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authorEugen Wissner <belka@caraus.de>2026-06-25 22:57:43 +0200
committerEugen Wissner <belka@caraus.de>2026-06-26 20:51:02 +0200
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--- a/posts/2011/11/staatsreligion_27.tex
+++ /dev/null
@@ -1,17 +0,0 @@
----
-layout: post
-date: 2011-11-27 21:26:00
-tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten
-title: Staatsreligion
-teaser: |
- <p>
- Wie kann derjenige Ostern feiern, der kein durch die Kirche erzogener und
- gebildeter Christ ist? Wie kann derjenige den Glauben belachen, der von
- Angst ergriffen ist, einen Spiegel zu zerbrechen? Macht mir ein Geschenk zu
- Ostern: schenkt mir nichts.
- </p>
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-Wie kann derjenige Ostern feiern, der kein durch die Kirche erzogener und
-gebildeter Christ ist? Wie kann derjenige den Glauben belachen, der von
-Angst ergriffen ist, einen Spiegel zu zerbrechen? Macht mir ein Geschenk zu
-Ostern: schenkt mir nichts.
diff --git a/posts/2026/06/robocop.tex b/posts/2026/06/robocop.tex
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index 0000000..bc8a8eb
--- /dev/null
+++ b/posts/2026/06/robocop.tex
@@ -0,0 +1,90 @@
+---
+layout: post
+date: 2026-06-25 21:26:00
+tags: Aufzeichnungen eines Pessimisten
+title: Anthropologische Identitätsvorstellung des RoboCops
+teaser: |
+ <p>
+ Es gibt 3 Originalfilme „RoboCop“ aus den Jahren 1987, 1990 und 1992.
+ Es gibt auch einen modernen Film (2014), der zwar das Auge mit anspruchsvoller
+ Grafik erfreut, aber ansonsten viel weniger Hintegrundgeschichte und
+ Tragik bietet. Deswegen tue ich im Foglenden so, als ob ich den neuen
+ „RoboCop“ niemals gesehen hätte.
+ </p>
+---
+Es gibt 3 Originalfilme „RoboCop“ aus den Jahren 1987, 1990 und 1992.
+Es gibt auch einen modernen Film (2014), der zwar das Auge mit anspruchsvoller
+Grafik erfreut, aber ansonsten viel weniger Hintegrundgeschichte und
+Tragik bietet. Deswegen tue ich im Foglenden so, als ob ich den neuen
+„RoboCop“ niemals gesehen hätte.
+
+„RoboCop“ berichtet über einen Polizisten aus Detroit, Alex Murphy,
+der infolge der Verbrecherjagd von diesen geschnappt und übel
+zugerichtet wird. Da Murphy keine Überlebenschancen hat, gelangen Reste seines
+beinahe leblosen Körpers in die Hände eines Robotikunternehmens, das aus ihm
+einen Roboter mit menschlichem Gehirn macht. Neben Gehirn behält RoboCop sein
+menschliches Gesicht, das aber im Einsatz fast vollständig durch einen Helm
+verdeckt wird. Eine frühe Konfiguration des RoboCops hatte außerdem Murphys
+linken Arm, der aber auf Anweisung eines Vorgesetzen durch einen mechanischen
+Arm ersetzt wurde. Der rechte Arm ist ein Symbol des menschlichen Tuns (wie
+die Stirn des Denkens) --- eventuell ist es eine Anspielung darauf, dass RoboCop
+nun ein Computer ist, der nicht mehr menschlich handeln kann, da er sich
+ursprünglich auch seiner selbst nicht erinnert, sondern einprogrammiert wird,
+Befehle zu befolgen.
+
+Die erste Frage, die diese Filme stellen, ist: Was macht eine Person identisch
+mit sich selbst? welcher Teil des menschlichen Daseins macht aus einer Person
+genau diese Person, die von allen anderen unterschieden wird? Derjenige, der
+keine mystische oder metaphysische Substanz als Grundlage des menschlichen Seins
+annehmen will, sucht nach greifbaren, essenziellen Faktoren. Der erste Kandidat
+ist die Körperlichkeit. Allerdings durchgeht der Körper massive Veränderungen
+im Laufe des Lebens, dennoch jemand, der aus einem Säugling einen erwachsenen
+Menschen heranwachsen sah, erkennt im Erwachsenen immer noch dieselbe Person
+wie im Säugling. Der zweite Kandidat ist das Gedächnis und Erinnerungen. Damit
+ich mich mit meinem früheren Ich identifizieren kann, muss die Kontinuität der
+Erinnerung vorhanden sein. Aber auch falls eine Person Gedächtnisverlust erleidet,
+wird sie nicht als eine andere Person erkannt, sondern bleibt dieselbe Person, die
+sie vor dem Gedächtnisverlust war.
+
+Weder RoboCop selbst noch seine Freunde erkennen in ihm nach seiner Transformation
+Murphy. Alex Murphy hat einen Trick aus dem Fernsehen, das Drehen der Waffe, für
+seinen Sonn nachgemacht. Als RoboCop diesen Trick auf dem Schießstand nach ein paar
+Schüssen wierderholt, erkennt seine Partnerin, Anne Lewis, Murphy in ihm, und
+spricht ihn auf seine Vergangenheit an. Zunehmend gewinnt RoboCop mehr Erinnerungen
+zurück, was ihn immer menschlicher aussehen lässt, weil diese Erinnerungen seinen
+eigenen Willen zum Vorschein bringen, der auf Basis eigener Vergangenheit
+Entscheidungen treffen kann, welche Verbrechen er aufklären will. Dennoch ist
+RoboCop nicht vollständig frei in seinem Handeln, so ist er zum Beispiel so
+programmiert, dass er andere Polizisten unter keinen Umständen angreifen kann.
+Andererseits widersetzt er sich im dritten Film einem direkten Befehl, um seine
+Kollegen zu retten. So vermischt sich seine menschliche Intelligenz mit seiner
+Software.
+
+Auf diese Weise suggerieren die Filme das Verständnis des Menschen als eines
+Gehirns in einem biologischen oder mechanischen Körper, der vom Gehirn nur
+gesteuert wird, aber sonst keine weitere Bedeutung hat (Krang aus
+„Teenage Mutant Ninja Turtles“). Diese Vorstellung passt
+gut in die heutige Manier den Menschen mit seinem Gehirn gleichzusetzen:
+Dein Gehirn reagiert so und so, deswegen \dots; Dein Gehirn denkt \dots;
+u.\,Ä. Eine persönliche Ansprache mit „Du“ wird durch die
+Drittperspektive „dein Gehirn“ ersetzt, als ob der Mensch nur
+ein Beobachter der Aktivität seines Gehirns wäre. Das ist eine eigenartige
+Erscheinung, weil der Mensch sich selbst als ein ganzheitliches Wesen erfährt
+und nicht als ein im Schädel eingesperrtes Gehirn. Ich erfahre meine Teilnahme
+am Sein, nehme die Außenwelt mit meinen Sinnesorganen wahr, verarbeite diese
+Sinneseindrücke, die ihrerseits beeinflussen, wie ich mich in meiner
+Umgebung bewege. Jedes Organ und jede Extremität trägt der Bildung der
+Persönlichkeit bei, genauso wie das Verlieren oder die Krankheit dieser, weil
+der Mensch eben ein ganzheitliches Geschöpf ist. Im Grunde ist ein solches Sprechen
+vom Gehirn der banale Reduktionismus, der mentale Zustände auf physikalische
+Zustände reduziert, der alles andere als neu ist und nicht erst gestern entstand.
+
+Auch wenn ich sage, dass die Filme ein bestimmtes Menschenbild
+„suggerieren“, lassen sie Freiraum für Interpretationen. Schließlich
+ist Murphy nach der Reimplantation des Gehirns nicht mehr derselbe. Er zeigt
+keine Emotionen, wir wissen nicht, wieviel er von seinem Gedächnis
+wiederherstellen konnte, und insgesamt ist sein Handeln viel mechanischer, ihm
+fehlt die alltägliche Lebendigkeit. Und das zeigen die Filme auch, dass das
+Verschieben des Gehirns aus einer natürlichen in eine hochentwickelte Hülle nicht
+das gleiche Wesen auferstehen lässt. Das ist, was diese Filme so spannend macht:
+Ist RoboCop nun mit Alex Murphy identisch oder nicht?