physik. Dieses Projekt war jedoch
+ anscheinend so komplex, dass manche Philosophen sich wenige Jahrhunderte später
+ die Ansicht aneigneten, dass es überhaupt keine Wahrheit sondern nur Schein und
+ Täuschung gebe. Durch Grübelei und Diskutieren gelangte man schließlich zum
+ Zentrum seines Daseins, zu seinem Selbst, und stellte sich nun die Frage: „Was
+ bin ich? Habe ich zumindest eine sichere Erkenntnis, dass es mich selbst
+ tatsächlich gibt, oder bin ich auch ein bloßer Schein, eine Selbsttäuschung?“
+ </p>
+---
+\subsection{Der Heimweg ins Reich des Selbst}
+
+\epigraph{Nosce te ipsum.}{\textbf{Oraculum Delphis}}
+
+Seit der Entstehung der Menschheit wunderte man sich über die Welt, die einen
+umgibt. Man fragte sich, wie die Umwelt funktioniert, was hinter den natürlichen
+Ereignissen steht, suchte nach Gesetzmäßigkeiten und legte auf diese Weise den
+ersten Grundstein für das Gebäude der Physik. Dieses Projekt war jedoch
+anscheinend so komplex, dass manche Philosophen sich wenige Jahrhunderte später
+die Ansicht aneigneten, dass es überhaupt keine Wahrheit sondern nur Schein und
+Täuschung gebe. Durch Grübelei und Diskutieren gelangte man schließlich zum
+Zentrum seines Daseins, zu seinem Selbst, und stellte sich nun die Frage: „Was
+bin ich? Habe ich zumindest eine sichere Erkenntnis, dass es mich selbst
+tatsächlich gibt, oder bin ich auch ein bloßer Schein, eine Selbsttäuschung?“
+
+Die so für den gemeinen Menschen merkwürdige Frage nach dem eigenen Sein
+wurde schon so oft gestellt, obwohl nichts sicherer zu sein scheint, als, dass
+es mich, wie ich mich empfinde, tatsächlich gibt. „Sei du selbst!“ hört man oft.
+Was soll ich sein? Immer wieder versuchen die Philosophen auf diese Frage eine
+Antwort zu geben, abstrahieren sich von ihren Vorgängern, um ihre Fehler nicht
+zu erben und versuchen ihr System komplett und vollständig vom Anfang an
+aufzubauen.
+
+René Descartes erhob den Anspruch, das menschliche Denken auf einen festen
+Boden zu stellen. 1637 veröffentlichte er den „Discours de la Méthode“, wo er
+unter Anderem das Thema, was der Mensch ist und was der Mensch nicht ist,
+behandelt. Wie gründlich und sicher der von ihm gelegte Weg ist, möchte ich im
+Folgenden einer Prüfung unterziehen.
+
+\subsection{Kritik an Descartes' Grundsatz}
+
+\subsubsection{Die heimatlose Seele}
+
+\epigraph{%
+„Danach prüfte ich mit Aufmerksamkeit, was ich
+war, und sah, daß ich so tun konnte, als ob ich keinen Körper hätte und es weder
+eine Welt noch einen Ort gäbe, an dem ich mich befand\@. [\dots] Deshalb ist dieses
+Ich, d.h.\ die Seele, durch die ich das bin, was ich bin, vollkommen
+unterschieden vom Körper [\dots].“
+}{}
+
+Der Leib sei kein notwendiger Bestandteil des Menschen, da die Seele (die
+eigentliche Substanz, das Denkende) von keinem materiellen Ding
+abhänge.\footcite[59]{discours} Mein Vorstellungsvermögen
+reicht weder aus, um eine Seele, noch überhaupt etwas Nicht-Materielles
+vorzustellen. Descartes verwechselt einen Begriff mit einer Vorstellung. Man hat
+einen Begriff der Seele, aber keine Vorstellung davon, man hat einen Begriff der
+Unendlichkeit, aber keine Vorstellung des Unendlichen,\footnote{Übrigens
+entspringen die bekannten Paradoxa Zenos von Elea daraus, z.B. jenes, dass ein
+Stab in zwei Teile getrennt werden kann, einer dieser Teile noch in zwei und so
+ad infinitum. Es gibt folglich einen Begriff vom Unendlichen (unendlichen Teilen
+in diesem Beispiel), mit dem man jedoch nichts anfangen kann, weil keine
+Vorstellung gegeben ist. Wo das Fehlen der Vorstellung mit einem vorhandenen
+Begriff zusammenstößt, entsteht ein Parodoxon (eine Antinomie bei Kant).}
+einen Gottesbegriff, aber keine Vorstellung von Gott. Deswegen werden die
+Gespenster in den Filmen zwar nicht als Menschen dargestellt, aber als
+einigermaßen materielle Wesen, die man entweder sieht oder hört oder auf eine
+andere Weise spürt (etwas Anderes ist gar nicht vorstellbar); deswegen gibt es
+kirchliche Ikonen und Pilgerfahrten, weil man etwas Übersinnliches kaum verehren
+kann.
+
+\subsubsection{Meine Gedanken sind meine Gäste}
+
+\epigraph{%
+„Daraus erkannte ich, daß ich eine
+Substanz war, deren ganzes Wesen oder deren ganze Natur nur darin bestand, zu
+denken [\dots].“
+}{}
+
+Descartes definiert den Menschen als \textit{res
+cogitans},\footcite[Vgl.][14--16]{principia} die Wladimir Solowjow
+seinerseits als „cartesianisch[en]
+Bastard“\footcite[115]{solowjow8} bezeichnet, weil jener dem
+Subjekt das zuschreibe, was ihm nicht mit Sicherheit gehöre. Kein Mensch hat
+sich jemals mit seinen Gedanken identifiziert, was schon aus dem Sprachgebrauch
+zu sehen ist: eine Idee \textit{haben}, \textit{to have} an idea (englisch),
+\textit{avoir} une idée (französisch), \textit{иметь} идею (russisch) --- und
+ähnlichen Ausdrücken, wie mir ist \textit{etwas eingefallen}, mir ist \textit{ein
+Gedanke gekommen}.
+
+Andererseits haben viele Menschen ein Gewissen. Wie oft bereut ein
+Erwachsener, dass er seinen Eltern Unrecht getan hat, indem er ihnen falsche
+Motive unterstellte. Ich bereue also Gedanken, die ich hatte, als ob sie mir
+fremd gewesen wären. Auf dasselbe läuft die christliche Patrologie hinaus:
+„denn es fordert von dir der Herr, daß du über dich selbst zürnest und gegen
+deinen Sinn kämpfest, nicht übereinstimmest und liebäugelst mit den Gedanken
+\textit{der Bosheit}.“\footcite[17]{makarius}[Eigene
+Hervorhebung] Folglich kann man sehr wohl glauben, dass, was nach Descartes
+den Menschen ausmacht, das Denken, nicht das Subjekt selbst ist, sondern,
+zumindest teilweise, von außen kommt (von Gott oder dem Teufel zum Exempel).
+
+\subsection{Die Traumwelt oder die Welt des Traumes}
+
+\epigraph{%
+Die Nacht, die wir in tiefem Schlummer sehen,\\
+Ein Engel schuf sie hier aus diesem Stein,\\
+Und weil sie schläft, muss sie lebendig sein,\\
+Geh, wecke sie, sie wird dir Rede stehen.}{\textbf{Giovanni Strozzi auf die „la Notte“ von Michelangelo}}
+
+Descartes behauptet, dass die Gedankenwelt eines Traumes niemals so evident
+und vollständig wie diese der Realität
+sei.\footcite[Vgl.][69 f]{discours} Wie kann man zu diesem Schluss
+kommen? Man vergleicht das Realitätsbewusstsein mit demjenigen eines Traumes,
+was allerdings gar nicht in die umgekehrte Richtung geht: Im Traum gelten andere
+Gesetze, die \textit{in diesem Moment} unvergleichbare Evidenz und
+Vollständigkeit haben. Wenn ich also eine zweite Realität annehme und ich nur
+das Produkt eines Traumes eines Marsianers bin, dann sind die Gedankengänge
+meiner Wirklichkeit genauso lächerlich und absurd für die zweite Realität.
+
+Die zweite Bedingung für die Vergleichbarkeit zweier Welten (Schlaf- und
+Wachzustandes) ist die Zeit, da man momentanes Bewusstseinsgut mit einem in der
+Vergangenheit liegenden Traum vergleicht. „Aber was ist eigentlich diese Summe
+des Vergangenen? Liegt sie in meiner Hosentasche oder befindet sie sich auf
+meinem Konto in der Bank? Sie existiert doch nur in dieser Minute, bloß als eine
+Erinnerung, d.h.\ ein Bewusstseinszustand, ungetrennt davon, was ich nun
+empfinde, und es ist selbstverständlich, dass im Fall einer Illusion des
+Bewusstseins, sie auch eine Illusion des Gedächtnisses beinhaltet:
+[\dots]“\footcite[121]{solowjow8} Warum, wenn unsere Sinnesorgane
+uns keine objektive Darstellung des Raumes liefern, soll ich annehmen, dass die
+Zeit nicht auch so ein Betrug ist.
+
+Man kann seine Vergangenheit ganz leicht und schnell rekonstruiren, auch wenn
+diese Rekonstruktion nicht im Geringsten der Wahrheit entspricht, ohne dabei
+die Absicht zu lügen zu haben. Juristen sind so genannte \textit{Knallzeugen}
+bekannt. „Der Knallzeuge funktioniert so: Es hat sich ein Autounfall ereignet,
+zwei Fahrzeuge sind auf einer Kreuzung ineinander gerast; nun gilt es
+herauszufinden, wer die Schuld trägt. Glücklicherweise existiert ein Zeuge, der
+vor Gericht den Unfallhergang in allen Einzelheiten beschreiben kann\@. [\dots]
+[D]er erfahrene Richter hat das Kinn in die Hand gestützt, hört dem Zeugen
+aufmerksam zu und stellt schließlich die Frage, die man ihm im Referendariat
+beigebracht hat: ‚Und wie sind Sie auf das Unfallgeschehen aufmerksam geworden?‘
+Der Zeuge antwortet: ‚Als es so schrecklich knallte, habe ich mich
+umgedreht.‘“\footcite[17]{psyche} Der Zeuge erzählte, was er
+gar nicht gesehen hatte, wobei er selbst von seiner Geschichte so überzeugt war,
+dass er die Widersprüchlichkeit seiner Aussagen gar nicht bemerkte. Umso mehr
+kann ich daran glauben, dass ich ein seine Seminararbeit schreibender
+Philosophiestudent bin, der sich ganz deutlich an sein Abitur erinnern kann,
+auch wenn ein Marsianer von mir erst seit zwei Minuten
+träumt.\footcite[Vgl.][121]{solowjow8}
+
+\subsection{Auf den Kredit Gottes\footcite[Vgl.][13]{schopenhauer}}
+
+\epigraph{%
+„Denn erstens ist sogar das, was ich soeben als Regel angenommen habe --- nämlich
+daß alle die Dinge, die wir sehr klar und sehr deutlich verstehen, wahr sind ---,
+nur sicher, weil es Gott gibt oder er existiert und er ein vollkommenes Sein ist
+und alles, was es in uns gibt, von ihm herkommt.“
+}{}
+
+Den nächsten Schritt, den Descartes tut, um die wirkliche Existenz von
+\textit{res cogitans} und \textit{res
+extensa}\footcite[Vgl.][14--16]{principia} zu rechtfertigen, ist
+der Gottesbeweis, wobei bereits Schopenhauer bemerkte, dass dieser Vorgang
+selbst „freilich wunderlich“ ist: „[\dots] es ist der umgekehrte kosmologische
+[von der Existenz der Welt auf einen Urheber schließende]
+Beweis.“\footcite[13]{schopenhauer} Der Autor des Discours'
+schließt vom Vorhandensein des Begriffes der Vollkommenheit bei dem selbst
+unvolkommenen Menschen auf die Existenz eines vollkommenen Wesens. Diese
+Vollkommenheit muss bei Descartes das Gute bedeuten, weil er aus ihr den Schluss
+zieht, dass die Außenwelt wirklich ist, weil dieses Wesen uns anscheinend nicht
+betrügen darf. Es stellt sich allerdings die Frage, was „gut“ bedeutet. Der
+Begriff des Guten ist in uns gelegt, aber er hat keine übermenschliche Bedeutung.
+Es könnte eine Welt geben, wo der Mord als gut betrachtet wird, aus dem Grund,
+dass das oberste Wesen dies als etwas Gutes definiert und in uns legt. Man kann
+also von unserem Begriff der Vollkommenheit beziehungsweise des Guten nicht auf
+die Begrifflichkeit des Schöpfers schließen, der selbst diese Begriffe
+definierte und definieren kann. Unser Schöpfer könnte ein Dämon sein, der um uns
+herum eine Illusion erschuf und uns glauben ließ, dass er ein vollkommen gutes
+Wesen sei (also von meiner Sicht dessen, was gut ist).
+
+Außerdem widerspricht sich Descartes, wenn er behauptet, dass man von der
+Vorstellbarkeit der Vollkommenheit auf einen volkommenen Gott schließen
+kann\footcite[Vgl.][59--63]{discours} und an einer anderen Stelle
+schreibt, dass man von der Vorstellbarkeit einer Chimäre nicht auf ihre Existenz
+schließen darf\footcite[Vgl.][69]{discours} (zwar ist
+offensichtlich, dass er im letzten Fall eine bildliche Anschauung meint, aber
+zumindest kann ich mir eine Chimäre anhand meines Anschauungsvermögens leichter
+als Gott vorstellen, von dem ich nichts Sicheres sagen kann).
+
+Einen anderen treffenden Einwand bringt Schopenhauer: „Hiebei läßt er
+überdies sich nun eigentlich noch einen bedeutenden \textit{circulus vitiosus}
+[Zirkelschluß] zu Schulden kommen. Er beweist nämlich die objektive Realität der
+Gegenstände aller unserer anschaulichen Vorstellungen aus dem Daseyn Gottes, als
+ihres Urhebers, dessen Wahrhaftigkeit nicht zuläßt, daß er uns täusche: das
+Daseyn Gottes selbst aber beweist er aus der uns angeborenen Vorstellung, die
+wir von ihm, als dem allervollkommensten Wesen angeblich
+hätten.“\footcite[91]{schopenhauer} --- und macht einen
+angemessenen Schluss, indem er einen von Descartes' Landesleute zitiert: „Il
+commence par douter de tout, et finit par tout croire [Er fängt damit an, daß er
+alles bezweifelt, und hört damit auf, daß er alles
+glaubt] [\dots].“\footcite[91]{schopenhauer}
+
+\subsection{Das Ich und seine Subjekte}
+
+Man könne an seinem eigenen Dasein nicht zweifeln, behauptet der Autor, was
+allein der Tatsache widrig ist, dass man daran tatsächlich zweifelt. Was man
+nicht behaupten kann, ist, dass man an etwas nicht zweifeln kann, woran man
+schon Jahrtausende lang und bis in unsere Tage erfolgreich zweifelt und was
+daher verständlicherweise nicht so einfach zu leugnen
+ist.\footcite[Vgl.][109]{solowjow8} Andererseits muss man
+Descartes Recht geben, dass es etwas gibt, was ich nicht bezweifeln kann, weil,
+wenn ich sage: „Ich bezweifle etwas“, identifiziere ich mich doch mit einem
+\textit{Ich}. Ganz unabhängig davon, ob ich jetzt träume oder wach bin, ist mir
+etwas bewusst, was meinerseits als Ich bezeichnet wird. Dieses Ich empfindet
+sich als ein Subjekt, eine Form, deren Inhalt zweifelhaft ist.
+
+Folglich muss die cartesianische denkende Substanz in zwei Teile
+ausdifferenziert werden, wobei ich auf Solowjows Termini zurückgreifen möchte
+und den einen Teil als reines (phänomenologisches) Subjekt und den anderen als
+psychisches (empirisches) Subjekt bezeichnen. Jenes ist sicher und
+unerschütterlich, da es uns auf dem unmittelbarsten Wege gegeben ist, aber leer,
+dieses erfüllt und bunt, weil es die ganze Persönlichkeit enthält, dennoch
+wackelig und grundlos.\footcite[Vgl.][123]{solowjow8}
+
+\subsection{Ego cogito ergo sum sed quis ego sum?}
+
+\epigraph{„Cartesius gilt mit Recht für den Vater der neuern Philosophie [\dots].“}
+{\textbf{Arthur Schopenhauer\footcite[13]{schopenhauer}}}
+
+Das große Verdienst Descartes' ist, dass er die spätere Philosophie auf den
+Weg hinwies, auf dem man nicht von eingebildeten Pseudo-Wahrheiten lebt, sondern
+konstruktiv zweifelt, um einen Fortschritt der philosophischen Forschung zu
+ermöglichen, ohne dabei in der Sackgasse des Skeptizismus zu enden. Einmal auf
+diesen Weg getreten wollte er ihn unglücklicherweise selber nicht zu Ende gehen.
+Allein daran, dass seine Schriften immer noch Aufregung, Nachdenken und
+Diskussionen in der philosophierenden Welt hervorrufen, kann man ersehen, wie
+unentbehrlich seine Erbe an das Moderne ist.
+
+Nun ist das reine Ich menschlicher Erkenntnis unzugänglich. Man ist nur fähig
+reflexiv über das empirische Ich --- über seinen Charakter und die Summe psychischer
+Zustände --- die einen zum Individuum machen, nachzudenken. Das reine Ich macht in
+dieser Hinsicht dieselben Schwierigkeiten, wie der Versuch, die eigenen Ohren
+ohne einen Spiegel zu betrachten. Bin ich eine willensfreie Persönlichkeit?,
+eine Puppe im Theater eines mir fremden Wesens?, ein Splitter, der eigentlich
+mit einer Gottheit zusammen, die zugleich die Welt ist, und die aus nur ihr
+bekannten Gründen plötzlich ihre Harmonie und ihr Gleichgewicht verlor, ein
+Ganzes bildet?, ein armer und einsamer Knecht seines Schicksals, der sich
+einbildet, dass er etwas sieht, hört, mit jemandem spricht?, das zufällige
+Produkt der blinden Natur, die kein einziges Gramm Geist
+enthält?
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@@ -0,0 +1,256 @@
+---
+layout: post
+date: 2013-06-02 15:27:00
+tags: Aufsatz
+title: Ein Sklave der Freiheit
+teaser: |
+ <p>
+ Georg Wilhelm Friedrich Hegel versteht dagegen das Recht als das Dasein der
+ Idee der Freiheit, die ihrerseits existenziell für das menschliche Wesen ist.
+ Diese Idee wird nicht wie die ewige Pest von Eltern zu ihren Kindern
+ weitergegeben, sondern vielmehr werden immer mehr ihrer Momente vom Geist
+ aufgenommen und verwirklicht, sie ist die Einheit von Begriff und
+ Wirklichkeit, die der Begriff sich selbst gibt. Die Freiheit, die die
+ Substanz des Rechts darstellt, wird von Hegel nicht als etwas Schlechtes,
+ Gesetzloses, Anarchisches verstanden, sondern als etwas moralisch
+ Positives, sodass man auf höheren Entfaltungsstufen des Geistes von einem
+ vollkommeneren Recht reden kann.
+ </p>
+---
+\subsection{Begriff des Rechts in Hegels Rechtsphilosophie}
+
+\epigraph{%
+Es erben sich Gesetz’ und Rechte\\
+Wie eine ew’ge Krankheit fort,\\
+Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte\\
+Und rücken sacht von Ort zu Ort.\\
+Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage;\\
+Weh dir, dass du ein Enkel bist!\\
+Vom Rechte, das mit uns geboren ist,\\
+Von dem ist leider! nie die Frage.}{\textbf{Johann Wolfgang von Goethe\footcite[55]{faust}}}
+
+Johann Wolfgang von Goethe legt diese Worte dem Teufel in den Mund, der einen
+Schüler belehrt. Man spricht davon, dass klassische Dichter wie Goethe immer
+aktuell bleiben oder sogar mit der Zeit an Aktualität gewinnen. Ist es so?
+Goethes Zeitgenosse, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, versteht dagegen das Recht
+als das Dasein der Idee der Freiheit, die ihrerseits existenziell für das
+menschliche Wesen ist. Diese Idee wird nicht wie die ewige Pest von Eltern zu
+ihren Kindern weitergegeben, sondern vielmehr werden immer mehr ihrer Momente
+vom Geist aufgenommen und verwirklicht, sie ist die Einheit von Begriff und
+Wirklichkeit, die der Begriff sich selbst
+gibt\footcite[Vgl.][234 f]{schnaedelbach}. So befindet sich auch das Recht
+im permanenten Progress, denn „[j]ede Stufe der Enwticklung der Idee der
+Freiheit hat ihr eigentümliches
+Recht [\dots]“\footcite[43]{grund}. Die Freiheit, die die
+Substanz des Rechts darstellt, wird von Hegel nicht als etwas Schlechtes,
+Gesetzloses, Anarchisches verstanden, sondern als etwas moralisch
+Positives\footcite[Vgl.][40 f]{thought}, sodass man auf höheren
+Entfaltungsstufen des Geistes von einem vollkommeneren Recht reden kann.
+
+Der Mensch geht einen dornigen Weg in der Geschichte, reinigt sein
+Menschenbild. Es ist kaum zu bestreiten, dass ein Bürger eines modernen
+Rechtsstaates, rechtstheoretisch gesehen, freier als zuvor ist; aber was ist
+jenes Recht, das uns diese Freiheit gibt: Ist es ein Segen, wie es Hegel
+beschreibt, oder doch eine beständig anschwellende Bürde, wie es der als Faust
+verkleidete Mephisto behaupten würde? Im Folgenden wird mich die Frage
+beschäftigen, inwiefern das Rechtssystem eines Staates das Wohlergehen seiner
+Bürger widerspiegelt; ob ein höheres Recht sich im immer menschlicher werdenden
+Menschen spürbar macht.
+
+\subsection{Wie ist die Entwicklung in der Geschichte möglich?}
+
+Der erste Punkt, der in diesem Zusammenhang von Belang ist, ist, wie Hegel
+denkt, die Verbindung zwischen dem staatlichen Recht und den Bürgern dieses
+Staates herstellen zu können. Es ist bei Hegel so, dass das Recht zu einem
+bestimmten Zeitpunkt die Entwicklungsstufe des Volksgeistes darstellt. Es sei
+deswegen gar nicht möglich, dass irgendein Mensch seine Zeit überholt. Als
+Beispiel erwähnt Hegel den platonischen Staat und behauptet, dass er kein
+Vorbild in alle Ewigkeit, sondern nur „die Natur der griechischen
+Sittlichkeit“\footcite[Vgl.][13]{grund} jener Zeit sei. Ein noch
+besseres Beispiel wäre, dass Hegel zwar den Anspruch erhebt, nicht über einen
+konkreten Staat bzw.\ ein politisches System zu
+schreiben,\footcite[Vgl.][15]{grund} seinem Vorhaben selbst aber
+nicht immer treu bleibt. So vertritt er die konstitutionelle Monarchie als die
+beste der bekannten Staatsformen, womit man heutzutage nicht unbedingt zufrieden
+wäre,\footcite[Vgl.][249 ff]{schnaedelbach} d.h.\ er hielt für etwas
+allgemein Vernünftiges und einem Rechtsstaat Unentbehrliches, was bloß der
+Tradition seiner Zeit angemessen war.
+
+Vielmehr schreibt Hegel, dass die Philsophie mit ihren Belehrungen immer zu
+spät sei, „[a]ls der Gedanke der Welt erscheint sie erst in der Zeit, nachdem
+die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß
+vollendet [\dots] hat.“\footcite[Vgl.][17]{grund} Es scheint Hegels
+Antwort auf die Frage zu sein, wie überhaupt geschichtlicher Fortschritt möglich
+ist, wenn der Mensch seiner eigenen Zeit nicht voraus sein kann, dass der Geist,
+das freie Bewusstsein und damit das Recht sich unabhängig vom menschlichen
+Wollen entwickeln. In der Tat wird das Menschenbild in Europa immer
+fortschrittlicher: es gibt keine offizielle Sklaverei, die Hautfarbe entscheidet
+nicht über die menschliche Würde und die Eltern haben keine Macht über ihre
+Kinder wie über einen Gegenstand. In Deutschland werden diese Ansichten auch
+juristisch im Grundgesetz verankert.
+
+Ferner sieht Hegel das Ziel der Philosophie in der Erforschung des
+Wirklichen, das auch vernünftig ist.\footcite[Vgl.][15 f]{grund}
+Somit ist alles Klagen über den wirklichen Staat unvernünftig. Es gibt jedoch
+auch Rückschritte. Was ist mit den Zeiten, die von den meisten Menschen im
+Nachhinein als höchst unvernünftig und sogar unmenschlich betrachtet werden, wie
+z.B. die des deutschen Nationalsozialismus: musste man dem Staat gehorchen, weil
+er wirklich und vernünftig gewesen war? „[\dots] Hegel distinguished between
+phenomena that embody a rational structure and those that do
+not“\footcite[234]{cambridge}, heißt es bei Kenneth Westphal mit
+dem Verweis auf das Vorwort der Philosophie des Rechts. Wann ist dennoch diese
+Grenze des Vernünftigen überschritten? Hier stolpern wir über das erste Problem,
+was die Entfaltung des Geistes angeht: Es gibt kein wirkliches Kriterium, um die
+jeweilige politische Situation bewerten zu können. Hegel sucht nach dem
+Vernünftigen trotzdem im Transzendentalen und setzt damit anstelle der Willkür
+seiner unvernünftigen Mitbürger, die ständig über ihren Staat klagen, seine
+eigene Willkür.\footnote{Zu demselben Gedanken führt Hegels Plädieren für die
+konstitutionelle Monarchie, die ich oben erwähnte.} Da man jedoch, wenn
+man die Gegenwart mit der Vergangenheit vergleicht, den Fortschritt feststellen
+kann, muss die blinde Menschheit von der Geschichte an der Hand geführt werden,
+sie stößt gegen Gegenstände im dunklen Raum und zieht sich blutige Wunden im
+Gesicht zu, nähert sich aber immer mehr dem Funken der Freiheit. Doch frage ich
+mich: Was ist diese Menschheit in ihren Einzelteilen, wirken die Organen im
+Ganzen des Organismus mit?
+
+\subsection{Zusammenhang des Menschenbildes und seiner Verwirklichung}
+
+Die Behandlung dieser Frage beginne ich mit einer kurzen Geschichte. Ich
+wurde einmal in Hamburg von einer Gruppe junger Leute angesprochen. Sie seien
+von einem Unternehmen angestellt, dessen Auftrag es sei, Jugendlichen aus
+schwierigen Verhältnissen zu helfen, ins Berufsleben einzusteigen, und zwar
+sollen die Letzteren Zeitschriften austragen. Meine Aufgabe sei es, dabei zu
+helfen, sie zu kontrollieren. Dafür sollte ich eine Zeitschrift beantragen; ich
+werde regelmäßig ein Formular zugeschickt bekommen, in dem ich einzutragen
+hätte, ob ich alle Zeitschriften in dieser Periode erhalten hatte. Meine
+Belohnung sei, dass ich die Zeitschrift ein halbes Jahr lang gratis bekäme. Ich
+unterzeichnete den Vertrag. Mehrere Wochen danach bekam ich mein erstes Magazin
+zusammen mit einem zweijährigen Abonnement, das ich selbstverständlich bezahlen
+musste. Die Angelegenheit entpuppte sich also als eine sogenannte „Abofalle“. Da
+ist auch klar, warum der Vertrag erst zwei Wochen später zugesandt wurde (damit
+ich Angst habe, dass ich nach vierzehn Tagen nicht mehr kündigen kann, was in
+der AGB auf der Rückseite des Vertrages klein geschrieben steht). Seitdem
+erhielt ich eine Sammlung von Briefen, die mir meine letzte Chance ankündigen,
+meine Schulden zu begleichen, bevor ich vor Gericht gezogen werde. Dabei
+handelte es sich nicht um einen harmlosen Einzelfall. Auf der Suche nach Hilfe
+bin ich weiteren Opfern begegnet. Wir waren mit einer Organisation konfrontiert,
+die schon seit Jahren auf verschiedene Weisen, aber immer mit gut ausgesuchten
+und bis ins Detail durchdachten Methoden die Menschen betrügt, den naiven
+Bürgern das letzte Vertrauen entzieht und Rentner ohne ihre Ersparnisse im Stich
+lässt.\footnote{Viel extremer sind die Rechtsstreitigkeiten der letzten Jahre in
+der IT-Industrie zwischen großen Unternehmen, wie 2012 zwischen Apple und Samsung
+oder Oracle und Google. Ohne weiter auf die Details eingehen zu wollen, muss man
+doch feststellen, dass zwar ein an sich ganz gerechtes Anliegen vertreten wurde,
+doch bei näherer Betrachtung der Gründe ähnelten die Prozesse doch einem Abzock
+des jeweils angeklagten Unternehmens.} Hier kommt die
+Schattenseite des modernen Rechts zum Vorschein: Die Freiheit bietet auch
+Freiheit für Verbrecher. Wozu muss jemand altmodisch in einer dunklen Gasse auf
+seine Opfer stechen und sie berauben, wenn es anhand des vorhandenen
+Rechtssystems viel eleganter und sicherer gelingt? Und es geht gar nicht um das
+Gesetz, dass in dicken Büchern niedergeschrieben ist und das bloß ausgenutzt
+wird, aber an sich ganz angemessen ist, natürlich hätten z.B. die Betrüger in
+meinem Fall keine Chance vor Gericht gehabt, wenn ich zum Anwalt gegangen wäre;
+es geht um Menschen aus Fleisch und Blut mit ihren Schwächen, Menschen, von
+denen nicht jeder Spaß daran hat, nach der Arbeit seine Rechte zu studieren,
+Menschen, die um die Freiheit des Rechts fürchten.
+
+Noch ein paar Worte möchte ich zur Freiheit sagen, die Hegel nach dem Recht
+innewohnt. Die Würde des Menschen als eines freien Wesens wird immer mehr
+ausgeprägt und legitimiert; in einer anderen Hinsicht wird dem Menschen seine
+persönliche Freiheit entzogen. Es finden sich immer Menschen, die einen solchen
+Fall, wie den, den ich geschildert habe, ungefähr folgendermaßen kommentieren
+würden: „Du solltest nicht so dumm sein, du bist selber schuld.“ Welcher Unfug!
+Das Vertrauen in andere Menschen wird dabei mit Naivität und Dummheit
+gleichgesetzt. Der Mensch wird immer verschlossener, kann nicht mehr frei
+handeln: die Anderen umgeben ihn. Wem vertrauen wir? Unseren Nachbarn? Einem neu
+geöffneten Online-Shop? Dem Priester? Der Gnade der Politiker? Bankberatern?
+Deswegen ist vielleicht der lateinische Satz „homo homini lupus“ zu einem
+international bekannten Sprichwort geworden. Hegel sieht Freiheit einseitig,
+deswegen ist es so schwer, mit Hegel zu sagen, dass die Sittlichkeit „die Idee
+der Freiheit, als das lebendige Gute“\footcite[133]{grund}
+sei.\footcite[Vgl.][229 ff]{cambridge0} Wobei ich gar nicht sagen
+wollte, dass alles jede Minute schlechter wird. Es wird bloß nicht besser. Mein
+Ziel war dieses Paradoxon aufzuzeigen, dass unser Menschenbild immer sauberer
+wird, aber andererseits nur im Grundgesetz, nicht in der Seele unseres Nächsten.
+Jede Stufe der Entwicklung der Idee der Freiheit hat ihren eigentümlichen
+Betrug, ihre moralische Nicht-Freiheit.
+
+\subsection{Zu politischen Systemen}
+
+Karl Popper schreibt auch, dass die politische Freiheit grausam, zu einer
+Katastrophe werden kann. Seine Behauptung bekräftigt er unter Anderem damit,
+dass der Freiheitskampf Terrorismus auslösen kann.\footcite[Vgl.][171 f]{popper}
+„Nein, wir wählen die politische Freiheit nicht, weil sie uns das oder jenes
+verspricht. Wir wählen sie, weil sie die einzig menschenwürdige Form des
+menschlichen Zusammenlebens möglich macht; [\dots]“\footcite[172]{popper}
+Demokratie definiert er als eine Staatsform, in der es möglich sei, die
+Regierung ohne Blutvergießen „loszuwerden“. Im Gegensatz dazu steht
+Tyrannis.\footcite[Vgl.][168]{popper} Einfachheitshalber werde ich im
+Folgenden seine Terminologie verwenden.
+
+Man könnte sich fragen, ob die politische Freiheit tatsächlich so einen hohen
+Wert in den Köpfen der Menschen hat, wie ihn ihr Popper und Hegel beimessen, ob
+es einen Zusammenhang zwischen dem Menschenbild, Wertesystem und der politischen
+Ordnung, politischen Freiheit gibt. Dies kann man es an einem Beispiel aus der
+modernen Gesellschaft verdeutlichen. Deutschland wäre eine sehr unpassende
+Variante, weil man hier wegen des verlorenen Krieges ein totalitäres Regime noch
+ein paar Jahrzehnte verabscheuen wird, anders ist es z.B. in Russland, wo ich
+aufgewachsen bin und meine ersten Lebensansichten von der Kultur aufgedrängt
+bekommen habe, dem Land der „Helden und Sieger“\footnote{Es ist nicht mein
+favorisierter Ausdruck, sondern eher die Volkseinstellung, mit der man oft
+konfrontiert wird.}. Popper übertreibt
+übermäßig den Wert der Freiheit, weil das Blut in Freiheitskämpfen in seltesten
+Fällen für die Freiheit vergoßen wurde. Ein Freiheitskampf innerhalb eines
+Landes wird gerne angefangen, wenn es den Menschen an Brot fehlt. Diese
+Anmerkung macht auch deutlich, worum es einem in der Geschichte geht. In
+Russland zeigt sich daher wegen eines schlecht organisierten Sozialsystems und
+starker Korruption, dass man sich von der Freiheit nicht sättigen und nicht
+seinen Durst mit ihr stillen kann. Einerseits wollen einige Angehörige der
+orthodoxen Kirche, die gewissen Einfluss hat, einen Monarchen, einen orthodoxen
+Zaren, andererseits vergöttern viele die Sowjetjunion und selbst solche Tyrannen
+wie Stalin. Wie gesagt, Stalin ist kein Tyrann im Sinne Hitlers, nur dank ihm
+sei der Sieg im Krieg möglich gewesen und es wird ernsthaft bezweifelt, dass das
+moderne demokratische Russland einen derartigen Freiheitskampf gegen fremde
+Eroberer aushielte. Jährlich treten die Veteranen am 9.
+Mai\footnote{Siegestag im Zweiten Weltkrieg, gesetzlicher Feiertag.} auf und berichten, wieviel
+besser es in der Sowjetunion war, weil es Ordnung gegeben habe. Es offenbart
+sich eine ganz andere Wahrnehmung des Totalitarismus, die selbst dadurch nicht
+verhindert wird, dass es nicht ganz klar ist, ob mehr Menschen im Krieg
+gestorben sind oder von der eigenen Regierung hingerichtet wurden.
+
+Aus dem oben angeführten Beispiel kann man ablesen, dass die Menschheit die
+Freiheit nicht um der Freiheit willen anstrebt, dass sie keinen unbedingten Wert
+hat. Außerdem war Hegel anscheinend der Ansicht, dass ein politisches System
+besser als das andere sein kann (sonst wären seine Ausführungen bezüglich der
+konstitutionellen Monarchie sinnlos). Aber bei uns herrscht nun Demokratie und
+sie ist keine neue Regierungsform, also kann man nicht sagen, dass Hegel von ihr
+nichts wusste und sie deswegen nicht bevorzugte. Die westliche Demokratie ist
+lediglich besser als die antike, sie stellt aber nichts Neues dar. Eine Tyrannis
+ist auch nicht jeder Tyrannis gleich (hier ist das Wort Monarchie angemessener,
+weil „Tyrannis“ in der modernen Sprache einen negativen Nachklang hat). Jetzt
+kann man darüber nachdenken, ob die Geschichte nicht etwas kreisförmig ist. Die
+Regierungsformen ersetzen einander, sie tanzen in einem ewigen Tanz um die
+Menschen herum, kommen in einer besseren Gestalt und gehen wieder.
+
+\subsection{Das Menschenbild, das Recht und die Person}
+
+Hegels großes Verdienst ist, dass er in seiner Rechtsphilosophie diese
+positive Entwicklung des Begriffs des Menschen, des Menschenbildes aufgespürt
+und aufgedeckt hat. Unsere Vorstellung vom Menschen ist vollkommener, die
+Menschenbilder früherer Zeiten verletzten in verschiedenen Aspekten eindeutig
+die Menschenwürde, waren teilweise unverständlich und \textbf{nicht befreit}.
+Dann ist es von Hegel aufgezeigt worden, wie ein Menschenbild im Recht
+verankert wird und wie sie einander offenbaren. Allerdings hat Hegel daraus
+Schlüsse gezogen, die nicht mehr nachweisbar sind. So unterschied er zwischen
+der Sittlichkeit und der Moralität\footcite[Vgl.][215 f]{thought},
+wobei sein Plan zu beweisen, dass der Staat an sich sittlich sei, fehlgeschlagen
+ist. Er konnte nicht seinen Weg bis zum Ende gehen, seinen Überzeugungen bis zum
+Letzten folgen und behauptete von Staaten, die seiner Vorstellung nach doch
+unsittlich waren, dass sie unvernünftig seien, wobei das Maß dieser Vernünftigkeit
+Hegels eigener Willkür entsprang und keine objektive Einheit darstellt. Man kann die
+Sittlichkeit von der Moralität nicht eindeutig trennen. Zum Anderen kann man
+weder vom Recht auf die Sittlichkeit bzw.\ Moralität schließen, noch von der
+politischen Freiheit auf die praktische, der menschlichen Würde entsprechende
+Freiheit. Insofern wird ein menschliches Staatsideal immer mehr im modernen
+Staat verkörpert, aber es hat sehr bestreitbaren Einfluss auf die einzelne
+Persönlichkeiten, Bürger dieses Staates.
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+---
+layout: post
+date: 2013-07-05 04:15:00
+tags: Gedicht
+title: Der Himmel blutet spät am Abend…
+teaser: |
+ <p>
+ Der Himmel blutet spät am Abend,<br>
+ das Heer im Schweigen kehrt zurück.<br>
+ Der Feldherr ruft sich selber tadelnd:<br>
+ „Es fehlte noch ein kleines Stück!“
+ </p>
+ <p>
+ Der Gegner kann sich auch nicht freuen:<br>
+ Nur zu beweinen ist der Sieg,<br>
+ zu viele sind nun zu bereuen,<br>
+ zu vieles einem stiehlt ein Krieg.
+ </p>
+ <p>
+ Ich habe selbst die Ruh gebrochen,<br>
+ der erste Schlag ist immer mein.<br>
+ Ich wollte nicht, dass sie gehorchen,<br>
+ mein Herz gleichgültig war wie’n Stein.
+ </p>
+ <p>
+ Ich wollte später mich schon beugen,<br>
+ mein Volk hätt’ dann ’nen weisen Herrn,<br>
+ der ist den meisten überlegen,<br>
+ den mag ich selber äußerst gern.
+ </p>
+---
+\textit{Katja M. S. B.}
+
+Der Himmel blutet spät am Abend,\\
+das Heer im Schweigen kehrt zurück.\\
+Der Feldherr ruft sich selber tadelnd:\\
+„Es fehlte noch ein kleines Stück!“
+
+Der Gegner kann sich auch nicht freuen:\\
+Nur zu beweinen ist der Sieg,\\
+zu viele sind nun zu bereuen,\\
+zu vieles einem stiehlt ein Krieg.
+
+Ich habe selbst die Ruh gebrochen,\\
+der erste Schlag ist immer mein.\\
+Ich wollte nicht, dass sie gehorchen,\\
+mein Herz gleichgültig war wie’n Stein.
+
+Ich wollte später mich schon beugen,\\
+mein Volk hätt’ dann ’nen weisen Herrn,\\
+der ist den meisten überlegen,\\
+den mag ich selber äußerst gern.
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+layout: post
+date: 2013-11-14 06:53:00
+tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten
+title: De fortuna
+---
+\emph{Sapientia Sciurus:} Viel Glück zu deiner Prüfung!
+
+\emph{Ich:} Es ist kein Kartenspiel.
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+---
+layout: post
+date: 2013-12-28 08:34:00
+tags: Gedicht
+title: Gute Nacht, mein lieber Schatz!
+teaser: |
+ <p>
+ Gute Nacht, mein lieber Schatz,<br>
+ lass mein’ Stern dich nun bewachen,<br>
+ deinen Schlaf erholsam machen.<br>
+ Schlafe schön, mein gold’ner Schatz!
+ </p>
+ <p>
+ Guten Morgen, lieber Schatz,<br>
+ siehst du schon die Sohne gähnen?<br>
+ Sie wird deinen Tag erwärmen,<br>
+ gibt dir einen heißen Schmatz!
+ </p>
+---
+\textit{Katja M. S. B.}
+
+Gute Nacht, mein lieber Schatz,\\
+lass mein’ Stern dich nun bewachen,\\
+deinen Schlaf erholsam machen.\\
+Schlafe schön, mein gold’ner Schatz!
+
+Guten Morgen, lieber Schatz,\\
+siehst du schon die Sohne gähnen?\\
+Sie wird deinen Tag erwärmen,\\
+gibt dir einen heißen Schmatz!
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+layout: post
+date: 2013-12-19 14:38:00
+tags: Gedicht
+title: Liebste, hast du selber nicht gesagt?
+teaser: |
+ <p>
+ Liebste, hast du selber nicht gesagt,<br>
+ wie wunderbar ist Menschenleben,<br>
+ dass kein Gewitter, kein Erdbeben<br>
+ es jemals übler, grauer macht?
+ </p>
+---
+Liebste, hast du selber nicht gesagt,\\
+wie wunderbar ist Menschenleben,\\
+dass kein Gewitter, kein Erdbeben\\
+es jemals übler, grauer macht?
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+layout: post
+date: 2013-12-01 14:27:00
+tags: Gedicht
+title: Weihnachtslied
+teaser: |
+ <p>
+ Wunder geschieht in der heiligen Nacht:<br>
+ Oben im Himmel der Stern<br>
+ leuchtet uns strahlend in göttlicher Pracht,<br>
+ führt zu der Krippe des Herrn.
+ </p>
+ <p>
+ Halleluja, Ehre dem ewig’n Sohn!<br>
+ Halleluja, Erde ist Gottes Thron!
+ </p>
+ <p>
+ Gott, der das Seiende machtvoll bewahrt,<br>
+ Engel sind ihm unterworf’n,<br>
+ hat seine Gnade dem Mensch offenbart,<br>
+ gibt ihm das Glück und das Hoff’n.
+ </p>
+ <p>
+ Unsere Speise das göttliche Wort,<br>
+ geistlicher Durst wird gestillt;<br>
+ Beten zu Christus an jeglichem Ort —<br>
+ er ist barmherzig und mild.
+ </p>
+ <p>
+ Freut euch ihr Menschen, es juble das Volk!<br>
+ Alle, die holdselig kam’n,<br>
+ singen dem Kinde das ewige Lob,<br>
+ preisen für immer sein’ Nam’n!
+ </p>
+---
+Wunder geschieht in der heiligen Nacht:\\
+Oben im Himmel der Stern\\
+leuchtet uns strahlend in göttlicher Pracht,\\
+führt zu der Krippe des Herrn.
+
+Halleluja, Ehre dem ewig’n Sohn!\\
+Halleluja, Erde ist Gottes Thron!
+
+Gott, der das Seiende machtvoll bewahrt,\\
+Engel sind ihm unterworf’n,\\
+hat seine Gnade dem Mensch offenbart,\\
+gibt ihm das Glück und das Hoff’n.
+
+Unsere Speise das göttliche Wort,\\
+geistlicher Durst wird gestillt;\\
+Beten zu Christus an jeglichem Ort —\\
+er ist barmherzig und mild.
+
+Freut euch ihr Menschen, es juble das Volk!\\
+Alle, die holdselig kam’n,\\
+singen dem Kinde das ewige Lob,\\
+preisen für immer sein’ Nam’n!